Draghi stellt neuen Fünf-Euro-Schein vor

Draghi stellt neuen Fünf-Euro-Schein vor Frankfurt/Main (dapd). Die Europäische Zentralbank (EZB) hat am Donnerstag die neue „Europa“-Serie der Euro-Scheine vorgestellt. EZB-Präsident Mario Draghi erklärte in Frankfurt am Main, wo er eine Fünf-Euro-Note unterzeichnete, die neuen Scheine seien noch haltbarer und sicherer vor Fälschungen. Elf Jahre nach der Einführung bezahlten nicht nur 332 Millionen Europäer mit dem Euro, sondern auch weltweit sei bereits fast ebenso viel Bargeld im Umlauf wie in der Leitwährung Dollar. Die neuen Fünf-Euro-Scheine kommen ab dem 2. Mai in Umlauf, die anderen Noten erst nach und nach. Die neue Serie ähnelt stark der bisherigen, verfügt aber über drei zusätzliche Sicherheitsmerkmale. Alle alten Euro-Scheine behalten ihre Gültigkeit. (Informationen der EZB über den neuen Fünf-Euro-Schein: http://url.dapd.de/NCYTIz ) dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)

Pfeiffer wirft der Kirche unprofessionelles Verhalten vor

Pfeiffer wirft der Kirche unprofessionelles Verhalten vor Hannover (dapd). Der Streit zwischen der katholischen Kirche und dem Leiter des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen erreicht die juristische Ebene. Institutschef Christian Pfeiffer sagte der Nachrichtenagentur dapd am Donnerstag in Hannover, er habe von der Kirche eine Unterlassungserklärung erhalten. Ohne Vollmachtserklärung sei diese aber rechtlich nicht abgesichert. Pfeiffer sagte, die Kirche habe ihm auch ein Kündigungsschreiben geschickt. Der Grund der Kündigung werde darin aber nicht genannt. In dem Schreiben heiße es lediglich „aus wichtigem Grund“. Für ihn sei dies unverständlich. „Das geht eigentlich gar nicht“, urteilte Pfeiffer. Das Verhalten der Kirche bezeichnete er als „nicht sehr professionell“. Der rechtliche Schritt der Kirche sei für sein Institut eine Steilvorlage, sagte Pfeiffer. Vor Gericht könne er „amtlich machen“, dass die Kirche um Zensurmöglichkeiten gebeten habe. „Dann steht die Kirche noch schlechter da als ohnehin“, sagte er. Grund der juristischen Auseinandersetzung ist Pfeiffers Vorwurf, kirchliche Stellen hätten über die Veröffentlichung seiner Forschungsergebnisse zu sexuellem Missbrauch in der Kirche mit entscheiden wollen. Diese Zensurvorwürfe soll der Kriminologe künftig nicht mehr verbreiten dürfen. dapd (Politik/Politik)

Druck auf ThyssenKrupp-Aufsichtsratschef Cromme wächst

Druck auf ThyssenKrupp-Aufsichtsratschef Cromme wächst Hamburg (dapd). ThyssenKrupp-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme gerät wegen des Milliardendebakels beim Bau neuer Stahlwerke in Amerika immer stärker unter Druck. Auch der einflussreiche Aktionärsberater ISS empfiehlt den Investoren inzwischen, dem von Cromme geleiteten Aufsichtsrat die Entlastung zu verweigern. In einer 21-seitigen Studie, die der Nachrichtenagentur dapd vorliegt, kritisierte die ISS das zögerliche Handeln des Kontrollgremiums bei dem Debakel um die Stahlwerksneubauten in Amerika und Brasilien. Obwohl die Risiken seit Mai 2008 bekanntgewesen seien, hätten die Kontrolleure erst im Dezember 2012 durch die Entlassung von drei Vorständen angemessen reagiert. Alarmierend sei aber auch „der fehlende Wille“ des Gremiums, eigene Versäumnisse einzugestehen und sich zu ändern. Es sei in keiner Weise sicher, dass die Aufsicht über das Management bei ThyssenKrupp in Zukunft besser funktioniere. Die Verweigerung der Entlastung sei deshalb ein dringend notwendiges Signal an den Aufsichtsrat, auch wenn sie keine direkten rechtlichen Konsequenzen habe. Das Wirtschaftsportal „Capital.de“ hatte zuvor bereits über die Studie berichtet. Auch der Vorstand soll nach dem Willen von ISS nicht entlastet werden. Anlass dafür sei das Verhalten des früheren Compliance-Vorstands Jürgen Claassen, der mit umstrittenen Luxusreisen Schlagzeilen gemacht hatte. ISS berät nach eigenen Angaben mehr als 1.700 Kunden weltweit und gibt ihnen Empfehlungen zu ihrem Abstimmverhalten bei Aktionärstreffen. Darunter sind mächtige Fonds mit großen Aktienbeständen. Laut „Capital.de“ richten sich diese Anleger in der Regel nach den Vorschlägen des ISS. Zuvor hatten bereits die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz und der Dachverband der Kritischen Aktionäre angekündigt, gegen eine Entlastung des Aufsichtsrats stimmen zu wollen. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)

