Düsseldorf (dapd). Die Konjunkturflaute in Europa setzt auch der deutschen Wassersportwirtschaft zu. Nach zwei Jahren mit zum Teil deutlichen Zuwächsen verlor die Branche 2012 wieder an Fahrt. Mit einem Umsatzrückgang von einem Prozent auf 1,75 Milliarden Euro konnte die Branche ihr Gesamtgeschäft mit maritimen Gütern und Dienstleistungen dennoch gegenüber 2011 knapp stabil halten, wie der Bundesverband Wassersportwirtschaft (BVWW) am Donnerstag in Düsseldorf berichtete. „Auch wenn sich die Aufwärtsentwicklung leider nicht fortgesetzt hat, bleibt der deutsche Markt in Europa der Fels in der Brandung“, sagte BVWW-Geschäftsführer Jürgen Tracht anlässlich der bevorstehenden weltgrößten Wassersportmesse boot, die am 19. Januar in Düsseldorf startet. Vor allem die stark exportorientierten deutschen Bootsbauer bekamen zuletzt die Euro-Krise und schwächelnde Absatzmärkte in vielen europäischen Ländern zu spüren. Um rund ein Fünftel nahm 2012 die Ausfuhr von Segel- und Motorbooten ab. Unterm Strich ging in Deutschland die Produktion neuer Boote um 15 Prozent zurück. „Die Menschen in Europa sind derzeit nicht bereit, viel Geld in neue Boote zu investieren“, sagte Tracht. Auch das Gebrauchtboot-Geschäft, das zusammen mit den Neubooten ein Viertel des deutschen Gesamtmarktes ausmacht, war rückläufig. Mehr Boote jetzt führerscheinfrei Eine durchgreifende Erholung des europäischen Marktes für Boote sieht der Verband auch 2013 nicht. „Die Euro-Schuldenkrise zwingt vor allem die Mittelmeerländer zu weiteren Sparmaßnahmen, was die Konjunktur schwächt“, gab Tracht zu bedenken. Hinzu kämen Hindernisse wie etwa die in Italien eingeführte Luxussteuer auf Boote und Yachten. Als Folge seien die Umsätze dort 2012 um rund 70 Prozent eingebrochen. Auch Exporte in neue Märkte wie China könnten die Verluste im europäischen Stammgeschäft bislang nicht ausgleichen. Dagegen dürfte der heimische Markt nach Erwartung des Verbandes von den jüngst verbesserten Rahmenbedingungen profitieren. Seit Herbst 2012 dürfen Boote bis 15 PS Motorleistung auf allen Bundeswasserstraßen ohne amtlichen Sportbootführerschein gefahren werden – mit Ausnahme des Rheins, der ein internationales Gewässer ist. Bisher waren 5 PS führerscheinfrei. „Von der neuen Regelung profitieren 60 Prozent aller Boote, die in Deutschland unterwegs sind. Damit ist der größte Teil des deutschen Marktes nun führerscheinfrei“, zeigte sich Tracht zufrieden. Auch Neueinsteigern und Charterkunden komme die Ausweitung entgegen. Vor allem auf dem deutschen Kanalnetz rechnet der Verband mit einem deutlich ausgeweiteten Vermietangebot. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
Peer-Michael Preß
Opel feiert Kleinwagen Adam als neuen Hoffnungsträger
Eisenach (dapd). Funken fliegen bis unter die Decke der neuen Mehrzweckhalle des Autoherstellers Opel in Eisenach. 60 Roboter schweißen Bleche verschiedener Formen und Größen zusammen und veranstalten damit in dem eigens für die Fertigung des neuen Kleinwagens Adam gebauten Gebäude ein regelrechtes Feuerwerk. In dem Thüringer Werk startete am Donnerstag offiziell die Serienproduktion des neuen Hoffnungsträgers von Opel. So groß die Erwartungen an den Kleinwagen sind, so groß bleiben auch die Herausforderungen, vor denen die deutsche Tochter des US-Konzerns General Motor (GM) steht. Bei der Premiere preisen sowohl der GM-Vizechef und Opel-Aufsichtsratsvorsitzende Steve Girsky als auch der amtierende Opel-Chef Thomas Sedran den Adam als ein Fahrzeug, auf das die Kunden schon sehnsüchtig warteten. 16.000 Bestellungen gebe es schon für den Kleinwagen – obwohl der offizielle Verkaufsstart erst am 19. Januar sei, sagt Sedran. „Der Adam ist ein Symbol für die Zukunft von Opel, für die Zukunft von Eisenach“, ruft Sedran. Dann rollt der Kleinwagen durch eine Papierwand. „Der Adam ist ein Symbol für unseren Aufbruch.