Berlin (dapd). Anlässlich des Besuchs des türkischen Premiers Recep Tayyip Erdogan in Berlin nehmen die Grünen sowohl die türkische als auch die deutsche Regierung in die Kritik. Während die Grünen-Vorsitzenden Claudia Roth und Cem Özdemir am Dienstag von der Bundesregierung „neue Impulse für die Integration der Türkei“ einforderten, kritisierten sie Erdogan für innenpolitische „Versäumnisse“. Es seien „neue Initiativen der Bundesregierung“ bei den EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei nötig, erklärten Roth und Özdemir. Aktuell benötige das Land zudem „eine glaubwürdige deutsche Unterstützung bei der Versorgung von syrischen Flüchtlingen“, betonten die Grünen-Chefs. Die beiden Grünen-Politiker kritisierten aber auch die türkische Innenpolitik: Die türkische Justiz agiere „kraft der weiterhin geltenden Anti-Terror-Gesetze wie ein Staat im Staate“, rügten sie. „Auch die massenhafte Internierung von protestierenden Jugendlichen, Journalisten, Autoren und Verlegern ist ein unhaltbarer Zustand und inakzeptabel“, fügten Roth und Özdemir hinzu. Erdogan ist am Dienstag anlässlich der Eröffnung der neuen türkischen Botschaft in Berlin zu Gast. dapd (Politik/Politik)
Erste Gespräche über den Länderfinanzausgleich im nächsten Jahr
Stuttgart (dapd). Die ersten Gespräche zwischen den Bundesländern zur Neuordnung des Länderfinanzausgleichs beginnen voraussichtlich im kommenden Jahr. Der Erste Bürgermeister der Hansestadt Hamburg, Olaf Scholz, sagte am Dienstag in Stuttgart nach einem Treffen mit Baden-Württembergs Finanz- und Wirtschaftsminister Nils Schmid (beide SPD), man habe sich in der Ministerpräsidentenkonferenz über einen Fahrplan und eine Liste von Themen der Finanzbeziehungen verständigt, die man besprechen wolle. „Es geht los im nächsten Jahr und wird sich über die ganze nächste Legislaturperiode hinwegziehen“, sagte Scholz. Hamburg ist nach den Worten von Scholz als „nehmerfreundliches Zahlerland“ damit beauftragt, einen Fahrplan für die Gespräche anzustoßen. Dabei gebe es auch Bereiche, die nicht unmittelbar den Länderfinanzausgleich beträfen, wie etwa das Thema Altschulden sowie sämtliche Finanzströme zwischen Bund und Ländern. Laut Scholz gibt es zwischen den Ländern noch keine Übereinkunft darüber, dass es zur Neuordnung der Bund-Länder-Finanzbeziehungen eine neue Föderalismuskommission geben müsste. Man dürfe den Gesprächen nicht vorgreifen und sagen, man gehe an alles ran. „Wenn dann an alles rangegangen wird am Ende, ist das Ergebnis mühseliger Schritte und nicht des großen Sprungs am Anfang. Der geht, glaube ich, in den Abgrund.“ Scholz kritisiert Bayern für Festhalten an Klage Unter anderem Baden-Württemberg fordert eine Einberufung einer Föderalismuskommission zu den Bund-Länder-Finanzen nach der Bundestagswahl. Finanzminister Schmid sagte, die geplanten Gespräche könnten aber als Vorbereitung einer solchen Kommission dienen, falls diese von Bundestag und Bundesrat nach der Bundestagswahl beschlossen würde. Scholz kritisierte die bayerische Landesregierung dafür, dass sie an ihrer Klage gegen das Finanzausgleichssystem festhält. Die Ankündigung sei „nicht sehr hilfreich“ und nicht „sonderlich sorgfältig bedacht“, da sie nur die Gespräche erschwere. „Mein Eindruck ist auch, dass das viel mit dem Wahlkampf in Bayern zu tun hat und wenig mit dem, was eigentlich für die längerfristige Zukunft des Landes Bayern und der Bundesrepublik Deutschland richtig wäre. Am Ende werden wir uns immer unterhalten müssen“, sagte er. Scholz wertete das vergangene Woche verabschiedete Eckpunktepapier der finanzpolitischen Sprecher der CDU-Landtagsfraktionen