Düsseldorf (dapd). Erstmals seit Jahren sind in Rohmilch in Nordrhein-Westfalen erhöhte Werte des Schimmelpilzgifts Aflatoxin gefunden worden. Bei einem Milchbetrieb im Hochsauerlandkreis wurde eine Überschreitung des zulässigen Höchstwerts um das Doppelte festgestellt – 100 Nanogramm pro Kilogramm. Wie das nordrhein-westfälische Verbraucherschutzministerium in Düsseldorf mitteilte, kann nicht ausgeschlossen werden, dass belastete Milch zu einer Molkerei geliefert wurde. Auch in Milchviehbetrieben in den Kreisen Borken und Wesel wurden erhöhte Belastungen durch Aflatoxin in der Milch festgestellt. Die drei Höfe waren vorsorglich Anfang März gesperrt worden. Ursache für die Verunreinigung der Milch war offenbar belastetes Viehfutter, das von einem Betrieb im niederrheinischen Rees stammt. Der betroffene Milchviehbetrieb aus dem Hochsauerlandkreis dürfe seine Milch erst wieder ausliefern, wenn die rechtlich festgelegten Höchstgehalte von 50 Nanogramm pro Kilogramm eingehalten werden, erklärte das Ministerium. Die bisher produzierte Milch sei entsorgt worden. Die Aflatoxin-Belastung der Milch von den Höfen in den Kreisen Borken und Wesel liegt unter dem zulässigen Höchstwert. Die Ursache für die Verunreinigung geht auf belastetes Futtermittel aus Rees (Kreis Kleve) zurück. Der Betrieb hatte sich Ende Februar beim Landesumweltamt selbst angezeigt, mit Aflatoxinen verseuchten Mais aus Serbien erhalten und ausgeliefert zu haben. Futtermittel aus Serbien geliefert Der Futtermittelhersteller hatte laut Ministerium insgesamt 1.050 Tonnen verunreinigten Mais aus Serbien erhalten. Davon seien 200 Tonnen verarbeitet und ausgeliefert worden. Das belastete Futter wurde demnach an insgesamt vier Milchviehbetriebe im Kreis Wesel, im Kreis Borken, im Hochsauerlandkreis und in Rheinland-Pfalz geliefert. Nach der Selbstanzeige habe der Futtermittelbetrieb Ende Februar eine Eigenkontrolle durchgeführt und Proben entnommen. Als die Verunreinigung Anfang März durch ein Labor bestätigt wurde, seien weitere Auslieferungen gestoppt worden. Zuvor war die belastete Milch allerdings noch einige Tage weiter ausgeliefert worden. Dem Futtermittelhersteller aus Rees droht deshalb nun ein Ordnungswidrigkeitsverfahren. Das Ministerium prüfe, ob es sich hierbei um einen Verstoß handele, sagte ein Sprecher. Außerdem habe der Betrieb nicht sofort alle Lieferlisten vorgelegt. Nach Willen des Verbraucherschutzministeriums sollen nordrhein-westfälische Futtermittelhersteller, die Mais aus Serbien oder anderen südeuropäischen Ländern beziehen, Futter künftig erst ausliefern dürfen, wenn eine Eigenprobe nachweist, dass das Futter nicht belastet ist. Eine entsprechende Verfügung werde geprüft, sagte der Sprecher. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
in
Kampfkandidatur auf FDP-Parteitag für Spitzenposten
Berlin (dapd). Auf dem FDP-Bundesparteitag wird es voraussichtlich zu einer Kampfkandidatur zweier Bundesminister um Spitzenposten kommen. Gesundheitsminister Daniel Bahr kündigte am Donnerstag an, für einen der Beisitzerposten anzutreten. „Ich habe mich entschlossen, für das FDP-Präsidium zu kandidieren“, sagte Bahr laut einem Bericht von „Spiegel Online“ vom Donnerstag. „Als Gesundheitsminister habe ich mit den Maßnahmen gegen den Landärztemangel und für Demenzkranke und dem Wegfall der Praxisgebühr Erfolge für die FDP erzielt, mit denen wir vor Ort punkten können.