“ Girsky spricht von einem Angriff auf die Konkurrenz. Gemeinsam mit dem Kompakt-Geländewagen Mocca und dem Mittelklasse-Cabrio Cascada stehe der Adam für eine neue Opel-Produktpalette, mit der der Autohersteller „in die Offensive“ gehen wolle. Opel-Chef rechnet mit schrumpfendem Automarkt Der Betriebsratschef im Eisenacher Opel-Werk, Harald Lieske, schließt sich dem Jubel zumindest in Teilen an. Der Produktionsstart des Adam sei für die Opelaner in Thüringen auch deshalb etwas ganz Besonderes, weil in dem Werk bisher nur Modelle gebaut wurden, die an anderen Standorten bereits erstproduziert worden seien. Der Adam aber werde zuerst und nur in Eisenach gebaut. Doch Lieske vergisst nicht zu betonen, dass die Eisenacher dafür Opfer bringen mussten. Die Adam-Produktion in Eisenach sei Teil des Standortsicherungskonzepts von Opel für seine deutschen Werke. Deshalb hätten die Beschäftigten unter anderem auf bis zu zehn Prozent ihres Einkommens verzichtet. „Der Adam ist uns lieb und teuer“, sagt der Betriebsratschef. Dass mit dem Kleinwagen die strukturellen Probleme bei Opel und GM nicht auf einen Schlag gelöst sein werden, wird auch auf der Premierenfeier klar. Nach dem obligatorischen Fototermin vor dem gerade vom Band gelaufenen Wagen sagt Sedran, er rechne in diesem Jahr nicht damit, dass der Automobilmarkt wachsen werde. Ziel von Opel könne deshalb nur sein, seinen Marktanteil zu halten. Der Gesamtmarkt werde 2013 wohl um etwa vier Prozent schrumpfen. Behauptungen, wonach GM für die Probleme bei Opel mitverantwortlich sei, weil der Mutterkonzern ein Agieren seiner Tochter auf internationalen Märkten verhindere, dementiert Sedran: „Fakt ist: Ich habe keinerlei Beschränkungen für Exporte, solange ich nachweisen kann, dass ich damit Gewinn mache.“ Der Adam werde trotzdem und gerade deswegen für Europa gebaut. Italien sei ein sehr wichtiger Markt für das Auto. Thüringens Wirtschaftsminister Matthias Machnig (SPD) fordert GM einmal mehr auf, langfristige Strategien zu entwickeln, damit Opel seine Autos auch in Wachstumsregionen wie Osteuropa oder Asien verkaufen könne. Ein „origineller Kleinwagen wie der Adam“ habe in Russland, China und Brasilien beste Verkaufschancen, sagt Machnig. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
Weniger Strom in Deutschland verbraucht
Berlin (dapd). Der Stromverbrauch in Deutschland ist 2012 um 1,4 Prozent gesunken. Gleichzeitig wurde ein Prozent mehr Gas verbraucht, wie eine am Donnerstag veröffentlichte Schätzung des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) in Berlin ergab. Die Brutto-Stromerzeugung nahm demnach um 1,3 Prozent zu. Ein Grund für den erhöhten Gasverbrauch sei die kältere Witterung, hieß es. Der gesunkene Stromverbrauch sei unter anderem auf die verhaltene Konjunktur zurückzuführen. Der Anteil des Stroms aus erneuerbaren Energiequellen an der Brutto-Stromerzeugung stieg den Angaben zufolge im vergangenen Jahr auf 21,9 Prozent. Im Jahr zuvor habe er bei 20,3 Prozent gelegen. Der Anteil von Erdgas sei dagegen von 13,6 auf 11,3 Prozent gesunken. Gründe seien unter anderem, dass mehr Energie aus erneuerbaren Quellen in die Netze eingespeist werde und Kohle billiger sei als Gas. Dies habe dazu geführt, dass insbesondere die Niederlande, wo viele Gaskraftwerke betrieben würden, günstigeren Kohlestrom aus Deutschland eingekauft hätten. „Wir haben beim Stromaustausch ins Ausland einen historischen Höchstwert erreicht“, sagte BDEW-Hauptgeschäftsführerin Hildegard Müller. So wurden einer Schätzung des BDEW zufolge 2012 unter dem Strich 23 Milliarden Kilowattstunden Strom exportiert. Im Jahr zuvor seien es sechs Milliarden Kilowattstunden gewesen. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