Toyota holt in Europa auf

Toyota holt in Europa auf Köln (dapd). Der japanische Autohersteller Toyota hat 2012 seinen Absatz in Europa um zwei Prozent auf fast 838.000 Fahrzeuge gesteigert und damit einen Marktanteil von 4,5 Prozent erzielt. Vor allem der Kleinwagen Yaris und die Hybridmodelle waren Absatzschlager, wie Europachef Didier Leroy am Donnerstag sagte. 2013 werde „für die Automobilindustrie in Europa eine große Herausforderung“. Aber der größte Autokonzern der Welt plane trotzdem im dritten Jahr in Folge profitables Wachstum. In Deutschland steigerte Toyota seinen Pkw-Absatz in einem rückläufigen Markt um 0,1 Prozent auf 82.800 Einheiten (inklusive Lexus). In Westeuropa wurde in Großbritannien mit 102.000 Einheiten und einem Wachstum von zwölf Prozent das beste Ergebnis erreicht. Besonders kräftige Zuwächse erzielte Toyota erneut in Russland und der Ukraine mit einem Plus von 27 Prozent und 169.000 Fahrzeugen. Für das Kalenderjahr 2013 plant Toyota eine Steigerung des konzernweiten Absatzes um zwei Prozent auf 9,91 Millionen Fahrzeuge. Für 2012 rechnet Toyota mit einem weltweiten Absatz von 9,7 Millionen Autos. Das sind 22 Prozent mehr als im Vorjahr, als Naturkatastrophen Produktion und Absatz gebremst hatten. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)

Zahl der Klagen gegen Hartz IV deutlich gesunken

Zahl der Klagen gegen Hartz IV deutlich gesunken Nürnberg (dapd). Die Zahl der Klagen gegen Hartz-IV-Bescheide ist 2012 weiter gesunken. Sie sei im Vergleich zu 2011 um zehn Prozent auf rund 120.000 zurückgegangen und damit zum zweiten Mal in Folge, sagte eine Sprecherin der Nürnberger Bundesagentur für Arbeit (BA) am Donnerstag auf Anfrage. Sie bestätigte einen vorab veröffentlichten Bericht in der Tageszeitung „Die Welt“. Während die Zahl der Klagen gegen Hartz IV von 2005 bis 2010 ständig gestiegen sei, habe sie 2011 erstmals um zehn Prozent abgenommen, sagte die BA-Sprecherin. Hauptgrund dafür sei, dass sich inzwischen die Gesetzeslage stabilisiert habe und für die Sachbearbeiter eindeutiger geworden sei. Außerdem habe die BA in der Vergangenheit viel investiert, um die Bescheide verständlicher für die Kunden zu machen und das Personal in den Jobcentern besser auszubilden. „Ich glaube, wir haben jetzt eine Trendwende geschafft und sind auf einem guten Weg“, sagte die Sprecherin. Insgesamt bezogen in Deutschland 2012 rund sechs Millionen Menschen Leistungen nach Hartz IV, davon waren knapp zwei Millionen arbeitslos und 1,7 Millionen Kinder. dapd (Politik/Politik)