“ Damit könnte es am Wochenende auf dem Bundesparteitag zu einer Kampfkandidatur zwischen Bahr, Entwicklungsminister Dirk Niebel und dem schleswig-holsteinischen FDP-Fraktionschef Wolfgang Kubicki um den Beisitzerposten kommen. Es sei bislang davon auszugehen, dass es so komme, hieß es in Parteikreisen. Sowohl Niebel als auch Kubicki haben ihre Kandidatur bereits angekündigt. Niebel steht seit seiner Kritik an FDP-Parteichef Philipp Rösler und dem Zustand der FDP auf dem Dreikönigstreffen intern in der Kritik. Er will als Spitzenkandidat für die Bundestagswahl in Baden-Württemberg als Beisitzer im FDP-Präsidium wiedergewählt werden. Auch Kubicki hat in der Vergangenheit wiederholt zum Teil scharfe Kritik am Erscheinungsbild der Partei geäußert und damit Unmut bei den Liberalen ausgelöst. Der Entwicklungsminister sagte in einem „Bunte“-Interview: „Als Bundesminister und Spitzenkandidat meines Landesverbands trage ich Sorge, dass wir in Baden-Württemberg bei der Bundestagswahl überproportional gut abschneiden, sonst hat die gesamte Bundes-FDP kein gutes Ergebnis. Deshalb glaube ich auch, dass sich die Delegierten die Neuaufstellung des Führungsteams sehr genauüberlegen werden.“ dapd (Politik/Politik)
Urlaubsstimmung: positiv
Berlin (dapd). Auch wenn die Chinesen den Deutschen den inoffiziellen Titel als Reiseweltmeister abgenommen haben, ihre Urlaubslaune lassen sich die Bundesbürger nicht verderben. Im Gegenteil: Noch nie haben sie so viel Geld für die schönsten Tage des Jahres ausgegeben wie 2012. Und trotz mancher Skepsis wegen der schwächelnden Konjunktur sind die Aussichten für das Reisejahr 2013 bestens. Analysen, Studien und Umfragen zu dem Thema gibt es auf der Tourismusmesse ITB in Berlin reichlich, und allesamt liefern sie das gleiche Ergebnis. Schon jetzt, hat die Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR) herausgefunden, sind sich 68 Prozent der Deutschen sicher oder halten es für wahrscheinlich, dass sie auch in diesem Jahr in die Ferne schweifen. „Urlaubsstimmung: positiv!“ und „Ausgabenpläne: Eher etwas mehr“ fassen die Forscher die Aussichten zusammen. Für die Urlaubskasse planen die meisten das gleiche Budget wie 2012 ein – pro Kopf durchschnittlich 914 Euro. Zwölf Prozent wollen sogar mehr ausgeben, zehn Prozent dagegen die Kosten eher senken. Manches in der Tourismusbranche hat sich geändert in den vergangenen Jahren, vieles aber ist gleich geblieben. So macht die jüngste FUR-Reiseanalyse in der Hitliste der Reiseziele zum Beispiel überwiegend „alte Bekannte“ aus. Auch 2012 lag Deutschland auf Platz eins – an der Spitze Bayern und die norddeutschen Küstenländer. Bei den Auslandszielen rangierten erneut Spanien, Italien, die Türkei und Österreich vorn. Verloren an Beliebtheit haben der Studie zufolge wegen wirtschaftlicher und politischer Unsicherheiten einige ursprünglich beliebte Ziele der Deutschen. Am größten sei der Rückgang der Nachfrage für Griechenland gewesen, auch Ägypten und Tunesien seien betroffen. Für Griechenland ist der Deutsche ReiseVerband (DRV) allerdings optimistisch. „Gerade Hellas feiert 2013 bei stabilen Preisen ein Comeback und holt wieder deutlich auf – bei vielen Veranstaltern im zweistelligen Prozentbereich“, sagt DRV-Präsident Jürgen Büchy. Im Trend liegen nach Büchys Worten Städte- und Wellnessreisen. Erneut hätten die deutschen Top-fünf-Städtereiseziele Berlin, München, Hamburg, Frankfurt am Main und Köln bei den Gästezahlen zugelegt. Kultur nur in „Lightversion“ gefragt Deutliche Steigerungen gab es in den vergangenen Jahren bei Strand- und Badeurlaub und bei den Familienferien, während die Nachfrage nach reinem „Ausruhurlaub“ zurückging. Nur wenig Veränderungen wurden bei Kultur- und Studienreisen beobachtet. „Aber wenn Kultur, dann Kultur light und nicht