Hazrat-e Sultan (dapd). „Das letzte, was wir hier einpacken, wird die Truppenfahne sein. Dann schließen wir Ende des Monats das Lager“, sagt Major Robert Kellermann. Er ist verantwortlich für den Rückbau des ersten und letzten Außenpostens der Bundeswehr in Afghanistan. Knapp eineinhalb Jahre hat dieses Mini-Feldlager in Hazrat-e Sultan an der wichtigen Verbindungsstraße nach Kundus existiert. Nun wird es in 190 Container verpackt und im Zuge des beschlossenen Afghanistan-Abzuges dicht gemacht. Wochenlang dauerte die logistische Vorbereitung, Planungskarten wurden erarbeitet und Zeitabläufe festgelegt. „Das Prinzip ist simpel: Alles, was reingekommen ist, muss wieder raus“, erzählt Major Kellermann und weist auf eine leere Betonplatte. Hier hatten noch vor wenigen Tagen Unterkunftszelte für die mehr als 100 Soldaten gestanden. Streng nach Plan wird jetzt alles in Kisten gepackt. Die meisten Materialcontainer sind schon abtransportiert, alle Fernmeldecontainer und auch zwei der drei Sanitätscontainer. Kellermann zeigt auf seine Soldaten vom Panzergrenadierbataillons 371 aus Marienberg in Sachsen, die Fitnessgeräte verstauen, mehr als zehn Kilometer verbaute Kabel wieder aufrollen und selbst den letzten Feuerlöscher samt Hinweis- und Warnschilder wieder einpacken: „Der Abbau erfolgt phasenweise und wir sind im Plan.“ Dynamo-Dresden-Flagge am Wachturm Den besten Überblick über die bereits weitgehend leere Liegenschaft bietet der große Wachturm: Sechs Seecontainer sind hier übereinander gestapelt, oben schützen Hunderte von Sandsäcken die Soldaten vor möglichen Angriffen. Auf dem Dach weht unübersehbar eine Fahne des sächsischen Zweitligisten Dynamo Dresden. „Ich will meinen Soldaten den Lokalkolorit nicht nehmen“, verteidigt der Major aus Thierfeld bei Zwickau die ungewöhnliche schwarz-rot-goldene Flagge. Das gelbe Schild des Heimatstandortes Marienberg ist schon verpackt und mit den ersten Soldaten zum Bundeswehr-Feldlager nach Masar-i-Scharif gegangen. Eine Woche bleibt noch, bis der letzte Container gepackt sein muss. Dann erinnern neben dem neuen Camp der afghanischen Armee nur noch Schutzwälle, Schotter und leere Kabelschächte an den Einsatz der deutschen Soldaten. „Wir geben den Außenposten auf, weil das Kandak unsere Ausbildungshilfe nicht mehr braucht“, weiß Oberstleutnant Ralf Linne zu berichten, der in den vergangenen Wochen Berater des afghanischen Bataillons war. Zuletzt hatten die Deutschen noch versucht, die militärische Stabsarbeit zu optimieren – in einem Land, in dem selten über Morgen hinaus geplant wird. Aber zumindest die Ausbildung verläuft schon nach einem festen Regelwerk, wie ein Blick über die Mauer auf das Training der afghanischen Soldaten zeigt. Deutsche Offiziere hatten ihnen in den vergangenen Monaten eng mit Rat und Tat zur Seite gestanden. Spezialpioniere aus Speyer rücken an Jetzt sind in Hazrat-e Sultan andere Fähigkeiten gefragt: die Soldaten vom Spezialpionierbataillion 464 aus Speyer in Rheinland-Pfalz. Sie sind für den Aufbau und Betrieb von Feldlagern genauso verantwortlich wie für den Abbau von solchen Camps. „Zwei Drittel des Materials sind schon weg“, erzählt Hauptfeldwebel Markus D., der den Rückbau des 100 mal 400 Meter großen Lagers in der Provinz Samangan koordiniert. Am Dienstag und Mittwoch geht noch mal ein großer Schwung raus, dann sind nur noch „Kleinigkeiten“ zu erledigen. „Am letzten Tag dann werden die restlichen Zelte verpackt, die Feldküche angehängt und die Fahne eingeholt.