Düsseldorf (dapd). EU-Justizkommissarin Viviane Reding hat von Deutschland eine schnelle Umsetzung der EU-Frauenquote gefordert. „Das stünde Deutschland gut zu Gesicht“, sagte Reding der „Rheinischen Post“. „Schließlich gehört Deutschland zu den wenigen Länder in Europa, wo Frauen zeigen, dass sie sehr erfolgreich Regierungsverantwortung übernehmen können, ob in Berlin oder auf Länderebene“, fügte Reding hinzu. Die Bundesregierung lehnt den Gesetzesvorschlag der EU-Kommission für eine 40-Prozent-Frauenquote in Aufsichtsräten bislang ab. Bundsfamilienministerin Kristina Schröder (CDU) hatte in diesem Zusammenhang unter anderem argumentiert, dass die nationale Gesetzgebung Vorrang haben müsse vor Brüsseler Vorschriften. dapd (Politik/Politik)
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Arbeitgeber fordern höchste Priorität für Ausbau der Kinderbetreuung
Dortmund (dapd). Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt fordert einen verstärkten Ausbau der Kinderbetreuung in Deutschland. „Um Erziehenden dabei zu helfen, Familie und Beruf erfolgreich miteinander zu vereinbaren, muss der bedarfsgerechte Ausbau der Kinderbetreuungsinfrastruktur höchste Priorität erhalten“, sagte Hundt den „Ruhr Nachrichten“. Im internationalen Vergleich habe Deutschland großen Nachholbedarf. Nach einer am Montag bekannt gewordenen Studie des Bundesinstituts für Bevölkerungsforschung liegt Deutschland mit statistisch 1,39 Kindern pro Frau auf einem der hinteren Plätze in Europa. Hundt sagte, die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sei „eines der zentralen Anliegen der deutschen Arbeitgeber“. Dies gelinge aber nur, wenn alle gesellschaftlichen Akteure zusammenwirkten. „Die Arbeitgeber leisten ihren Beitrag, zum Beispiel mit flexiblen, familienbewussten Arbeitszeiten und Unterstützung beim beruflichen Wiedereinstieg sowie der Kinderbetreuung“, sagte er. dapd (Politik/Politik)
EKD-Chef Schneider mahnt nach Amoklauf in den USA zur Wachsamkeit
Passau (dapd). Nach dem Amoklauf in einer Grundschule im US-Bundesstaat Connecticut rät die Evangelische Kirche zu Wachsamkeit vor Nachahmungstätern. „Wir müssen achtsamer sein und möglichst verhindern, dass sich Jugendliche isolieren und Zuflucht in Computerspielwelten und Waffengewalt suchen“, sagte der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Präses Nikolaus Schneider, der „Passauer Neuen Presse“. Das Massaker von Newtown mit 28 Toten sei erschreckend. „In Amerika herrscht die Vorstellung, dass ungehinderter Zugang zu Waffen ein Ausdruck von Freiheit ist“, sagte Schneider: „In Deutschland liegt das Gewaltmonopol beim Staat und nirgendwo anders.“ dapd (Politik/Politik)
Politik empört sich über Fitschens Anruf bei Bouffier
Frankfurt/Berlin (dapd). Eigentor per Telefon: Der Co-Vorstandschef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, hat mit seinem Anruf bei Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) heftigen Unmut in der Politik ausgelöst. Einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ (Dienstagausgabe) zufolge betrachtet der Manager seine Beschwerde bei Bouffier über die große Razzia bei Deutschlands größter Bank in der vergangenen Woche bereits selbst als Fehler. Das habe Fitschen in seinem Umfeld geäußert. Zuvor hatte es einen Proteststurm gegen Fitschen gegeben, weil dieser laut einem Bericht des „Spiegel“ sich bei Bouffier darüber beschwerte, dass die Razzia eine verheerende Außenwirkung für die Bank habe. Bouffier hatte erwidert, Umfang und Details der Razzia wegen Umsatzsteuerbetrugs seien Sache der Staatsanwaltschaft. Unionsfraktionsvize Michael Meister (CDU) erklärte daraufhin im „Handelsblatt“: „Niemand steht in Deutschland über dem Rechtsstaat. Herr Fitschen macht den Eindruck, dass er das nicht verstanden hat.