Kultur pur“, sagt FUR-Geschäftsführer Rolf Schrader zu dem Trend. Auch wenn das Ranking der gefragtesten Ziele weitgehend gleich bleibt, sehen die Forscher eine Dynamik bei der Auswahl. „Besonders die deutsche Küste, Skandinavien, die Türkei und Ziele in Asien haben Chancen auf einen Zuwachs an deutschen Urlaubsgästen“, betont die Forschungsgemeinschaft. Eine wachsende Nachfrage erkennen die Experten auch bei Luxusreisen. Gerade bei hochwertigen Reisen seien die Vorausbuchungen für die nächsten Monate im Plus. „Die Malediven, Seychellen und Mauritius begrüßten schon in den vergangenen Wochen mehr Gäste als bislang und legen jetzt nochmals zu“, betont der DRV. Zufrieden registrieren die Urlaubsexperten, dass sich die durchschnittliche Reisedauer inzwischen eingependelt hat. 1983 noch machten die Deutschen der FUR-Analyse zufolge durchschnittlich 17,4 Tage Haupturlaub und verbrachten weitere 11,1 Tage mit einer zusätzlichen Reise. Inzwischen liege die Dauer der Haupturlaubsreise bei 13,1 und des zusätzlichen Urlaubs bei 9,3 Tagen. Immer wichtiger wird für die Deutschen der Wunsch nach einem ökologisch und sozial einwandfreien Urlaubserlebnis. „40 Prozent der Bevölkerung wünschen sich aktuell einen umweltverträglichen Urlaub – vor einem Jahr waren es erst 31 Prozent“, berichtet Martin Lohmann, Geschäftsführer des Kieler Instituts für Tourismus. Für 46 Prozent solle der Urlaub zudem sozialverträglich sein. Überdurchschnittlich hohe Umsatzzuwächse und damit zurück auf Wachstumskurs sieht derweil eine Studie des Marktforschers GfK zum Reiseverhalten der Deutschen die Kreuzfahrtbranche. Nach dem Unglück des Kreuzfahrtschiffs Costa Concordia Anfang 2012 seien die Buchungszahlen phasenweise deutlich zurückgegangen. Inzwischen jedoch hätten die Kreuzfahrten das starke Umsatzniveau des Vorjahres wieder erreicht. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
Vattenfall nennt noch keine konkreten Zahlen zum Stellenabbau
Berlin (dapd). Der Energiekonzern Vattenfall hat noch keine konkreten Pläne für den angekündigten Stellenabbau in Berlin und Brandenburg. „Wir stehen erst am Anfang des Prozesses“, sagte Vattenfall-Sprecher Steffen Herrmann am Donnerstag auf dapd-Anfrage. Auch der Sprecher von Vattenfall in Cottbus, Thoralf Schirmer, konnte noch keine näheren Auskünfte geben. Der Energiekonzern mit Hauptsitz in Schweden hatte am Mittwoch den Abbau von 2.500 Stellen angekündigt. Allein in Deutschland sollen rund 1.500 von derzeit etwa 20.000 Jobs wegfallen. Betroffen sind die Standorte Berlin, Hamburg und Cottbus. Als Grund für den harten Einschnitt nannte Konzernchef Oystein Loseth, dass höhere Energieeffizienz und ein langsameres Wirtschaftswachstum in diesem und den kommenden Jahren zu einer dauerhaft schwachen Nachfrage führten. Deshalb sollten die Strukturen des Unternehmens in Deutschland weiter vereinfacht und Aufgaben zusammengelegt werden. Der Personalabbau werde sozialverträglich ablaufen, versicherte Loseth. Nach dapd-Informationen sollen in Berlin und Brandenburg vorwiegend die Verwaltungen gestrafft werden. Beim technischen Personal im Bergbau und in den Kraftwerken hingegen sollen nur wenige Arbeitsplätze wegfallen. Vattenfall betreibt im Südosten Brandenburgs mehrere Braunkohletagebaue und -kraftwerke. Dort sind mehr als 5.000 Menschen beschäftigt. Brandenburgs SPD-Fraktionschef Ralf Holzschuher erinnerte das Unternehmen am Donnerstag an seine Verantwortung für die Lausitz. Ohne die in der Lausitz erwirtschafteten Gewinne wären die meisten Ideen der schwedischen Konzernspitze finanziell nicht umsetzbar. Für den Erfolg von Vattenfall nähmen viele Lausitzer Beeinträchtigungen durch die Tagebaue in Kauf. „Im Gegenzug dürfen wir dann aber wohl erwarten, dass die schwedische Konzernspitze sich nicht aus der Verantwortung für die Region stiehlt. Einen Arbeitsplatzabbau am Standort Cottbus darf es nicht geben!“, betonte Holzschuher. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