nicht als CDU-Position. Darin schlagen die Haushalts- und Finanzpolitiker der Unionsfraktionen unter anderem vor, den Unterhalt der finanziell chronisch angeschlagenen Bundeshauptstadt Berlin auf den Bund abwälzen. Außerdem sollen Empfängerländer dazu angehalten werden, ihre Einnahmen selbstständig zu verbessern. Scholz gab zu bedenken, dass die Ministerpräsidenten der Union dies nicht für ihr Papier erklärt hätten. „Wir sollten auch nicht mit den ganz großen Manövern in die Diskussion starten“, wandte er ein. „Es gibt nicht die eine geniale Idee, auf die alle gewartet haben, und die bisher noch niemand hatte.“ dapd (Politik/Politik)
Deutsche Flughäfen fertigen wieder mehr Billigflüge ab
Köln (dapd). Am Himmel über Deutschland sind wieder mehr Billigflieger unterwegs. Nach Angaben des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) stieg die Zahl der sogenannten Low Cost-Flugverbindungen in diesem Jahr im Vergleich zum Vorjahr um zwei Prozent. „Im vergangenen Sommer haben wir 648 unterschiedliche Strecken im innerdeutschen und grenzüberschreitenden Low Cost-Verkehr gezählt“, erklärte Studienleiter Peter Berster vom DLR-Institut für Flughafenwesen und Luftverkehr am Dienstag in Köln. Für die Erholung des zuletzt rückläufigen Markts sorgte demnach vor allem das Spaniengeschäft. Auf das Urlaubsland auf der Iberischen Halbinsel entfielen laut DLR 790 Starts pro Woche und 96 Verbindungen. Die Zahl der innerdeutschen Billigflugrouten ging dagegen um mehr als acht Prozent zurück. Marktführer bleibt Air Berlin, die Fluggesellschaft führte nach DLR-Angaben im Juli 2.300 Starts pro Woche im Low Cost-Segment durch. Dahinter folgt die Lufthansa-Tochter Germanwings mit 968 Starts. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
Investmentbanker wieder Gewinnbringer der Deutschen Bank
Frankfurt/Main (dapd). Das zuletzt kriselnde Investmentbanking hat der Deutschen Bank im dritten Quartal wieder ordentliche Gewinne beschert. Allerdings fielen bereits 276 Millionen Euro an Ausgaben für das Sparprogramm des Führungsduos aus Anshu Jain und Jürgen Fitschen an, wodurch der Gewinn nach Steuern bei 755 Millionen Euro stagnierte, wie das größte deutsche Geldhaus am Dienstag in Frankfurt am Main mitteilte. Das Investmentbanking lieferte einen Gewinn von 662 Millionen Euro vor Steuern, zehnmal so viel wie im Vorjahresquartal und so viel wie kein anderes Segment der Deutschen Bank. Von den eigenen Renditezielen ist das Institut dennoch weit entfernt. Nach Steuern betrug die Eigenkapitalrendite 5,3 Prozent. Das jüngst ausgegebene Ziel liegt bei 12 Prozent. Die Aktie der Deutschen Bank war am Nachmittag Spitzenreiter im DAX. Das Papier notierte gegen 15.00 Uhr mit einem Plus von 3,7 Prozent bei 34,53 Euro. Kosten für Rechtsstreitigkeiten steigen „Kurzfristig erwarten wir weiterhin ein unsicheres gesamtwirtschaftliches Umfeld und werden daher unseren vorsichtigen und risikofokussierten Ansatz beibehalten“, erklärten Jain und Fitschen. Die Co-Chefs hatten im September angekündigt, in den nächsten drei Jahren vier Milliarden Euro in den Umbau der Bank zu investieren. Die Strategie unter dem Titel „2015+“ soll das Ergebnis dauerhaft um 4,5 Milliarden Euro verbessern. Die Kapitalsituation der Bank verbesserte sich erneut. Die Kernkapitalquote stieg binnen dreier Monate von 10,2 auf 10,7 Prozent. Die Bank sei auf einem guten Weg, die strengeren Vorschriften nach den neuen Richtlinien (Basel III) zu erfüllen, erklärten Jain und Fitschen. Das deutlich verbesserte Ergebnis der Investmentbanker erklärte das Institut mit verbesserten Marktbedingungen und höherer Kundenaktivität. Allerdings stiegen im gleichen Zeitraum auch die Aufwendungen für Rechtsstreitigkeiten. Konzernweit gab die Deutsche Bank allein dafür 289 Millionen Euro aus. Als solider Gewinnbringer präsentierte sich auch das Privat- und Firmenkundengeschäft. Vor Steuern verdiente diese Sparte 492 Millionen Euro, war damit also hinter dem Investmentbanking die zweitbeste Sparte. Finanzvorstand Stefan Krause erklärte, dass die Integration der Postbank in den Konzern nach Plan laufe. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