Volkswagen meldet Rekordabsatz bei Nutzfahrzeugen
Hannover (dapd). Volkswagen hat 2012 bei Nutzfahrzeugen das bislang beste Verkaufsergebnis seiner Geschichte erzielt. Weltweit lieferte der Autohersteller 550.400 Nutzfahrzeuge aus, 4,1 Prozent mehr als 2011. Das Unternehmen zeigt sich dennoch zurückhaltend: Die europäischen Märkte blieben weiter schwierig, sagte Vorstandssprecher Eckhard Scholz am Donnerstag in Hannover. „Ins neue Jahr starten wir mit Vorsicht, aber auch mit Zuversicht“, fügte er hinzu. In Westeuropa sank die Zahl der Auslieferungen 2012 um 1,8 Prozent auf 284.300 Fahrzeuge. In Osteuropa verzeichnete das Unternehmen hingegen einen Anstieg um 14,2 Prozent auf 41.700 Fahrzeuge. Auch in Südamerika (plus 7,9 Prozent), Afrika (plus 17,7 Prozent) und der Region Asien-Pazifik (plus 61,9 Prozent) stieg die Nachfrage nach Nutzfahrzeugen von Volkswagen. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
Nokia erfreut Anleger mit unerwartet positiven Zahlen
Espoo (dapd). Der angeschlagene finnische Handyhersteller Nokia hat überraschend gute Zahlen für das Schlussquartal des vergangenen Jahres angekündigt, hinkt aber der Konkurrenz weiter hinterher. Im letzten Vierteljahr 2012 verkaufte Nokia nach vorläufigen Zahlen 86,3 Millionen Geräte und machte dabei einen Umsatz von etwa 3,9 Milliarden Euro, wie der Konzern am Donnerstag in Espoo mitteilte. Das war zwar deutlich weniger als die 113,5 Millionen Geräte und fast sechs Milliarden Euro Umsatz vor einem Jahr. Doch honorierte die Börse die Zahlen nach einer langen Reihe von schlechten Nachrichten mit einem Kurssprung von zeitweise fast 20 Prozent, da Nokia besser abgeschnitten hatte als erwartet. Allerdings warnte der Konzern auch vor einem schlechteren ersten Quartal 2013 durch den harten Wettbewerb und saisonale Einflüsse auf das Geschäft. Von seinen Lumia-Smartphones verkaufte Nokia im vierten Quartal 4,4 Millionen Stück. Der einst weltgrößte Handyanbieter setzt große Hoffnung auf die neuen Modelle mit der Microsoft-Software Windows 8, da die Finnen in den vergangenen Jahren den Anschluss an die Wettbewerber Apple und Samsung verloren haben. So verkaufte Samsung Schätzungen zufolge im Schlussquartal 2012 mindestens 60 Millionen Smartphones, davon allein 15 Millionen vom Typ Galaxy S III. Nokia-Vorstandschef Stephen Elop bezeichnete die Quartalsergebnisse als „solide“. Nokia sei es gelungen, die Kosten zu senken. Elop hatte der Konkurrenz erst kürzlich wieder den Kampf angesagt und angekündigt, dass Nokia sich auch dank des Lumia wieder zurück in die Weltspitze arbeiten werde. Genaue Zahlen für das vierte Quartal und das Gesamtjahr 2012 will Nokia am 24. Januar vorlegen. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
Draghi sieht Anzeichen für Abschwächung der Eurokrise
Frankfurt/Main (dapd). Die Europäische Zentralbank (EZB) stellt Fortschritte bei der Überwindung der Eurokrise fest. Mehrere positive Daten hätten den Notenbankrat dazu veranlasst, einstimmig für unveränderte Leitzinsen zu stimmen und damit gegen eine weitere Senkung, sagte EZB-Präsident Mario Draghi am Donnerstag in Frankfurt am Main. Die Ungleichgewichte innerhalb der Währungsunion hätten sich verringert. Damit lobte Draghi indirekt seinen Krisenkurs, Geld in den Markt zu pumpen und notfalls Staatsanleihen zu kaufen. Anzeichen für eine Erholung seien etwa, dass die Salden im EZB-internen Verrechnungssystem Target 2 zurückgegangen seien und die Bilanz der Zentralbank kleiner geworden sei, sagte Draghi. Beides spricht dafür, dass Banken in den Krisenländern wieder leichter an Kredite kommen und weniger abhängig vom Geld der EZB sind. Die Erfolge seien aber kein Grund, vom Kurs abzukommen, mahnte der EZB-Präsident. Die Wirtschaft der Eurozone habe noch einen langen Weg vor sich, um die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