“ Bis dahin wird noch gesägt, gehämmert und geschraubt – Spezialkräne packen die vollgepackten Container auf Lastwagen nach Masar-i-Scharif. Nichts soll im Feldlager zurück bleiben, sogar das wieder in Einzelteile zerlegte Bauholz zur Abdeckung der früheren Shelter oder Laufstege hat eine „Nachnutzung“ durch die afghanischen Soldaten gefunden. Nur das selbstgebastelte Holzkreuz für den Feldgottesdienst bleibt von der Zerlegung verschont. Und jener Fahnenmast, von dem Kellermann in wenigen Tagen die deutsche Fahne einholen wird. „Wenn ich alle Soldaten gesund wieder nach Haus bringe, dann kann ich sagen: Wir haben unseren Job gemacht.“ © 2012 AP. All rights reserved (Politik/Politik)
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Ministerpräsidenten beraten in Weimar über die Energiewende
Erfurt/Weimar (dapd). Die Regierungschefs der Länder wollen ab Mittwoch in Weimar über die Energiewende beraten. Es solle dabei um den weiteren Ausbau der erneuerbaren Energien und der Netze gehen, sagte ein Sprecher der Thüringer Staatskanzlei am Dienstag in Erfurt. Außerdem stehen die Themen freiwilliger Wehrdienst, Jugendmedienschutz sowie der Fachkräftemangel auf der Tagesordnung. Die Ministerpräsidentenkonferenz (MPK) beginnt am Mittwochabend (24. Oktober) unter dem Vorsitz Thüringens in Schloss Ettersburg bei Weimar und endet am Freitag (26. Oktober). Als Gäste werden unter anderem der ehemalige Bundesumweltminister und frühere Chef des UN-Umweltprogramms, Klaus Töpfer sowie EU-Energiekommissar Günther Oettinger (beide CDU) erwartet. Sie sollen zur Energiewende gehört werden. In Vorbereitung auf das Treffen habe der Freistaat die Planungen und den Ausbaustand der erneuerbaren Energien in den Ländern analysiert und festgestellt, dass die Daten untereinander nicht vergleichbar seien und der Ausbaustand somit nicht aktuell erfasst werden könne, hieß es. Thüringen wolle dieses Problem bei einem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) besprechen. Weitere Themen in Schloss Ettersburg sind laut Thüringer Staatskanzlei der Jugendmedienschutz und der Beitrag ausländischer Fachkräfte zur Deckung des zukünftigen Fachkräftebedarfs. In diesem Zusammenhang geht es einmal mehr um die Anerkennung von Bildungsabschlüssen von Ausländern. Außerdem wollen die Ministerpräsidenten über den freiwilligen Wehrdienst und die Berufung von Mitgliedern in den Wissenschaftsrat sprechen. dapd (Politik/Politik)
Elektroindustrie steuert trotz Krise auf Rekordkurs
Frankfurt/Main (dapd). Trotz des Produktionsrückgangs infolge der Krise steuern die Exporte der deutschen Elektroindustrie auf einen Rekord zu. Im August stiegen die Ausfuhren im Vergleich zum Vorjahresmonat um sechs Prozent auf 12,9 Milliarden Euro, wie der Zentralverband Elektrotechnik- und Elektronikindustrie (ZVEI) am Dienstag in Frankfurt am Main mitteilte. Von Januar bis August 2012 hätten die Exporte das Vorjahresniveau um viereinhalb Prozent übertroffen und ein Volumen von 105,2 Milliarden Euro erreicht. „Damit erweisen sich die Branchenausfuhren trotz Eurokrise und weltwirtschaftlicher Konjunkturabkühlung nicht nur als widerstandsfähig, sondern bleiben auch auf Rekordkurs“, sagte ZVEI-Chefvolkswirt Andreas Gontermann. „Auch die Exporterwartungen der Elektrofirmen sind per Saldo immer noch positiv.“ Mehr als drei Viertel der Unternehmen gehen demnach von steigenden oder stabilen Ausfuhrgeschäften in den kommenden drei Monaten aus. Auch die Importe elektrotechnischer und elektronischer Waren stiegen dem ZVEI zufolge. Im August betrug das Plus laut ZWEI zwei Prozent auf 10,6 Milliarden Euro, von Januar bis August drei Prozent auf 88,2 Milliarden Euro. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