“ Etwas weniger scharf formulierte der SPD-Fraktionsvize Joachim Poß seine Kritik: „Die Vorgänge bei der Deutschen Bank schreien geradezu nach mehr Regulierung, Aufsicht und einem funktionierenden Wirtschaftsstrafrecht.“ „Höchst ungewöhnlicher und einzigartiger Vorgang“ Der hessische Justizminister und FDP-Vorsitzende, Jörg-Uwe Hahn, sprach von einem „höchst ungewöhnlichen und einzigartigen Vorgang“. Bouffier habe ihn zeitnah über Fitschens Vorstoß informiert. „Ich habe diesen Inhalt ungläubig und mit offenem Mund zur Kenntnis genommen“, sagte Hahn. Am Mittwoch vergangener Woche hatten rund 500 Ermittler in einer bundesweiten Razzia Büros der Deutschen Bank durchsucht, darunter in der Zentrale in Frankfurt am Main. Außerdem nahmen sich die Polizisten und Steuerfahnder auch Privatwohnungen von Verdächtigen vor. 25 Mitarbeiter der Bank werden verdächtigt, in einen der größten Fälle von Umsatzsteuerbetrug in der Geschichte der Bundesrepublik verwickelt zu sein. Sie sollen entweder beim Steuerbetrug mit CO2-Zertifikaten geholfen oder andere Verdächtige gedeckt haben. Vier Bankmitarbeiter sitzen in Untersuchungshaft. Deren Freilassung ist laut „Bild“-Zeitung vor Weihnachten unwahrscheinlich. Aus Kreisen ihre Anwälte habe es geheißen, man rechne nicht mit einem Haftprüfungstermin vor dem 27. Dezember. Dem Blatt zufolge gehen die Behörden nicht von einer akuten Suizidgefahr der Inhaftierten aus. Dennoch würden die Zellen stündlich kontrolliert. Auch gegen Fitschen und Finanzvorstand Stefan Krause ermittelt die Staatsanwaltschaft, weil sie die falsche Umsatzsteuererklärung für 2009 unterschrieben hatten, die die Bank allerdings später freiwillig korrigierte. Vorstände entgingen angeblich nur knapp einer Hausdurchsuchung Über die Ermittlungen kommen derweil immer mehr Details ans Licht. Einem Bericht der „Bild“-Zeitung (Montagausgabe) zufolge plante die Staatsanwaltschaft zwischenzeitlich eine Razzia mit massivem Polizeiaufgebot auch in den Privathäusern von Fitschen und Krause. Die Aktion sei den Managern in letzter Minute erspart geblieben, weil sie volle Zusammenarbeit signalisiert hätten. Die Linksfraktion im Bundestag brachte unterdessen ins Gespräch, dass sich das Parlament mit den mutmaßlichen Verfehlungen der Deutschen Bank auseinandersetzen solle. „Wir sollten eine parlamentarische Anhörung zu den Machenschaften der Deutschen Bank durchführen und dann über die Einsetzung eines Untersuchungsausschusses entscheiden“, sagte Fraktionsvize Sahra Wagenknecht der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. „Ob Steuerflucht, Zinsbetrug oder Bankenrettung, immer mischt die Deutsche Bank mit, immer zulasten der Steuerzahler und Privatkunden“, kritisierte die Linke-Politikerin. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
Prominente Gegner fordern Ausstieg aus Stuttgart 21
Stuttgart (dapd-bwb). Prominente Gegner von „Stuttgart 21“ haben von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) nach der Kostenexplosion einen sofortigen Ausstieg aus dem umstrittenen Bahnprojekt gefordert. Wenn die Verantwortlichen behaupteten, es gebe kein Ausstiegsszenario, seien sie herzlich eingeladen, „wir zeigen ihnen, wie das geht“, sagte der Schauspieler Walter Sittler am Montag in Stuttgart. Was Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) am Wochenende gesagt habe, sei „dummes Zeug“. Ramsauer hatte am Wochenende angeführt, dass es finanziell keine Alternativen zum Weiterbau gebe. Der Regisseur und „Stuttgart 21“-Gegner Volker Lösch zeigte sich erstaunt darüber, dass die Grünen in Baden-Württemberg den Kostenanstieg bei den Bahnprojekt nicht politisch für sich nutzten. „Sie müssten nur fordern, was in der Luft liegt“, sagte Lösch mit Blick auf einen Ausstieg aus dem Milliardenprojekt. „Das ist eigentlich eine Steilvorlage.“ dapd (Politik/Wirtschaft)
