Hagen (dapd). Die beiden Textilhandelsketten Wöhrl und SinnLeffers kommen unter ein gemeinsames Dach. Der Nürnberger Unternehmer Gerhard Wöhrl und seine Familie übernehmen den Wettbewerber aus Hagen. Insgesamt werde seine Unternehmensgruppe damit künftig deutschlandweit 60 Modehäuser mit über 4.000 Mitarbeitern und einem Umsatz von mehr als 600 Millionen Euro betreiben, sagte Wöhrl am Freitag in Hagen. Beide Marken sollen nach dem Willen des neuen Besitzers erhalten bleiben. Auch ein Personalabbau sei derzeit nicht geplant, hieß es in Hagen. „SinnLeffers passt perfekt zu Wöhrl“, betonte der Unternehmer. Die Modekette Wöhrl ist derzeit mit 38 Standorten vor allem in Bayern und Ostdeutschland präsent. SinnLeffers hat seine 22 Häuser vor allem in Nordrhein-Westfalen. Zielgruppen und Sortiment sind ähnlich. Überschneidungen gibt es lediglich an drei Standorten: Dresden, Magdeburg und München. Alle Häuser würden fortgeführt, betonten die Unternehmen. Wöhrl und SinnLeffers sehen sich derzeit mit einem harten Wettbewerb auf dem deutschen Textilmarkt konfrontiert. Neben „klassischen“ Rivalen wie Karstadt oder Kaufhof machen ihnen auch internationale Ketten wie H&M und Zara sowie Flagship-Stores von Marken wie Esprit und Marc O’Polo immer stärker Konkurrenz. Auch Online-Händler sichern sich einen immer größeren Teil vom Kuchen. Wöhrl betonte, dank des Zusammenschlusses sehe er für beide Unternehmen bessere Chancen für die Zukunft, als bei einem Alleingang. Ziel sei es, Synergien etwa im Einkauf zum Vorteil beider Unternehmen zu heben. Auch SinnLeffers-Geschäftsführer Karsten Oberheide betonte, gemeinsam könnten die Unternehmen schlagkräftiger in deutschem Markt agieren. „Wir stehen vor gewaltigen Veränderungen im stationären Einzelhandel“, sagte er. „Gemeinsam können wir zu deutlich besseren Lösungen kommen.“ Die fränkische Modekette Wöhrl mit dem Knopf als Markenzeichen blickt inzwischen auf eine 80-jährige Unternehmensgeschichte zurück. Mit über 2.000 Mitarbeitern an 38 Standorten erzielte sie zuletzt einen Umsatz von mehr als 300 Millionen Euro. Die Wurzeln von SinnLeffers reichen sogar bis ins Jahr 1850 zurück. Doch geriet das Unternehmen in den vergangenen Jahren in heftige Turbulenzen. Bis 2005 gehörte SinnLeffers zum KarstadtQuelle-Konzern. Dann wurde es von der Deutschen Industrie Holding (DIH) übernommen worden. 2008 musste es jedoch in einem Planinsolvenzverfahren saniert werden. Dabei wurden rund die Hälfte der Häuser geschlossen. Rund ein Drittel der Mitarbeiter verlor den Arbeitsplatz. Heute schreibt das auf nur noch 22 Häuser geschrumpfte Unternehmen mit den verbliebenen rund 2.000 Mitarbeitern nach eigenen Angaben aber wieder schwarze Zahlen und erzielt – wie Wöhrl – einen Umsatz von über 300 Millionen Euro. DIH-Manager Patrick Feller betonte, durch den Verkauf an Wöhrl habe SinnLeffers wieder eine langfristige Zukunft. Zum Kaufpreis machten die Beteiligten keine Angaben. Die Transaktion muss allerdings noch vom Bundeskartellamt genehmigt werden. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
Peer-Michael Preß
Antisemitismus-Vorwürfe: Jakob Augstein erhält viel Zuspruch