Traumschiff macht in diesem Jahr 22-mal in Deutschland fest
Neustadt/München (dapd). Die aus der ZDF-Reihe „Traumschiff“ bekannte MS „Deutschland“ steuert ab dem Frühjahr regelmäßig die Heimat an. Der Luxusliner läuft von Mai bis September insgesamt 22-mal einen deutschen Hafen an, wie eine Sprecherin der norddeutschen Traditionsreederei Peter Deilmann am Donnerstag in München mitteilte. Auf dem Fahrplan stünden die Hansestadt Hamburg, die Nordseeinsel Amrum und das Ostseebad Binz ebenso wie Helgoland, Kiel, Sylt, Travemünde und Wismar. „Für unser Programm sind deutsche Häfen ideale Ausgangspunkte, ob für Kurzreisen in die Nordsee, Nordland-Expeditionen oder die große Ostseereise mit der ‚Deutschland'“, sagte Reederei-Geschäftsführer Konstantin Bissias. Auch für 2014 sei eine starke Präsenz in deutschen Häfen geplant. Zwischen Mitte Mai und Mitte Juli 2014 starte jede „Traumschiff“-Reise in Deutschland. Die MS „Deutschland“ mit rund 500 Passagieren ist das Flaggschiff der Reederei Peter Deilmann, die vor 40 Jahren in Neustadt an der Ostsee gegründet worden war. Seit Sommer gehört das Unternehmen der Münchner Aurelius-Gruppe. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
Friedrich schlägt Rumänen und Bulgaren Tür zu Schengenraum zu
Brüssel (dapd). Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich hat Rumänien und Bulgarien die Tür zum Schengenraum vorerst wieder zugeschlagen. „Derzeit ist die Zeit noch nicht reif“ für den Wegfall der Grenzkontrollen, sagte Friedrich am Donnerstag vor Beratungen mit seinen EU-Kollegen in Brüssel. Es gebe in beiden Ländern noch Schwachstellen, insbesondere bei der Funktionsfähigkeit der Justiz. Damit kassierte Friedrich auch den deutschen Vorschlag aus dem vergangenen Jahr einer stufenweise Aufnahme in den Schengenraum. Demnach sollten zunächst an den Flug- und Seehäfen die Kontrollen abgeschafft werden, und erst in einem zweiten Schritt an den Landesgrenzen. Geht es nach Friedrich, dann wird die Schengenaufnahme für Sofia und Bukarest in diesem Jahr vollständig auf Eis gelegt. Zum Jahresende will die EU-Kommission neue Berichte über die Fortschritte in der Justiz, im Kampf gegen organisierte Kriminalität und Korruption vorlegen. Man sollte schauen, wie die Berichte ausfallen, „und dann werden wir erneut darüber diskutieren“, sagte der CSU-Politiker. Der Aufnahme von Rumänien und Bulgarien in den Schengenraum müssen alle 26 Mitgliedsstaaten zustimmen, womit Berlin ein Vetorecht hat. dapd (Politik/Politik)
EADS-Chef kritisiert unausgereifte Technik in Flugzeugen
Frankfurt/Main (dapd). Der Chef des europäischen Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS, Tom Enders, hat vor übereilten Neuerungen in seiner Branche gewarnt. „Innovationen müssen reif sein. Wir dürfen keine halbgaren Dinge in unsere Flugzeuge packen, wo Probleme dann vorprogrammiert sind“, sagte er der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Konkurrent Boeing hatte zuletzt Probleme mit neuen Batterien, die in Brand gerieten. Bei den Batterien habe sich sein Unternehmen entschieden, „keine Experimente zu machen und auf die erprobte Nickel-Cadmium-Technologie zurückzugehen“, sagte Enders weiter. Augenmaß und Innovation müssten in der Luftfahrtindustrie zusammen kommen. „Wir werden auch künftig keine risikoarme Branche sein.“ Der EADS-Chef hofft auf einen Innovationsschub zusammen mit der IT-Branche. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