Aus einem Militärflugplatz in Zerbst wird ein Bio-Energiepark
Zerbst (dapd-lsa). Mehr als 40 riesige Hangars stehen scheinbar nutzlos in der Landschaft. Bauern haben einige davon als Lager gemietet. Die Zeit, als auf dem Flugplatz Zerbst in Landkreis Anhalt-Bitterfeld Düsenjets der Sowjet-Armee starteten und landeten, ist seit über 20 Jahren vorbei. „Bis zu 10.000 Soldaten und Offiziere sollen in der einstigen Militärstadt stationiert gewesen sein“, sagt der Vorstand der Getec Green Energy AG, Chris Döhring. Zwischen den herbstlich gefärbten Bäumen sind die alten Kasernengebäude noch zu sehen. Von der alten Landebahn dagegen erkennt der Besucher kaum noch etwas. Im vergangenen Jahr wurden dort rund 194.000 Solarmodule aufgestellt. Auf etwa einem Drittel der 360 Hektar, die früher der Flugplatz einnahm, gewinnt moderne Technik seit dem Sommer 2011 Strom aus Sonnenenergie. „Die Jahreskapazität reicht aus, um mehr als 14.300 Haushalte mit Strom zu versorgen“, sagt Projektingenieur Ralf Schmidt. Ganz bewusst habe Getec mit dem Hersteller Q-Cells aus Sachsen-Anhalt kooperiert und wolle diese Zusammenarbeit auch bei weiteren Vorhaben aufrechterhalten. Die Qualität der Module, der Service vor der Haustür und die Stärkung der heimischen Wirtschaft hätten eine Rolle gespielt, ergänzt Döhring. Millionen für die Forschung Der Stärkung von Forschung und Entwicklung in der Solarindustrie zwischen Altmark und Burgenland sei sehr wichtig, schätzt die Investitions- und Marketinggesellschaft (IMG) Sachsen-Anhalt. Aus der Krise der Branche sollen neue Chancen entstehen. Dem Fraunhofer-Center für Silizium-Photovoltaik CSP kommt dabei eine besondere Rolle zu. Es wurde 2007 vom Fraunhofer-Institut für Werkstoffmechanik sowie dem Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme für die anwendungsorientierte Forschung gegründet. Bis 2013 sind für den Ausbau des Zentrums insgesamt 60 Millionen Euro vorgesehen. Der Standort Schkopau beherbergt das Modultechnologiezentrum, in Halle entsteht gegenwärtig ein Technikum für Kristallisation und Wafering, also die Herstellung von Siliziumscheiben. Das alte Militärgelände in Zerbst soll sich noch weiter wandeln. Getec Green Energy hat das Gelände gekauft und entwickelt es nach eigenen Angaben zum Bio-Energiepark weiter. 2013 soll die Bioraffinerie fertig gestellt sein, die Gas ins öffentliche Netz einspeist. Später sollen Windräder als Stromlieferanten folgen. Mit einem Teil der erzeugten Energie könnten auch Gewächshäuser beheizt werden, zeigt sich Schmidt optimistisch. Vom begehbaren Dach eines der Hangars aus zeigt er auf die immense Fläche, die dafür zur Verfügung steht. Aus Kasernen sollen Grünflächen werden Grüne Energie nimmt das Unternehmen wörtlich und will die Konversionsfläche im Laufe der Zeit teilweise der Natur zurückgeben. Döhring spricht davon, dass aus den bebauten Arealen beispielsweise Ausgleichsflächen für neu entstehende Autobahnen werden könnten. Alles sei langfristig ausgelegt. Wo noch Kasernen oder alte Hallen stehen, ließen sich die Flächen in Streuobstwiesen oder waldähnliche Gebiete verwandeln. Bereits jetzt weidet ein Schäfer auf dem alten Flughafengelände seine Herde. Außerdem gibt es neben den Solarflächen zwei zusammenhängende Biotope von 6,5 und 15 Hektar Größe, die unangetastet bleiben. Moderne Photovoltaikanlagen finden sich in Sachsen-Anhalt unter anderem auf Industriebrachen oder alten Mülldeponien. Sonnenenergie trägt im Bundesland nach IMG-Angaben mit etwa vier Prozent zur Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien bei. Nach Angaben des Landesverwaltungsamtes in Halle gab es Ende 2011 bereits 95 Solarparks in Sachsen-Anhalt. Die Zahl steige weiter, sagt eine Sprecherin. ( www.getec-greenenergy.de ) dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
