Geheimdienstmann im Fokus der Öffentlichkeit

Geheimdienstmann im Fokus der Öffentlichkeit Berlin (dapd). Er ist ein gestandener Geheimdienstmann. Doch schon wieder muss August Hanning der Öffentlichkeit stundenlang Rede und Antwort stehen. Der frühere Staatssekretär im Bundesinnenministerium verteidigte am Freitag vor dem NSU-Untersuchungsausschuss die Abschaffung der eigenständigen Abteilung Rechtsextremismus im Bundesamt für Verfassungsschutz im Jahr 2006. „Damals war die Bedrohung durch den islamistischen Terrorismus größer“, rechtfertigte sich Hanning. Die Ausschussmitglieder wollten das nicht gelten lassen und warfen ihm „Verharmlosung des Rechtsextremismus“ vor. Hanning war von 2005 bis 2009 Staatssekretär im Bundesinnenministerium und zuvor seit 1998 Präsident des Bundesnachrichtendienstes (BND). In diese Zeit fiel auch teilweise die umstrittene Bespitzelung von Journalisten durch den Auslandsgeheimdienst. Hannings Rolle dabei konnte auch nach der Befassung des Parlamentarischen Kontrollgremiums mit dem Fall nicht vollständig geklärt werden. Es war nicht Hannings letzter großer Auftritt im Bundestag. Auch im BND-Untersuchungsausschuss, der sich unter anderem mit der Misshandlung des ehemaligen Guantánamo-Häftlings Murat Kurnaz befasste, war Hanning 2006 eine wichtige Figur. Und jetzt schon wieder: Der aktuell tagende Untersuchungsausschuss in Berlin befragte Hanning am Freitag zu Pannen und Fehlgriffen bei den Ermittlungen zu der NSU-Mordserie. Der Ausschuss arbeitet seit Jahresbeginn die Verbrechen des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) auf. Die Terroristen-Gruppe lebte mehr als ein Jahrzehnt unentdeckt von den Sicherheitsbehörden im Untergrund und wird bundesweit für zehn Morde verantwortlich gemacht. „Verharmlosung des Rechtsextremismus“ Der Obmann der CDU, Clemens Binninger, kritisierte, die Sicherheitsbehörden hätten über Jahre hinweg die Existenz rechtsterroristischer Strukturen bestritten. Hanning räumte Defizite ein: „Es wurden Fehler gemacht“. Die Behörden hätten das Phänomen des Einzeltäters lange unterschätzt und sich zu sehr auf größere Strukturen konzentriert. Auch die Gefahr durch radikale Rechtsextreme sei nicht erkannt worden. Grundsätzlich habe sich die deutsche Sicherheitsstruktur aber bewährt. Die Abschaffung der eigenständigen Abteilung Rechtsextremismus stieß im Ausschuss auf scharfe Kritik. Die Obfrau der SPD, Eva Högl, bezeichnete den Schritt als „Verharmlosung des Rechtsextremismus“. Auch die Linke-Obfrau Petra Pau kritisierte: „Sachgerecht war das ganz bestimmt nicht.“ Der Vorsitzende des Untersuchungsausschusses, Sebastian Edathy (SPD) bemängelte, nach der Fusion habe 20 Prozent weniger Personal für die Bekämpfung des Rechtsextremismus zur Verfügung gestanden. Fußball-WM wichtiger als Bekämpfung von Rechtsextremismus Hanning gestand ein, die eigenständige Abteilung Rechtsextremismus zu erhalten „wäre besser gewesen“. Die Fusion mit der Abteilung Linksextremismus sei aber dem damaligen Spardruck geschuldet gewesen, der eine Priorisierung erfordert habe. Wolfgang Wieland von den Grünen rügte, Hanning habe „gar nichts geregelt“ und „Sachen treiben lassen“. Die Bekämpfung des Rechtsextremismus sei ihm nicht so wichtig, wie der islamistische Terrorismus und „die Fußball Weltmeisterschaft“, die im gleichen Jahr stattgefunden habe. Befragt wurde Hanning auch zu dem 2006 gescheiterten Vorstoß des Bundeskriminalamts (BKA), die auf mehrere Länder verteilten Ermittlungen beim BKA zu konzentrieren. Hanning zufolge ist das Thema gründlich erörtert worden. Wegen des Widerstands der Länder, „besonders von Bayern“, sei es aber nicht sinnvoll gewesen. Zudem ist Hanning nicht sicher, ob das BKA „es besser gemacht hätte“. Schließlich seien damals auch dort Ressourcen „sehr begrenzt und beschränkt“ gewesen. dapd (Politik/Politik)