Deutsche bei Kaufkraft in Europa ganz weit vorne
Bruchsal (dapd). Die Deutschen haben die höchste Kaufkraft unter den größeren europäischen Staaten, vor Franzosen und Briten. Im Vergleich von 42 Ländern des Kontinents kommen sie mit einer durchschnittlichen Kaufkraft von 20.014 Euro pro Person im Jahr auf Rang acht. Zu dem Ergebnis kommt eine am Dienstag veröffentlichte Studie des Marktforschungsunternehmens GfK. Als Kaufkraft bezeichnet die Erhebung das verfügbare Einkommen ohne Steuern und Sozialabgaben. Von Region zu Region unterschiedliche Preisniveaus wurden dabei nicht berücksichtigt. „Die Einwohner der kaufkraftstärksten Länder Europas müssen zwar einen großen Teil ihres Einkommens in Mieten und allgemein teurere Lebenshaltungskosten investieren“, erklärte das GfK. Für den Konsum über das Lebensnotwendige hinaus bleibe ihnen jedoch erheblich mehr Geld übrig als den Verbrauchern in kaufkraftschwächeren Ländern. Am höchsten war die Kaufkraft laut Studie in Liechtenstein. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
Bundesbürger drehen und stopfen so viel Zigaretten wie nie zuvor
Hamburg (dapd). Deutschlands Raucher stopfen und drehen so viele Zigaretten selbst wie nie zuvor: Nach Angaben des Branchenzweiten Reemtsma wird inzwischen fast jede dritte versteuerte Zigarette in Deutschland von den Rauchern selbst hergestellt, das sind rund 38 Milliarden Stück. Die Tabakliebhaber flüchten damit vor den hohen Zigarettenpreisen, denn eine Schachtel Markenzigaretten kostet inzwischen rund fünf Euro oder mehr. Im laufenden Jahr rechnet der Tabakkonzern (JPS, Gauloises) mit einem Verbrauch von 121 Milliarden legalen Zigaretten im Inland, davon die Rekordmenge von 38 Milliarden Selbstgestopften. Im Vergleich zu 2011 fiel der Verbrauch an Fabrikzigaretten um 1,7 Prozent, während die Selbstgemachten um 3,3 Prozent zulegten. Der Preisunterschied liegt auf der Hand: Eine Schachtel Markenzigaretten kostet etwa fünf Euro, davon gehen 3,90 Euro als Steuern an den Staat. Eine Dose Tabak für 240 Zigaretten kostet dagegen rund 14 Euro. Nach Ansicht des Reemtsma-Generaldirektors für Deutschland, Marcus Schmidt, sind die legal versteuerten Selbstgemachten inzwischen so attraktiv, dass sie den Schmugglern Kunden abjagen. „Viele können sich mit Stopfzigaretten anfreunden, statt beim Vietnamesen um die Ecke zu kaufen“, sagte er. Gesamtverbrauch liegt bei 145 Milliarden Stück Der Schmuggel wuchs auch deswegen laut Reemtsma erstmals seit langer Zeit nicht mehr und stagniert bei 23,5 Milliarden Stück. Damit liegt der Gesamtverbrauch an legalen und geschmuggelten Zigaretten bei rund 145 Milliarden Stück. Zoll, Polizei und Markenhersteller machen immer mehr Druck auf die Schmuggler: Im Sommer wurden 138 Millionen unversteuerter Zigaretten auf einen Schlag entdeckt – der größte Einzelfund aller Zeiten. Schmidt warnte davor, dass eine geplante EU-Tabakrichtlinie den Kriminellen neuen Schub geben könne. Die EU erwägt, den Zigarettenverkauf zum Gesundheitsschutz noch stärker zu regulieren, etwa indem alle Marken eine Einheitsschachtel bekommen oder die Schachteln im