Berlin (dapd). Rückendeckung für Jakob Augstein: Nach dem Antisemitismus-Vorwurf des Simon-Wiesenthal-Zentrums erhält der Verleger der linken Wochenzeitung „Der Freitag“ viel Zuspruch. Der Zentralrat der Juden in Deutschland verteidigte Augstein. Auch das Portal „Spiegel Online“ stellte sich hinter seinen Kolumnisten. Der Publizist Henryk M. Broder hält hingegen an seiner Kritik fest. „Ich habe einiges von ihm gelesen, es war nicht sehr viel. Ich hatte nie den Eindruck, dass das, was er geschrieben hat, antisemitisch ist“, sagte Vizepräsident Salomon Korn am Freitag im Deutschlandradio Kultur. Selbst wenn man sich frage, warum Augsteins Kritik überspitzt sei und immer Israel thematisiert werde, sei es nicht richtig, Augstein als Antisemiten zu bezeichnen. Das Simon-Wiesenthal-Zentrum hatte den Journalisten in seiner jährlichen Liste der schlimmsten Antisemiten auf Platz neun gesetzt. Die jüdische Menschenrechtsorganisation mit Sitz in Los Angeles berief sich in ihrer Beurteilung auch auf Broder. Augstein sei ein „reiner Antisemit“ und „ein Überzeugungstäter“, wird ein Blogeintrag Broders aus dem September zitiert. Der 66-Jährige legte im „Tagesspiegel“ (Freitagausgabe) nochmals nach: „Das, was Jakob Augstein betreibt, ist kein kritischer Journalismus, sondern Ausdruck seiner eigenen, ressentimentgeladenen Selbstdarstellung.“ Korn bezeichnete Broder als einen Polemiker: „Man kann nicht immer alles wörtlich nehmen, was er sagt und man kann auch nicht immer alles ernst nehmen, was er sagt.“ Augstein kündigte unterdessen auf dapd-Anfrage an, auf rechtliche Schritte gegen Broder zu verzichten. Auch aus Sicht des TV-Moderators Michel Friedman taucht Augsteins Name zu Unrecht auf der Liste auf. Zwar halte er die Israel-Kritik Augsteins „für überzogen, falsch und unverhältnismäßig polemisch“, sagte der ehemalige Vizepräsident des Zentralrats der Juden dem „Tagesspiegel“. Sein Name gehöre aber dennoch nicht auf die Liste. Mehr Sorgen bereiten Friedman nach eigener Aussage „die sichtbaren Antisemiten, die braunen Mörder, die Terroristen und die hellbraunen Nazis auf Cocktailempfängen“. Augstein hatte sich in seiner Kolumne für „Spiegel Online“ mehrfach kritisch mit Israel auseinandergesetzt. Unter anderem verteidigte er das umstrittene Israel-Gedicht von Nobelpreisträger Günter Grass und ging die israelische Regierung scharf an: „Mit der ganzen Rückendeckung aus den USA, wo ein Präsident sich vor den Wahlen immer noch die Unterstützung der jüdischen Lobbygruppen sichern muss, und aus Deutschland, wo Geschichtsbewältigung inzwischen eine militärische Komponente hat, führt die Regierung Netanjahu die ganze Welt am Gängelband eines anschwellenden Kriegsgesangs.“ „Spiegel“-Digitalchef Mathias Müller von Blumencron stärkte Augstein den Rücken. Dieser habe sich in einigen Beiträgen kritisch mit der israelischen Politik beschäftigt. „Ihn deshalb in eine Reihe mit führenden Juden-Hassern einzuordnen, wie den Radikalen aus der Muslimbrüderschaft, dem iranischen Regime und der ungarischen Jobbik-Partei, ist in keiner Weise nachvollziehbar“, sagte er auf dapd-Anfrage. Augstein werde selbstverständlich auch in Zukunft über Israels Politik schreiben. Das Simon-Wiesenthal-Zentrum sei eine hoch angesehene Organisation im Kampf gegen den Antisemitismus, sagte von Blumencron weiter. Umso verwunderlicher sei es, dass Augstein auf der Liste der führenden Antisemiten auftauche. Broder zog