Altmaier verkündet Erkundungsstopp für Salzstock Gorleben

Altmaier verkündet Erkundungsstopp für Salzstock Gorleben Berlin (dapd-nrd). Der Salzstock Gorleben soll zunächst nicht weiter auf seine Tauglichkeit als atomares Endlager hin erkundet werden. Bundesumweltminister Peter Altmaier verkündete am Freitag in Berlin einen vorübergehenden Stopp der Erkundungsarbeiten. Dieser solle zumindest bis zur Bundestagswahl im kommenden Jahr gelten, „und ich hoffe, darüber hinaus“, sagte Altmaier. SPD und Grüne begrüßten die Ankündigung. Damit könnte wieder Bewegung in die festgefahrenen Gespräche über die Endlagersuche kommen. Altmaiers Vorgänger Norbert Röttgen (CDU) hatte bereits im März einen Stopp der Erkundungsarbeiten in Aussicht gestellt, die seit Mitte November tatsächlich weitgehend ruhen. Darüber hinaus würden nun auch die Tiefenbohrungen eingestellt, erläuterte Altmaier. „Das Ziel ist eindeutig, dass die Erkundungsarbeiten in Gorleben nicht mehr aufgenommen werden müssen bis zu einer endgültigen Entscheidung über die Standortsuche“, fügte der Minister hinzu. Im November vergangenen Jahres hatten sich Bund und Länder auf einen Neustart bei der Suche nach einem Endlager verständigt. Die Gespräche waren jedoch ins Stocken geraten, unter anderem wegen der Frage des weiteren Umgangs mit Gorleben, das Atomkraftgegner für politisch verbrannt halten. Altmaier zeigte sich zuversichtlich, dass es bald eine Einigung geben werde. Neue Beratungen erst nach der Niedersachsen-Wahl Dennoch sollen die Beratungen auf politischer Ebene erst im Februar – und damit nach der Wahl in Niedersachsen am 20. Januar – fortgesetzt werden. „Ich glaube, dass damit eine Chance besteht, das Thema aus dem Wahlkampf herauszuhalten“, sagte Altmaier. Der Wille und die Bereitschaft, zu einem Konsens zu gelangen, seien vorhanden. Deshalb sei es gerechtfertigt, „ein letztes Mal die politischen Gespräche um einige wenige Wochen zu verschieben“. Damit ein Gesetz noch vor der Bundestagswahl auf den Weg gebracht werden könne, müsse ein Entwurf allerdings „deutlich vor der Osterpause“ in den Bundestag eingebracht werden. Niedersachsens Ministerpräsident David McAllister (CDU) wertete die Ankündigung Altmaiers als Fortschritt. „Das trägt dazu bei, dass wir es schaffen können, einen parteiübergreifenden Konsens für ein Endlagersuchgesetz zu finden“, sagte er am Freitag in Bergen. „Es wäre gut, wenn wir so schnell wie möglich mit einem konkreten Gesetzentwurf auch in der Sache voran kommen“, fügte er hinzu. SPD und Grüne begrüßten den Schritt Altmaiers. SPD-Chef Sigmar Gabriel sprach von einer „guten Entscheidung“, äußerte sich allerdings verwundert darüber, dass der Erkundungsstopp nur bis zur Bundestagswahl gelten solle. Jetzt müsse die Chance genutzt werden, bis dahin „zu einem parteiübergreifenden Endlager-Konsens zu kommen“. Es sei schon zu viel Zeit verloren worden. Ähnlich äußerte sich auch Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin. „Es ist gut, dass Peter Altmaier einen Erkundungsstopp für Gorleben bis nach der Bundestagswahl angekündigt hat“, sagte er. Wer eine Einigung wolle, dürfe in Gorleben keine Fakten schaffen. Zugleich äußerte er sich zuversichtlich, „dass der Verhandlungsprozess nach der Niedersachsen-Wahl zu einem erfolgreichen Ende gebracht werden kann“. Gabriel und Trittin führen die Verhandlungen für SPD und Grüne. Umweltverbände skeptisch Die Linke forderte dagegen die endgültige Aufgabe des Standorts. „Es ist hinreichend belegt, dass Gorleben als Standort für ein sogenanntes atomares Endlager geologisch nicht geeignet ist“, sagte die energiepolitische Sprecherin der Linken, Dorothée Menzner. Auch die niedersächsischen Grünen äußerten sich zurückhaltend. Dass Altmaier die Erkundungsarbeiten nur bis nach der Bundestagswahl aussetzen wolle, sei „sehr befremdlich“, sagte Fraktionschef Stefan Wenze der Nachrichtenagentur dapd. Die brisante Frage der Endlagerung eigne sich nicht für Wahlkampfzwecke. Umweltverbände und die Bürgerinitiative (BI) Umweltschutz Lüchow-Dannenberg kritisierten die Ankündigung ebenfalls. BI-Sprecher Wolfgang Ehmke bezeichnete Altmaier als „initiativ- und ideenlos“. Schließlich könnte er das Gorleben-Projekt als Herr des Verfahrens ganz stoppen, um den Weg frei zu machen für eine Neubewertung der Risiken. Der Sprecher der Anti-Atom-Initiative „Ausgestrahlt“, Jochen Stay, gab zu bedenken, dass es derzeit ohnehin keine Rechtsgrundlage für den Weiterbau gebe. Greenpeace sprach von einem „faulen Kompromiss“. „Nur die komplette Aufgabe des geologisch ungeeigneten Standortes Gorleben schafft die Voraussetzung für einen echten Neustart in der Endlagersuche“, sagte der Atomexperte der Organisation, Mathias Edler. Der Vorsitzende des Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), Hubert Weiger, schloss sich der Forderung nach einer endgültigen Aufgabe des Standorts an, bezeichnete den Erkundungsstopp allerdings als überfällig. dapd (Politik/Politik)