Deutsche Bootsbauer spüren europäische Konjunkturflaute

Deutsche Bootsbauer spüren europäische Konjunkturflaute Düsseldorf (dapd). Die Konjunkturflaute in Europa setzt auch der deutschen Wassersportwirtschaft zu. Nach zwei Jahren mit zum Teil deutlichen Zuwächsen verlor die Branche 2012 wieder an Fahrt. Mit einem Umsatzrückgang von einem Prozent auf 1,75 Milliarden Euro konnte die Branche ihr Gesamtgeschäft mit maritimen Gütern und Dienstleistungen dennoch gegenüber 2011 knapp stabil halten, wie der Bundesverband Wassersportwirtschaft (BVWW) am Donnerstag in Düsseldorf berichtete. „Auch wenn sich die Aufwärtsentwicklung leider nicht fortgesetzt hat, bleibt der deutsche Markt in Europa der Fels in der Brandung“, sagte BVWW-Geschäftsführer Jürgen Tracht anlässlich der bevorstehenden weltgrößten Wassersportmesse boot, die am 19. Januar in Düsseldorf startet. Vor allem die stark exportorientierten deutschen Bootsbauer bekamen zuletzt die Euro-Krise und schwächelnde Absatzmärkte in vielen europäischen Ländern zu spüren. Um rund ein Fünftel nahm 2012 die Ausfuhr von Segel- und Motorbooten ab. Unterm Strich ging in Deutschland die Produktion neuer Boote um 15 Prozent zurück. „Die Menschen in Europa sind derzeit nicht bereit, viel Geld in neue Boote zu investieren“, sagte Tracht. Auch das Gebrauchtboot-Geschäft, das zusammen mit den Neubooten ein Viertel des deutschen Gesamtmarktes ausmacht, war rückläufig. Mehr Boote jetzt führerscheinfrei Eine durchgreifende Erholung des europäischen Marktes für Boote sieht der Verband auch 2013 nicht. „Die Euro-Schuldenkrise zwingt vor allem die Mittelmeerländer zu weiteren Sparmaßnahmen, was die Konjunktur schwächt“, gab Tracht zu bedenken. Hinzu kämen Hindernisse wie etwa die in Italien eingeführte Luxussteuer auf Boote und Yachten. Als Folge seien die Umsätze dort 2012 um rund 70 Prozent eingebrochen. Auch Exporte in neue Märkte wie China könnten die Verluste im europäischen Stammgeschäft bislang nicht ausgleichen. Dagegen dürfte der heimische Markt nach Erwartung des Verbandes von den jüngst verbesserten Rahmenbedingungen profitieren. Seit Herbst 2012 dürfen Boote bis 15 PS Motorleistung auf allen Bundeswasserstraßen ohne amtlichen Sportbootführerschein gefahren werden – mit Ausnahme des Rheins, der ein internationales Gewässer ist. Bisher waren 5 PS führerscheinfrei. „Von der neuen Regelung profitieren 60 Prozent aller Boote, die in Deutschland unterwegs sind. Damit ist der größte Teil des deutschen Marktes nun führerscheinfrei“, zeigte sich Tracht zufrieden. Auch Neueinsteigern und Charterkunden komme die Ausweitung entgegen. Vor allem auf dem deutschen Kanalnetz rechnet der Verband mit einem deutlich ausgeweiteten Vermietangebot. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)

