Oldenburg (dapd). Mit relativ leisen Tönen der Bundeskanzlerin, einem laut singenden Ministerpräsidenten David McAllister und einer Liebeserklärung an das Bundesland hat Niedersachsens CDU den Endspurt im Landtagswahlkampf eingeläutet. „Ich liebe unser wunderschönes Niedersachsen“, rief McAllister am Donnerstagabend den mehr als 2.000 CDU-Anhängern in Oldenburg zu. Im Anschluss nahm er das Mikrophon in die Hand und sang eine Strophe des CDU-Wahlkampfliedes „So machen wir das“. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte die Landtagswahl zuvor zu einer Richtungsentscheidung über Werte wie Wohlstand, Sicherheit und Vertrauen erklärt. „Es geht darum, wie die Menschen in den nächsten fünf Jahren leben wollen“, sagte sie. „Es ist eine Entscheidung für ihr eigenes Leben“, rief sie dem Publikum 60 Stunden vor Öffnung der Wahllokale zu. Die Aufgabe der Politik bestehe darin, dass die Menschen ihre Wünsche und Vorstellungen verwirklichen können. McAllister habe etwa mit dem Abbau der Arbeitslosigkeit und der Schaffung neuer Arbeitsplätze die Voraussetzungen dafür geschaffen. Er stehe für Werte wie Freiheit, Sicherheit und Vertrauen, fügte die Kanzlerin an. Zugleich dürfe sich die CDU nicht zu sicher sein und müsse bis zuletzt um jede Stimme kämpfen. „Aus Dankbarkeit wählen die Menschen nicht“, mahnte die Kanzlerin. „Sie haben einen tollen Landesvater. Tun Sie alles dafür, dass er weiterarbeiten darf“, schwor sie die Basis bei ihrem siebten und letzten Auftritt im niedersächsischen Landtagswahlkampf ein. Deutlich kämpferischer gab sich McAllister. „Wir wollen siegen und wir werden siegen“, begann er seine Rede. Seine Partei habe in der Wählergunst aufgeholt und „den Blinker gesetzt“, ziehe auf die Überholspur, gebe weiter Gas und fahre vorbei am „rot-grünen Genossenmobil“. Der Ministerpräsident warb für seinen für 2017 angekündigten, ausgeglichenen Haushalt: „Wer keine Schulden macht, zahlt keine Zinsen und hat Geld für wichtige Zukunftsprojekte“, sagte er. Erneut bezog er klar Stellung gegen die Linkspartei. Überall, wo SPD und Linke zusammen regiert hätten, sei es der Wirtschaft schlecht gegangen und seien Arbeitsplätze verloren gegangen. Am Sonntag (20. Januar) wird in Niedersachsen ein neuer Landtag gewählt. Nach letzten Umfragen zeichnet sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen SPD und Grünen sowie der amtierenden CDU/FDP-Koalition ab. dapd (Politik/Politik)
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Leiser Wahlkampfendspurt der Grünen in Niedersachsen
Hannover (dapd). Mit einer leisen Diskussionsrunde haben die Grünen in Niedersachsen die Schlussphase im Wahlkampf zur Landtagswahl am Sonntag eingeläutet. Vor etwa 100 Menschen erläuterten die stellvertretende Ministerpräsidentin von Nordrhein-Westfalen, Silvia Löhrmann und die niedersächsischen Spitzenkandidaten Stefan Wenzel und Anja Piel am Donnerstagabend in Hannover noch einmal die Gründe für eine Regierungsbeteiligung ihrer Partei in Niedersachsen. Die knappen Umfragen zeigten, dass es „auf jede Stimme ankomme“, sagte Löhrmann. Eine rot-grüne Landesregierung in Niedersachsen wäre die „Vollendung“ von dem, was 2010 in NRW mit einer rot-grünen Minderheitsregierung begonnen wurde. Schließlich hätte man durch eine Koalition aus SPD und Grünen in Niedersachsen auch endlich eine Mehrheit im Bundesrat, betonte sie. „Die Grünen wollen regieren und sie können regieren“, sagte die Schulministerin des Nachbarlandes. In der Diskussion berichtete sie insbesondere über Erfahrungen aus ihrem Ressort. „Es darf nicht sein, dass Aishe, Leohn und Mesut nicht die gleichen Bildungschancen haben. Das ist ein Verrat an der Zukunft des Landes.