Mehrheit deutscher Manager leicht optimistisch
Düsseldorf (dapd). Die Zuversicht unter den deutschen Führungskräften sinkt; gleichwohl ist die Stimmung hierzulande aber immer noch deutlich besser als in weiten Teilen der Welt. Dies zeigt eine weltweite Führungskräfteumfrage der internationalen Beratungsgesellschaft Warth & Klein Grant Thornton unter rund 3.000 Managern in 40 Volkswirtschaften, wie das „Handelsblatt“ berichtet. So äußerten sich sechs Prozent der deutschen Manager „sehr optimistisch“ für die nächsten zwölf Monate, 45 Prozent sind „leicht optimistisch“. Dem stehen 22 Prozent „leicht pessimistische“ und ein Prozent „sehr pessimistische“ Ausblicke gegenüber. Der aus dem Saldo der Optimisten und Pessimisten errechnete Indikator sank um 12 auf 28 Punkte im dritten Quartal. Der Stimmungsindex für den Euro-Raum sank um 13 Punkte auf minus 18. Besonders die negativen Ausblicke der spanischen, französischen und italienischen Führungskräfte belasten den Index. Hingegen verbesserte sich die Stimmung griechischer Manager. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
CSU will die Zahl der Dicken senken
München (dapd). Die CSU will mit einem Vorsorgeprogramm die Zahl der schwergewichtigen Deutschen senken. „Wir müssen das jetzt angehen“, sagte der stellvertretende Unions-Fraktionschef Johannes Singhammer (CSU) der „Süddeutschen Zeitung“ (Dienstagsausgabe). Ansonsten stehe das Gesundheitssystem in 10 bis 20 Jahren vor dem Kollaps, ausgelöst durch zu viele dicke Menschen. Der Anstieg der Dickleibigkeit in den letzten Jahren sei beängstigend, sagte Sinhammer. Die derzeitig gute Finanzlage bei den Kassen und im Gesundheitsfonds will Singhammer nutzen, um gegen die Dickleibigkeit vorzugehen. „Das Verfassen von Papieren und gutes Reden reicht nicht aus. Wir müssen auch Geld in die Hand nehmen“, sagte der Abgeordnete. Im Präventionsgesetz solle deshalb eine Regelung enthalten sein, die durch Anreizprogramme gezieltes Abnehmen und gesündere Ernährung möglich machen soll. Denkbar sei es, als Belohnung für eine erfolgreiche Diät eine Beitragsminderung bei der Krankenkasse in Aussicht gestellt zu bekommen. dapd (Politik/Politik)
Bundeswehr nimmt Talibanführer fest
Berlin (dapd). Das „Kommando Spezialkräfte“ (KSK) der Bundeswehr hat einem Medienbericht zufolge einen der meistgesuchten Talibanführer Nord-Afghanistans festgenommen. Bei dem Festgenommenen handele es ich offenbar um den von den Taliban eingesetzten „Schatten-Gouverneur“ der Provinz Kundus, Mullah Abdul Rahman, wie die „Bild“-Zeitung berichtet. Der Zugriff erfolgte nach Informationen der Zeitung am Freitagabend. SK-Soldaten und afghanische Spezialkräfte landeten mit einem Hubschrauber nahe der Ortschaft Ghunday Kalay (Provinz Kundus), wo am vergangenen Freitag ein Treffen ranghoher Talibanführer stattfand. Dort hätten die deutschen Soldaten Rahman und mindestens eine weitere Person festnehmen können. Die beiden Festgenommenen wurden inzwischen von Masar-e-Sharif in die afghanische Hauptstadt Kabul geflogen und den dortigen Behörden übergeben. Der verteidigungspolitische Sprecher der Union, Ernst-Reinhard Beck (CDU), gratulierte dem „Kommando Spezialkräfte“ zu dem Einsatz. Zu „Bild“ sagte Beck: „Wir freuen uns , dass unsere Spezialkräfte nach intensiver Suche einen der gefährlichsten Taliban-Führer gefasst haben. Das ist ein großer Gewinn für die Sicherheit unserer Soldaten. Die Präsenz unserer Spezialkräfte zeigt nachhaltige Wirkung.“ dapd (Politik/Politik)