inzwischen Konsequenzen aus der Debatte. Er kündigte an, nicht mehr als Kolumnist für den RBB-Hörfunksender Radioeins zur Verfügung zu stehen. Am Freitag war anstatt seines wöchentlichen Kommentars ein Experten-Interview zum Antisemitismus-Vorwurf gegen Augstein gesendet worden. Dieses Verhalten sei illoyal und sachlich durch nichts zu rechtfertigen, schrieb Broder in der Online-Ausgabe der „Welt“. Radioeins-Programmchef Robert Skuppin bedauerte den Entschluss Broders, der seit 1999 als Kommentator für den Sender tätig war. Der Vorwurf der Illoyalität“ sei aber nicht nachvollziehbar: „Das Verschieben, oder auch Ausfallen von Themen und Kommentaren aus Aktualität und die Entscheidung darüber, gehören zum normalen Redaktionsalltag.“ ( Broders Blogeintrag : http://url.dapd.de/Maas6P Stellungnahme Skuppins: http://url.dapd.de/qq3StK ) dapd (Vermischtes/Politik)
Rekordabsatz von Mercedes-Benz trotz Schwäche in China
Stuttgart (dapd). Daimlers Premiummarke Mercedes-Benz hat 2012 erneut einen Rekordabsatz eingefahren und erwartet weitere Steigerungen in diesem Jahr. Lediglich ein Blick auf die Konkurrenz und auf China trübt die Bilanz. Im vergangenen Jahr wurden 1,32 Millionen Fahrzeuge der Marke gekauft, und damit 4,7 Prozent mehr als im bisherigen Rekordjahr 2011, wie der Konzern am Freitag in Stuttgart mitteilte. Rekorde meldete auch das gesamte Geschäftsfeld Mercedes-Benz Cars inklusive der Marken smart und Maybach: Hier setzte Daimler mit 1,42 Millionen Fahrzeugen 4,5 Prozent mehr ab als im Vorjahr. Damit legte Mercedes-Benz starke Zahlen vor, doch die Konkurrenten Audi und BMW hatten bereits nach elf Monaten mehr verkaufte Autos vorzuweisen als die Marke mit dem Stern. Die Zahlen für das Gesamtjahr werden erst noch vorgestellt. Und auch der Absatz in China lässt bei Mercedes-Benz zu wünschen übrig: Während sowohl BMW als auch Audi dort zweistellige Wachstumsraten vorweisen können, kommen die Stuttgarter lediglich auf 1,5 Prozent. Seit Oktober gehen die Absätze sogar zurück, im Dezember verkaufte Mercedes-Benz in Fernost 18,6 Prozent weniger Fahrzeuge als im Vorjahresmonat. Der Vorstandsvorsitzende Dieter Zetsche zeigte sich insgesamt dennoch zufrieden: „Trotz des schwierigen Marktumfeldes in den südeuropäischen Ländern und zahlreicher Modellwechsel haben wir den Rekordabsatz des Vorjahrs übertroffen“, sagte er. Tatsächlich behauptete sich Mercedes-Benz gegen den Markttrend und verkaufte in Westeuropa mit 554.797 Einheiten immerhin noch 0,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Die gesamte Branche setzte von Januar bis November rund acht Prozent weniger Fahrzeuge in Westeuropa ab als im Vorjahr. „2013 setzen wir mit unserer Produktoffensive im Oberklassesegment unsere Wachstumsstrategie Mercedes-Benz 2020 konsequent fort“, gab sich Zetsche auch für das laufende Jahr zuversichtlich. Vor allem mit der neuen S-Klasse und der runderneuerten E-Klasse kommen zwei wichtige Modelle auf den Markt. Bis 2020 soll Mercedes-Benz beim Absatz wieder vor der Konkurrenz von Audi und BMW stehen. Zuletzt hatte Zetsche in der „Börsen-Zeitung“ angekündigt, dass er dieses Ziel nach Möglichkeit auch schon früher erreichen wolle. „Ich habe natürlich den persönlichen Ehrgeiz, dass wir nicht bis 2020 brauchen, sondern schon während meiner