Kirkel (dapd). Die Mitarbeiter des ins Trudeln geratenen Baumarktkonzerns Praktiker steuern für Sanierung ihres Arbeitgebers pro Person im Durchschnitt 4.800 Euro bei. Das geht aus den Eckpunkten eines Sanierungstarifvertrages hervor, auf die sich Praktiker und ver.di nach übereinstimmenden Angaben geeinigt haben. Demnach leistet die Belegschaft von 11.000 Personen einen Beitrag von rund 52 Millionen Euro verteilt auf die Jahre 2012 bis 2014. Im Gegenzug bietet Praktiker eine Beschäftigungsgarantie. Nach Angaben einen Firmensprechers vom Montag aus Kirkel im Saarland sollen die Einsparungen durch Verzicht der Beschäftigten auf Weihnachtsgeld und Prämien sowie durch Kürzung vermögenswirksamer Leistungen und tariflicher Altersvorsorge erwirtschaftet werden. Für die Laufzeit des Sanierungstarifvertrages bis Ende 2014 gelte eine Beschäftigungsgarantie, sagte der Sprecher. Davon seien aber Arbeitsplätze ausgeschlossen, die aufgrund der im Sanierungskonzept vorgesehenen Schließungen von Märkten oder aufgrund wirtschaftlicher Notfallsituationen wegfielen. Praktiker war jahrelang mit einer Billigstrategie am Markt und rutschte dadurch in die roten Zahlen. 2011 machte Praktiker einen Verlust von fast 555 Millionen Euro. Nun sollen unprofitable Märkte geschlossen werden, andere Verkaufsstellen sollen auf das Logo der Schwestermarke Max Bahr umgestellt werden. Max Bahr bietet mehr Service, verlangt höhere Preise und schreibt schwarze Zahlen. Außerdem plant der Vorstand eine Kapitalerhöhung. Am Mittwoch kommen die Aktionäre in Hamburg zur Hauptversammlung zusammen. Bei dem Treffen wird eine Auseinandersetzung zwischen dem Vorstand und der kritischen Großaktionärs-Gruppe Semper Constantia/Maseltov erwartet. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
Dieselpreis sank im Juni auf Jahrestief
München (dapd). Die Spritpreise sind im vergangenen Monat deutlich gefallen. Für Dieselfahrer war der Juni mit einem Durchschnittspreis von 1,404 Euro je Liter sogar der bislang preisgünstigste Monat des Jahres, wie ein am Montag in München veröffentlichter Online-Preisvergleich des ADAC ergab. Gegenüber dem Mai sank der Dieselpreis um 5,5 Cent. Ein Liter Super E10 verbilligte sich von Mai bis Juni um 4,9 Cent auf 1,551 Euro. Nur im Januar war E10 mit einem Durchschnittpreis von 1,536 Euro günstiger. Vor allem die sinkenden Rohölnotierungen hätten an den Tankstellen zu einem Rückgang der Kraftstoffpreise geführt. Nach Beginn der Schulferienzeit Ende Juni hatte der ADAC allerdings wieder von steigenden Preisen berichtet. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
Rösler: Euro-Krise überfordert Deutschland nicht
Berlin (dapd). Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) sieht keine Gefahr, dass die Euro-Krise Deutschland finanziell überfordern könnte. Bei den zugesagten Hilfen handele es sich „in erster Linie um grundsätzliche Zusagen und weniger um Geld, das tatsächlich fließt“, sagte Rösler der „Saarbrücker Zeitung“ (Montagausgabe). Das eigentliche Problem sei die sinkende Wachstumskraft in den meisten anderen EU-Staaten. „Denn darunter leiden unsere Exporte, die zu etwa 60 Prozent ins europäische Ausland gehen“, sagte der FDP-Politiker. Anderseits steigere die ausgesprochen positive Arbeitsmarkt- und Einkommensentwicklung in Deutschland den privaten Konsum. Das Wachstum in Deutschland werde in diesem Jahr fast ausschließlich durch die Binnenkonjunktur getragen. „Insofern müssen auch wir unsere Wettbewerbsfähigkeit weiter verbessern“, erklärte Rösler. dapd (Politik/Politik)
Merkel trifft Hollande in Reims
Berlin (dapd). Kanzlerin Angela Merkel und der französische Staatspräsident Francois Hollande treffen sich am kommenden Sonntag in der nordöstlich von Paris gelegenen Stadt Reims. Beide nehmen zunächst in der dortigen Kathedrale an einer Veranstaltung anlässlich des 50. Jahrestages der sogenannten Versöhnungsmesse teil. Die Messe wurde am 8. Juli 1962 von Konrad Adenauer und Charles de Gaulle gefeiert, um die Versöhnung Deutschland und Frankreichs zu besiegeln. Anschließend treffen sich Merkel und Hollande bei einem gemeinsamen Mittagessen zum Gespräch, wie Regierungssprecher Steffen Seibert am Montag in Berlin mitteilte. dapd (Politik/Politik)