Pakistan-Afghanistan: Tradition des Misstrauens überwinden
Islamabad (dapd). Die „Schweiz Pakistans“ könnte ein Vorbild für die Lösung des Taliban-Problems in Afghanistan sein: das Swat-Tal. Jahrelang war die Region im Nordwesten von Pakistan in den Händen radikaler Islamisten. Erst eine längere Militäraktion konnte die Schreckensherrschaft der Taliban dort beenden. Am Donnerstag besuchte Bundesverteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) das Gebiet etwa 70 Kilometer von der afghanischen Grenze entfernt. „Das Swat-Tal war schwer getroffen durch den Terrorismus“, sagte de Maizière. Es habe eine Auflösung staatlicher Strukturen mit allen Folgen gegeben. Mittlerweile sei es aber gelungen, die Region zu befrieden und viele Menschen zur Rückkehr zu bewegen. Insgesamt waren Schätzungen zufolge etwa zwei Millionen Menschen geflüchtet. Im Herbst 2007 hatten die Taliban mit einem Aufstand im Swat-Tal begonnen und wollten von dort aus ihre Macht auf ganz Pakistan ausbauen. In einem ersten Schritt wurde im Swat-Tal mit der radikalen Form der Scharia ein „Steinzeit-Islamismus“ eingeführt. Die Regierung in Islamabad ließ die Taliban zunächst gewähren, vertrieb sie aber im Frühjahr 2009. Mittlerweile wird versucht, die gemäßigten pakistanischen Taliban wieder in die Gesellschaft einzugliedern. „Tradition des Misstrauens überwinden“ Ein ähnlicher Prozess vollzieht sich derzeit in Afghanistan, wo die Taliban über Jahre hinweg als Aufständische bekämpft wurden und nun in eine Friedenslösung eingebunden werden sollen. De Maizière rief Pakistan auf, dabei eine aktivere Rolle einzunehmen. Schließlich liegt das Siedlungsgebiet der Paschtunen zu beiden Seiten der afghanisch-pakistanischen Grenze. Vor allem die pakistanische Bergregion Waziristan gilt als Rückzugsgebiet der Taliban, die ethnisch den Paschtunen zugerechnet werden. Der Verteidigungsminister, der vor Pakistan zunächst zwei Tage lang das Nachbarland Afghanistan besucht hatte, appellierte an beide Länder, die „lange Tradition von Misstrauen“ zu überwinden. Nur mit der Hilfe von Pakistan werde es gelingen, auch in Afghanistan einen stabilen Friedensprozess in Gang zu bringen, sagte der CDU-Politiker am Donnerstag nach seinen Gesprächen mit pakistanischen Spitzenpolitikern und hohen Militärs in Islamabad. Für eine Friedenslösung für die vom islamistischen Terrorismus erschütterte Region gebe es jetzt ein „Fenster der Möglichkeiten“, fügte der Minister mit Blick auf die Wahlen in Afghanistan im kommenden Jahr und den geplanten Abzug der ISAF-Kampftruppen vom Hindukusch bis Ende 2014 hinzu. Doch mahnte der CDU-Politiker zugleich: „Die Zeit ist knapp.“ Auch Katar-Gespräche mit Taliban Chance geben Nach Einschätzung des deutschen Verteidigungsministers sind bestimmte Taliban-Gruppen zu einem Ende des Krieges bereit. „Sie haben ein Interesse an geordneten Verhältnissen“, sagte de Maizière. Das sollte genutzt werden, und auch der sogenannte Katar-Prozess „verdient eine Chance“. In dem Öl-Emirat hatten die USA mit Vertretern der Taliban verhandelt. Die Gespräche waren aber im Streit um die Freilassung von Häftlingen aus dem US-Gefangenenlager Guantanamo von den Taliban abgebrochen worden. Nun geht es mit Hilfe einer Sondierung von Pakistan wieder darum, unter welchen Bedingungen hochrangige inhaftierte Taliban-Führer entlassen werden könnten. dapd (Politik/Politik)