eigenen Verantwortung deutlich nach vorn kommen“, sagte er dem Blatt. Dafür muss Mercedes-Benz allerdings an seine Probleme heran. Gerade die Schwäche in China ist eklatant. Der Konzern hatte im Dezember zwei Maßnahmen getroffen, um das zu ändern: Zunächst bestellte der Konzern mit dem ehemaligen Truck-Manager Hubertus Troska einen eigenen China-Vorstand. Danach bündelte das Unternehmen den Vertrieb für importierte und lokal produzierte Fahrzeuge der Marke Mercedes-Benz in dem Land unter einem Dach. Beide Gruppen hatten sich zuvor gegenseitig Konkurrenz gemacht. Auch bei den Volumenmodellen brachte Mercedes-Benz mit der neuen A-Klasse jetzt seine Antwort auf den 1er BMW und den Audi A3 auf den Markt. Bislang fehlte ein gleichwertiges Modell in der Produktpalette. Von dem seit September erhältlichen Modell wurden bereits 90.000 Fahrzeuge bestellt. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
Ostdeutsche Textilbranche erwartet stabiles Jahr
Chemnitz (dapd). Die ostdeutsche Textil- und Bekleidungsindustrie hat das vergangene Jahr voraussichtlich mit einem Umsatzminus von rund fünf Prozent abgeschlossen. Wie der Hauptgeschäftsführer des Branchenverbandes vti, Bertram Höfer, am Freitag in Chemnitz sagte, ist mit einem Umsatz von etwa 1,75 Milliarden Euro zu rechnen. Genaue Zahlen liegen noch nicht vor. Höfer sprach vom zweitbesten Wert seit 2005. Im „exorbitant guten Jahr“ 2011 habe der Umsatz bei 1,8 Milliarden Euro gelegen. Trotz rückläufiger Konsumbereitschaft erwartet der Verband für 2013 ein stabiles Jahr. Der Umsatzrückgang habe keine negativen Auswirkungen auf die Gesamtzahl von etwa 16.000 Beschäftigten, sagte Höfer. Gerade wegen des Fachkräftemangels setzten die Firmen alles daran, ihre Stammbelegschaft zu halten und selbst auszubilden. Allein im dem seit 2011 von Bund und EU geförderten Projekt „Passgenaue Vermittlung Auszubildender“ hätten 76 Jugendliche einen Ausbildungsplatz in der Branche gefunden. Zurzeit seien 63 Lehrstellen unbesetzt. Laut Höfer war vor allem im zweiten Halbjahr 2012 die abflauende Konjunktur in der Eurozone zu spüren. Dennoch gehe der Verband davon aus, dass das hohe Niveau im Export gehalten werde. Von 2008 bis 2011 sei der Auslandsumsatz von 536 Millionen auf 617 Millionen Euro gestiegen. Hauptabsatzgebiet sei Westeuropa, Amerika und Asien seien im Kommen. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
Sparkurs von Städten und Gemeinden geht an die Substanz
Berlin (dapd). Die deutschen Kommunen sind 2012 ohne neue Schulden ausgekommen und wollen auch im neuen Jahr keine zusätzlichen Kredite aufnehmen. Doch diese schwarze Null in den Bilanzen werde durch das Unterlassen dringender Investitionen teuer erkauft, sagte der Präsident des Deutschen Städte- und Gemeindebundes, Christian Schramm, am Freitag. „Bei Schulen, Straßen und öffentlichen Gebäuden wird seit Jahren eher geflickt als grundlegend renoviert“, beklagte der Oberbürgermeister von Bautzen. „Der Verfall der Infrastruktur wird zunehmend zur Wachstumsbremse.“ In Deutschland sind Bund, Länder und Kommunen mit mehr als zwei Billionen Euro verschuldet. Täglich müssen dafür etwa 170 Millionen Euro allein an Zinsen aufgebracht werden. Schramm verlangte: „Wir brauchen in Deutschland deutlich mehr öffentliche Investitionen, und dies sollte Vorrang vor weiteren höheren Transferleistungen haben.