Opel feiert Kleinwagen Adam als neuen Hoffnungsträger

Opel feiert Kleinwagen Adam als neuen Hoffnungsträger Eisenach (dapd). Funken fliegen bis unter die Decke der neuen Mehrzweckhalle des Autoherstellers Opel in Eisenach. 60 Roboter schweißen Bleche verschiedener Formen und Größen zusammen und veranstalten damit in dem eigens für die Fertigung des neuen Kleinwagens Adam gebauten Gebäude ein regelrechtes Feuerwerk. In dem Thüringer Werk startete am Donnerstag offiziell die Serienproduktion des neuen Hoffnungsträgers von Opel. So groß die Erwartungen an den Kleinwagen sind, so groß bleiben auch die Herausforderungen, vor denen die deutsche Tochter des US-Konzerns General Motor (GM) steht. Bei der Premiere preisen sowohl der GM-Vizechef und Opel-Aufsichtsratsvorsitzende Steve Girsky als auch der amtierende Opel-Chef Thomas Sedran den Adam als ein Fahrzeug, auf das die Kunden schon sehnsüchtig warteten. 16.000 Bestellungen gebe es schon für den Kleinwagen – obwohl der offizielle Verkaufsstart erst am 19. Januar sei, sagt Sedran. „Der Adam ist ein Symbol für die Zukunft von Opel, für die Zukunft von Eisenach“, ruft Sedran. Dann rollt der Kleinwagen durch eine Papierwand. „Der Adam ist ein Symbol für unseren Aufbruch.“ Girsky spricht von einem Angriff auf die Konkurrenz. Gemeinsam mit dem Kompakt-Geländewagen Mocca und dem Mittelklasse-Cabrio Cascada stehe der Adam für eine neue Opel-Produktpalette, mit der der Autohersteller „in die Offensive“ gehen wolle. Opel-Chef rechnet mit schrumpfendem Automarkt Der Betriebsratschef im Eisenacher Opel-Werk, Harald Lieske, schließt sich dem Jubel zumindest in Teilen an. Der Produktionsstart des Adam sei für die Opelaner in Thüringen auch deshalb etwas ganz Besonderes, weil in dem Werk bisher nur Modelle gebaut wurden, die an anderen Standorten bereits erstproduziert worden seien. Der Adam aber werde zuerst und nur in Eisenach gebaut. Doch Lieske vergisst nicht zu betonen, dass die Eisenacher dafür Opfer bringen mussten. Die Adam-Produktion in Eisenach sei Teil des Standortsicherungskonzepts von Opel für seine deutschen Werke. Deshalb hätten die Beschäftigten unter anderem auf bis zu zehn Prozent ihres Einkommens verzichtet. „Der Adam ist uns lieb und teuer“, sagt der Betriebsratschef. Dass mit dem Kleinwagen die strukturellen Probleme bei Opel und GM nicht auf einen Schlag gelöst sein werden, wird auch auf der Premierenfeier klar. Nach dem obligatorischen Fototermin vor dem gerade vom Band gelaufenen Wagen sagt Sedran, er rechne in diesem Jahr nicht damit, dass der Automobilmarkt wachsen werde. Ziel von Opel könne deshalb nur sein, seinen Marktanteil zu halten. Der Gesamtmarkt werde 2013 wohl um etwa vier Prozent schrumpfen. Behauptungen, wonach GM für die Probleme bei Opel mitverantwortlich sei, weil der Mutterkonzern ein Agieren seiner Tochter auf internationalen Märkten verhindere, dementiert Sedran: „Fakt ist: Ich habe keinerlei Beschränkungen für Exporte, solange ich nachweisen kann, dass ich damit Gewinn mache.“ Der Adam werde trotzdem und gerade deswegen für Europa gebaut. Italien sei ein sehr wichtiger Markt für das Auto. Thüringens Wirtschaftsminister Matthias Machnig (SPD) fordert GM einmal mehr auf, langfristige Strategien zu entwickeln, damit Opel seine Autos auch in Wachstumsregionen wie Osteuropa oder Asien verkaufen könne. Ein „origineller Kleinwagen wie der Adam“ habe in Russland, China und Brasilien beste Verkaufschancen, sagt Machnig. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)