Studie: Misshandlungen im Kloster Ettal Teil eines Gewaltsystems
München (dapd). Nach den Vorwürfen zu Misshandlungen und sexuellem Missbrauch im Benediktinerkloster Ettal (Landkreis Garmisch-Partenkirchen) bescheinigt jetzt ein aktueller Untersuchungsbericht dem Internat ein „System der Unterdrückung“. Bis in die 80er Jahre hinein sei Gewalt „gezielt als pädagogisches Mittel eingesetzt“ worden, heißt es in dem Bericht, der der „Süddeutschen-Zeitung“ vorliegt und am Donnerstagnachmittag offiziell vorgestellt werden soll. Demnach sind sexuelle Übergriffe Teil dieses Gewaltsystems gewesen. Vor drei Jahren war offenbar geworden, dass Mönche in Ettal zahlreiche Schüler misshandelt und sexuell missbraucht hatten. Im Internat verbrachten dem Blatt zufolge die Söhne deutscher Spitzenpolitiker, Adeliger und Industrieller über Jahrzehnte ihre Schulzeit. Den Missbrauchsvorwürfen wurde in einem 150-seitigen Bericht des sozialwissenschaftlichen Instituts IPP in München und des Sozialpsychologen Heiner Keupp nachgegangen. Keupp und seine Mitarbeiter haben den Angaben zufolge für die Studie mehr als 40 Interviews mit ehemaligen Schülern und Mitgliedern des Klosters geführt, auch mit Mönchen, denen sexuelle Übergriffe und Misshandlungen vorgeworfen wurden. Die Mönche hätten diese Elite „durch Selektion und schmerzvolle Bestrafung der Leistungsschwachen“ geformt, heißt es in dem Bericht. Körperliche Züchtigungen seien „gezielt als pädagogisches Mittel eingesetzt“ worden. Die Heftigkeit der Gewalt lasse keinen anderen Schluss zu, „als dass die Täter entweder die Kontrolle über ihre Affekte verloren oder auf der Basis sadistischer Motivation handelten“. Die sexuellen Übergriffe seien „eine spezifische Variante der Gewalt“ gewesen, „die sich in sexualisierter Weise manifestierte“. dapd (Politik/Politik)
Osram verkauft große Fabrik in China
München (dapd). Der Leuchtmittelhersteller Osram trennt sich von einem seiner großen Werke in China. Das Unternehmen will die Fabrik in Shaoxing, wo bisher rund 2.000 Mitarbeiter vor allem traditionelle Lampen fertigen, an die Firma Super Trend Lighting in Hongkong verkaufen, wie die Siemens-Tochter am Donnerstag in München mitteilte. Die Transaktion soll noch im Frühjahr über die Bühne gehen. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Der Verkauf ist Teil des Konzernumbaus, bei dem Osram bis 2014 bis zu 8.000 Arbeitsplätze abbauen will. Mit der Veräußerung der Fabrik in Shaoxing und bereits rund 2.000 abgebauten Stellen an anderen Standorten werde das Unternehmen die Hälfte davon erreichen, teilte Osram weiter mit. Den Fabrikverkauf bezeichnete der Vorstandsvorsitzende Wolfgang Dehen als einen „weiteren Meilenstein in der Neuausrichtung des Unternehmens“. Osram will den LED-Anteil weiter ausbauen. Zuletzt lagen die Umsätze aus diesem Bereich bei einem Viertel der Gesamterlöse. Die Siemens-Tochter muss wegen des technologischen Wandels in der Lichtbranche und der starken Konkurrenz in Asien massiv Kosten senken. Von 2013 bis 2015 will Osram insgesamt eine Milliarde Euro einsparen. In Deutschland sollen bis 2014 1.400 Arbeitsplätze gestrichen werden. Ein Teil davon ist bereits abgebaut. Im Wesentlichen sind die Standorte Augsburg und Berlin betroffen. Im Herbst 2012 hatte Osram weltweit rund 39.000 Mitarbeiter. Die Konzernmutter Siemens hatte bei der Hauptversammlung im Januar die Abspaltung von Osram beschlossen. Wegen Klagen von Aktionären ist es allerdings fraglich, ob das Tochterunternehmen Ende April an die Börse kommt. Eine Verschiebung ist wahrscheinlich. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)