“ Schramm wies darauf hin, dass sich die Kosten sozialer Leistungen von 28,2 Milliarden Euro im Jahr 2002 auf 45,5 Milliarden Euro im Jahr 2012 verteuert hätten. „Das ist einfach nicht aushaltbar“, sagte er und forderte eine Agenda 2020 mit dem Ziel einer Neuausrichtung der Gesellschaft. „Wie bei der Energiewende brauchen wir ein komplettes Umsteuern, um den Weg aus dem Schuldenstaat zu finden und den Sozialstaat zukunftsfest zu machen“, sagte er. Landsberg gegen „Strompreishysterie“ Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg verlangte ein neues Förderkonzept für die Energiewende. „Es macht keinen Sinn, erneuerbare Energieanlagen mit Steuergeldern zu subventionieren, wenn deren Strom in absehbarer Zeit nicht in ein tragfähiges Netz eingespeist oder wegen der regionalen Situation nicht verwendet werden kann“, sagte er. Auch müsse der Netzausbau konsequent vorangetrieben werden. Landsberg warnte jedoch vor einer „Strompreishysterie“. Die Energiepreise seien innerhalb von 12 Jahren um 85 Prozent gestiegen. „Andere Produkte des täglichen Lebens wie Benzin oder auch nur der Cappuccino im Café haben sich in gleicher Zeit vergleichbar entwickelt“, sagte er. Mehr Tagesmütter und „Kindergartenplatz-Sharing“ Bis zum Sommer können die deutschen Kommunen wahrscheinlich nicht ausreichend Kita-Plätze für unter Dreijährige zu Verfügung stellen. Derzeit fehlten noch 150.000 Plätze, sagte Schramm und räumte ein: „Zu 100 Prozent wird die Quote zum 1. August nicht zu schaffen sein.“ Von diesem Stichtag an gibt es einen Rechtsanspruch auf einen Betreuungsplatz für unter Dreijährige. Insgesamt sollen für 39 Prozent der Kinder Plätze zur Verfügung stehen. Das sind 780.000. Um Engpässe zu vermeiden, warb der Bautzener Oberbürgermeister dafür, bürokratische Hindernisse abzubauen und mehr Stellen für Tagesmütter zu schaffen. Genutzt werden solle auch das „Kindergartenplatz-Sharing“ – zwei Kinder teilen sich einen Platz. Denn viele Eltern wünschten sich nur eine stundenweise Betreuung. Ein Sprecher des Bundesfamilienministeriums sagte, wenn alle Beteiligten zu ihren Verpflichtungen stünden und auch die Gelder des Bundes nutzten, „sollte der Rechtsanspruch zu schaffen sein“. Bund, Länder und Kommunen hätten sich 2007 zu diesem Ziel verpflichtet. Der Bund habe seine Zusagen eingehalten und jüngst sogar noch einmal Mittel für 30.000 zusätzliche Plätze zur Verfügung gestellt. Der Deutsche Städte- und Gemeindebund vertritt die Interessen der kommunalen Selbstverwaltung von rund 14.000 kreisangehörigen Städten und Gemeinden. dapd (Politik/Politik)
Wöhrl übernimmt SinnLeffers
Berlin (dapd). Der Nürnberger Unternehmer Gerhard Wöhrl übernimmt die Textilhandelskette SinnLeffers und erhöht damit die Zahl seiner Modehäuser in Deutschland deutlich. Insgesamt werde die Unternehmensgruppe damit künftig deutschlandweit 60 Modehäuser mit über 4.000 Mitarbeitern und einem Umsatz von mehr als 600 Millionen Euro betreiben, teilte Wöhrl am Freitag in Hagen mit. Beide Marken sollen nach dem Willen des neuen Besitzers erhalten bleiben. Auch ein Personalabbau sei derzeit nicht geplant, hieß es in Hagen. „SinnLeffers passt perfekt zu Wöhrl“, betonte der Unternehmer. Die Modekette Wöhrl ist derzeit mit 38 Standorten in Bayern, Baden-Württemberg, Berlin, Sachsen und Sachsen-Anhalt präsent. SinnLeffers hat seinen Schwerpunkt in Nordrhein-Westfalen. Überschneidungen gibt es lediglich an drei Standorten: In Dresden, Magdeburg und München. Alle Häuser würden fortgeführt, betonten die Unternehmen. Zum Kaufpreis machten die Beteiligten keine Angaben. Die Transaktion muss allerdings noch vom Bundeskartellamt genehmigt werden. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