Hamburg bei Kreuzfahrtpassagieren so bliebt wie noch nie
Hamburg (dapd). In Hamburg sind 2012 so viele Kreuzfahrtpassagiere angekommen wie nie zuvor. Mit rund 430.000 Passagieren und einem Wachstum von 37 Prozent im Vergleich zum Vorjahr setzte sich die Elbmetropole an die Spitze aller deutschen Häfen, wie eine Sprecherin des Hamburger Cruise Centers (HCC) am Donnerstag mitteilte. Der Hamburger Hafen wurde im vergangenen Jahr 160 Mal von Kreuzfahrtschiffen angelaufen. Das war ein Plus von 36 Prozent im Vergleich zu 2011. Für das laufende Jahr wird mit einem weiteren Anstieg gerechnet. Für die Saison 2013 erwarte er 173 Schiffsanläufe und mehr als 500.000 Passagiere, sagte der HCC-Vorstandsvorsitzende Stefan Behn. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
Abschied von Thomas Schäuble
Gaggenau (dapd). Angehörige, Freunde und politische Weggefährten haben Abschied vom früheren baden-württembergischen Landesminister Thomas Schäuble genommen. In seinem Heimatort Gaggenau (Landkreis Rastatt) kamen am Donnerstag mehrere Hundert Menschen zu einer Trauerfeier für den verstorbenen CDU-Politiker zusammen. Unter den Trauergästen waren der ältere Bruder von Thomas Schäuble, Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble sowie Bundesbildungsministerin Annette Schavan und Unionsfraktionschef Volker Kauder (alle CDU). Auch zahlreiche hochrangige Landespolitiker waren anwesend, darunter die früheren Ministerpräsidenten Erwin Teufel, Lothar Späth und Stefan Mappus (alle CDU). Die grün-rote Landesregierung war durch Innenminister Reinhold Gall, Justizminister Rainer Stickelberger (beide SPD) und den Minister für Ländlichen Raum, Alexander Bonde (Grüne), vertreten. Thomas Schäuble war am 3. Januar im Alter von 64 Jahren an den Folgen eines Herzinfarktes gestorben. Er hatte ein halbes Jahr im Wachkoma gelegen. Thomas Schäuble war unter anderem Oberbürgermeister von Gaggenau (Landkreis Rastatt), Landtagsabgeordneter sowie Verkehrs-, Justiz- und Innenminister des Landes Baden-Württemberg. Nach seinem Rückzug aus der Politik 2004 leitete er die Badische Staatsbrauerei Rothaus. dapd (Politik/Politik)
Millionen Kinder weltweit sind Opfer von Menschenhandel
Berlin (dapd). Das Ausmaß der Verbrechen nimmt zu, doch die Mittel zur Bekämpfung und zum Schutz der Opfer reichen nicht: Weltweit werden immer mehr Kinder und Jugendliche Opfer von Menschenhandel. Rund 27 Prozent der entdeckten Opfer sind inzwischen Minderjährige, zwei Drittel von ihnen Mädchen, wie Anne Lütkes, Vorstandsmitglied von UNICEF Deutschland, am Donnerstag in Berlin auf Grundlage von Informationen aus 132 Staaten sagte. In den Jahren 2003 bis 2006 habe der Anteil der Minderjährigen noch bei rund 20 Prozent gelegen. Begünstigt werde diese Form der Kriminalität durch Armut in den Herkunftsländern und mangelndes Wissen über diese Verbrechen. Deutschland gehört zu den Zielländern der Menschenhändler. Auf weltweit mehr als 25 Milliarden Euro pro Jahr schätzt die Europäische Kommission den Profit aus Menschenhandel. Wie viele Menschen Opfer der Kriminellen seien, könne wegen des großen Dunkelfeldes kaum beziffert werden, erläuterte Lütkes. Es handele sich jedoch um Millionen Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Die häufigsten Formen der Ausbeutung dieser Menschen – drei Viertel von ihnen Frauen und Mädchen – seien Zwangsprostitution mit einem Anteil von 58 Prozent gefolgt von Zwangsarbeit mit 36 Prozent. Die meisten minderjährigen Opfer gibt es