Neue Debatte um den Kurs der CDU und Schwarz-Grün
Berlin (dapd). Nach dem Sieg von Fritz Kuhn (Grüne) bei der Oberbürgermeisterwahl in Stuttgart ist erneut eine Diskussion über mögliche Koalitionen von Union und Bündnis90/Die Grünen sowie um die künftige Ausrichtung der CDU entbrannt. Armin Laschet, CDU-Chef in Nordrhein-Westfalen wandte sich in der „Bild“-Zeitung gegen schwarz-grüne Gedankenspiele: „Den Grünen nachzulaufen, wäre der falsche Weg. Herr Kuhn war auch erfolgreich, weil er bürgerliche Werte betont hat. Die Grünen in Baden-Württemberg tarnen sich als Schwarze, deshalb muss die Union wieder mehr um bürgerliche Wähler kämpfen.“ Auch die Grünen-Fraktionschefin im Bundestag, Renate Künast, sieht kaum Gemeinsamkeiten zwischen Union und Grünen. Sie sagte der Zeitung: „Die Grünen sind nicht schwarz, sondern eine werteorientierte Partei. Wir wollen erhalten, was uns erhält. Und wir wissen, dass uns das nur gelingen kann, wenn wir eine Menge ändern. Das haben die Konservativen in der Union vergessen.“ Kuhn selbst sieht gar die Grünen als neue Partei des Bürgertums: „Die Grünen sind mit ihren Themen, zum Beispiel Ökologie, breit in das Bürgertum eingedrungen.“ Neue Politik in den Großstädten Laschet forderte von seiner Partei eine bürgernahe Politik in den Großstädten. Dazu brauche man auch mehr „Kümmerer“ vor Ort, sagte der CDU-Politiker der Zeitung „Die Welt“: „Klar ist: Die CDU ist auf Dauer nicht regierungsfähig, wenn sie nicht auch in den großen Städten stärkste politische Kraft ist – darum müssen wir kämpfen.“ Angesichts der Wahlniederlage der CDU in Stuttgart forderte der frühere Generalsekretär der CDU und Schlichter im Fall „Stuttgart 21“, Heiner Geißler, eine grundlegende Modernisierung der Partei. Der Kurs von Bundeskanzlerin und CDU-Parteichefin Angela Merkel sei zwar „absolut richtig“, aber: „Es gibt immer noch zu viele konservativ-neoliberale Kräfte, die altmodischen Positionen nachhängen. Mit einem antiquierten Familien- und Frauenbild, ständiger Kritik an der Energiewende und der europäischen politischen Einigung und einer marktradikalen Wirtschaftspolitik kann eine Volkspartei nicht erfolgreich sein“, sagte Geißler den „Ruhr Nachrichten“. Der Widerstand gegen Frauenquote und Mindestlohn müsse endlich beendet werden. Göring-Eckardt will enttäuschte CDU-Wähler Die Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt, die sich derzeit um das Amt der Spitzenkandidatin der Grünen für die Bundestagswahl bewirbt, sieht nach dem Erfolg der Grünen ihre Partei als politischen Repräsentanten des Bürgertums. „Wir sprechen in der ganzen Republik ein aufgeklärtes Bürgertum an, dem Bürgerrechte wichtig sind, das mitreden und mitbestimmen möchte und dem auch soziale Fragen und die Chancen der nächsten Generation und die Ökologie wichtig sind“, sagte Göring-Eckardt der „Rheinischen Post“. „Uns wählen inzwischen auch enttäuschte CDU-Wähler, die glaubwürdige und werteorientierte Politik wünschen.“ dapd (Politik/Politik)
Kampeter dementiert Wahlgeschenke