VW erfolgreichste deutsche Automarke in den USA
Berlin (dapd). Die mit Absatzproblemen in Westeuropa kämpfenden deutschen Autohersteller haben 2012 ihr bislang erfolgreichstes Jahr in den USA verzeichnet. Sie steigerten ihre Verkäufe um über 21 Prozent auf rund 1,27 Millionen, wie der Verband der Automobilindustrie (VDA) am Freitag in Berlin mitteilte. Der gesamte US-Markt legte nach Angaben des Marktforschers Autodata um gut 13 Prozent auf über 14,4 Millionen Fahrzeuge zu. Die deutschen Hersteller hätten im siebten Jahr in Folge ihren Marktanteil auf dem weltweit größten Automobilmarkt kontinuierlich erhöht, erklärte VDA-Präsident Matthias Wissmann. Zudem hätten sie im Dezember noch einmal das Tempo gesteigert: Während der gesamte Markt um neun Prozent auf 1,35 Millionen Fahrzeuge gestiegen sei, hätten die deutschen Hersteller die dreifache Geschwindigkeit vorgelegt und ihren US-Absatz um über 27 Prozent auf gut 137.000 Neufahrzeuge erhöht. Die US-Statistik bezieht sich bei den Absatzzahlen auf sogenannte Light Vehicles – dazu zählen Pkw und Light Trucks, also Transporter. Das größte Plus auf Jahressicht erzielte von den deutschen Herstellern Volkswagen. Die Marke steigerte ihren Absatz laut Autodata um 35,1 Prozent auf 438.134 Fahrzeuge. Die VW-Tochter Audi legte um 18,5 Prozent auf 139.310 Einheiten zu. Der BMW-Absatz stieg um 13,5 Prozent auf 281.460 Autos, die Daimler-Marke Mercedes-Benz verkaufte mit 295.013 Fahrzeugen 12,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Bei Porsche legten die Verkäufe um 20,7 Prozent auf 35.043 Wagen zu. Bei den zwei größten Anbietern auf dem US-Markt, General Motors und Ford, lagen die Steigerungsraten unter fünf Prozent. Dagegen legte Chrysler, der inzwischen zu Fiat gehörende kleinste heimische Hersteller, um rund 20 Prozent zu. Marktführer GM setzte im vergangenen Jahr 2,5 Millionen Fahrzeuge ab. Größter ausländischer Anbieter ist weiterhin Toyota mit knapp 2,1 Millionen verkauften Fahrzeugen im vergangenen Jahr, was einem Plus von 26,6 Prozent entspricht. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
Merkel empfängt Sternsinger
Berlin (dapd). Bei ihrem ersten öffentlichen Auftritt im neuen Jahr hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Freitag in Berlin Sternsinger empfangen. Die 108 Mädchen und Jungen aus 27 deutschen Bistümern brachten ihren Segen „Christus mansionem benedicat“ („Christus segne dieses Haus“) ins Kanzleramt. Mit Kronen, Sternen und einem für Tansania vorgesehenen Krankenwagen präsentierten sich die Kinder mit der Regierungschefin. Die Kanzlerin empfing bereits zum achten Mal die Sternsinger. Die jährliche Sternsingeraktion gilt als weltweit größte Solidaritätsaktion von Kindern für Kinder. Bundesweit sind zur Jahreswende rund 500.000 Sternsinger unterwegs, die mit Weihrauch