“ Löhrmann war bei dem Wahlkampfendspurt der Grünen in Hannover für Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) kurzfristig eingesprungen, da dieser wegen einer Mittelohrentzündung absagen musste. Die Grünen-Spitzenkandidatin Piel machte auf der Veranstaltung klar, dass ihre Partei in den letzten Tagen vor der Wahl angesichts der knappen Umfragen noch „viel Überzeugungsarbeit“ habe leisten müssen. Spitzenkandidat Stefan Wenzel warb insbesondere für die Glaubwürdigkeit seiner Partei. „Wenn man Basisdemokratie fordert und dann in Hinterzimmerrunden unter drei Männern auskungelt, wer Spitzenkandidat wird“, sei das nicht glaubwürdig, sagte er mit Blick auf die Entscheidung der SPD für Kanzlerkandidat Peer Steinbrück. Umfragen haben für die Wahl am Sonntag ein knappes Rennen zwischen Rot-Grün und Schwarz-Gelb vorausgesagt. dapd (Politik/Politik)
Kritik an Agrarpolitik der Bundesregierung vor der Grünen Woche
Berlin (dapd). Gut weggekommen ist die Politik von Bundesagrarministerin Ilse Aigner (CSU) zum Auftakt ihrer letzten Internationalen Grünen Woche in dieser Funktion nicht gerade. Im größeren der beiden Konferenzsäle im Pressezentrum der nach Angaben der Veranstalter weltgrößten Schau für Landwirtschaft, Ernährung und Gartenbau prognostizierte Aigner am Donnerstag in Berlin den deutschen Landwirten ein positives Jahr 2013. Doch im kleineren Raum daneben herrschte eine ganz andere Stimmung: Dort beklagten die Milchbauern den Verlust von Arbeitsplätzen und warfen der Ministerin eine verfehlte Politik vor. Um 3,6 Prozent hätten sich die landwirtschaftlichen Einkommen erhöht, sagte Aigner, die am Abend die Grüne Woche eröffnen sollte. Auch in diesem Jahr könne sich dieser positive Trend fortsetzen. Allerdings müssten die Landwirte „die steigenden Kosten für Energie und Personal natürlich im Auge behalten“. Besonders erfolgreich sei die deutsche Land- und Ernährungswirtschaft beim Export gewesen. Die Ausfuhren hätten in den ersten drei Quartalen 2012 um sechs Prozent gegenüber dem Vorjahr zugenommen. Aber auch bei den deutschen Verbrauchern würden deutsche Lebensmittel einen hervorragenden Ruf genießen, sagte die Ministerin. Eine repräsentative Umfrage von Infratest-dimap zeige, dass neun von zehn Verbrauchern mit Qualität und Vielfalt der Lebensmittel in Deutschland zufrieden seien. Nur wenige Stunden später wurden im Nachbarraum ganz andere Töne laut. Der Sprecher des Bundesverbands der Deutschen Milchviehhalter (BDM), Hans Foldenauer, warf Aigner vor: „Aus Sicht der Milchviehhalter ist die aktuelle Milchpolitik auf ganzer Linie gescheitert. Sie führt uns ins wirtschaftliche Abseits.“ Die Milchbauern hätten 2012 ein Wertschöpfungsdefizit von rund vier Milliarden Euro. Knapp fünf Prozent der Milchbauern hätten ihre „Tore für immer geschlossen“, etwa 10.000 Arbeitsplätze seien verloren gegangen. Die Bundesregierung dürfe sich nicht „einer Weiterentwicklung der im EU-Milchpaket bisher vorgesehenen Marktmaßnahmen verschließen“, forderte der BDM und empfahl einen freiwilligen Produktionsverzicht bei einer Ausfallentschädigung. Eine Erhöhung der Milchquote lehnt der Verband dagegen ab. Schon zuvor war Kritik an Aigners Einstellung zur EU-Agrarpolitik laut geworden. Die Ministerin „dürfe nicht länger Vorhut der europäischen Agrarindustrie“ sein und müsse „ihren Widerstand gegen eine echte Reform“ zugunsten von mehr