Telekom und Mastercard bieten Bezahlen per Handy an
Berlin (dapd). Die Deutsche Telekom und der Kreditkartenanbieter Mastercard arbeiten künftig europaweit beim Bezahlen per Handy zusammen. Noch in diesem Jahr werden die Bonner mit ihrem Partner in Deutschland eigene Bezahlkarten kombiniert mit einem NFC-Sticker ausgeben, wie die Konzerne am Montag in Berlin mitteilten. Dieser enthält einen Chip, mit dem bargeldloses Bezahlen möglich sein soll. Wenn die Technik weiter verbreitet ist, soll sie auch direkt in den Handys verfügbar sein. Weitere Länder in Europa würden in den kommenden Jahren folgen, hieß es. Mit dem Nahfeldfunk NFC lassen sich etwa Kontodaten kontaktlos über sehr kurze Distanzen übertragen. Die Technik soll das Bezahlen an der Kasse revolutionieren – Banken, Kreditkartenanbieter und Mobilfunker wittern ein Milliardengeschäft. Bereits in der vergangenen Woche hatten Mastercard, die Targo Bank und der kleinere Telekom-Rivale E-Plus ebenfalls ein Projekt mit NFC-Stickern angekündigt. Der Umweg über die Aufkleber ist nötig, weil bisher nur wenige Handymodelle über integrierte NFC-Funkchips verfügen. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
Edathy respektiert Rücktritt von Geheimdienstchef Fromm
Erfurt (dapd-lth). Der Vorsitzende des NSU-Untersuchungsausschusses, Sebastian Edathy, hat den Rückzug des Präsidenten des Bundesamtes für Verfassungsschutz begrüßt. „Ich respektiere den Schritt von Heinz Fromm ausdrücklich“, sagte der SPD-Politiker der „Thüringer Allgemeinen“ (Dienstagausgabe). Es handele sich um den ersten maßgeblichen Vertreter einer Innenbehörde, der bereit sei, die Konsequenzen aus den Ermittlungspannen zu ziehen. Allerdings ändere der baldige Ruhestand von Fromm nichts an dessen geplanter Zeugenvernehmung im Untersuchungsausschuss am Donnerstag. Fromm ist Mitglied der SPD und war seit Juni 2000 Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz. dapd (Politik/Politik)
Siemens baut in Düsseldorf energieeffizientes Gaskraftwerk
Düsseldorf/Erlangen (dapd). Die Düsseldorfer Stadtwerke haben Siemens mit dem Bau eines energieeffizienten Erdgaskraftwerks beauftragt. Das Gas- und Dampfturbinenkraftwerk (GuD) soll am Standort Lausward im Düsseldorfer Hafen entstehen und inklusive Wartungsauftrag rund eine halbe Milliarde Euro kosten, wie Siemens am Montag in Erlangen mitteilte. Der elektrische Wirkungsgrad des Kraftwerks beträgt laut Siemens 61 Prozent. Der Gesamtnutzungsgrad des Brennstoffs Erdgas liege bei 85 Prozent. Das Kraftwerk werde eine Leistung von rund 595 Megawatt liefern. In einem GuD-Kraftwerk wird das heiße Abgas einer Gasturbine genutzt, um in einem Kessel Dampf zu erzeugen, der eine weitere Turbine antreibt. Beide Turbinen übertragen ihre Bewegungsenergie an einen Generator, der den Strom erzeugt. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
Merkel regt Diskussion über Föderalismus an
Berlin (dapd). Bundeskanzlerin Angela Merkel hat zu einer verstärkten Diskussion über das Verhältnis von Bund und Ländern in Deutschland aufgerufen. Besonders in Bildungsfragen sorgten die deutschlandweit unterschiedlichen Regelungen häufig für Unmut, sagte die CDU-Vorsitzende am Montag in Berlin. Die Bürger haben „keine Lust in Mecklenburg-Vorpommern zu sitzen und nicht zu wissen, wie man in Bayern Abitur macht“, berichtete Merkel von ihren Erfahrungen beim Zukunftsdialog der Bundesregierung. Es sei auch an den Ländern, dies mal zu diskutieren. Merkel regte außerdem eine Erfolgskontrolle für präventive Arbeit an. „Wir haben so eine Grundeinstellung, dass jeder, der eine soziale Arbeit macht, etwas Gutes tut“, erklärte sie. Es bedürfe aber auch der Evaluation ehrenamtlicher Tätigkeiten, damit man sich anschauen könne, „welcher Ansatz funktioniert und welcher nicht, ohne, dass sich jemand dann gleich verletzt fühlt“. Der Zukunftsdialog beschäftigt sich mit dem künftigen Zusammenleben und Arbeiten in Deutschland. Dazu konnte zum einen über eine Online-Plattform diskutiert werden, zum anderen lud die Kanzlerin Bürger zu drei Diskussionsveranstaltungen. Außerdem beschäftigen sich über 120 Experten mit Fragen über die alternde Gesellschaft, die Globalisierung der Wirtschaft und das Lernen in der digitalen Welt. Lösungsansätze sollen Ende August präsentiert werden. dapd (Politik/Politik)
