FDP will wieder Partei des Mittelstands sein

FDP will wieder Partei des Mittelstands sein Berlin (dapd). Liberale Weichenstellung rund 200 Tage vor der Bundestagswahl: Die FDP will wieder „Partei des Mittelstands“ sein und sich mehr um die Sorgen der Bürger kümmern. Das kündigte FDP-Chef Philipp Rösler am Samstag auf dem Bundesparteitag der Freien Demokraten in Berlin an, der den 40-Jährigen anschließend mit 85,7 Prozent im Amt bestätigte. Das ist deutlich weniger als bei der Amtsübernahme vor zwei Jahren mit 95,1 Prozent, doch weit mehr, als parteiintern nach monatelangen Personalquerelen befürchtet worden war. Zuvor hatte Rösler in einer teilweise sehr emotionalen Rede die gut 59.000 FDP-Mitglieder auf einen engagierten Wahlkampf eingeschworen und gefordert, die Alltagsprobleme der Menschen nicht zu vergessen. Zudem sprach sich Rösler für eine Art Mindestlohn aus, für den er ein FDP-Modell für den außerordentlichen Parteitag im Mai in Aussicht stellte. Die Union rief er ferner auf, ihren Widerstand gegen die Gleichstellung der gleichgeschlechtlichen Ehe aufzugeben. Zugleich mahnte Rösler die Freien Demokraten zur Geschlossenheit. „Wenn wir zusammenstehen, wenn wir uns nicht beirren lassen, werden wir auch Erfolg haben“, sagte er. Comeback des Ex-Generalsekretärs Lindner Für den nordrhein-westfälischen FDP-Landeschef Christian Linder ist die kommende Bundestagswahl eine „Richtungsentscheidung für Deutschland“. Es gehe darum, ob eine „autoritäre“ rot-grüne Bundesregierung die Menschen bevormunde, oder ob mit Schwarz-Gelb weiter die Freiheit der Menschen im Vordergrund stehe, sagte er in seiner Bewerbungsrede zum ersten Stellvertreter. „Deshalb will ich wieder mitkämpfen dafür, dass Deutschland aus der Mitte regiert wird“, sagte Lindner. Anschließend erhielt er für sein politisches Comeback an die FDP-Spitze 77,8 Prozent der Delegiertenstimmen. Zweite Vize-Vorsitzende wurde Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger, die wie Lindner ohne Gegenkandidaten antrat und 83,7 Prozent erhielt. Bei der Kampfkandidatur für den dritten Stellvertreterposten konnte sich der sächsische Landeschef Holger Zastrow erst im zweiten Wahlgang gegen die baden-württembergische Landesvorsitzende Birgit Homburger durchsetzen. Auf Zastrow entfielen zunächst 49,9 Prozent der Delegiertenstimmen gegenüber 45,6 Prozent für Homburger. Im zweiten Durchgang, bei dem die relative Mehrheit ausreichte, erhielt Zastrow dann 49,7 Prozent, auf Homburger entfielen 48,5 Prozent. FDP will Korrektiv in der schwarz-gelben Koalition bleiben Zum Auftakt des Parteitages hatte Rösler in seiner knapp einstündigen Rede die Erfolge der schwarz-gelben Koalition gelobt und dabei die Rolle seiner Partei als Korrektiv herausgestellt. „Deutschland geht es gut, den Menschen geht es gut. Und wir stehen als Freie Demokratische Partei dafür, dass genau das in Zukunft auch so bleibt“, betonte der FDP-Chef. Er versicherte, die FDP stehe zur Fortsetzung des Bündnisses mit der Union nach der Bundestagswahl und wolle als „Partei der Mitte“ auch künftig diese Koalition auf Kurs halten. Scharf ging Rösler mit SPD und Grünen ins Gericht, denen er eine Regierungsunfähigkeit unterstellte. Insbesondere die Steuerpläne von Peer Steinbrück und Jürgen Trittin mit einer Summe von 40 Milliarden Euro seien „ein Anschlag auf die Mitte unserer Gesellschaft, ein Anschlag auf die Leistungsgerechtigkeit“. Da die Union bereits an dieser Stelle umgefallen sei, komme es jetzt auf die FDP an, eine solche „Steuererhöhungsorgie“ zu verhindern. Lob für Brüderle als FDP-„Sturmspitze“ Viel Lob hatte Rösler schließlich für den neuen FDP-Spitzenmann Rainer Brüderle übrig. Der FDP-Fraktionschef soll die Liberalen mit Rösler zusammen als Spitzenduo in den Bundestagswahlkampf führen. Am Sonntag soll er offiziell in dieser Position als „Sturmspitze“ neben dem „Kapitän“ Rösler bestätigt werden. Dem jüngsten ZDF-„Politbarometer“ zufolge glauben aber nur noch 25 Prozent der Befragten, dass Brüderle für das Abschneiden der FDP bei der Bundestagswahl einen positiven Beitrag leisten kann. Auch die FDP muss nach derzeitigem Stand im September um den Wiedereinzug in den Bundestag bangen. Vor diesem Hintergrund rief Rösler die Parteifreunde auf, sich nicht von Umfragen abschrecken zu lassen: „Man darf niemals die Entschlossenheit, die Geschlossenheit und den Siegeswillen dieser Freien Demokratischen Partei unterschätzen.“ dapd (Politik/Politik)