Kiosk nicht mehr ausgestellt werden dürfen. Laut Schmidt wären diese Verpackungen „viel leichter zu fälschen“. Außerdem würden Tausende Arbeitsplätze in den Kiosken auf der Kippe stehen. Nach seinen Worten zeigen außerdem Erfahrungen aus Irland oder Kanada, wo die strengen Regeln schon gelten, dass die Raucher ihr Laster nicht aufgeben, sondern mehr Schmuggelzigaretten kaufen. Allerdings ist bisher unklar, wann und ob die strengen neuen EU-Auflagen kommen. Schmidt rechnet frühestens 2015 damit. Reemtsma steigerte den Umsatz im abgelaufenen Geschäftsjahr (zum 30. September) um neun Prozent auf 1,1 Milliarden Euro. Der Vorsteuergewinn stieg auf 572 Millionen Euro. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
Steinbrück legt Nebeneinkünfte offen – und muss Fehler einräumen
Berlin (dapd). Der Befreiungsschlag des SPD-Kanzlerkandidaten: Peer Steinbrück hat seine umstrittenen Vortragshonorare in Millionenhöhe offengelegt und zugleich Versäumnisse eingeräumt. Die von ihm beauftragten Wirtschaftsprüfer stellten fest, dass der Ex-Finanzminister zwei Redeauftritte nicht korrekt beim Bundestagspräsidenten gemeldet hatte. Steinbrück selbst verteidigte am Dienstag in Berlin seine vielen Vorträge und wies Vorwürfe entschieden zurück, käuflich zu sein. Zugleich attackierte er den politischen Gegner. Mit Einkünften in Höhe von rund 1,25 Millionen Euro ist Steinbrück „Vortragsmillionär“ geworden: Der Ex-Finanzminister hat nach eigenen Angaben zwischen 2009 und 2012 insgesamt 89 Vorträge gegen Geld gehalten. Davon seien 74 mit einem „Standardhonorar“ von 15.000 Euro vergütet worden, was einer Netto-Vergütung von ungefähr 7.300 Euro entspreche. In der gleichen Zeit habe er, betonte Steinbrück, 237 unentgeltliche Vorträge gehalten. In vielen Fällen habe er auf Honorare verzichtet, oder um Spenden zugunsten wohltätiger Zwecke gebeten. Steinbrück hatte am 4. Oktober die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Warth & Klein Grant Thornton AG mit einer Prüfung beauftragt, nachdem Medien über seine zahlreichen Nebeneinkünfte berichtet hatten. Das Ergebnis ist auf seiner Homepage nachzulesen. Steinbrück kritisiert indirekt Union und FDP Der SPD-Politiker hob hervor, seine Nebeneinkünfte seien nun „nach Euro und Cent einschließlich Nebenkosten“ veröffentlicht. „Ich gehe damit weit über die bisher geltenden Transparenzregeln hinaus.“ Unterstellungen, er habe sich von der Wirtschaft abhängig gemacht, bezeichnete er als „absurd“. Es sei nun einmal Aufgabe eines Politikers, den Kontakt zu den Bürgern zu suchen. Er selbst wolle auch Menschen erreichen, die nicht zur Stammklientel der Sozialdemokraten gehören, sagte Steinbrück. Ohne Union und FDP direkt zu nennen, warf er beiden Parteien vor, sie würden sich schärferen Transparenzregeln verweigern. „Diejenigen, die die Möglichkeit suchten, mir einen Stein gegen den Kopf zu werfen mit Blick auf eine mangelnde Transparenz, tragen jetzt dazu bei, dass aus diesem Stein ein Bumerang wird, der an den eigenen Kopf zurückfliegt.“ Steinbrück sagte weiter, mit seinem Schritt wolle er „ein Beispiel geben“. Allerdings zog auch er eine Grenze: Seine Einkünfte aus Buchverträgen will der SPD-Kanzlerkandidat nicht veröffentlichen, weil in diesem Fall keine Gefahr von Abhängigkeiten bestehe. Zudem müsse er die Interessen seines Co-Autors beachten. In zwei Fällen attestierten ihm die Wirtschaftsprüfer jedoch mangelnde Transparenz und empfahlen, „die Anzeige nachzuholen“. So hat Steinbrück beim Bundestagspräsidenten nicht angegeben, dass er am 13. Oktober 2011 bei der Kerkhoff Consulting GmbH sowie am 19. Oktober 2011 bei der Südwestbank AG Vorträge gegen Honorar gehalten hat. Der SPD-Politiker sagte dazu: „Das war Nachlässigkeit von mir – ich habe es einfach verschwitzt.