Verwaltungsgerichtshof verhandelt RWE-Klagen gegen Atom-Moratorium
Kassel (dapd). Der atompolitische Kurswechsel im vergangenen Jahr beschäftigt am Mittwoch den Hessischen Verwaltungsgerichtshof (VGH) in Kassel. Er verhandelt über eine Klage des Energiekonzerns RWE gegen die befristete Betriebseinstellung der Blöcke A und B im Atomkraftwerk Biblis im Jahr 2011. Dabei geht es zunächst nur um die Frage, ob die Klagen des Konzerns gegen das Land Hessen überhaupt zulässig sind. Es gebe „keine Rechtsgrundlage“ für die Betriebseinstellung, fasste eine RWE-Sprecherin die Klagebegründung zusammen. Das Umwelt- und Energieministerium in Wiesbaden sieht das freilich anders: „Wir gehen natürlich von der Rechtmäßigkeit unseres Handelns aus“, sagte ein Sprecher. RWE wehrt sich als einziger betroffener Betreiber juristisch gegen das Atom-Moratorium. Zudem legte das Unternehmen Verfassungsbeschwerde gegen den im vergangenen August in Kraft getretenen Atomausstieg ein. dapd (Politik/Wirtschaft)
Verfassungsschutzpräsident Fromm räumt seinen Posten
Berlin (dapd-hes). Nach zahlreichen Ermittlungspannen im Fall der Zwickauer Terrorzelle räumt Verfassungsschutzpräsident Heinz Fromm seinen Posten. Einem entsprechenden Antrag Fromms gab Innenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) statt, wie sein Sprecher am Montag in Berlin sagte. Der 63-Jährige, der auch lange in Hessen tätig war, soll zum Ende des Monats nach zwölf Jahren an der Spitze des Inlandsgeheimdienstes in den Ruhestand versetzt werden. Das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) war zuletzt wegen Pannen bei den Ermittlungen gegen die Neonazi-Zelle Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) in massive Kritik geraten. Die im November vergangenen Jahres aufgeflogene Terrorgruppe lebte mehr als ein Jahrzehnt unentdeckt von den Sicherheitsbehörden im Untergrund und ermordete bundesweit zehn Menschen. Am vergangenen Mittwoch war bekanntgeworden, dass der Verfassungsschutz noch nach Auffliegen der Terrorzelle Akten vernichtete, aus denen hervorging, wie mit V-Leuten aus dem NSU-nahen Thüringer Heimatschutz zusammengearbeitet wurde. Ein erster Bericht des Verfassungsschutzes zu dem Vorfall soll vom Bundesinnenministerium bis Donnerstag ausgewertet sein. Innenminister Friedrich werde dann die „zuständigen Gremien des Bundestages“ informieren. Fromm ist seit Juni 2000 Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz. Zuvor hatte er den Verfassungsschutz in Hessen und eine Justizvollzugsanstalt in Kassel geleitet. Zudem war er Staatssekretär im hessischen Innenministerium. Fromm ist Mitglied der SPD. Am kommenden Donnerstag soll er vor dem NSU-Untersuchungsausschuss des Bundestages aussagen. „Ehrenwerter Schritt“ Der FDP-Innenexperte Hartfrid Wolff nannte den Rückzug von der Amtsspitze einen „ehrenwerten Schritt“. Es liege aber die Vermutung nahe, dass „hinter der Aktenvernichtung mehr steckt, als wir schon wissen“, sagte er der Nachrichtenagentur dapd und fügte hinzu: „Wir bestehen selbstverständlich darauf, dass Fromm als Zeuge am Donnerstag vor den Untersuchungsausschuss kommt.“ Auch die Linke-Abgeordnete Petra Pau verspricht sich von Fromms Auftritt vor dem Gremium weitere Aufklärung. Der scheidende Verfassungsschutzpräsident müsse sich der Frage stellen, „warum der Rechtsextremismus so tödlich unterschätzt wurde.“ dapd (Politik/Politik)