Westerwelle: Entführte Blauhelme frei und in Jordanien

Westerwelle: Entführte Blauhelme frei und in Jordanien Berlin (dapd). Außenminister Guido Westerwelle (FDP) hat sich erleichtert über die Freilassung der von syrischen Rebellen auf den Golan-Höhen entführten UN-Beobachter gezeigt. „Es ist gut, dass die Militärbeobachter der Vereinten Nationen jetzt endlich wieder auf freiem Fuß sind. Ich bin erleichtert, dass alle Angehörigen der UNDOF-Mission der Vereinten Nationen wohlbehalten in Jordanien eingetroffen sind“, erklärte er am Samstag in Berlin. Die 21 philippinischen UN-Blauhelmsoldaten waren am Mittwoch nahe der Grenze zu Israel verschleppt worden. Westerwelle sagte: „Wir verurteilen in aller Schärfe die Geiselnahme von neutralem UN-Personal.“ Die Arbeit der Vereinten Nationen auf den Golan-Höhen sei von großer Wichtigkeit und müsse weitergehen. Die Ereignisse zeigten auch, dass der Bürgerkrieg in Syrien nicht nur für die UN-Beobachter, sondern auch für die ganze Region höchst gefährlich sei. „Wir werden weiter die Menschen in Syrien unterstützen, aber müssen unbedingt vermeiden, dass der Bürgerkrieg in Syrien über die Grenzen schwappt und auch die Nachbarländer und die Region erfasst,“ betonte der Außenminister. © 2013 AP. All rights reserved (Politik/Politik)

Leutheusser-Schnarrenberger als FDP-Vize wiedergewählt

Leutheusser-Schnarrenberger als FDP-Vize wiedergewählt (dapd). Der FDP-Bundesparteitag hat Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger als stellvertretende Vorsitzende bestätigt. Die bayrische Landesvorsitzende erhielt am Samstag in Berlin 539 der gültigen Delegiertenstimmen. Das ist eine Zustimmung von 83,7 Prozent. dapd (Politik/Politik)