Tier- und Naturschutz und den Verbraucherinteressen aufgeben, forderte das Agrarbündnis aus Bauern, Umwelt- und Tierschützern am Morgen. So enthalte der Vorschlag der Kommission sinnvolle Ansätze, wie den Vorschlag, sieben Prozent der Äcker und Felder pro Betrieb aus der landwirtschaftlichen Nutzung für ökologische Zwecke herauszunehmen. Der Reformvorschlag drohe jedoch aufgeweicht zu werden. Aigner kritisierte die EU-Agrarreformvorschläge dagegen als nicht ausreichend. Auch Deutschland unterstütze mehr Umweltschutz in der Agrarpolitik, aber es müsse auch eine „Anerkennung der bisher erbrachten Leistungen“ geben. „Wenn ich sehe, was unsere Bauern von Schleswig-Holstein bis Baden-Württemberg, vom Saarland bis nach Sachsen alles leisten, dann muss ich sagen: Sieben Prozent ökologische Vorrangfläche brach liegen zu lassen, das wäre absurd“, sagte die Ministerin. Rückendeckung bei ihrer Kritik an den von EU-Agrarkommissar Dacian Ciolos vorgeschlagenen Maßnahmen für einen verbesserten Umweltschutz in der Landwirtschaft erhielt Aigner vom Präsidenten des Deutschen Bauernverbands, Joachim Rukwied. Die deutsche Landwirtschaft erbringe bereits ökologische Leistungen, sagte er und stellte der Ministerin, die Berlin in diesem Jahr verlassen und in ihre bayerische Heimat zurückkehren will, eine positive Bilanz ihrer Amtszeit aus: „Frau Aigner setzt sich massiv für die deutschen Landwirte ein.“ dapd (Wirtschaft/Politik)
Harter Sparkurs in Berlin zeigt Wirkung
Berlin (dapd). Koalition und Opposition haben am Donnerstag im Berliner Abgeordnetenhaus heftig über die Urheberschaft für Erfolge bei der Haushaltskonsolidierung gestritten. Daran haben nach Darstellung des Grünen-Parlamentariers Jochen Esser alle Fraktionen ihren Anteil. Der auch von der Opposition mitgetragene Sparkurs der vergangenen Jahre zeige „endlich Wirkung“. SPD und CDU hatten zuvor ein Loblied auf die eigene Finanzpolitik gesungen. Die Hauptstadt habe im vergangenen Jahr erstmals seit 2008 keine neuen Schulden gemacht, sagte Finanzsenator Ulrich Nußbaum (parteilos). Ursprünglich war das Ziel für 2016 angestrebt worden. Nach Angaben Nußbaums wurde das Haushaltsjahr 2012 mit einem Plus von 671 Millionen Euro abgeschlossen. Es fällt damit noch höher aus als bisher bekannt. Zunächst war von 622 Millionen Euro ausgegangen worden. Nun könnten über 300 Millionen in die Schuldentilgung fließen, kündigte Nußbaum an. Berlin sitzt auf einem Schuldenberg von rund 63 Milliarden Euro. Zugleich verwies der Senator darauf, dass im Unterschied zu 2007/2008 der Finanzierungsüberschuss im vergangenen Jahr ohne den massiven Verkauf von Landesvermögen erreicht worden sei. Auf diese Leistung könne die Koalition stolz sein, sagte er mit Blick auf Kritik aus den Bundesländern in Süddeutschland, die Berlin unzureichende Konsolidierungsbemühungen vorwerfen. Hintergrund sind Pläne der sogenannten Geberländer Bayern und Hessen, gegen den Länderfinanzausgleich zu klagen. Von diesem Umverteilungssystem hat Berlin allein 2012 mit 3,3 Milliarden Euro im bundesweiten Vergleich am stärksten profitiert. Baden-Württemberg als weiteres Zahlerland will hingegen auf juristische Schritte verzichten. Mit einer „soliden Konsolidierungspolitik“ seien Gestaltungsspielräume entstanden, darunter zur Sanierung von Schulen und Sportstätten oder zur Schaffung von Kitaplätzen, sagte Nußbaum weiter. Geholfen habe dabei die gute wirtschaftliche Entwicklung und das niedrige Zinsniveau. Für 2013 dämpfte der Politiker aber die Erwartungen: Die Prognose sei „deutlich