Karlsruhe (dapd-lth). Die mutmaßliche NSU-Terroristin Beate Zschäpe wird wegen Mittäterschaft an zehn Morden angeklagt. Die Bundesanwaltschaft wirft der 37-Jährigen vor, sich an der Ermordung von acht Mitbürgern türkischer und einem Mitbürger griechischer Herkunft sowie an der Ermordung der Polizistin Michèle Kiesewetter in Heilbronn beteiligt zu haben, wie die Behörde am Donnerstag in Karlsruhe mitteilte. Zudem soll sich Zschäpe an zwei Sprengstoffanschlägen der Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) in Köln als Mittäterin beteiligt haben. Neben Zschäpe werden vier mutmaßliche Unterstützer des NSU angeklagt. Zschäpe wird von der Bundesanwaltschaft zudem verdächtigt, als Mittäterin für 15 bewaffnete Raubüberfälle verantwortlich zu sein. Ferner wird ihr in der Anklageschrift zur Last gelegt, die Unterkunft der terroristischen Vereinigung in Zwickau in Brand gesetzt und sich dadurch wegen eines weiteren versuchten Mordes an einer Nachbarin und zwei Handwerkern sowie wegen besonders schwerer Brandstiftung strafbar gemacht zu haben. Vier weitere Personen angeklagt Anklage erhoben wird auch gegen die mutmaßlichen NSU-Helfer Ralf Wohlleben und Carsten S. Den beiden wird Beihilfe zum Mord an den neun Ausländern durch die Beschaffung der Tatwaffe „Ceska 83“ nebst Schalldämpfer vorgeworfen. André E. wird wegen Beihilfe zum NSU-Sprengstoffanschlag in der Kölner Altstadt sowie wegen Beihilfe zum Raub und wegen Unterstützung der terroristischen Vereinigung NSU in jeweils zwei Fällen angeklagt. Holger G. wird wegen Unterstützung der terroristischen Vereinigung NSU in drei Fällen angeklagt. Den einjährigen Ermittlungen der Bundesanwaltschaft und des Bundeskriminalamts zufolge war der NSU eine Gruppierung, die aus den drei gleichberechtigten Mitgliedern Uwe Mundlos, Uwe Böhnhardt und Zschäpe bestand. Deren wahre Identität und terroristische Zielsetzung waren den bisherigen Erkenntnissen zufolge nur einem eng begrenzten Kreis von wenigen Unterstützern und Gehilfen bekannt. Mundlos und Böhnhardt hatten sich am 4. November 2011 nach einem Banküberfall in Eisenach in einem Wohnmobil das Leben genommen, als sie von der Polizei verfolgt wurden. Dadurch war das Trio aufgeflogen. Zschäpe hatte sich am 8. November 2011 der Polizei in Jena gestellt und sitzt seitdem in Untersuchungshaft. Böhnhardt und Mundlos „führten die Mordanschläge aus“ Die NSU-Mitglieder hätten sich als ein einheitliches Tötungskommando verstanden, das seine Mordanschläge aus rassistischen und staatsfeindlichen Motiven arbeitsteilig verübte, schreibt die Anklagebehörde weiter. „Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos führten die Mordanschläge und Raubüberfälle aus“, sagte Generalbundesanwalt Harald Range. Zschäpe habe dem NSU „den Anschein von Normalität und Legalität“ gegeben. Tatsächliche Anhaltspunkte für eine Beteiligung ortskundiger Dritter an den Anschlägen des NSU oder eine organisatorische Verflechtung mit anderen Gruppierungen haben die Ermittlungen nicht ergeben. dapd (Politik/Politik)
Peer-Michael Preß
Skandinavische TV-Sender und Internet schieben ProSiebenSat.1 an
Unterföhring (dapd). Trotz rückläufiger Erlöse im deutschen Fernsehgeschäft strebt der Medienkonzern ProSiebenSat.1 in diesem Jahr ein Rekordergebnis an. Nachdem das Unternehmen im dritten Quartal den Gewinn im Vergleich zum Vorjahr mehr als verdoppeln konnte, bestätigte das Unternehmen am Donnerstag seine Prognose für das Gesamtjahr. Von Juli bis September stieg das bereinigte Nettoergebnis um 42,2 Millionen auf 65,1 Millionen Euro, wie ProSiebenSat.1 in Unterföhring bei München mitteilte. Den Umsatz erhöhte der Konzern um 7,1 Prozent auf 636,9 Millionen Euro. Einbußen bei den deutschen TV-Sendern konnte ProSiebenSat.1 mit seinen Fernsehkanälen in Nordeuropa und dem Internetgeschäft mehr als ausgleichen. Der Vorstandsvorsitzende Thomas Ebeling sagte, es zahle sich aus, dass der Konzern „konsequent in neue Wachstumsmärkte investiert“ habe. So war der Digitalbereich, zu dem die Vermarktung von Online-Video-Werbung, die Internet-Videothek Maxdome, die Musik-Sparte und die Online-Spiele gehören, im dritten Quartal stärkster Wachstumstreiber. Das um Einmaleffekte bereinigte operative