Linke Rede und launiger Auftritt

Linke Rede und launiger Auftritt Hanau (dapd). An die missliche Lage der SPD bei der letzten Landtagswahl in Hessen wurde auf dem Parteitag am Samstag in Hanau nur einmal erinnert: Bei Verleihung der Holger-Börner-Medaille an den ehemaligen rheinland-pfälzischen Ministerpräsidenten Kurt Beck bedankte sich der Landesvorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel noch einmal ausdrücklich bei dem Geehrten für die damals geleistete Solidarität. Nach dem Debakel um die gescheiterte Ministerpräsidentenkandidatur Andrea Ypsilantis habe sich der damalige Mainzer Regierungschef „nicht weggeduckt“, sondern den Hessen im Wahlkampf ohne Zögern zur Seite gestanden. Ansonsten aber will in der hessischen SPD niemand mehr an das damalige Desaster erinnert werden, das die Partei bei der Landtagswahl Anfang 2009 schließlich auf ganze 23,7 Prozent abstürzen ließ. Im Gegenteil: Der jetzige Landesvorsitzende und Spitzenkandidat Thorsten Schäfer-Gümbel wird nicht müde, den Wahlsieg am 22. September zu beschwören. Und wie viel schöner ist es noch, dies im Gleichklang mit Kanzlerkandidat Peer Steinbrück zu tun, der allen Fettnäpfchen im bisherigen Wahlkampf zum Trotz am Samstag keine Fehler machte und die 350 Delegierten zu wahren Jubelstürmen hinriss. Völlig frei redend, kam ihm dabei das erstmals bei einem Parteitag umgesetzte Format des Town Hall Meetings zugute: Wie aus dem Wahlkampf in den USA bekannt, stand der Redner in der Halle des Hanauer Congress Centrums ohne Pult frei in der Mitte des Saales, rundherum von den Delegierten umgeben. Sowohl Steinbrück als auch Schäfer-Gümbel mussten also, mit dem Mikrofon in der Hand, einmal in diese, einmal in jene Richtung sprechen, um allen Delegierten in die Augen schauen zu können. Nur einmal hatte Steinbrück schon ein derartiges Arena-Format absolviert: kürzlich bei einem Bürgerforum in Potsdam. Allerdings fiel damals seine Bemerkung von den „Clowns“ Beppe Grillo und Silvio Berlusconi in Italien, die Steinbrück erheblichen Ärger einbrachten und alle Kunst der Beherrschung des neuen Auftrittsformats überschatteten. Selbstironie über diplomatische Fähigkeiten In Hanau gab es keinerlei Fauxpas bei der Rede des Kanzlerkandidaten. Selbstironisch sprach er sogar selbst einmal von seiner „bekannten Selbstdisziplin und diplomatischen Fähigkeiten“. Nicht nur dabei hatte er die Lacher auf seiner Seite. Ja, er wolle Kanzler werden, obwohl er immer noch mit der ersten Frau verheiratet sei und somit eigentlich gar nicht Karriere machen könne, schmunzelte Steinbrück. Er begeisterte den Parteitag mit einer meisterhaften Mischung aus Ironie und Kampfgeist. Und inhaltlich war es eine ausgesprochen linke Rede des als Parteirechter verschrieenen Steinbrück. Private Vermögen müssten stärker zur Finanzierung öffentlicher Leistungen herangezogen, Steuererhöhungen nicht für alle, aber für einige, seien erforderlich. Das unterschied sich nicht grundlegend von Schäfer-Gümbels in Hanau vorgetragener Forderung nach „1 Prozent Vermögensteuer für 100 Prozent Bildung“. Auch mit dem Ruf nach Zuwanderung und dem entschiedenen Eintreten für Mindestlöhne und soziale Gerechtigkeit kam Steinbrück beim eher linken hessischen Landesverband gut an. Einmal ohne Gegenkandidaten Schäfer-Gümbel lobte nach dem Parteitag nicht nur die gute Stimmung und die Reden. Er freute sich auch darüber, dass die Aufstellung der Landesliste für die Bundestagswahl zum ersten Mal seit Langem ohne Gegenkandidaturen vonstatten ging: „ein Hinweis, wie sortiert die hessische SPD ist“, sagte er. Und auch bei der Verabschiedung des Wahlprogramms blieb größerer Streit aus. Nur beim Thema Nachtflugverbot auf dem Frankfurter bedurfte es noch einmal einer persönlichen Intervention Schäfer-Gümbels, um einen Kurswechsel zu verhindern. Delegierte aus Frankfurt und Groß Gerau beantragten, die Forderung nach Verlängerung der Nachtruhe auf dem Flughafen um zwei Stunden von 22.00 bis 6.00 Uhr ins Wahlprogramm zu schreiben. Der Parteichef, der schon zuvor in seiner Grundsatzrede gemahnt hatte, auch an die Arbeitsplätze zu denken, warnte: Man dürfe nicht wieder Vertrauen verspielen, indem man etwas verspreche, das man später nicht einhalten könne. Mit 118 zu 72 Stimmen entschied sich der Parteitag daraufhin für die Linie Schäfer-Gümbels. Und der zeigte sich ganz am Ende „außerordentlich zufrieden“ mit dem Kongress. dapd (Politik/Politik)