Gauck in Afghanistan
Masar-i-Scharif (dapd). Vorweihnachtliche Überraschung in Masar-i-Scharif: Bundespräsident Joachim Gauck hat am Montag gemeinsam mit seiner Lebensgefährtin Daniel Schadt die deutschen Soldaten in Afghanistan besucht. Die Lage am Hindukusch sei zwar „nicht mehr so bedrohlich“ wie früher. „Öffentlicher Dienst in Uniform hier in Afghanistan ist aber doch etwas anderes als zu Hause“, lobte das Staatsoberhaupt im größten deutschen Feldlager den Einsatz der Bundeswehr. Ausdrücklich verwies Gauck auf die Erfolge beim Wiederaufbau des Landes. „Wir sind nicht am Ziel“, doch könne man von einem „Erfolg“ des Einsatzes sprechen. Zugleich äußerte das Staatsoberhaupt den Wunsch, die deutsche Debatte über die Situation am Hindukusch möge „weder Schwarzmalerei noch Schönfärberei, sondern Realismus“ prägen. In Teilen des Landes herrschten weiterhin „kriegsähnliche Zustände“, sagte Gauck und griff damit den politischen Wechsel in der früher lediglich als Unterstützungseinsatz bezeichneten ISAF-Mission auf. Doch sei das eben nicht die ganze Realität. Vor deutschen und internationalen Soldaten, Polizisten und Entwicklungshelfern fügte der Bundespräsident hinzu: „Von verwundeten oder getöteten Soldaten hören wir verlässlich – von neuen Stromanschlüssen, gelungenen Unternehmen, erfolgreichen Schulabschlüssen selten.“ Hilfe auch nach 2014 nötig Gauck versprach, die Afghanen auch nach dem für Ende 2014 geplanten Truppenabzug nicht allein zu lassen. „Und wer meint, dass wir in Afghanistan nach 2014 nichts mehr gestalten könnten, der ist hyperoptimistisch oder leichtsinnig oder schlicht und einfach unsolidarisch“. Denn nicht ein „Übermut der Verbündeten“ habe Deutschland in den Konflikt eingreifen lassen, sondern die Verantwortung für Sicherheit und Frieden. Der Bundespräsident drückte in Masar-i-Scharif den Soldaten und zivilen Mitarbeitern aus Deutschland und weiteren 18 Nationen seine „Wertschätzung“ aus. „Sie leisten Außerordentliches. Sie bringen Opfer. Sie zeigen Mut“, sagte Gauck. Daher werde Deutschland Afghanistan auch dem Abzug der Bundeswehr nicht allein lassen. Derzeit sind rund 4.500 Bundeswehrsoldaten im Land eingesetzt, wobei diese Zahl bis Anfang 2014 auf 3.300 Mann sinken soll. Landung der Regierungsmaschine direkt in Masar Zuvor war Gauck wie kürzlich Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) direkt auf dem internationalen Flughafen der nordafghanischen Stadt gelandet. Früher erfolgten solche Reisen mit einem geschützten Transportflugzeug der Bundeswehr über Usbekistan. Die Reise von de Maizière war der erste Direktflug mit einer deutschen Regierungsmaschine nach Afghanistan und sollte als Zeichen für ein verbessertes Sicherheitsumfeld gelten. Der mehrtägige Besuch Gaucks findet unter schärfsten Sicherheitsvorkehrungen statt und wurde erst nach Ankunft des Staatsoberhauptes öffentlich bekannt gemacht. Es ist die vierte Reise eines deutschen Staatsoberhaupts nach Afghanistan. Gaucks Vorgänger Christian Wulff hatte dem Land im Oktober 2011 einen Staatsbesuch abgestattet. Dessen Vorgänger Horst Köhler war 2010 zu einem Blitzbesuch am Hindukusch, trat kurz darauf aber zurück, nachdem er den Bundeswehreinsatz mit wirtschaftlichen Interessen in Verbindung gebracht hatte. Im März 1967 hatte als erster Bundespräsident Heinrich Lübke Afghanistan besucht. Der ISAF-Einsatz startete Anfang 2002. Bis Ende 2014 sollen alle Kampftruppen das Land verlassen haben. Bereits Mitte 2013 sollen die Soldaten der Internationalen Schutztruppe ISAF in ihre Stützpunkte zurückkehren und nur noch eine unterstützende Rolle spielen. Dann will Afghanistan selbst für die Sicherheitsverantwortung im Land sorgen. dapd (Politik/Politik)