Die Metro macht Kasse

Die Metro macht Kasse Düsseldorf (dapd). Deutschlands größter Handelskonzern Metro verkauft das Osteuropa-Geschäft seiner Supermarkt-Tochter Real. Doch an den 312 Filialen in Deutschland will der Handelsriese trotz aller Probleme festhalten. Der Konzern sei überzeugt vom Potenzial des Geschäfts in der Bundesrepublik und arbeite derzeit an einem Maßnahmenplan, um die Ertragskraft der Tochter nachhaltig zu steigern, sagte Konzernchef Olaf Koch am Freitag. „Real Deutschland ist fester Bestandteil des Portfolios der Metro Group.“ Koch betonte, der Verkauf von insgesamt 91 Real-SB-Warenhäusern in Polen, Russland, Rumänien und der Ukraine an den französischen Rivalen Auchan sei „ein Meilenstein bei der Umgestaltung des Konzerns“. Bemühungen, die Warenhaussparte Kaufhof oder Real als Ganzes zu verkaufen, waren zuvor gescheitert. Durch den Kaufpreis von 1,1 Milliarden Euro kann der kürzlich aus dem DAX abgestiegene Konzern seinen Schuldenberg von mehr als 13 Milliarden Euro deutlich reduzieren. Gleichzeitig gewinnt das Unternehmen mehr Spielraum für die Expansionspläne seiner Großhandelsmärkte und der Elektronikmärkte Media-Saturn. Der Hintergrund: Real ist seit Jahren ein Sorgenkind des Düsseldorfer Konzerns. Probleme bereiten dem Konzern dabei allerdings weniger die Auslandsfilialen, als das ertragsschwache Deutschland-Geschäft. Hier will der Konzern nach dem Verkauf der osteuropäischen Filialen nun offenbar einen weiteren Anlauf nehmen, um das Ruder herumzureißen. Börse zeigt sich unbeeindruckt „Wir arbeiten an einer Strategie, Real auf ein neues Niveau zu stellen“, sagte Koch. „Meine Überzeugung ist absolut klar, dass man aus dem Geschäft mehr machen kann. Wir werden es aber grundsätzlich anders machen müssen als bisher.“ Ob die neue Strategie auch Auswirkungen auf Arbeitsplätze haben wird, sagte der Manager zunächst nicht. Auchan betreibt in Polen, Russland, Rumänien und der Ukraine selbst bereits 98 Standorte und will die übernommenen Real-Filialen in seine Kette eingliedern. Metro-Chef Koch betonte. „Mit Auchan haben wir den bestmöglichen Käufer für das Osteuropa-Geschäft von Real gefunden.“ Der neue Eigentümer biete der Tochter größere Wachstumsmöglichkeiten. Ausgenommen vom Verkauf ist allerdings das Real-Geschäft in der Türkei. Dort ist Auchan bislang nicht präsent und hatte deshalb auch kein Interesse an einer Übernahme. Hier will die Metro deshalb die Geschäfte erst einmal selbst weiterführen. Ausdrücklich betonte der Metro-Chef, der Verkauf der Real-Auslandstochter sei kein Signal für einen Rückzug des Konzerns aus Osteuropa. Für die Großhandelssparte und die Elektronikmarktketten würden Osteuropa und insbesondere Russland „dauerhaft von großer Bedeutung bleiben“. Der Verkauf von Real Osteuropa muss allerdings noch von den zuständigen Wettbewerbsbehörden genehmigt werden. Das Geschäft werde voraussichtlich 2013 abgeschlossen, teilte der Konzern mit. An der Börse notierte die Metro-Aktie am Freitagnachmittag kurz vor Börsenschluss auf dem Niveau des Vortages. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)