Ergebnis in diesem Segment stieg im Vergleich zum Vorjahr um mehr als die Hälfte auf 22 Millionen Euro. Im internationalen Fernsehgeschäft konnte ProSiebenSat.1 ebenfalls zulegen. Die in den vergangenen sechs Jahren in Norwegen, Schweden, Finnland und Dänemark gegründeten acht TV-Sender hätten schnell und kontinuierlich Marktanteile gewonnen, berichtete das Unternehmen. Das bereinigte operative Ergebnis erhöhte sich in diesem Bereich um mehr als 40 Prozent auf 25 Millionen Euro. Gespräche über Verkauf der nordeuropäischen Sender Die Kanäle, zu denen unter anderem die norwegischen TV-Sender MAX und VOX gehören, wird der Konzern möglicherweise verkaufen. Im Spätsommer habe es Gespräche mit möglichen Interessenten gegeben, hieß es im Konzern. Derzeit würden die Angebote geprüft. Wegen rückläufiger Werbeeinnahmen im deutschsprachigen Fernsehgeschäft verdiente der Konzern im dritten Quartal operativ mit 122,3 Millionen Euro 6,6 Prozent weniger als im Vorjahr. Als einen Grund führte der Sender die Olympischen Spiele an, die ausschließlich von öffentlich-rechtlichen Sendern übertragen wurden. So lag der Marktanteil von Sat.1, ProSieben, Kabel eins und Sixx im dritten Quartal mit 26,8 Prozent unter dem Vorjahr (29,4 Prozent). In das laufende vierte Quartal seien alle Geschäftsbereichen positiv gestartet, teilte der Konzern mit. ProSiebenSat.1 geht deshalb davon aus, das Rekordergebnis aus dem Vorjahr zu übertreffen. 2011 hatte der Konzern ein bereinigtes operatives Ergebnis in Höhe von 850 Millionen Euro erzielt. Die Aktie des MDAX-Unternehmens verlor am Donnerstag deutlich an Wert. Gegen 14.00 Uhr stand sie knapp zwei Prozent im Minus bei 21,11 Euro. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
Export und Industrieumsatz geben im September kräftig nach
Wiesbaden (dapd). Die deutschen Exporte und die Erlöse der Industrie sind im September so stark gesunken wie zuletzt im Krisenjahr 2009. Der Gesamtwert der ausgeführten Waren fiel gegenüber dem Vorjahresmonat um 3,4 Prozent, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte. Die preis- und saisonbereinigten Umsätze des verarbeitenden Gewerbes gingen im Jahresvergleich um 2,6 Prozent zurück. Ein größeres Minus im Jahresvergleich gab es beim Export zuletzt im November 2009 und beim Industrieumsatz im Dezember 2009. Der Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) machte die Eurokrise für den Rückgang der Exporte verantwortlich. „Die europäische Schuldenkrise wirft ihre Schatten auf den deutschen Außenhandel“, sagte BGA-Präsident Anton Börner. „Die deutschen Exporte in die EU-Länder und insbesondere in die Eurozone brechen so stark ein wie zuletzt in der Finanzkrise“, stellte er fest. Auch der Bundesverband der deutschen Industrie (BDI) erklärte, die Exportdynamik habe aufgrund schwächerer Weltmärkte deutlich nachgelassen. Das Exportwachstum habe im ersten Quartal 2012 noch bei 3,0 Prozent gegenüber dem Vorquartal gelegen. Im dritten Quartal seien die deutschen Ausfuhren nur noch um 0,3 Prozent gewachsen, verwies der BDI auf die besseren Drei-Monats-Zahlen. Auf Jahressicht gehe der BDI nun von bis zu vier Prozent Exportwachstum aus. Umsatz der Autoindustrie bricht ein Vor allem stark gesunkene Ausfuhren in den Euroraum brachten den Motor der deutschen Wirtschaft ins Stottern. Die Exporte in den Währungsraum sanken im September gegenüber dem Vorjahresmonat um 9,1 Prozent auf 34,5 Milliarden Euro. Die Ausfuhren in andere EU-Staaten gingen um 2,7 Prozent zurück. Der Export in das übrige Ausland wuchs dagegen leicht um 1,8 Prozent. Die Exportzahlen des Statistischen Bundesamtes sind nicht um Preissteigerungen bereinigt. Die Umsätze der deutschen Industrie sanken im Monatsvergleich von August auf September um 3,0 Prozent, wobei Preissteigerungen und saisonale Einflüsse bereits herausgerechnet sind. Das war das stärkste Minus seit Februar 2009. Mit Kunden aus der Eurozone machte das deutsche verarbeitende Gewerbe dabei 7,4 Prozent weniger Umsatz. Insgesamt sank der Exportumsatz um 4,0 Prozent, der Inlandsumsatz um 2,0 Prozent. Die deutschen Autobauer traf die Exportflaute besonders heftig. Ihre Umsätze mit dem Euro-Ausland brachen von August auf September um 9,8 Prozent ein. Die gesamten Umsätze der Branche schrumpften zugleich um 7,4 Prozent. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
