Tom Enders wird Chef des Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS

Toulouse/Amsterdam (dapd). Erstmals in der Geschichte des Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS wird ein Deutscher die alleinige Führung übernehmen. Der 53-jährige Tom Enders löst nach der Hauptversammlung am Donnerstag in Amsterdam den 68-jährigen Franzosen Louis Gallois ab. Im Januar hatte der EADS-Verwaltungsrat den Wechsel an der Konzernspitze beschlossen, nachdem sich zuvor Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und der damalige französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy darauf geeinigt hatten.

Enders Nachfolge als Airbus-Chef übernimmt im Gegenzug ein Franzose: der 50-jährige Fabrice Brégier. Er ist bisher im Airbus-Vorstand für das operative Geschäft zuständig. Beide Mandate sind auf fünf Jahre angelegt.

Die ersten Jahre nach der Gründung von EADS im Jahr 2000 hatte der Konzern immer eine Doppelspitze aus einem Franzosen und einem Deutschen. Die beiden letzten gemeinsamen Vorstandschefs waren Enders und Gallois. Im Zuge der Krise bei EADS, ausgelöst vor allem durch die massiven Verzögerungen beim Riesenjet A380, wurde die Doppelspitze beendet. Gallois blieb alleiniger Chef, und Enders übernahm Airbus.

Bereits vor seinem offiziellen Amtsantritt sorgte Enders für Unruhe. Der Bundeswehr-Major der Reserve will die EADS-Zentrale, die bisher auf Paris und Ottobrunn bei München aufgeteilt ist, in Toulouse zusammenführen. Dort ist auch der Hauptsitz der größten Konzerntochter Airbus und damit sein bisheriges Hauptbüro. Mit der Konzentration auf einen Standort will Enders EADS effizienter führen. Er verwies darauf, dass die Vorstände zu viel Zeit im Flugzeug verbringen.

Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) kritisierte Enders scharf und verlangte, dass die Zentrale auch in Oberbayern bleibe. Bei einem gemeinsamen Termin in Ottobrunn beruhigte sich der Streit wieder. Seehofer betonte, es gehe ihm vor allem um die Arbeitsplätze. Enders versicherte, verstärkt in Bayern zu investieren. Der Freistaat liege ihm am Herzen, sagte der künftige EADS-Chef, der mit seiner Frau und seinen vier Söhnen am Tegernsee lebt.

Enders will aber auch den Einfluss der Politik zurückfahren. Er fordert, dass sich der französische und der deutsche Staat aus dem Konzern zurückziehen. Der „Bild am Sonntag“ sagte er am Wochenende: „Ich möchte unsere Ertragsfähigkeit steigern, die Internationalisierung voran treiben und daran arbeiten, dass wir normale Eigentümerstrukturen bekommen, in der staatliche Aktionäre keine Rolle spielen.“

Der Westerwälder, der bei der Bundeswehr als Fallschirmspringer aktiv war und sich noch heute gerne aus Flugzeugen in die Tiefe stürzt, fing 1982 als wissenschaftlicher Assistent beim Deutschen Bundestag an. Später arbeitete er für die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung, dann bis 1991 im Planungsstab des Bundesverteidigungsministeriums. 1991 wechselte er zum EADS-Vorläufer MBB/Dasa, wo er bis zum Entwicklungschef aufstieg. Nach der Gründung von EADS 2000 übernahm Enders die Militärsparte.

Sein Vorgänger Gallois lobte Enders bei seiner Wahl zum künftigen Vorstandschef. Er zeichne sich nicht nur durch „seine breite Erfahrung in unseren Geschäftsfeldern aus, sondern auch durch seine herausragenden Führungsqualitäten, sein Charisma und seine erzielten Erfolge“.

Veröffentlicht von

Peer-Michael Preß

Die Themenschwerpunkte des Autors sind B2B-Marketing, Medien und Kommunikationsstrategien und deren Umsetzung in der Praxis.

Seitb 20 Jahren ist er geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens Press Medien GmbH & Co. KG mit den Tätigkeitsbereichen Buch- und Zeitschriftenverlag, Druckerei und Medienagentur.

Er absolvierte die Ausbildung zum Verlagskaufmann in der Gundlach Gruppe, Bielefeld, und schloss erfolgreich ein Studium zum Betriebswirt mit Abschlussarbeit im Bereich Marketing zum Thema „E-Commerce in der graphischen Industrie“ ab.

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