weniger optimistisch“. Einer deutlichen Erhöhung der Ausgaben erteilte er deshalb eine klare Absage. Esser erwartet auch für das laufende Jahr einen ausgeglichenen Haushalt ohne neue Schulden. „Es gibt wieder Gestaltungsspielräume und das ist auch gut so“, sagte er. Aus Sicht der Grünen sollten sie dazu genutzt werden, nach jahrelangem Verzicht die Gehälter im öffentlichen Dienst anzuheben sowie in die städtische Infrastruktur und den sozialen Wohnungsbau zu investieren. Der Piraten-Abgeordnete Heiko Herberg stellte die Linie der Schuldentilgung in der vorgesehenen Höhe infrage. Er kritisierte, dass in Bezirken Mittel für wichtige Aufgaben fehlten. Als Beispiele nannte er Schulbauten in Lichtenberg oder die Personalnot beim Jugendnotdienst in Marzahn-Hellersdorf. Die Koalition wolle sich feiern lassen, „wenn man schon nichts anderes vorzuweisen hat“, lästerte Linke-Finanzexpertin Manuela Schmidt. Sie empfinde das als „trostlose Veranstaltung“. dapd (Politik/Politik)
Enger Wahlausgang in Niedersachsen erwartet
Hannover (dapd). Die Regierungsbildung nach der niedersächsischen Landtagswahl am Sonntag könnte schwierig werden. Einer neuen Umfrage zufolge gibt es zwischen Rot-Grün und Schwarz-Gelb eine Pattsituation. Beide Lager kommen auf 46 Prozent, wie aus der am Donnerstag veröffentlichten repräsentativen Umfrage der Gesellschaft für Markt- und Sozialforschung (GMS) im Auftrag von Sat.1 Norddeutschland hervorgeht. Die CDU erreicht demnach 41 Prozent, die FDP knapp fünf Prozent. Die SPD liegt bei 33 Prozent, die Grünen bei 13 Prozent. Linke und Piraten würden den Einzug in den Landtag mit jeweils drei Prozent nicht schaffen. Auch der Wiedereinzug der FDP ist laut der Umfrage nicht sicher. Zudem sind weiterhin 42 Prozent der Befragten noch nicht ganz sicher, wen sie wählen wollen. Allerdings belegen die Zahlen auch eine klare Favoritenstellung des amtierenden Ministerpräsidenten David McAllister (CDU). Für ihn würden sich 51 Prozent bei einer Direktwahl entscheiden. Der Spitzenkandidat der SPD, Stephan Weil, kommt nur auf 35 Prozent. CDU-Generalsekretär Ulf Thiele wertete dies als positives Signal. „Die gute Stimmung zugunsten der CDU und FDP verfestigt sich. Wir sind gemeinsam auf der Überholspur“, sagte er. Die SPD hingegen verwies darauf, dass sich weiterhin eine Mehrheit der Niedersachsen eine SPD-geführte Landesregierung wünsche. „Wir verstehen das als Auftrag zum Politikwechsel“, sagte SPD-Wahlkampfleiter Michael Rüter. Für die Umfrage wurden vom 14. bis 16. Januar insgesamt 1.006 wahlberechtigte Niedersachsen telefonisch befragt. Am Sonntag (20. Januar) sind knapp 6,2 Millionen Wahlberechtigte aufgefordert, einen neuen Landtag zu wählen. dapd (Politik/Politik)
Union und FDP machen wieder den Hammel
Berlin (dapd). Bei der Abstimmung über Maßnahmen zur Finanzmarktregulierung ist die schwarz-gelbe Koalition im Bundestag nur knapp einer Blamage entronnen. Union und FDP hatten am Donnerstag einen Antrag mit dem Titel „Schärfere und effektivere Regulierung der Finanzmärkte fortsetzen“ vorgelegt. Nach anderthalbstündiger Debatte sollte darüber direkt abgestimmt werden, um das Thema zu den Akten legen zu können. Aus der Opposition wurde jedoch per Antrag eine Überweisung an die zuständigen Fachausschüsse gefordert, was weitere Diskussionen bedeutet hätte. Bundestagsvizepräsident Katrin Göring-Eckardt (Grüne) ließ zunächst per Handzeichen über den Antrag der Opposition auf Überweisung abstimmen. Weil Union und FDP zur besten Mittagszeit nicht genügend Abgeordnete