600 ehemalige Schlecker-Filialen sollen Nahversorger werden

600 ehemalige Schlecker-Filialen sollen Nahversorger werden Stuttgart/Düsseldorf (dapd). Als Nahversorger sollen zahlreiche Schlecker-Filialen neu eröffnen und Tausende ehemalige Beschäftigte wieder in Lohn und Brot bringen. Der österreichische Investor Rudolf Haberleitner will im kommenden Jahr etwa 600 ehemalige Filialen der insolventen Drogeriekette in Deutschland übernehmen und aus ihnen die Nahversorgungskette „dayli“ machen. „Ich gehe davon aus, dass wir Ende nächsten Jahres, abhängig von der Geschwindigkeit unserer Expansion, in Deutschland bis zu 3.000 Mitarbeiter beschäftigen werden“, sagte Haberleitner am Freitag auf „Handelsblatt Online“. Kontakt zu möglichen Mitarbeitern habe er schon aufgenommen. In dem Interview berichtete der 67-jährige Wiener, seine Gesellschaft TAP 09 habe bereits 484 Ex-Schlecker-Filialen in Süddeutschland bis nach Rheinland-Pfalz ausgewählt. Zudem gebe es Verhandlungen über Standorte in Berlin, Brandenburg und Thüringen. Der Nachrichtenagentur dapd sagte Haberleitner, die ersten 50 bis 60 Filialen sollten bereits im Januar eingerichtet werden. Ab Mitte Februar könnten die ersten dann für die Kunden öffnen. Haberleitner ist ein erfahrener Firmensanierer. Er hatte im August bereits 1.350 Filialen in Österreich und einigen anderen europäischen Ländern vom Schlecker-Insolvenzverwalter übernommen und als Nahversorger positioniert. Mit dem gleichen Konzept sollen auch die ehemaligen deutschen Schlecker-Filialen wiederbelebt werden. Die Geschäfte mit dem Namen „dayli“ bieten neben Drogerieartikeln auch Lebensmittel sowie die Vermittlung von Dienstleistungen und Bestellungen über das Internet an. Das würde seiner Meinung nach auch hierzulande ankommen. „In Deutschland gibt es keine wirklichen Nahversorger mehr, egal ob Rewe oder Edeka – man muss mit dem Auto fahren, um zu ihnen zu kommen“, sagte Haberleitner „Handelsblatt online“. „Wir bieten allein durch die Nähe ein Stück mehr an Lebensqualität“, fügte er hinzu. Haberleitner rechnet mit Investitionen von 20 Millionen Euro Der dapd sagte Haberleitner, infrage kämen Standorte in Orten ab 5.000 Einwohner. Er rechne mit Kosten von etwa 30.000 bis 40.000 Euro pro Filiale. „Also müssen wir etwa 20 Millionen investieren, um die Filialen in Gang zu bringen“, sagte er. Geführt werden sollen die Filialen durch eine GmbH, die sich derzeit im Aufbau befinde und in Ehingen angesiedelt werden soll, der ehemaligen Heimat von Schlecker. Dort miete „dayli“ auch das Regionallager Süd vom Schlecker-Insolvenzverwalter an, sagte Haberleitner. Ein Geschäftsführer sei bereits ausgewählt. Es handle sich um einen „sehr, sehr erfahrenen Mann aus dem Rewe-Konzern“, der dort auch im Vorstand gewesen sei. Der Schlecker-Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz ist nicht in das Vorhaben eingebunden, begrüßt es aber und würde es auch unterstützen. „Er findet das Konzept schlüssig“, sagte ein Sprecher des Insolvenzverwalters der Nachrichtenagentur dapd. Geiwitz könne vermittelnd und unterstützend eingreifen. „Er kann natürlich Vermieter oder Beschäftigte ansprechen und vermitteln“, sagte der Sprecher. Schlecker hatte im Januar Zahlungsunfähigkeit angemeldet und war letztlich zerschlagen worden. Zum Zeitpunkt der Insolvenz hatte die Kette allein in Deutschland noch rund 5.000 Filialen. Mehr als 25.000 vor allem weibliche Beschäftigte verloren ihre Jobs. Am Mittwoch wurde ein Großteil des Inventars wie Regale oder Gabelstapler versteigert. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)