Gauck fordert mehr Realismus für Afghanistan
Masar-i-Scharif (dapd). Bei einem überraschenden Besuch in Afghanistan kurz vor Weihnachten hat Bundespräsident Joachim Gauck auf die Erfolge beim Wiederaufbau des Landes verwiesen. „Wir sind nicht am Ziel – und doch spreche ich bewusst von Erfolg“, sagte Gauck am Montag im größten deutschen Feldlager in Masar-i-Scharif. Zugleich äußerte das Staatsoberhaupt den Wunsch, die deutsche Debatte über die Situation am Hindukusch möge „weder Schwarzmalerei noch Schönfärberei, sondern Realismus“ prägen. Im Land herrschten weiterhin „kriegsähnliche Zustände“, sagte Gauck und griff damit den politischen Wechsel in der früher lediglich als Unterstützungseinsatz bezeichneten ISAF-Mission auf. Doch sei das eben nicht die ganze Realität. Vor deutschen und internationalen Soldaten, Polizisten und Entwicklungshelfern fügte der Bundespräsident hinzu: „Von verwundeten oder getöteten Soldaten hören wir verlässlich – von neuen Stromanschlüssen, gelungenen Unternehmen, erfolgreichen Schulabschlüssen selten.“ Hilfe auch nach 2014 nötig Ausdrücklich rief Gauck dazu auf, die Menschen in Afghanistan auch nach dem Ende 2014 geplanten Truppenabzug nicht allein zu lassen. „Und wer meint, dass wir in Afghanistan nach 2014 nichts mehr gestalten könnten, der ist hyperoptimistisch oder leichtsinnig oder schlicht und einfach unsolidarisch“, sagte er. Denn nicht ein „Übermut der Verbündeten“ habe Deutschland in den Konflikt eingreifen lasen, sondern die Verantwortung für Sicherheit und Frieden. Bei seiner Ansprache in Masar-i-Scharif drückte Gauck den Soldaten und zivilen Mitarbeitern aus Deutschland und weiteren 18 Nationen ausdrücklich seine „Wertschätzung“ aus. „Sie leisten Außerordentliches. Sie bringen Opfer. Sie zeigen Mut“, sagte der Bundespräsident. Daher werde Deutschland Afghanistan auch dem Abzug der Bundeswehr nicht allein lassen. Derzeit sind rund 4.500 Bundeswehrsoldaten in Afghanistan eingesetzt, wobei diese Zahl bis Anfang 2014 auf 3.300 Mann sinken soll. Landung der Regierungsmaschine direkt in Masar Gauck, der von seiner Lebensgefährtin Daniela Schadt begleitet wird, war zuvor wie kürzlich Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) direkt auf dem internationalen Flughafen der nordafghanischen Stadt gelandet. Früher erfolgten solche Reisen mit einem geschützten Transportflugzeug der Bundeswehr über Usbekistan. Die Reise von de Maizière war der erste Direktflug mit einer deutschen Regierungsmaschine nach Afghanistan und sollte als Zeichen für ein verbessertes Sicherheitsumfeld gelten. Der Besuch Gaucks findet unter schärfsten Sicherheitsvorkehrungen statt und wurde erst nach Ankunft des Staatsoberhauptes öffentlich bekannt gemacht. Es ist die vierte Reise eines deutschen Staatsoberhaupts nach Afghanistan. Gaucks Vorgänger Christian Wulff hatte dem Land im Oktober 2011 einen Staatsbesuch abgestattet. Dessen Vorgänger Horst Köhler war 2010 zu einem Blitzbesuch bei deutschen Soldaten am Hindukusch, trat kurz darauf aber zurück, nachdem er den Bundeswehreinsatz mit wirtschaftlichen Interessen in Verbindung gebracht hatte. Im März 1967 hatte als erster Bundespräsident Heinrich Lübke Afghanistan besucht. Dank an die „Mutbürger in Uniform“ Schon bei seinem Antrittsbesuch an der Führungsakademie in Hamburg hatte der Bundespräsident im Juni die Bundeswehr als „Friedensmotor“ und die Soldaten als „Mutbürger in Uniform“ bezeichnet. Zudem rief er dazu auf, ihren Aufgaben mehr Verständnis entgegen zu bringen. In Masar-i-Scharif ergänzte er: „Unter welchen Umständen und unter welchem hohen persönlichen Risiko Sie hier arbeiten, ist aus der Ferne kaum zu erahnen.