“ Beide Auftritte seien aber „unverdächtig“. Auch Vorträge in jüngster Vergangenheit In sechs weiteren Fällen muss Steinbrück noch den Bundestag informieren. Dabei handelt es sich um Auftritte im Zeitraum vom 30. August 2012 bis 24. September 2012. Die Frist zur Meldung ist jedoch laut den Wirtschaftsprüfern noch nicht abgelaufen. Steinbrück sagte, die vielen Vortragsanfragen habe er angenommen „in einer Zeit, als weder die SPD noch ich selbst die Idee hatten, wieder in den Ring zu steigen“. Den Vorwurf, dass seine Nebentätigkeiten zulasten seines Parlamentsmandats gegangen sein könnten, wollte der Ex-Minister nicht gelten lassen: Er sei 2009 und 2010 an sieben Sitzungstagen nicht präsent gewesen, an denen im Bundestag namentliche Abstimmungen angestanden hätten. Danach habe es keine Versäumnisse mehr gegeben. Im Übrigen sage die physische Anwesenheit im Plenum nichts über „politische Präsenz“ aus, betonte er. Zu Gerüchten, Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) habe ihn einmal im Zusammenhang mit einer Nebentätigkeit persönlich ermahnt, zu einer Sitzung zu kommen, sagte Steinbrück: „Ich kann mich nicht daran erinnern. Aber ich würde, wenn das der Fall gewesen wäre, den Bundestagspräsidenten bitten, dass er aus persönlichen Vier-Augen-Gesprächen mit mir in einer Journalistenrunde keine Auskunft gibt.“ „Steinbrück hat Wort gehalten“ Von seinen Parteifreunden erhielt der Kanzlerkandidat Rückendeckung. „Peer Steinbrück hat Wort gehalten“, sagte etwa SPD-Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier und fügte hinzu: „Damit ist vollständige Transparenz über Art und Honorierung hergestellt.“ Ebenso waren die Grünen zufrieden mit der Offenlegung der Daten und Fakten. Aber auch die Union wollte nicht nachtreten: Fraktionsgeschäftsführer Michael Grosse-Brömer (CDU) nannte es „gut und richtig, wenn man als Kanzlerkandidat freiwillig Klarheit darüber schafft, ob das Bundestagsmandat oder Vortragsveranstaltungen im Mittelpunkt der Abgeordnetentätigkeit stand“. Die Organisation LobbyControl sprach von „einem wichtigen Schritt für mehr Transparenz“, kritisierte jedoch, dass Steinbrück seine anderen Nebentätigkeiten wie etwa publizistische Tätigkeiten nicht offenlege. Abgeordnete des Bundestages müssen ihre Nebeneinkünfte offen legen. Bisher geschieht dies in drei Stufen. Nach dem Willen der Regierungskoalition soll es künftig zehn Stufen geben. Die Causa Steinbrück hatte eine politische Debatte über schärfere Transparenzregeln für Parlamentarier ausgelöst. (Die vollständige Liste als PDF-Datei: http://url.dapd.de/4OHdJ0 ) dapd (Politik/Politik)
Allianz erfreut Aktionäre mit höherer Gewinnerwartung
München (dapd). Während andere Konzerne derzeit ihre Prognose senken müssen, schraubt die Allianz ihre Erwartungen nach oben. Europas größter Versicherungskonzern erwartet in diesem Jahr nun ein operatives Ergebnis von mehr als neun Milliarden Euro, wie die Allianz in der Nacht zum Dienstag mitteilte. Bisher hatte der Vorstandsvorsitzende Michael Diekmann als Ziel noch eine Spanne zwischen 7,7 und 8,7 Milliarden Euro angegeben. Den Aktienkurs beflügelte die Nachricht. Die Allianz-Aktie gehörte am Dienstag zu den großen Gewinnern im DAX. Bis zum Nachmittag stieg der Kurs um 2,8 Prozent auf 95,70 Euro. Der Versicherungskonzern hatte bereits mit seinen Halbjahreszahlen Anfang August die Erwartungen übertroffen und für einen Kurssprung gesorgt. Damals stand die Aktie bei rund 82 Euro. Diekmann hielt zu dem Zeitpunkt noch