Röslers Botschaft: Wir haben verstanden

Röslers Botschaft: Wir haben verstanden Berlin (dapd). Noch vor wenigen Wochen war Philipp Rösler ein Gejagter. Selbst auf der Feier zu seinem 40. Geburtstag Ende Februar mit 1.100 geladenen Gästen witzelte der FDP-Chef, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel wohl die einzige im Saal wäre, die seinen Job nicht wolle. Jetzt hat Rösler offensichtlich wieder Tritt gefasst. Auf dem Bundesparteitag der FDP sprach mit seiner „Kümmer“-Rede vielen Delegierten aus dem Herzen. Rund 200 Tage vor der Bundestagswahl will die FDP ihre Image als Partei der sozialen Kälte abstreifen. Ausgiebig redet Rösler in seiner fast einstündigen Rede über soziale Marktwirtschaft und wie „cool“ Deutschland sei. Und dass die FDP „Schutzwälle gegen den Zugriff des Staates auf seine Bürger errichtet habe. Dass die FDP das Thema Bürgerrechte ernst nehme. Und dass die FDP eine Bildungspartei sein wolle. Ja, und dass es eigentlich doch irgendwie Mindestlöhne geben müsse. Solche Töne überraschen. Denn statt purer Wahlkampfrhetorik gibt es zwar heftige Schläge auf den politischen Gegnern – gemixt aber mit liberalen Grundsatzpositionen und der Erkenntnis, dass die FDP „weiße Flecken“ in der Gesellschaft aufzuarbeiten habe. Nicht jedem in der FDP schmeckt das, was vor allem bei der aufkeimenden Debatte über den Mindestlohn deutlich wird. Vor allem der Chef der Jungliberalen, Lasse Becker, ist es, der allen Arten von Mindestlohn gern einen Parteitagsriegel vorschieben will. „Mit der Debatte über einen Mindestlohn wird ein Zerrbild von der Beschäftigungssituation vieler Menschen in Deutschland gezeichnet“, heißt in einem Dringlichkeitsantrag. Seine Position: Warum eine FDP-Position räumen, nur um Jugendarbeitslosigkeit und Schwarzarbeit zu fördern. Doch nicht alle folgen hier dem 29-jährigen Jungliberalen. So mancher Delegierte weiß, dass viele Menschen in Deutschland zwar Vollzeit arbeiten, dennoch nicht von ihrer Hände Arbeit leben können. Aber wie bringt man eine Partei mit 59.000 Mitgliedern zu einem politischen Schwenk? Wie vermeidet man einen neuen Streit in der FDP, wo doch gerade an der Personalfront Ruhe eingekehrt ist? „Wer mit harter Arbeit den Aufstieg versucht, der soll am Ende nicht mit leeren Händen dastehen“, versucht Rösler dem neuen Konsens eine Grundlage zu geben. Ja, die Marktwirtschaft habe sich bewährt. „Aber das enthebt uns nicht der Plicht Antworten zu geben. Antworten auf die Frage: Was machen wir eigentlich in Regionen, in Branchen, in denen es keine Tarifautonomie gibt?“ Eine Lösung zum Mindestlohn muss her, wenn die in Umfragen nicht gerade verwöhnte FDP ihre Wahlchancen außerhalb ihrer Klientel deutlich verbessern will. Das weiß auch Rösler und sendet die Botschaft: „Wir haben verstanden“. Denn seine Tandemeinigung mit Fraktionschef Rainer Brüderle, wonach dieser FDP-Spitzenmann zur Bundestagswahl wird und er, Rösler, Parteichef bleibt, kann nur ein erster Schritt sein. So vermittelt seine Rede die oft vermisste soziale Wärme der Liberalen. Dafür bekommt Rösler dann vier Minuten kräftigen Beifall. Seinem Wiederwahlergebnis hat der kleine, aber wichtige Schwenk offenbar nicht geschadet. Die 85,7 Prozent dürften dem 40-jährigen Rösler erstmal den Rücken stärken. Zwar bleibt er damit weit hinter den gut 95 Prozent seiner ersten Wahl zum Parteichef vor zwei Jahren zurück. Aber in der Partei hatte man vor der Wahl am Samstag in Berlin eher mit einer Wert zwischen 70 und 80 Prozent gerechnet. dapd (Politik/Politik)

Rösler als FDP-Chef wiedergewählt

Rösler als FDP-Chef wiedergewählt Berlin (dapd). Philipp Rösler bleibt Bundesvorsitzender der Liberalen. Auf dem 64. FDP-Bundesparteitag erhielt Rösler am Samstag in Berlin 534 der gültigen Delegiertenstimmen und erreichte damit eine Zustimmung von 85,7 Prozent. Das ist weniger als bei seiner ersten Wahl vor zwei Jahren in Rostock. Damals hatte er 95,1 Prozent erhalten. dapd (Politik/Politik)