“ Mit deutlichen Worten würdigte der Bundespräsident die Bereitschaft der Soldaten zum Dienen. Der Dienst in Afghanistan „erfordert Ihren Einsatz, Ihre Aufmerksamkeit, Ihren Mut und leider fordert sie Ihnen manchmal auch das Äußerste ab, was Sie geben können: Ihr eigenes Leben.“ Dabei gehe es nicht darum, das „nationale Siegesbanner in der Ferne zu hissen“, sondern eine vom Parlament übertragene Verantwortung wahrzunehmen. Der ISAF-Einsatz startete Anfang 2002. Bis Ende 2014 sollen alle Kampftruppen das Land verlassen haben. Bereits Mitte 2013 sollen die Soldaten der Internationalen Schutztruppe ISAF in ihre Stützpunkte zurückkehren und nur noch eine unterstützende Rolle spielen. Dann will Afghanistan selbst für die Sicherheitsverantwortung im Land sorgen. dapd (Politik/Politik)
Gauck sieht kriegsähnliche Zustände in Afghanistan und Erfolge
Masar-i-Scharif (dapd). Bundespräsident Joachim Gauck warnt vor einer zu optimistischen Sicht auf Afghanistan. „In Afghanistan herrschen immer noch kriegsähnliche Zustände“, sagte Gauck am Montagabend bei seinem überraschenden Truppenbesuch in Masar-i-Scharif. Dort befindet sich das größte Feldlager der Bundeswehr am Hindukusch. Lange Zeit wollte die Bundesregierung den 2002 gestarteten Militäreinsatz nicht mit dem Wort Krieg in Verbindung gebracht sehen. Zugleich lobte Gauck Aufbauerfolge in verschiedenen Teilen des Landes. „Wir sind nicht am Ziel – und doch spreche ich bewusst von Erfolg“, sagte er. Leider interessierten aber Erfolge in Afghanistan oft medial weniger als Bilder und Worte des Scheiterns. Daher wünsche er sich in der Diskussion in Deutschland über die Lage in Afghanistan weder Schwarzmalerei noch Schönfärberei, sondern Realismus. Gauck würdigte ausdrücklich den harten Einsatz der Bundeswehrsoldaten. „Soldaten müssen sich in Gefechten und gegen Überfälle behaupten, müssen heimtückische Anschläge befürchten“, sagte das Staatsoberhaupt. Doch sei in Afghanistan allein militärisch nichts zu gewinnen. Daher komme es auch auf Polizisten und Entwicklungshelfer an. „Sie alle können nur miteinander zum erfolgreichen Wiederaufbau des Landes beitragen.“ dapd (Politik/Politik)
Gauck überraschend in Afghanistan
Masar-i-Scharif (dapd). Eine Woche vor Weihnachten ist Bundespräsident Joachim Gauck am Montag überraschend in Afghanistan eingetroffen. Mit dem Truppenbesuch wolle er den Soldaten seinen persönlichen Dank und die Anerkennung des ganzen Landes ausdrücken, sagte Gauck bei seiner Ankunft in Masar-i-Scharif, dem größten Feldlager der Bundeswehr am Hindukusch. Derzeit sind rund 4.500 deutsche Soldaten in Afghanistan eingesetzt. Gauck, der von seiner Lebensgefährtin Daniela Schadt begleitet wird, war wie kürzlich Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) ebenfalls direkt mit einer deutschen Regierungsmaschine auf dem internationalen Flughafen der nordafghanischen Stadt gelandet. Früher waren solche Reisen mit einem geschützten Transportflugzeug der Bundeswehr über Usbekistan erfolgt. Der Besuch Gaucks findet unter schärfsten Sicherheitsvorkehrungen statt und wurde erst nach Ankunft des Staatsoberhauptes öffentlich bekannt gemacht. Es ist die vierte Reise eines deutschen Staatsoberhaupts nach Afghanistan. Gaucks Vorgänger Christian Wulff hatte dem Land im Oktober 2011 einen Staatsbesuch abgestattet. Dessen Vorgänger Horst Köhler war 2010 zu einem Blitzbesuch bei deutschen Soldaten am Hindukusch, trat kurz darauf aber zurück, nachdem er den Bundeswehreinsatz mit wirtschaftlichen Interessen in Verbindung gebracht hatte. Im März 1967 hatte als erster Bundespräsident Heinrich Lübke Afghanistan besucht. Dank an die „Mutbürger in Uniform“ Für den Abend war ein gemeinsames Essen in Masar-i-Scharif mit Soldaten, Polizisten und Mitarbeitern der deutschen Entwicklungszusammenarbeit sowie Verbündeten geplant. Dabei wollte Gauck