als Caspar, Melchior und Balthasar verkleidet von Haus zu Haus ziehen, ihren Segen mit Kreide an die Türen schreiben und Geld für einen guten Zweck sammeln. Die Sternsingeraktion 2013 steht unter dem Leitspruch „Segen bringen, Segen sein – Für Gesundheit in Tansania und weltweit“. Seit dem Start der Aktion 1959 sammelten die Kinder rund 814 Millionen Euro. Über 63.000 Projekte und Hilfsprogramme für Kinder in Afrika, Lateinamerika, Asien, Ozeanien und Osteuropa konnten so unterstützt werden. Am Sonntag empfängt Bundespräsident Joachim Gauck 45 Sternsinger aus dem Bistum Mainz. ( www.sternsinger.org ) dapd (Politik/Politik)
Jakob Augstein erhält Rückendeckung in Antisemitismus-Debatte
Berlin (dapd). Die Debatte um den Antisemitismus-Vorwurf gegen den Journalisten Jakob Augstein hält an. Am Freitag erhielt der Verleger der linken Wochenzeitung „Der Freitag“ Rückendeckung. Der Publizist Henryk M. Broder hält an seiner Kritik fest. Der Zentralrat der Juden in Deutschland distanziert sich von den Vorwürfen. „Ich habe einiges von ihm gelesen, es war nicht sehr viel. Ich hatte nie den Eindruck, dass das, was er geschrieben hat, antisemitisch ist“, sagte Vizepräsident Salomon Korn am Freitag im Deutschlandradio Kultur. Selbst wenn man sich frage, warum Augsteins Kritik überspitzt sei und immer Israel thematisiert werde, sei es nicht richtig, Augstein als Antisemiten zu bezeichnen. Das Simon-Wiesenthal-Zentrum hatte Augstein in seiner jährlichen Liste der schlimmsten Antisemiten auf Platz neun gesetzt. Die jüdische Menschenrechtsorganisation mit Sitz in Los Angeles berief sich in ihrer Beurteilung auch auf Broder. Augstein sei ein „reiner Antisemit“ und „ein Überzeugungstäter“, wird ein Blogeintrag Broders aus dem September zitiert. Der 66-Jährige legte im „Tagesspiegel“ (Freitagausgabe) nochmals nach: „Das, was Jakob Augstein betreibt, ist kein kritischer Journalismus, sondern Ausdruck seiner eigenen, ressentimentgeladenen Selbstdarstellung.“ Friedman hält Entscheidung für überzogen Auf der Rangliste stehen neben Augstein unter anderen die ägyptischen Muslimbrüder, die iranische Regierung und die rechtsextreme ungarische Partei Jobbik. „Offensichtlich ist das Simon-Wiesenthal-Center ziemlich weit weg von der deutschen Wirklichkeit“, sagte Korn weiter. Broder sei ein Polemiker: „Man kann nicht immer alles wörtlich nehmen, was er sagt und man kann auch nicht immer alles ernst nehmen, was er sagt.“ Auch aus Sicht des TV-Moderators Michel Friedman taucht Augsteins Name zu Unrecht auf der Liste auf. Zwar halte er die Israel-Kritik Augsteins „für überzogen, falsch und unverhältnismäßig polemisch“, sagte der ehemalige Vizepräsident des Zentralrats der Juden dem „Tagesspiegel“. „Aber mir machen die sichtbaren Antisemiten, die braunen Mörder, die Terroristen und die hellbraunen Nazis auf Cocktailempfängen mehr Sorgen.“ Friedman erinnerte an das umstrittene Israel-Gedicht von Nobelpreisträger Günter Grass. Dieses sei tatsächlich als antisemitische Kritik an Israel einzustufen. „Dennoch: Weder Grass noch Augstein gehören auf so eine Liste.