an seinem Jahresziel fest. Den vorläufigen Zahlen zufolge machte der Konzern von Juli bis September einen operativen Gewinn von 2,5 Milliarden Euro und damit 100 Millionen Euro mehr als im Vorquartal. Der Nettogewinn stieg den Angaben zufolge auf 1,4 Milliarden Euro. Alle Geschäftsbereiche hätten sich besser entwickelt als erwartet, teilte das Unternehmen weiter mit. Besonders gut schnitt laut Allianz die Vermögensverwaltung ab. Der Jahresüberschuss wird den Angaben zufolge aber vergleichsweise geringer ausfallen. Grund seien die Verringerung von Risiken sowie Restrukturierungsmaßnahmen. Der Versicherungskonzern hatte bereits im Sommer Rückstellungen für Abfindungen gebildet, um die Zahl der Arbeitsplätze in Bankfilialen abzubauen. Detaillierte Zahlen zum dritten Quartal will die Allianz am 9. November vorlegen. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
Computerexperten verzweifelt gesucht
Berlin (dapd). Das Fehlen von qualifizierten Computerspezialisten entwickelt sich zunehmend zu einem Hemmschuh für die deutsche Wirtschaft. Laut einer am Dienstag veröffentlichten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Aris im Auftrag des Branchenverbandes Bitkom fehlen hierzulande derzeit rund 43.000 IT-Spezialisten. Das sind 5.000 offene Stelle oder 13 Prozent mehr als im Vorjahr. Innerhalb von drei Jahren hat sich die Zahl der unbesetzten Stellen den Angaben zufolge mehr als verdoppelt. Somit entwickelt sich der IT-Sektor weiterhin gegen den Gesamttrend. Während der deutsche Arbeitsmarkt inzwischen fast wieder stagniert, werden in der Computerbranche Fachkräfte weiterhin händeringend gesucht. „Die etwas eingetrübten Wachstumsaussichten der Gesamtwirtschaft haben noch keine Auswirkungen auf den IT-Arbeitsmarkt“, sagte Bitkom-Präsident Dieter Kempf in Berlin bei der Vorstellung der Studie. Besonders Softwareprogrammierer und Systemadministratoren seien gefragter denn je. IT-Fachkräftemangel in allen Wirtschaftszweigen Der Untersuchung zufolge beklagt jedes zweite deutsche Unternehmen, dass aktuell ein Mangel an Computerspezialisten besteht. Ebenfalls jedes zweite befragte Unternehmen rechnet damit, dass sich der IT-Fachkräftemangel in Zukunft weiter verschärft. „Die Beschäftigtenzahl in der Branche könnte noch viel höher sein, wenn mehr Fachkräfte vorhanden wären, um den Bedarf der Unternehmen zu decken“, monierte Kempf. Zugleich macht sich der Präsident des Branchenverbandes für eine Reform des Schulsystems und eine „Qualifizierungsoffensive“ stark, mit der unter anderem mehr weibliche Fachkräfte gewonnen werden sollen. Aus seiner Sicht müsse das Interesse an technischen Berufen und der Informatik bereits in der Schule geweckt werden, sagte Kempf. Vor diesem Hintergrund erneuerte er seine Forderung nach einem „Pflichtfach Informatik“ in der Sekundarstufe I. Hochschulabsolventen winkt gute Entlohnung Aber nicht nur in der Schule, auch in der universitären Ausbildung der Programmierer und Administratoren von morgen gibt es Nachholbedarf. Zwar haben nach Bitkom-Angaben im vergangenen Jahr 48.000 junge Menschen ein Informatik-Studium aufgenommen. Allerdings verlässt nur jeder zweite davon die Hochschule mit einem Abschluss. Angesichts einer überdurchschnittlich hohen Abbrecherquote von rund 50 Prozent werden in einigen Jahren nur 20.000 bis 25.000 Absolventen übrig bleiben, rechnet der Branchenverband vor. Zum Vergleich: Im Bundesdurchschnitt liegt die Studien-Abbrecherquote nach OECD-Angaben fächerübergreifend bei rund 30 Prozent. Wer allerdings sein Informatik-Studium durchzieht, der kann laut Statistik mit überdurchschnittlich hoher Entlohnung rechnen. Im Jahr 2011 erhielten Vollzeitbeschäftigte in der Computerbranche ein Bruttojahresgehalt von durchschnittlich rund 59.000 Euro, wie Bitkom auf Basis von Zahlen des Statistischen Bundesamtes mitteilte. Damit liege das im IT-Sektor gezahlte Durchschnittsgehalt rund 5.000 Euro über dem im Fahrzeugbau und rund 8.000 Euro über dem im Maschinenbau-Sektor gezahlten Jahresgehalt. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