Millionen Kinder weltweit sind Opfer von Menschenhandel

Millionen Kinder weltweit sind Opfer von Menschenhandel Berlin (dapd). Das Ausmaß der Verbrechen nimmt zu, doch die Mittel zur Bekämpfung und zum Schutz der Opfer reichen nicht: Weltweit werden immer mehr Kinder und Jugendliche Opfer von Menschenhandel. Rund 27 Prozent der entdeckten Opfer sind inzwischen Minderjährige, zwei Drittel von ihnen Mädchen, wie Anne Lütkes, Vorstandsmitglied von UNICEF Deutschland, am Donnerstag in Berlin auf Grundlage von Informationen aus 132 Staaten sagte. In den Jahren 2003 bis 2006 habe der Anteil der Minderjährigen noch bei rund 20 Prozent gelegen. Begünstigt werde diese Form der Kriminalität durch Armut in den Herkunftsländern und mangelndes Wissen über diese Verbrechen. Deutschland gehört zu den Zielländern der Menschenhändler. Auf weltweit mehr als 25 Milliarden Euro pro Jahr schätzt die Europäische Kommission den Profit aus Menschenhandel. Wie viele Menschen Opfer der Kriminellen seien, könne wegen des großen Dunkelfeldes kaum beziffert werden, erläuterte Lütkes. Es handele sich jedoch um Millionen Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Die häufigsten Formen der Ausbeutung dieser Menschen – drei Viertel von ihnen Frauen und Mädchen – seien Zwangsprostitution mit einem Anteil von 58 Prozent gefolgt von Zwangsarbeit mit 36 Prozent. Die meisten minderjährigen Opfer gibt es demnach in Afrika, im Nahen Osten sowie in Südasien und der Pazifikregion. In Europa lag der Anteil der registrierten Kinder und Jugendlichen, die Opfer von Menschenhändlern wurden, bei 16 Prozent. Täter nutzen Armut in den Heimatländern aus Besonders gefährdet sind laut UNICEF Kinder in Rumänien. Vor allem Familien auf dem Land und aus Roma-Gemeinden litten unter Armut. Außerdem leben offiziellen Angaben zufolge mehr als 80.000 Kinder ohne ihre Eltern, weil diese im Ausland arbeiten. Diese Kinder seien besonders schutzlos. Falsche Versprechungen der Kriminellen, die ihren Opfern Hoffnungen auf ein besseres Leben im Ausland machten, seien deshalb oft erfolgreich. Neben der Armut in den Herkunftsländern begünstigt auch die große Nachfrage nach immer jüngeren Prostituierten und billigen Arbeitskräften das Geschäft der Menschenhändler. Einer dieser Märkte ist Deutschland, wie der Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA), Jörg Ziercke, darlegt. 2011 wurden demnach 482 Verfahren im Bereich des „Menschenhandels zum Zweck der sexuellen Ausbeutung“ abgeschlossen werden, knapp drei Prozent mehr als im Vorjahr. 640 Opfer dieser Verbrechen wurden 2011 in Deutschland registriert, die meisten von ihnen stammten aus Rumänien. Mehr als die Hälfte von ihnen waren unter 21, der Anteil der 14- bis 17-Jährigen lag bei 12 Prozent. Ziercke geht jedoch von einer erheblichen Dunkelziffer aus. Die meisten der Opfer wurden durch Täuschen, Drohungen oder auch offene Gewalt zur Prostitution gezwungen. Schwierige Ermittlungsarbeit der Polizei Die Aufdeckung und Verfolgung der Verbrechen sei schwierig, weil die Opfer, ob Kinder oder erwachsene Frauen, aus Angst oft keine Anzeige erstatteten und nicht gegen ihre Peiniger aussagten. Außerdem fürchteten die Opfer, abgeschoben zu werden, ergänzte Lütkes. Entsprechend kamen laut BKA die meisten Ermittlungsverfahren in diesem Bereich durch Polizeikontrollen, etwa in Bordellen, zustande. UNICEF und die Kinderschutzorganisation ECPAT fordern deshalb mehr Hilfe – insbesondere für die für die minderjährigen Opfer – und mehr Ermittlungseinheiten der Polizei, die auf Kinderhandel spezialisiert sind. Außerdem brauche es umfassendere Opferschutzrichtlinien und mehr geschultes Personal bei Polizei, Justizbehörden und in Beratungsstellen, forderte ECPAT-Geschäftsführerin Mechthild Maurer. Wichtig seien auch mehr Bewusstsein und Aufmerksamkeit in allen Teilen der Gesellschaft für das Problem des Menschen- und insbesondere des Kinderhandels. Dies erhoffen sich UNICEF, BKA und ECPAT gleichermaßen von dem ARD-Film „Operation Zucker“, der die Thematik aufgreift. Den Film mit Nadja Uhl in der Hauptrolle zeigt der Sender am Mittwoch (16. Januar) um 20.15 Uhr. dapd (Vermischtes/Politik)