“ Augstein hatte sich in seiner Kolumne für „Spiegel Online“ mehrfach kritisch mit Israel auseinandergesetzt. Unter anderem verteidigte er das Israel-Gedicht von Grass und ging die israelische Regierung scharf an: „Mit der ganzen Rückendeckung aus den USA, wo ein Präsident sich vor den Wahlen immer noch die Unterstützung der jüdischen Lobbygruppen sichern muss, und aus Deutschland, wo Geschichtsbewältigung inzwischen eine militärische Komponente hat, führt die Regierung Netanjahu die ganze Welt am Gängelband eines anschwellenden Kriegsgesangs.“ Broder will nicht mehr für Radioeins arbeiten Broder kündigte unterdessen an, nicht mehr als Kolumnist für den RBB-Hörfunksender Radioeins zur Verfügung zu stehen. Am Freitag war anstatt seines wöchentlichen Kommentars ein Interview mit dem Chef des Moses Mendelssohn Zentrums für europäisch-jüdische Studien an der Uni Potsdam, Julius Schoeps, zum Antisemitismus-Vorwurf gegen Augstein gesendet worden. Dieses Verhalten sei illoyal und sachlich durch nichts zu rechtfertigen, schrieb Broder in der Online-Ausgabe der „Welt“. Ein RBB-Sprecher bestätigte die Darstellung Broders auf dapd-Anfrage: „Das war seine Entscheidung“. Radioeins-Programmchef Robert Skuppin bedauerte den Entschluss Broders, der seit 1999 als Kommentator für den Sender tätig war. Der Vorwurf der Illoyalität“ sei aber nicht nachvollziehbar: „Das Verschieben, oder auch Ausfallen von Themen und Kommentaren aus Aktualität und die Entscheidung darüber, gehören zum normalen Redaktionsalltag.“ ( Broders Blogeintrag : http://url.dapd.de/Maas6P Stellungnahme Skuppins: http://url.dapd.de/qq3StK ) dapd (Politik/Politik)
ThyssenKrupp-Spitze droht Widerstand bei Aktionärstreffen
Essen (dapd). Die Führung des angeschlagenen Stahlkonzerns ThyssenKrupp muss sich bei der Hauptversammlung am 18. Januar auf heftigen Gegenwind vonseiten der Aktionäre einstellen. Nach Milliardenverlusten und Kartellrechtsverstößen wollen Aktionärsschützer dem Vorstand sowie dem Aufsichtsrat unter Chefkontrolleur Gerhard Cromme die Entlastung verweigern. Vor allem Cromme hätte früher eingreifen können und müssen, hieß es etwa in einem Antrag des Dachverbands der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre, der am Freitag auf der Internetseite von ThyssenKrupp veröffentlicht wurde. „Der Aufsichtsrat hat die ihm obliegende Kontrollpflicht vernachlässigt und den optimistischen Angaben des Vorstands in fahrlässiger Art Glauben geschenkt“, schrieb der Verband. Der Vorstand habe unter anderem gegen die Regeln verantwortungsvoller Unternehmensführung verstoßen sowie unverantwortliche Investitionen in Stahlwerke getätigt. ThyssenKrupp hatte vor allem wegen misslungener Investitionen in den USA und Brasilien fünf Milliarden Euro Verlust angehäuft. Wegen illegaler Preisabsprachen bei Schienenlieferungen musste der Konzern zudem gut 100 Millionen Euro Strafe zahlen. Nachdem noch eine Affäre um angebliche Luxusreisen bekanntgeworden war, feuerte der Konzern zuletzt drei Manager. Cromme hält aber an seinem Posten fest. Auch die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz will angesichts der „sehr beunruhigenden Entwicklungen“ bei ThyssenKrupp drei Vorstände und den Aufsichtsrat nicht entlasten. Ein solcher Schritt hätte aber vor allem symbolischen Charakter und keine praktischen Auswirkungen. Schon wegen der Mehrheitsverhältnisse beim Aktionärstreffen ist ein Erfolg dieser Anträge unwahrscheinlich. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)