im Saal hatten, geriet das Abstimmungsbild jedoch uneindeutig. Göring-Eckardt ordnete einen Hammelsprung an: Dafür verlassen die Abgeordneten den Plenarsaal und betreten ihn wieder durch eine von drei Türen, die jeweils für Ja, Nein oder Enthaltung stehen. Dabei werden sie von Schriftführern laut gezählt. Nachdem die Regierungskoalition ihr Zeitspiel beendet und endlich genügend Schriftführer zusammen hatte, war das Ergebnis diesmal zwar in ihrem Sinne – eine Ausschussüberweisung wurde mit 280 zu 241 Stimmen abgeschmettert. Als Göring-Eckardt dann jedoch über den eigentlichen Antrag von Schwarz-Gelb abstimmen ließ, blieben sämtliche Arme zunächst unten. Die studierte Theologin Göring-Eckardt zeigte Nachsicht, drückte ihre Verwunderung aus und las noch einmal laut den Titel des Antrags vor. Der Weckruf kam bei Union und FDP an, der eigene Antrag wurde angenommen. Der Vorgang weckte Erinnerungen an die schwarz-gelbe Blamage beim Betreuungsgeld im Juni vergangenen Jahres. Bundestagsvizepräsidentin Petra Pau von der Linkspartei hatte nach der Abstimmung über einen andere Tagesordnungspunkt Uneinigkeit festgestellt und den Hammelsprung eingeleitet. Daran nahmen aber nur 211 Abgeordnete teil. Für die Beschlussfähigkeit müssen jedoch mehr als die Hälfte – also mindestens 311 Abgeordnete – im Plenarsaal anwesend sein. Pau stellte daher Beschlussunfähigkeit fest und beendete die Sitzung. Die Lesung über das Betreuungsgeld konnte nicht mehr stattfinden. dapd (Politik/Politik)
Shell lässt Autofahrer für Luft bezahlen
Hamburg (dapd). Der Mineralölkonzern Shell lässt sich an immer mehr Tankstellen fürs Aufpumpen der Autoreifen bezahlen. Ein entsprechendes Pilotprojekt, bei dem Kunden für die Korrekturen des Luftdrucks am Fahrzeug einen Euro berappen müssen, wird ab 21. Januar auf 120 Tankstellen ausgeweitet, wie Shell-Sprecherin Cornelia Wolber am Freitag in Hamburg sagte. Das Prüfen des Luftdrucks bleibt nach wie vor kostenfrei. Zum Einsatz kommen dabei laut Shell neue Digitalgeräte. Hauptsächlich würden sie in Bayern, Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen installiert. „Eine Entscheidung über einen flächendeckenden Einsatz ist noch nicht getroffen worden. In Abhängigkeit von den weiteren Ergebnissen wird eine Entscheidung hierüber nicht vor Mitte des Jahres fallen“, sagte die Unternehmenssprecherin. Das 2011 gestartete Pilotprojekt war zunächst an rund 20 Shell-Stationen in Nordrhein-Westfalen gestartet worden. Wolber verwies darauf, dass man in England und den Niederlanden positive Erfahrungen mit der neuen Regelung gemacht habe. „Nach unseren eigenen Erkenntnissen testen Autofahrer maximal dreimal pro Jahr den Luftdruck ihrer Reifen. Nach dem Wechseln von Sommer- auf Winterbereifung und umgekehrt sowie vor Antritt einer längeren Urlaubsfahrt“, sagte Wolber. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
SPD und Grüne verlangen neuen Anlauf zur Bankenregulierung
Berlin (dapd). SPD und Grüne werfen der Bundesregierung ein massives Versagen bei der Regulierung der Finanzmärkte und der Bankenaufsicht vor. Schieflagen müsse stets der Steuerzahler ausgleichen, kritisierte unter anderem SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück am Donnerstag im Bundestag. Für die Bundesregierung wies Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) die Vorwürfe zurück. Einen gemeinsamen Antrag von SPD und Grünen für eine „starke Bankenunion“ wertete Schäuble höhnisch als Beitrag zur Verschlimmerung der Krise. Steinbrück erklärte, die Menschen