Grüne wollen Verfassungsschutz durch Zwei-Säulen-Modell ersetzen

Grüne wollen Verfassungsschutz durch Zwei-Säulen-Modell ersetzen Berlin (dapd). Die Grünen wollen den Verfassungsschutz auflösen und durch ein „Institut Demokratieförderung“ und eine „Inlandsaufklärung“ ersetzten. Das Konzept für das „Zwei-Säulen-Modell“ beschloss die Bundestagsfraktion Anfang der Woche, wie Grünen-Sicherheitsexperte Hans-Christian Ströbele am Freitag mitteilte. „Der Verfassungsschutz mit all seinen V-Leuten hat versagt und gehört aufgelöst“, sagte Ströbele. „Wissenschaftler und Zivilgesellschaft können oft viel früher und zutreffender antidemokratische und menschenfeindliche Entwicklungen um uns erkennen und die Politik beraten.“ Das Institut soll keine hoheitlichen Befugnisse haben und insbesondere auch keine nachrichtendienstlichen Mittel anwenden dürfen, sondern vor allem Analysen und Informationen über Extremismus bereitstellen. Die Inlandsaufklärung soll für Bestrebungen mit Gewaltbezug zuständig sein und dabei nur in sehr begrenzten Maß geheimdienstliche Methoden einsetzten dürfen. dapd (Politik/Politik)