Tarif-Einigung beim Öffentlichen Dienst

Tarif-Einigung beim Öffentlichen Dienst Potsdam/Berlin (dapd-bln). Nach mehreren bundesweiten Streiks ist der Tarifstreit für den öffentlichen Dienst der Länder beendet. Nach zähen Verhandlungen einigten sich die Gewerkschaften des öffentlichen Dienstes und die Tarifgemeinschaft deutscher Länder (TdL) am Samstag in Potsdam auf einen Kompromiss. Die rund 800.000 Angestellten erhalten 5,6 Prozent mehr Geld. Die Beschäftigten bekommen 2,65 Prozent mehr Gehalt rückwirkend ab 1. Januar 2013 und weitere 2,95 Prozent ab 1. Januar 2014, wie die Gewerkschaften nach der dritten Verhandlungsrunde mitteilten. Gefordert hatten sie 6,5 Prozent. In Berlin und Brandenburg stieß die Einigung auf ein geteiltes Echo. Grundsätzlich sieht die Einigung weiter vor, dass die Vergütungen der Auszubildenden ab Januar 2013 um 50 Euro monatlich und ab Januar 2014 um weitere 2,95 Prozent steigen. Zudem erhalten die Auszubildenden eine Übernahmegarantie, wie sie auch bei Bund und Kommunen gilt. Keine Einigung gab es bei der tariflichen Eingruppierung der angestellten Lehrerinnen und Lehrer. Dies scheiterte den Angaben zufolge unter anderem daran, dass die Arbeitgeber an der einseitigen Festlegung der Gehälter festhalten wollten und zudem keinerlei Bereitschaft zeigten, die besondere finanzielle Diskriminierung der Lehrkräfte in Sachsen zu beenden. Schrittweise Angleichung bis 2017 Von dem Kompromiss profitieren auch 58.000 Beschäftigte in Berlin. Allerdings gelten nach Angaben von ver.di für die Hauptstadt einige Abweichungen. So ist in Berlin seit November 2010 ein sogenannter Angleichungstarifvertrag in Kraft, der dafür sorgt, dass die Berliner Beschäftigten schrittweise bis 2017 an das in den anderen Bundesländern erreichte Tarifniveau herangeführt werden. Zurzeit erhalten die Berliner 97 Prozent des Niveaus der anderen Länder. Die erste, jetzt vereinbarte Tariferhöhung um 2,65 Prozent werde deshalb in der Hauptstadt nicht wie in den anderen Ländern rückwirkend zum 1. Januar 2013 gezahlt, sondern komme erst zum 1. April 2013, teilte die Gewerkschaft mit. Zugleich steige zum 1. April das Angleichungsniveau um 0,5 Prozent, so dass dann eine Bezugsgröße von 97,5 Prozent gelte. Ein ähnliches Verfahren komme dann beim nächsten Schritt zum 1. Januar 2014. Während bundesweit die Einkommen der Landesbeschäftigten nochmals um 2,95 Prozent angehoben würden, steige in Berlin zu diesem Zeitpunkt das Angleichungsniveau wiederum um 0,5 Prozent auf dann 98 Prozent. Vor diesem Hintergrund zeigte sich die stellvertretende ver.di-Landesbezirksleiterin Astrid Westhoff nicht ganz zufrieden mit dem ausgehandelten Kompromiss. Die Berliner Beamten würden dem bundesweiten Niveau hinterher hinken. Ver.di fordere deshalb die „zeit- und inhaltsgleiche Übertragung des jetzt erzielten Tarifergebnisses“, sagte sie. Eine „Zwei-Klassen-Gesellschaft“ sei nicht „hinzunehmen“, kritisierte auch der Landeschef der Gewerkschaft Kommunaler Landesdienst Berlin, Frank Becker. Brandenburg kostet Kompromiss 84 Millionen Euro Unterdessen zeigte sich Brandenburgs Innenminister Dietmar Woidke (SPD) zufrieden. „Es ist zu begrüßen, dass es gelungen ist, die schwierige Tarifrunde 2013 zügig und mit einem vertretbaren Kompromiss zum Abschluss zu bringen“, sagte er am Samstag. Das Ergebnis erfülle einerseits die Erwartungen der Beschäftigten und berücksichtige andererseits auch die angespannte Finanzlage der Bundesländer. Den Angaben zufolge sind in Brandenburg 20.870 Tarifbeschäftigte im öffentlichen Dienst tätig. „Die Umsetzung des Tarifabschlusses wird nach ersten Berechnungen im Jahr 2013 rund 27 Millionen Euro und im Jahr 2014 etwa 57 Millionen Euro kosten“, teilte Finanzminister Helmut Markov (Linke) mit. Der Einigung vorausgegangen war eine scharfe Auseinandersetzung mit mehreren Streiks. Auch in Berlin und in Brandenburg hatten die Beschäftigten in den vergangenen Wochen mehrfach die Arbeit niedergelegt. Vor allem die angestellten Lehrer hatten in großer Teilnehmerzahl gestreikt. Vor dem Hintergrund, dass bei der Eingruppierung der Lehrer keine Einigung erzielt wurde, bezeichnete die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) das im Rahmen der Tarifrunde vorgelegte Angebot der Arbeitgeber als „Provokation“. dapd (Wirtschaft/Politik)