erwarteten, dass die Verursacher der Finanzkrise auch zur Verantwortung gezogen würden. Dies sei eine Frage der Gerechtigkeit. Er verwies auf den gemeinsamen Antrag von SPD und Grünen, in dem beide Fraktionen für eine europäische Abwicklungsbehörde und einen europäischen Restrukturierungsfonds werben, damit die Banken bei Bedarf in Zukunft selbst die Kosten ihrer Rettung tragen. Steinbrück kritisierte, bei der Bundesregierung werde die neue europäische Bankenunion hingegen „zur Umwälzanlage von Kapital“ aus den Staatshaushalten in Bankbilanzen. Schäuble sagte, mit einer einfachen Beschimpfung der Banken sei es nicht getan. „Wir sind auf dem richtigen Weg. Schritt für Schritt. Wir sind noch nicht über den Berg, aber wir sind auf dem richtigen Weg, die Vertrauenskrise zu lösen“, erklärte Schäuble. Es gebe deutliche Verbesserungen, das Vertrauen der Finanzmärkte komme zurück. Der Antrag von SPD und Grünen löse die Krise nicht, er verschlimmere sie. Grüne wollen Automatismus brechen Union und FDP legten einen eigenen Antrag vor, in der die bereits auf den Weg gebrachten Maßnahmen zur Bekämpfung der Schuldenkrise beschrieben werden. Die Regierung wird aufgefordert, die „schärfere und effektivere Regulierung der Finanzmärkte“ fortzusetzen. Der Abgeordnete Richard Pitterle von der Linksfraktion hielt die auf dem Tisch liegenden Pläne für nicht weitgehend genug. So sei Schwarz-Gelb bei der Bankenaufsicht auf halbem Wege stehen geblieben. „Die Bundesregierung schmückt sich mit fremden Federn und zündet Nebelkerzen.“ Der finanzpolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Volker Wissing, warf Steinbrück ein falsches Spiel vor. Dieser habe in seiner Zeit als Bundesfinanzminister keine geeigneten Maßnahmen zur Stabilisierung der Finanzmärkte auf den Weg gebracht. Steinbrücks Idee zu einem europäischen Restrukturierungsfonds gefährde die deutschen Steuerzahler und schüre die Gefahr einer Inflation. Ansonsten schlage Steinbrück entweder Dinge vor, die bereits auf dem Weg seien „oder es sind Nebelkerzen“. Der finanzpolitische Sprecher der Grünen im Bundestag, Gerhard Schick, forderte eine grundlegende Neuplanung der Finanzarchitektur. „Wir müssen den Automatismus brechen, dass immer, wenn eine Bank in Europa ein Problem hat, der Steuerzahler einspringen muss“, erklärte Schick und lenkte den Blick auf die USA. Dort würden marode Banken ohne Kosten für den Steuerzahler einfach abgewickelt. „Dies wollen wir auch in Europa erreichen.“ Bei der gesamten Bankenrettung in Europa habe es bisher nirgendwo mehr als zehn Prozent Beteiligung der Verursacher gegeben, das Gros habe der Steuerzahler getragen. Die EU-Finanzminister hatten sich vor Weihnachten auf den Aufbau einer zentralen Bankenaufsicht für die Eurozone geeinigt. Gut 150 Geldhäuser – davon bis zu 30 aus Deutschland – werden der Kontrolle bei der Europäischen Zentralbank (EZB) unterworfen. Der rechtliche Rahmen soll bis März mit dem EU-Parlament verabschiedet werden. Das wird der Startschuss für den operativen Aufbau: dem Rekrutieren von Mitarbeitern, der Besetzung der Gremien, der Auswahl erster Banken. Zum 1. März 2014 soll die Aufsicht voll einsatzfähig sein und die Verantwortung übernehmen. (Die Anträge von Union und FDP sowie SPD und Grünen: http://url.dapd.de/6dApV9 http://url.dapd.de/E5J25V) dapd (Politik/Politik)
Agrarbündnis kritisiert Praxis der Subventionsvergabe in EU