Bundesparteitag mit Wohlfühlfaktor

Bundesparteitag mit Wohlfühlfaktor Berlin (dapd). Die CDU wählt kommende Woche eine neue Führungsriege. Kanzlerin und Parteichefin Angela Merkel stellt sich beim 25. Bundesparteitag in Hannover der Wiederwahl. Merkel ist seit April 2000 CDU-Vorsitzende, ihre Bestätigung gilt als sicher. Neue Gesichter wird es im Kreis ihrer Stellvertreter geben. Bei der am Montag beginnenden dreitägigen Veranstaltung zeichnet sich ein vergleichsweise harmonischer Verlauf ab. Streit könnte es wegen der Gleichstellung homosexueller Partnerschaften und der Anrechnung von Kindererziehungszeiten auf die Rente geben. Der Parteitag findet unter dem Motto „Starkes Deutschland. Chancen für Alle“ statt. Dabei will die CDU-Spitze aber offenbar keine Chancengleichheit bei der steuerlichen Behandlung von gleichgeschlechtlichen und heterosexuellen Ehen herstellen. Ein entsprechender Initiativantrag aus der Runde der „Wilden 13“ – Abgeordnete der Unionsfraktion, die bereits im August eine Gleichstellung verlangt hatten – wird wohl keine Mehrheit finden. CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe bekundete am Freitag in Berlin zwar seine Überzeugung, „dass wir das in guter, angemessener Weise diskutieren werden“. Gröhe will sich auch dafür einsetzen, dass der Parteitag eine Entscheidung fällt und das Thema nicht im Bermudadreieck der sogenannten Überweisung an die Bundestagsfraktion versenkt wird. Abgelehnt wird der Antrag aller Voraussicht nach aber trotzdem. Die Leitlinie für die Zurück- und Zurechtweisung gibt das CDU-Grundsatzprogramm vor. „Wir respektieren die Entscheidung von Menschen, die in anderen Formen der Partnerschaft ihren Lebensentwurf verwirklichen“, heißt es darin. Die Partei erkenne an, dass auch in solchen Beziehungen Werte gelebt würden, die grundlegend für die Gesellschaft seien. Dies gilt nicht nur für nichteheliche Partnerschaften zwischen Frauen und Männern. „Dies gilt auch für gleichgeschlechtliche Partnerschaften.“ Eine Gleichstellung mit der „Ehe zwischen Mann und Frau als Kern der Familie“ lehnt die CDU allerdings ab, ebenso wie ein Adoptionsrecht für gleichgeschlechtliche Paare. Neue Gesichter im Vorstand Die enge Merkel-Vertraute und Bundesbildungsministerin Annette Schavan hat bereits angekündigt, dass sie nicht mehr als Stellvertreterin für den Parteivorstand kandidieren will. Auch der frühere Bundesumweltminister Norbert Röttgen soll nicht mehr antreten. Weitermachen wollen hingegen Arbeitsministerin Ursula von der Leyen und der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier. Damit die starken Landesverbände nicht meutern, soll die Zahl der Stellvertreter von vier auf fünf angehoben werden. Neben von der Leyen und Bouffier bewerben sich die Landesvorsitzenden aus Rheinland-Pfalz, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen – Julia Klöckner, Thomas Strobl und Armin Laschet. Ansonsten soll auf dem Parteitag „ein starkes Signal der Unterstützung für David McAllister“ gesetzt werden, wie es Gröhe bereits formulierte. In Niedersachsen wird im Januar der Landtag gewählt, der amtierende Ministerpräsident McAllister kann jede Hilfe gebrauchen. Er ist zwar der beliebteste Landespolitiker in Niedersachsen und seine CDU steht in den Umfragen als stärkste Kraft dar. Die Regierung würde dem aktuellen Meinungsbild zufolge jedoch derzeit von Rot-Grün gestellt. Bloß keinen Stress Wenig Überraschung wird es auch bei der Debatte über die Frauenquote in den Führungsetagen der Wirtschaft geben. Gröhe zeigte sich zuversichtlich, dass die Mehrheit der Partei das im Leitantrag verankerte Modell der Flexi-Quote mittragen werde. „Wir wollen keine staatliche starre Vorgabe, sondern eine Pflicht zur Selbstverpflichtung, die aber mit einer ehrgeizigen Zielmarke versehen wird“, sagte er bereits. Denkbar wären für den Parteitag Diskussionen über Schwarz-Grün oder eine Großstadtinitiative der CDU. Beides würde jedoch die Gefahr einer Strategiedebatte in sich bergen, und die soll so kurz vor der Landtagswahl in Niedersachsen und mit Blick auf die Bundestagswahl im kommenden Jahr auf alle Fälle vermieden werden. dapd (Politik/Politik)

Südwest-Grüne beginnen Parteitag mit Schweigeminute für Brandopfer

Südwest-Grüne beginnen Parteitag mit Schweigeminute für Brandopfer Böblingen (dapd). Die baden-württembergischen Grünen haben ihren Parteitag mit einer Schweigeminute für die Opfer der Brandkatastrophe von Titisee-Neustadt begonnen. Parteichef Chris Kühn sagte am Freitag in Böblingen, die Parteimitglieder seien erschüttert über das Ausmaß des Unglücks. Die Fassungslosigkeit sei umso größer, als dies an einem Ort geschehen sei, der für Zuwendung, Förderung und Menschlichkeit stehe. Kühn sprach den Betroffenen und den Angehörigen im Namen der Partei sein tiefstes Beileid aus. Man wolle auch der Helfer gedenken, die Übermenschliches geleistet haben. Bei einer Explosion eines Gasofens in der Caritas-Behindertenwerkstatt St. Georg waren am Montagmittag in Titisee-Neustadt 13 Behinderte und eine Betreuerin ums Leben gekommen. Mehrere Menschen wurden schwer verletzt. Die Ermittlungen zu den Hintergründen und zur genauen Todesursache einiger Opfer dauern noch an. Auf der dreitägigen Landesdelegiertenkonferenz wollen die Grünen ihre Kandidaten für die Bundestagswahl 2013 wählen. Abgestimmt wird am Samstag. Es wird ein Machtkampf zwischen dem linken und dem Realo-Flügel des Landesverbands erwartet. dapd (Politik/Politik)