Protest mit Mundschutz und Geigerzählern

Protest mit Mundschutz und Geigerzählern Grohnde (dapd). Ein GAU nimmt keine Rücksicht auf das Wetter. Bei Nieselregen und Temperaturen knapp über null Grad wird am Samstagmittag auf dem Göttinger Wochenmarkt Strahlenalarm ausgelöst. Menschen in weißen Schutzanzügen sperren einen Teil des Platzes mit gelb-rotem Flatterband ab und spannen Regenschirme auf – „Schutzschirme gegen Radioaktivität“ steht auf Schildern, die an den Schirmdächern befestigt sind. „Im AKW Grohnde hat sich ein schwerer Unfall ereignet“, erklärt Peter Kasten den umstehenden Passanten. „Die radioaktive Wolke ist auf dem Weg hierher“. Der Lehrer und Attac-Aktivist hat einen kleinen Geigerzähler mitgebracht. An den umliegenden Obst- und Gemüseständen misst er, ob die Waren womöglich schon verstrahlt sind. Die GAU-Simulation ist eine von rund 200 Aktionen in Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen, mit denen Umweltschützer kurz vor dem Jahrestag des Atomunfalls in Fukushima auf die Auswirkungen einer tatsächlichen Katastrophe in Grohnde aufmerksam machen wollen. Der durchschnittliche Abstand zwischen den Aktionsorten und dem Atomkraftwerk von 40 bis 60 Kilometern markiert dabei in etwa die Grenze um das Gebiet, das nach Ansicht von Strahlenschutzexperten bei einem größten anzunehmenden Unfall sehr stark kontaminiert und für Jahrzehnte unbewohnbar werden könnte. „Aber auch noch in 170 Kilometern Entfernung kann eine solche Katastrophe dramatische Eingriffe bis hin zu Umsiedlungen nötig machen“, sagt Peter Dickel, einer der Organisatoren der Proteste. Vor dem Göttinger Polizeipräsidium haben die Leute von der örtlichen Anti-Atom-Initiative einen „Dekontaminationsstand“ und eine Kaffeetafel für diejenigen Strahlenflüchtlinge aufgebaut, die es aus der Gefahrenzone geschafft haben. Nördlich der Universitätsstadt, in Nörten-Hardenberg, trifft am Mittag ein kleiner Flüchtlingstreck mit Pferden ein. In den Nachbarorten läuten die Kirchenglocken. Die atomkritische Ärzteorganisation IPPNW hat in Bad Salzuflen, Hannover und Hildesheim „Dekontaminationszelte“ errichtet. In Schutzanzügen mit Mundschutz und Handschuhen verteilen die Mediziner symbolisch Jodtabletten und klären Passanten über die Folgen einer Atomkatastrophe auf. Ebenfalls in Hildesheim trommelt eine Sambagruppe „Evakuierte“ zusammen. Die Initiative „Kanaldörfer gegen Schacht Konrad“ und der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland haben in Lamspringe eine weitere Sammelstelle eingerichtet. „Kontaminierte“ werden mit Treckern und Anhängern abgeholt und zur Auffangstation gebracht. Auch in Detmold sind Menschen mit Mundschutz und Koffern auf der Flucht. In Lemgo informieren Strahlenschützer per Lautsprecherwagen und von einer Bühne über die Ausbreitung der radioaktiven Wolke. Und an der Weserbrücke in Bad Karlshafen macht das Anti-Atom-Plenum Kassel Messungen, kontrolliert „Flüchtende“ beim Übertreten der Landesgrenze und stellt ihnen Verpflegung zur Verfügung. In vielen Städten wollen die Aktivisten Menschenketten bilden und so zusätzlich für Aufmerksamkeit sorgen. Doch meist bleibt es bei dem Versuch, fast überall haben die Ketten große Löcher. Die Veranstalter sprechen von insgesamt 20.000 Teilnehmern an den Protesten rund um Grohnde, die Polizei hat in Niedersachsen 2.500 Demonstranten gezählt. „Natürlich lassen unsere Flüchtlingstrecks, Dekontaminationsstationen und anderen Aktionen nur erahnen, wie es wäre, wenn die Katastrophe wirklich eintritt“, bilanziert Peter Dickel. „Es wäre eigentlich Aufgabe der Politiker, die den Betrieb der Atomkraftwerke verantworten, solche Katastrophenschutzübungen unter Einbeziehung der Bevölkerung zu organisieren.“ dapd (Politik/Politik)