Berlin (dapd). Agrarzahlungen innerhalb der Europäischen Union (EU) sollten nach Ansicht des Agrarbündnisses aus Bauern, Umwelt- und Tierschützern verbindlich an Mindeststandards geknüpft werden. Europäische Landwirte dürften nur dann Subventionen erhalten, wenn sie einen Beitrag zur Erhaltung der Artenvielfalt, zum Umwelt- und zum Tierschutz leisten, forderte der Zusammenschluss von 24 Verbänden, darunter auch Entwicklungsorganisationen, am Donnerstag zum Auftakt der Grünen Woche in Berlin. Betriebe sollten nicht länger Zahlungen erhalten, nur weil sie sich an Gesetze hielten. „Wir kritisieren nicht die Höhe der Agrarausgaben“, sagte der Vorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND), Hubert Weiger. „Wir halten sie durchaus für richtig – aber nur dann, wenn sie tatsächlich ökologisch und sozialverträglich an die bäuerlichen Betriebe gezahlt werden, die die entsprechenden Umweltleistungen bringen, Qualitätslebensmittel erzeugen, entsprechende Tierschutzstandards einhalten und uns die Vielfalt der europäischen Kulturlandschaft sichern.“ Bundesagrarministerin Ilse Aigner (CSU) müsse „ihren Widerstand gegen eine echte Reform“ aufgeben, forderte Weiger. Sie dürfe „nicht länger Vorhut der europäischen Agrarindustrie“ sein. Bündnis warnt: EU-Agrarreform könnte aufgeweicht werden Ein Reformvorschlag der EU-Kommission beinhalte bereits positive Ansätze. Als Beispiel nannte der Bundesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL), Bernd Voß, den Vorschlag, sieben Prozent der Äcker und Felder pro Betrieb aus der landwirtschaftlichen Nutzung für ökologische Zwecke herauszunehmen. „Es geht überhaupt gar nicht darum, dass stillgelegt wird“, sagte Voß. So würden auch Gewässer mitgezählt. „Und es gibt viele kluge Nutzungen, wie zum Beispiel Streuobstwiesen.“ Der Reformvorschlag drohe jedoch aufgeweicht zu werden, warnte das Bündnis. So sei etwa im Gespräch, den Anteil solcher ökologischen Vorrangflächen auf drei Prozent zu reduzieren, und es würden viele Ausnahmen diskutiert. Bundesagrarministerin Aigner kritisierte die Reformvorschläge dagegen als nicht ausreichend. Auch Deutschland unterstütze mehr Umweltschutz in der Agrarpolitik, aber es müsse auch eine „Anerkennung der bisher erbrachten Leistungen“ geben. „Wenn ich sehe, was unsere Bauern von Schleswig-Holstein bis Baden-Württemberg, vom Saarland bis nach Sachsen alles leisten, dann muss ich sagen: Sieben Prozent ökologische Vorrangfläche brach liegen zu lassen, das wäre absurd.“ dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
ADAC verleiht Gelbe Engel an Mercedes, VW und BMW
München (dapd). Die drei deutschen Autohersteller Mercedes, BMW und Volkswagen haben sich bei einer ADAC-Leserwahl durchgesetzt. Zum „Lieblingsauto der Deutschen“ wählten die Teilnehmer die neue A-Klasse von Mercedes. Als Zweit- und Drittplatzierte wurden bei der Verleihung des „Gelben Engel“ am Donnerstag in München der VW Golf und der BMW 3er ausgezeichnet. Als „Bester Gebrauchter“ setzte sich der Audi A3 durch. „Auto der Zukunft“ in der nicht repräsentativen Abstimmung von „ADAC Motorwelt“ und adac.de wurde der BMW 520d EfficientDynamics Edition BluePerformance. Den Titel für „Innovation und Umwelt“ gewann Volkswagen für den Dreizylinder-Erdgasmotor im Modell eco up. Als „Persönlichkeit 2013“ zeichnete der Automobilclub den VW-Aufsichtsratsvorsitzenden Ferdinand Piëch aus. ADAC-Präsident Peter Meyer lobte die Automobilindustrie für „herausragende wirtschaftliche Leistungen“. Er forderte aber auch, dass die Hersteller den Kraftstoffverbrauch der Fahrzeuge weiter reduzierten. ( http://url.dapd.de/MOio44 ) dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