Totenstille auf der Strecke ist doch undenkbar

Totenstille auf der Strecke ist doch undenkbar Essen (dapd). Das Foto bringt Jochen Mass nur kurz in Verlegenheit: Es zeigt den Ex-Rennfahrer irgendwann in den 1970er oder 1980er Jahren mit freiem Oberkörper und zwei Boxen-Schönheiten an der Seite. „Ich weiß nicht mehr, wer das war“, sagt der heute 66-Jährige dann knapp. Sein Kollege Hans Herrmann, inzwischen 84, schmunzelt: „Heute nennt man sie Boxenluder. Früher haben wir von Wanderpokalen gesprochen.“ Die beiden gut aufgelegten Rennsport-Legenden sind an diesem Freitag die Stargäste der offiziellen Eröffnungsveranstaltung zur Essen Motor Show. Ab Samstag geht Deutschlands zweitgrößte Automobil-Messe wieder an den Start und rechnet während ihrer einwöchigen Dauer mit gut 340.000 Besuchern. Die Motorsport-Branche feiert auf ihrer diesjährigen Veranstaltung ihre goldenen Zeiten mit einer Sonderschau zur Sportwagen-Weltmeisterschaft 1953 bis 1992. Es werden rund 1.000 kraftstrotzende Fahrzeuge präsentiert, und es gibt ein Nachdenken über neue Energien. Denn angesichts der Energiewende und der neuen Antriebe im Autoalltag will auch der Rennsport bei alternativen Kraftquellen nicht zurückstecken. „Der Rennsport ist eine Chance für grüne Antriebstechnologien“, sagt Karl Friedrich Ziegahn. Er ist Präsident des Deutschen Sportfahrer Kreises (DSK), der mit rund 14.000 Mitgliedern europaweit größten Vereinigung von aktiven Fahrern und Motorsportfans. „Es ist klar, dass der Motorsport in 30 Jahren anders aussehen wird als heute. Wir müssen deshalb an unserer Zukunftsfähigkeit arbeiten.“ Begeisterung über Hybridmodelle Zu den Favoriten zählt Ziegahn dabei vor allem den Hybridantrieb. In Le Mans feierte Audi in diesem Sommer mit seinem R 18 den ersten Sieg von Dieselhybrid-Fahrzeugen beim legendären 24-Stunden-Rennen. Die Fahrzeuge vereinigen einen Diesel- und einen Elektroantrieb. Und schon vor zwei Jahren schickte Porsche auf dem Nürburgring mit dem 911 GT3 R erstmals ein solches Modell für ein Ganztagsrennen auf die „Grüne Hölle“ genannte Eifel-Rennstrecke. „Die Zukunft ist Hybrid“, schwärmt auch Alexander Wurz, der 1996 als jüngster Sieger des Le-Mans-Klassikers Rennsport-Geschichte schrieb und dort im Sommer ein Hybridmodell von Toyota testete. „Das war wie ein Kick in den Hintern“, beschreibt der 38-jährige Österreicher die Wirkung des Wagens. Doch nicht nur am Hybridantrieb zeigt sich der Motorsport interessiert. Unterm Strich stünden schon heute an den Pisten sechs Tankstellentypen – für Benzin, Diesel, Biodiesel, Erdgas, Autogas und Strom, sagt Ziegahn: „Das zeigt, dass die komplette Antriebspalette im Rennsport bereits da ist.“ Nur ein reiner, leise vor sich hin surrender Elektromotor in einem Rennwagen ist für die Autobauer bislang offenbar undenkbar. „Stellen sie sich vor, da stehen Tausende an der Rennstrecke. Und dann hört man nichts. Eine Totenstille auf der Piste ist doch undenkbar“, zeigt sich Ziegahn überzeugt: „Ich denke, wir werden den Verbrennungsmotor im Motorsport noch sehr lange haben.“ Mit solchen energietechnischen Themen war Hans Herrmann früher noch nicht konfrontiert. „Damals war alles vor allem sehr gefährlich“, erinnert er sich an seine aktive Zeit in den 1950er und 1960er Jahren. „Wenn wir am Start waren, kam oft die Überlegung hoch, wen es als nächsten treffen wird.“ Heutige Rennen ließen ihn da oft nur noch staunen: „Es ist unglaublich, wie die Leute buchstäblich durch die Gegend fliegen – und es passiert nichts.“ dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)