demnach in Afrika, im Nahen Osten sowie in Südasien und der Pazifikregion. In Europa lag der Anteil der registrierten Kinder und Jugendlichen, die Opfer von Menschenhändlern wurden, bei 16 Prozent. Täter nutzen Armut in den Heimatländern aus Besonders gefährdet sind laut UNICEF Kinder in Rumänien. Vor allem Familien auf dem Land und aus Roma-Gemeinden litten unter Armut. Außerdem leben offiziellen Angaben zufolge mehr als 80.000 Kinder ohne ihre Eltern, weil diese im Ausland arbeiten. Diese Kinder seien besonders schutzlos. Falsche Versprechungen der Kriminellen, die ihren Opfern Hoffnungen auf ein besseres Leben im Ausland machten, seien deshalb oft erfolgreich. Neben der Armut in den Herkunftsländern begünstigt auch die große Nachfrage nach immer jüngeren Prostituierten und billigen Arbeitskräften das Geschäft der Menschenhändler. Einer dieser Märkte ist Deutschland, wie der Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA), Jörg Ziercke, darlegt. 2011 wurden demnach 482 Verfahren im Bereich des „Menschenhandels zum Zweck der sexuellen Ausbeutung“ abgeschlossen werden, knapp drei Prozent mehr als im Vorjahr. 640 Opfer dieser Verbrechen wurden 2011 in Deutschland registriert, die meisten von ihnen stammten aus Rumänien. Mehr als die Hälfte von ihnen waren unter 21, der Anteil der 14- bis 17-Jährigen lag bei 12 Prozent. Ziercke geht jedoch von einer erheblichen Dunkelziffer aus. Die meisten der Opfer wurden durch Täuschen, Drohungen oder auch offene Gewalt zur Prostitution gezwungen. Schwierige Ermittlungsarbeit der Polizei Die Aufdeckung und Verfolgung der Verbrechen sei schwierig, weil die Opfer, ob Kinder oder erwachsene Frauen, aus Angst oft keine Anzeige erstatteten und nicht gegen ihre Peiniger aussagten. Außerdem fürchteten die Opfer, abgeschoben zu werden, ergänzte Lütkes. Entsprechend kamen laut BKA die meisten Ermittlungsverfahren in diesem Bereich durch Polizeikontrollen, etwa in Bordellen, zustande. UNICEF und die Kinderschutzorganisation ECPAT fordern deshalb mehr Hilfe – insbesondere für die für die minderjährigen Opfer – und mehr Ermittlungseinheiten der Polizei, die auf Kinderhandel spezialisiert sind. Außerdem brauche es umfassendere Opferschutzrichtlinien und mehr geschultes Personal bei Polizei, Justizbehörden und in Beratungsstellen, forderte ECPAT-Geschäftsführerin Mechthild Maurer. Wichtig seien auch mehr Bewusstsein und Aufmerksamkeit in allen Teilen der Gesellschaft für das Problem des Menschen- und insbesondere des Kinderhandels. Dies erhoffen sich UNICEF, BKA und ECPAT gleichermaßen von dem ARD-Film „Operation Zucker“, der die Thematik aufgreift. Den Film mit Nadja Uhl in der Hauptrolle zeigt der Sender am Mittwoch (16. Januar) um 20.15 Uhr. dapd (Vermischtes/Politik)
Sonderermittler zu NSU-Pannen entlastet Henkel
Berlin (dapd). Die Berliner Sicherheitsbehörden haben trotz einiger Versäumnisse offenbar die Ermittlungen zur rechten Terrorgruppe NSU nicht behindert. Dies geht nach Informationen der Zeitung „Tagesspiegel“ aus dem knapp 90-seitigen Bericht des Berliner Sonderermittlers Dirk Feuerberg hervor. Der Oberstaatsanwalt hatte im Auftrag von Innensenator Frank Henkel (CDU) von Oktober bis Dezember 2012 Vorwürfe gegen Polizei und Verfassungsschutz untersucht. Henkel war zuvor wegen seiner Informationspolitik über die Zusammenarbeit der Berliner Polizei mit einem V-Mann aus dem Umfeld des NSU-Trios und der unrechtmäßigen Vernichtung von Akten zum Rechtsextremismus stark unter Druck geraten. Die rechte Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) soll mehr als ein Jahrzehnt unerkannt von den Sicherheitsbehörden durch die Bundesrepublik gezogen sein und wird für zehn Morde verantwortlich gemacht. dapd (Politik/Politik)