Rund 3.500 demonstrieren für sofortiges Aus des AKW Gundremmingen

Rund 3.500 demonstrieren für sofortiges Aus des AKW Gundremmingen Günzburg (dapd). Rund 3.500 Menschen haben am Samstag in Günzburg für ein sofortiges Abschalten des Atomkraftwerks Gundremmingen demonstriert. Anlass war der zweite Jahrestag der Reaktorkatastrophe im japanischen Fukushima am 11. März. „Eine aktuelle Studie des Bund Naturschutz in Bayern zeigt, dass das AKW Gundremmingen besondere Sicherheitsrisiken hat“, betonte der Vorsitzende des Naturschutzverbands, Hubert Weiger, auf einer Kundgebung. Anstatt den Ausbau der erneuerbaren Energien abzuwenden, müsse die Bundesregierung das AKW Gundremmingen sofort abschalten. Dort stünden die letzten beiden Siedewasserreaktoren Deutschlands, die dem gleichen Typ entsprächen wie jene in Fukushima. dapd (Politik/Politik)

Maria Böhmer führt CDU-Landesliste an

Maria Böhmer führt CDU-Landesliste an Morbach (dapd). Die rheinland-pfälzische CDU zieht mit Maria Böhmer als Spitzenkandidatin in den Bundestagswahlkampf. Auf der Landesdelegiertenversammlung in Morbach wurde die 62-Jährige Mainzerin am Samstag mit 224 von 242 Stimmen (92,6 Prozent) auf den ersten Platz der Landesliste gewählt, wie die Partei am Samstag mitteilte. Böhmer, die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung ist, zog erstmals 1990 in den Bundestag ein. Der Spitzenkandidat bei der vergangenen Bundestagswahl, Joachim Hörster, ist nicht zur Wahl angetreten. Der Westerwälder war 25 Jahre lang Mitglied des Bundestages (MdB). Auf weitere vordere Listenplätze wurden unter anderem Peter Bleser (MdB, Koblenz-Montabaur), Bernhard Kaster, (MdB, Trier), Norbert Schindler, (MdB, Rheinhessen-Pfalz) und Michael Fuchs (MdB, Koblenz-Montabaur) gewählt. Die Bundestagswahl findet am 22. September statt. Klöckner: „Bundesregierung hat angepackt“ CDU-Landeschefin Julia Klöckner verwies in einer Rede am Samstag auf die geringere Arbeitslosigkeit im Land, die auf die Leistung der CDU im Bund zurückgehe: „Die CDU-geführte Bundesregierung hat angepackt und Tatsachen geschaffen. Noch nie waren so viele Menschen erwerbstätig, nirgendwo haben junge Menschen so viele Jobs, und auch der Anteil der berufstätigen Frauen ist bei uns seit 2005 stärker gestiegen als in jedem anderem Lande der EU“, sagte Klöckner. Die CDU Rheinland-Pfalz mache Haushaltsdisziplin zu einem Schwerpunktthema. „Wer alle Generationen – vor allem die künftigen – sozial fair behandeln will, darf heute nicht weiter Entscheidungen treffen, die unsere Enkelkinder bezahlen müssen“, fügte Klöckner hinzu. dapd (Politik/Politik)