Milliardendeal bei der Metro

Milliardendeal bei der Metro Düsseldorf (dapd). Befreiungsschlag bei der Metro: Deutschlands größter Handelskonzern verkauft das Osteuropa-Geschäft seiner Supermarkt-Tochter Real für 1,1 Milliarden Euro an den französischen Rivalen Auchan. Abgegeben werden sollen 91 Real-SB Warenhäuser in Polen, Russland, Rumänien und der Ukraine. An den 312 deutschen Real-Filialen hält der Konzern dagegen fest, wie er am Freitag betonte. „Real Deutschland ist fester Bestandteil des Portfolios der Metro Group“, sagte Konzernchef Olaf Koch. Der Konzern sei überzeugt vom Potenzial des SB-Warenhausgeschäfts in der Bundesrepublik und arbeite derzeit an einem Maßnahmenplan, um die Ertragskraft der Tochter nachhaltig zu steigern. Allerdings bemüht sich der Konzern darum bereits seit Jahren – bislang mit begrenztem Erfolg. Für Metro-Chef Koch ist der Milliardendeal mit Auchan dennoch ein wichtiger Etappensieg. Der erst kürzlich aus dem DAX abgestiegene Handelsriese kann dadurch nach eigenen Angaben seine Rating-relevante Nettoverschuldung um 1,5 Milliarden Euro reduzieren. Das erleichtert dem Konzern das agieren in einem schwierigen Markt. Die Metro Group leidet zurzeit unter der Konjunkturkrise in Süd- und Teilen Osteuropas. Hohe Arbeitslosigkeit und staatliche Sparmaßnahmen haben dort die Nachfrage nach langlebigen Konsumgütern einbrechen lassen. Der Konzern hatte deshalb bereits im Oktober die Börse mit einer Gewinnwarnung geschockt. Metro-Aktie legt zu Der Konzern beweist damit auch Handlungsfähigkeit. Pläne von Kochs Vorgänger Eckhard Cordes, die Warenhaussparte Kaufhof oder Real als Ganzes zu verkaufen, waren zuvor gescheitert. Auchan betreibt in Polen, Russland, Rumänien und der Ukraine selbst bereits 98 Standorte und will die übernommen Real-Filialen in seine Kette eingliedern. Metro-Chef Koch betonte. „Mit Auchan haben wir den bestmöglichen Käufer für das Osteuropa-Geschäft von Real gefunden.“ Der neue Eigentümer biete der Tochter größere Wachstumsmöglichkeiten. Ausgenommen vom Verkauf ist allerdings das Real-Geschäft in der Türkei. Dort ist Auchan bislang nicht präsent und hatte deshalb auch kein Interesse an einer Übernahme. Hier will die Metro deshalb die Geschäfte erst einmal selbst weiterführen. Koch betonte: „Das Geschäft von Real Türkei hat sich in den vergangenen Jahren sehr erfreulich entwickelt und zeigt großes Wachstumspotenzial. Dieses gilt es jetzt konsequent zu erschließen“. Der Verkauf von Real Osteuropa muss allerdings noch von den zuständigen Wettbewerbsbehörden genehmigt werden. Das Geschäft werde voraussichtlich 2013 abgeschlossen, teilte der Konzern mit. An der Börse notierte die Metro-Aktie am Freitagnachmittag um rund ein Prozent über dem Vortageswert. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)

EADS-Tochter Cassidian baut Hunderte Stellen ab

EADS-Tochter Cassidian baut Hunderte Stellen ab Unterschleißheim (dapd). Die EADS-Militärtochter Cassidian streicht in den kommenden zwei Jahren bis zu 850 Arbeitsplätze. Das Unternehmen kündigte am Freitag in Unterschleißheim bei München ein Sparprogramm an, mit dem Cassidian bis 2014 jährlich mindestens 200 Millionen Euro einsparen will. Betroffen sind vor allem das Management und die Verwaltung. „Den beabsichtigten Stellenabbau wollen wir ohne betriebsbedingte Kündigungen erreichen“, sagte der Vorstandsvorsitzende Bernhard Gerwert. Die Gespräche mit dem Betriebsrat laufen. Neben der Zentrale in Unterschleißheim sitzt Cassidian noch in Manching bei Ingolstadt, Ulm und Friedrichshafen sowie in Frankreich und Großbritannien. Das Unternehmen wolle schlanker werden und sich mit seinen Produkten auf die Bereiche Verteidigung und Sicherheit konzentrieren, sagte der Cassidian-Chef. Im Oktober war die Fusion der europäischen Konzernmutter EADS mit dem britischen Rüstungsunternehmen BAE Systems gescheitert. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)