Der Metro brechen die Gewinne weg
Düsseldorf (dapd). Die Konjunkturkrise in Europa und heftige Preiskämpfe bei Unterhaltungselektronik machen Deutschlands größtem Handelskonzern Metro schwer zu schaffen. Im dritten Quartal schrumpfte der Nettogewinn des Handelsriesen um fast 60 Prozent gegenüber dem Vorjahr auf nur noch 89 Millionen Euro. Auch in Deutschland mehrten sich inzwischen die Anzeichen einer „sich abschwächenden Konjunkturneigung“, warnte Metro-Chef Olaf Koch am Dienstag bei der Präsentation der Quartalszahlen in Düsseldorf. Koch steht seit Anfang des Jahres an der Spitze des Düsseldorfer Handelskonzerns und versucht seitdem, das Unternehmen wieder auf Wachstumskurs zu bringen – unter anderem mit einer aggressiveren Preispolitik. So nahm er im dritten Quartal erneut rund 50 Millionen Euro in die Hand, um die Preise bei den Elektronikketten Media Markt und Saturn zu senken und die Wettbewerbsfähigkeit zu steigern. Davon profitierten allerdings weniger die Kunden in Deutschland, als die Verbraucher in den Krisenländern Italien und Spanien. Daneben setzt der Manager auf neue Serviceangebote und den Ausbau des Online-Handels. Die positiven Effekte dieser Maßnahmen seien allerdings bislang weitgehend von der sich eintrübenden Verbraucherstimmung verschluckt worden, sagte Koch. Für die ersten neun Monate des Jahres wies das kürzlich aus dem DAX ausgeschiedene Unternehmen unter dem Strich sogar einen Verlust von 21 Millionen Euro aus. Im Vorjahr hatte der Konzern noch einen Gewinn von 266 Millionen Euro gemacht. Zum Gewinneinbruch im dritten Quartal trugen allerdings auch niedrigere Einnahmen aus Immobilienverkäufen bei. Metro-Aktie im Höhenflug Immerhin gelang es dem Konzern dank Kochs Maßnahmenpaket, zumindest den Umsatz stabil zu halten. Im dritten Quartal stieg er um 0,6 Prozent auf 15,9 Milliarden Euro. Die Probleme werden den Konzern wohl noch einige Zeit beschäftigen. Koch betonte, er habe nicht die Erwartung, dass sich das Bild innerhalb weniger Monate ändere. „Wir setzen auf nachhaltige Entwicklung, nicht auf kurzfristige Ertragsoptimierung.“ Doch sieht der Manager auch erste Erfolge der Neuausrichtung. Das Geschäft mit den ertragsstarken Eigenmarken sei in den vergangenen neun Monaten um 10 Prozent gesteigert worden. Auch der Internet-Handel entwickele sich positiv. Der Online-Umsatz von Media-Saturn habe sich in den ersten neun Monaten nahezu verdreifacht – auf 480 Millionen Euro. Und der Ausbau des Internethandels geht weiter. Bis zum Jahresende sollen Media Markt und Saturn in ihren Online-Shops rund 10.000 Artikel anbieten. Das langfristige Ziel sei es, online mehr Artikel im Angebot zu haben als in den Filialen, sagte Koch. Koch bestätigte die erst zum Monatsanfang gesenkte Gewinnprognose. Danach rechnet die Metro-Group für das Gesamtjahr mit einem Umsatzanstieg, geht aber beim operativen Ergebnis (Ebit vor Sonderfaktoren) nur noch von rund zwei Milliarden Euro aus. Offen ließ der Manager die Zukunft der SB-Warenhaustochter Real. Der Konzern wolle darüber zum Jahresende entscheiden. An der Börse gewann die Metro-Aktie bis zum Nachmittag fast fünf Prozent an Wert. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)