Passau (dapd). Steffen Kampeter (CDU), Parlamentarischer Staatssekretär im Finanzministerium, weist den Vorwurf von SPD-Chef Sigmar Gabriel zurück, mit der Einführung des Betreuungsgelds und der geplanten Senkung des Rentenbeitrags sei der solide Haushaltskurs und die Erfüllung der europäischen Schuldenbremse in Gefahr. Betreuungsgeld und Steuersenkung seien bereits gegenfinanziert, sagte Kampeter der „Passauer Neuen Presse. „Die Vorgaben der Schuldenbremse halten wir wie in den Vorjahren ein“, versicherte Kampeter, räumte aber ein, dass die Konjunktur sich abschwäche und die finanziellen Rahmenbedingungen sich ändern werden. Trotz derzeit sprudelnder Steuereinnahmen warnt er daher: „Geld, das nicht da ist, kann auch nicht für Wahlgeschenke oder anderen Unsinn ausgegeben werden.“ dapd (Politik/Politik)
Bundesbank holt Teil der Goldreserven nach Hause
Frankfurt/Main (dapd). Auf Druck des Bundesrechnungshofes und einzelner Politiker bringt die Bundesbank einen Teil ihrer Goldreserven aus den USA nach Deutschland. Hier sollen die Barren eingeschmolzen werden, um die Menge und Echtheit des Edelmetalls zu überprüfen, wie ein Bundesbanksprecher am Montag in Frankfurt am Main erklärte. Der Bundesrechnungshof gab sich damit allerdings nicht zufrieden, sondern bezeichnete die Rückholung aus der US-Notenbank Fed lediglich als „einen ersten Schritt, aber kein umfassendes Verfahren“. Seit Monaten fordern der Bundesrechnungshof und einige Bundestagsabgeordnete, dass die Bundesbank das im Ausland lagernde Gold anders überprüft als bisher. Anstatt die Barren nur gelegentlich in Augenschein zu nehmen und ansonsten auf die Bestätigung der Lagerverwaltung zu vertrauen, müssten diese nach einem statistisch gesicherten Verfahren überprüft werden. Die Forderung des Bundesrechnungshofs ist auch Teil eines Berichtes an den Haushaltsausschuss des Bundestages. Der Rechnungshof fordere, zufällig ausgesuchte Barren auf Echtheit zu überprüfen, erklärte der Bundesbanksprecher. Dies sei allerdings in den engen Tresoren der Fed nicht möglich und abgesehen davon unter Notenbanken weder üblich noch Teil der Lagervereinbarung. Bundesbank-Gold ist 150 Milliarden Euro wert Die Bundesbank verfügt über knapp 3.400 Tonnen Gold im Wert von etwa 150 Milliarden Euro, rund zwei Drittel lagern im Ausland. Ein großer Teil des Besitzes, aber weniger als die Hälfte, lagert nach Bundesbankangaben in New York, wo es von der US-Notenbank Fed aufbewahrt wird. Das Gold dient der Bundesbank als Reserve, im Krisenfalle könnte es in New York schnell und einfach als Sicherheit für Dollar-Geschäfte dienen. Ein weiterer Teil des deutschen Goldes lagert in London und Paris. „Es gibt nach wie vor gute Gründe, das Gold in New York oder London zu lagern“, sagte der Bundesbanksprecher. Um auf die Forderungen einzugehen, holt die Bundesbank ab 2013 drei Jahre lang eine „nennenswerte Menge“ des Goldes nach Deutschland. Eine genauere Angabe wollte der Bundesbanksprecher nicht machen. Die Rückführung werde nicht zu unterschätzende Kosten verursachen, außerdem müsse die Sicherheit des wertvollen Gutes gewährleistet werden. In Deutschland sollten die Barren eingeschmolzen werden, wodurch sich die Qualität des Goldes am besten überprüfen ließe. Dann würden neue Barren hergestellt, die den aktuellen marktgängigen Standards entsprächen. Derweil berichtete die „Bild“-Zeitung, dass die Bundesbank den Bundestagsabgeordneten Philipp Mißfelder und Marco Wanderwitz (beide CDU) die Besichtigung der in Paris und London gelagerten deutschen Goldbestände verweigert. Bundesbank-Vorstand Carl-Ludwig Thiele habe den beiden Abgeordneten geschrieben, die Zentralbanken in Paris und London verfügten nicht über geeignete Räume für Besuche. Mißfelder, außenpolitischer Sprecher der Unionsfraktion, hatte im Februar die deutschen Goldbestände bei der Fed in New York besichtigt und dies nun auch in London und Paris tun wollen. dapd (Politik/Politik)