Neuer Präses will rheinische Landeskirche neu aufstellen

Neuer Präses will rheinische Landeskirche neu aufstellen Bad Neuenahr-Ahrweiler (dapd). In einem Wahlkrimi ist der Wuppertaler Pfarrer Manfred Rekowski zum neuen Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland gekürt worden. Der 54-Jährige setzte sich am Donnerstag auf der Landessynode in Bad Neuenahr-Ahrweiler im dritten Wahlgang gegen seine weiblichen Mitbewerber Petra Bosse-Huber und Ellen Ueberschär durch. Bereits unmittelbar nach der Wahl kündigte 54-Jährige eine „Neusortierung“ der Landeskirche an. Rekowski tritt die Nachfolge von Präses Nikolaus Schneider an, der sich nach zehn Jahren an der Spitze der zweitgrößten Landeskirche in Deutschland in den Ruhestand verabschiedet. Die Neubesetzung von fünf weiteren hauptamtlichen Ämtern der Kirchenleitung soll am Freitag (11. Januar) erfolgen. Offiziell wird der 65-jährige Schneider am 3. März aus dem Amt scheiden. Er bleibt aber noch bis 2015 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Rekowski dankte der Synode für das Vertrauen in einer „sehr spannenden Wahl“. Bei der Kür des neuen Kirchenoberhauptes war es zwischen ihm und Bosse-Huber zu einem Kopf-an-Kopf-Rennen gekommen. Bei der Stichwahl votierten 116 der 212 stimmberechtigten Mitglieder für Rekowski, 93 für Bosse-Huber, die das Amt des Vizepräses bekleidet. Zuvor hatte keiner der beiden die absolute Mehrheit erreichen können. Ueberschär war im dritten Wahlgang nicht mehr angetreten. Rekowski will interne Probleme angehen Der Neue an der Spitze der Landeskirche gilt als Mann für kreative Lösungen. Laut der rheinischen Kirche sieht Rekowski seine Aufgabe vor allem darin, die Kirchenkreise und Gemeinden in ihrer Arbeit zu unterstützen. Als Präses habe er keinen „Masterplan“, sagte eri zu seiner künftigen Aufgabe. „Ich bin ein Mensch, der erst hinhört und wahrnimmt und dann Akzente setzt“, beschrieb sich Rekowski, fügte jedoch an, keine Kopie seines Vorgängers sein zu wollen. Er sei stolz, einer gut aufgestellten Kirche vorsitzen zu dürfen, betonte der Theologe. Die Landeskirche sei „auf Ballhöhe“, vital und nah bei den Menschen. „Wir spüren, dass die Position der Kirchen, auch der evangelischen Kirche, stark angefragt wird“, ergänzte Rekowski mit Blick auf die gesellschaftliche und politische Rolle der Institution. Der Wahlsieger räumte jedoch ein, die Kirche stehe intern vor einer Menge an Herausforderungen, Schwierigkeiten und Problemen. Diese erforderten eine „gewisse Konzentration nach innen“, damit die Kirche ihre Wirkung in der Gesellschaft entfalten könne. So habe das Finanzdebakel beim kircheneigenen Beihilfe- und Bezügezentrum (bbz) in Bad Dürkheim zu einem Vertrauensverlust geführt, „der eine Neuaufstellung erforderlich“ mache. 2011 war das bbz durch riskante Anlagegeschäfte in Finanznöte geraten. Die rheinische Kirche musste das Unternehmen mit 21,4 Millionen Euro stützen. Ministerpräsidenten Beck und Kraft gratulieren Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) und die SPD-Landtagsfraktion gratulierten Rekowski. „Ich bin mir sicher, dass Sie die Landeskirche auch in schwierigeren Zeiten wieder in ruhige Fahrwasser bringen“, schrieb Beck. Zugleich dankte der Mainzer Regierungschef dem bisherigen Präses Schneider für sein langjähriges Engagement und seine „mutige und offene Art“. Die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) wünschte Rekowski für die anstehenden Aufgaben vor allem die nötige Schaffenskraft und Ausdauer sowie immerwährende persönliche Zuversicht. „Die Herausforderungen, vor denen die Kirche in unserer Zeit steht, sind sicherlich groß“, schrieb die Düsseldorfer Regierungschefin. Auch die Evangelische Kirche in Deutschland reagierte erfreut auf das Wahlergebnis. Rekowski kenne die Situation der Gemeinden sehr gut und habe in seinen bisherigen Funktionen Erfahrungen mit Strukturveränderungen sammeln können, beurteilte der stellvertretende EKD-Ratsvorsitzende und Landesbischof Jochen Bohl den Wuppertaler Pfarrer. dapd (Politik/Politik)