den Mut und die Opferbereitschaft der in Afghanistan eingesetzten Soldaten und Zivilisten würdigen. Schon bei seinem Antrittsbesuch an der Führungsakademie in Hamburg hatte der Bundespräsident im Juni die Bundeswehr als „Friedensmotor“ und die Soldaten als „Mutbürger in Uniform“ bezeichnet. Zudem rief er dazu auf, ihren Aufgaben mehr Verständnis entgegen zu bringen. Als „Zivilist hier im friedlichen Deutschland“ könne man sich die Entbehrungen und Gefahren eines Lebens im afghanischen Masar-i-Scharif nur schwer vorstellen. Der Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan ist bis Ende 2014 geplant. Bereits Mitte 2013 sollen die Soldaten der Internationalen Schutztruppe ISAF in ihre Stützpunkte zurückkehren und nur noch eine unterstützende Rolle spielen. Dann will Afghanistan selbst für die Sicherheitsverantwortung im Land sorgen. Deutschland hat schon angekündigt, sich auch ab 2015 weiter am Hindukusch beratend und helfend engagieren zu wollen. dapd (Politik/Politik)
Bundesbank erwartet schwaches Winterhalbjahr
Berlin (dapd). Die Eurokrise wird die deutsche Wirtschaft auch im kommenden Jahr bremsen. Nach Ansicht der Bundesbank ist erst 2014 mit einem stärkeren Wachstum zu rechnen. Dann soll das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 1,9 Prozent wachsen, schreibt die Notenbank in ihrem am Montag in Frankfurt am Main veröffentlichten aktuellen Monatsbericht. Im laufenden Jahr werde die Wirtschaft um 0,7 Prozent wachsen, im kommenden Jahr um 0,4 Prozent. Sowohl die Rezession in den südeuropäischen Krisenstaaten als auch die lahmende Weltkonjunktur zögen die deutsche Wirtschaft im Winterhalbjahr in Mitleidenschaft. In diesem Zeitraum deute sich sogar ein Rückgang der wirtschaftlichen Aktivität an. Zuletzt war die Bundesbank von einem Plus von 1,0 Prozent im laufenden und von 1,6 Prozent im kommenden Jahr ausgegangen. Etwas optimistischer schätzen die Ökonomen des gewerkschaftsnahen Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) die Entwicklung ein. Die deutsche Wirtschaft könne sich der Eurokrise halbwegs entziehen, erklärten sie am selben Tag in Berlin. Zwar schädigten der strikte Sparkurs und die Rezession bei vielen Handelspartnern im Euroraum die Konjunktur in Deutschland stark. Der private Konsum und der Export nach Osteuropa, Asien und Amerika seien aber kräftig genug, um die deutsche Wirtschaft in diesem und im kommenden Jahr leicht wachsen zu lassen. 2012 werde das deutsche BIP um 0,7 Prozent zunehmen, und 2013 werde es um 0,8 Prozent zulegen. Gute Perspektiven für die deutsche Exportwirtschaft Gegenüber ihrer Prognose vom Oktober hoben die Ökonomen ihre Vorhersage für die BIP-Entwicklung im Jahr 2012 geringfügig um 0,1 Prozentpunkte und für 2013 um 0,4 Prozentpunkte an. Sie begründeten dies vor allem mit besseren Perspektiven für die deutsche Exportwirtschaft. Sie profitiere insbesondere vom relativ niedrigen Eurokurs als Folge der Rezession in der Währungsunion und von besseren wirtschaftlichen Perspektiven nach der Präsidentenwahl in den USA. Der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) erwartet 2013 einen weiteren Anstieg der deutschen Exporte. Im zu Ende gehenden Jahr lägen sie über den Erwartungen, sagte BDI-Hauptgeschäftsführer Markus Kerber in Berlin. Im laufenden Jahr würden sie „um rund vier Prozent zulegen, im kommenden Jahr rechnen wir mit mindestens drei Prozent Exportwachstum“, sagte er. Die deutsche Industrie werde ihren Weltmarktanteil auch im kommenden Jahr halten. Das Wachstum gehe auf das Konto der Ausfuhren in die Länder außerhalb der EU. Die Exporte in diese Drittländer hätten 2012 um elf Prozent zugelegt. Die Ausfuhren in die EU-Länder seien dagegen kaum gewachsen. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)