Deutsche belegen Spitzenplatz beim Fleischkonsum

Deutsche belegen Spitzenplatz beim Fleischkonsum Berlin (dapd). Die Deutschen essen gern Fleisch. Viel Fleisch: Im Durchschnitt vertilgt der Bundesbürger in seinem Leben 1.094 Tiere, darunter Rinder, Schweine, Schafe und Hühner und Gänse. Pro Jahr ist das ein Verzehr von 60 Kilogramm pro Kopf, die doppelte Menge wie in Entwicklungs- und Schwellenländern. International belegen die Deutschen beim Fleischkonsum einen Spitzenplatz. Welche globalen Auswirkungen dieser Konsum hat, zeigt ein am Donnerstag in Berlin vorgestelltes Nachschlagewerk der Heinrich-Böll-Stiftung, des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND) und der Monatszeitung „Le Monde diplomatique“. „Der Fleischatlas soll Daten und Fakten zu den globalen Auswirkungen und Dimensionen unseres Fleischkonsums liefern“, sagte Stiftungsvorstand Barbara Unmüßig. Und die sind den Angaben zufolge nicht ohne: Die intensive Fleischproduktion sei nicht nur qualvoll für die Tiere und belaste die Umwelt, sondern verschlinge gleichzeitig riesige Mengen an Rohstoffen, die als Futtermittel importiert werden. Nach China sei Europa mittlerweile der größte Importeur von Soja, der vor allem aus Argentinien und Brasilien kommt. Im großen Stil erweitern diese Länder Unmüßig zufolge ihre Anbauflächen für die Sojaproduktion als Futtermittel. „Mittlerweile nutzen wir nahezu ein Drittel der weltweiten Landflächen für die Futtermittelproduktion.“ Kleinbauern verlören dagegen zunehmend ihr Land und damit ihre Nahrungs- und Existenzgrundlage. Das Schnitzel auf dem Teller gehe nicht selten auf Kosten der Ernährungssicherheit zahlreicher Menschen im Süden dieser Welt, kritisierte Unmüßig. Politik soll „endlich umsteuern“ „Die Flächen in Argentinien und Brasilien sind zu 90 Prozent mit gentechnisch verändertem Soja angebaut“, sagte Unmüßig. Dieser lande auch in den Mägen der deutschen Masttiere. Auch vergifte der massive Einsatz von Unkrautvernichtungsmitteln Mensch um Umwelt. Durch den großflächigen Einsatz von Antibiotika in der Massentierhaltung nähmen zudem Resistenzen gegen Antibiotika zu. Europaweit sterben im Jahr dem Atlas zufolge dadurch rund 25.000 Menschen. Der Fleischatlas solle daher aufklären, informieren und die Verbraucher zum Nachdenken anregen. Die Initiatoren wollten aber auch die Politik auffordern, „endlich umzusteuern“, sagte Unmüßig. „Wir brauchen eine Kehrtwende in der Agrarpolitik.“ Subventionen für die intensive Fleischproduktion müssten gestrichen, Landnahme im Süden verhindert, die kleinbäuerliche Landwirtschaft gefördert und das Menschenrecht auf Nahrung endlich ernst genommen werden, sagte sie. Der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger richtete seine Kritik direkt an Bundesagrarministerin Ilse Aigner (CSU). Sie dürfe nicht länger die notwendigen Schritte zu einer Agrarreform in der EU blockieren. In Deutschland würden etwa weiter mit Subventionen neue Megaställe gebaut, deren Förderung Fleisch beim Discounter scheinbar billig mache. Das Privileg, das Massentierhaltung mit konventioneller Landwirtschaft gleichgesetzt werde, müsse beendet werden. Scheinbar billiges Fleisch sei tatsächlich das teurere, sagte Weiger. Der Verbraucher müsse dreimal zahlen: „Einmal beim Kauf des Fleisches, dann mit Steuergeld für neue Ställe und Schlachthöfe und drittens für die Umwelt- und Gesundheitsschäden.“ Aigner habe es nicht geschafft, hier Veränderungen einzuleiten. Es müsse in diesem Jahr zu einer echten ökologischen, sozialen Reform der europäischen Agrarpolitik kommen, sodass Subventionen an strenge Umwelt- und Tierschutzauflagen gebunden werden. Der Fleischatlas kann bei der Heinrich-Böll-Stiftung kostenlos bestellt oder auf deren Internetseite heruntergeladen werden. (Der Fleischatlas beim BUND im Internet: http://url.dapd.de/PsEBcP ) dapd (Politik/Politik)