TUI macht sich frei von Preisdruck im Internet
Hannover/Dubai (dapd). Europas größter Reisekonzern TUI schaltet die Konkurrenz der Billighotels aus dem Internet immer weiter aus: Bis zum Jahr 2015 will der Anbieter 80 Prozent seiner Kunden in Urlaubsquartiere lotsen, die exklusiv bei TUI angeboten werden. Zurzeit sind es erst 60 Prozent. Schon 2013 steigt die Zahl dieser exklusiven Hotelbetten um 30.000 auf 150.000 an, wie TUI-Deutschland am Donnerstag in Hannover und Dubai mitteilte. TUI sichert sich schon seit Jahren immer mehr Hotels exklusiv. Diese meist teureren Unterkünfte werfen für den Reiseveranstalter höhere Margen ab. Die Ausrichtung auf hochwertige Reisen zahlt sich schon im laufenden Wintergeschäft aus: Während die Zahl der Buchungen derzeit um sieben Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum steigt, legen die Umsätze um rund neun Prozent zu, wie der Mutterkonzern TUI Travel bereits mitgeteilt hatte. Mit den Exklusivverträgen umgeht TUI das Problem, dass Kunden sich über das Internet selbst Hotel und Flug organisieren und den Reiseveranstalter übergehen. Im Sommer 2013 verteuern sich bei TUI Reisen in die Türkei um zwei Prozent und auf die Balearen um 2,5 Prozent. Reisen nach Asien und in die Karibik verteuern sich um drei Prozent. Dagegen werden Trips nach Südafrika und Namibia fünf Prozent billiger. Autoreisen in Deutschland und Österreich werden zwei Prozent teurer. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
Reiseland Deutschland steuert auf Übernachtungsrekord zu
Norderney (dapd). Als Reiseland erfreut sich Deutschland bei Touristen aus dem In- und Ausland ungebremster Beliebtheit und steuert auf einen neuen Bestwert bei der Übernachtungszahl zu. „In diesem Jahr erreichen wir in Deutschland erstmals die Marke von 400 Millionen Übernachtungen“, sagte der Präsident des Deutschen Tourismusverbands (DTV), Reinhard Meyer, am Donnerstag anlässlich des Deutschen Tourismustages auf Norderney. Im Gesamtjahr rechne der Branchenverband „mit einem Plus von bis zu vier Prozent im Vergleich zum Vorjahr“, fügte Meyer hinzu. Seit Jahren verzeichne der Deutschland-Tourismus Zuwächse. In den ersten neun Monaten dieses Jahres stieg die Zahl der Übernachtungen in deutschen Hotels, Pensionen und auf Campingplätzen nach Verbandsangaben um vier Prozent. Von den zwischen Januar und Ende September registrierten gut 320 Millionen Übernachtungen entfielen demnach fast 54 Millionen auf ausländische und rund 266 Millionen auf einheimische Gäste. Im Trend lag den Angaben zufolge besonders der Städtetourismus. Die größten Wachstumsraten erzielten dabei Hamburg und Berlin. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
HypoVereinsbank spart bei den Führungskräften
München (dapd). Die HypoVereinsbank will ihr Geschäft verstärkt regionalisieren und gleichzeitig im Management sparen. Etwa jeder zweite der 150 Niederlassungsleiter müsse seine Position aufgeben, verlautete am Donnerstag aus dem Umfeld der Münchner Bank. Gleichzeitig soll das Geschäft der Bank künftig dreigeteilt werden, wie die deutsche Tochter der italienischen Großbank Unicredit mitteilte. Neben einer Privatkunden- und einer Unternehmer-Bank werde es einen Bereich Corporate und Investment Banking geben. Vorstandssprecher Theodor Weimer sagte: „Mit der neuen Organisationsstruktur setzen wir auf mehr Unternehmertum in der Bank.“ So teilt die Bank ihr klassisches Bankgeschäft in sechs Regionen ein und setzt jeweils für die Privatkunden- und die Unternehmerseite einen Leiter ein. Diese bekämen mehr Freiheiten, stünden dafür aber auch stärker in der Verantwortung, hieß es. Filialen und Kundenbetreuer sollen nicht eingespart werden. Das Konzept soll bis zum Jahresende stehen. Betriebsrat und Bankführung verhandeln über die Umbaupläne. In einem internen Papier, das der Nachrichtenagentur dapd vorliegt, schrieb Weimer an die Mitarbeiter: „Nur die Banken werden zu den ‚Gewinnern‘ zählen, die rasch und konsequent auf Veränderungen reagieren, bereit sind, alte Zöpfe abzuschneiden, sich neuen Entwicklungen zu öffnen und diese Herausforderungen als unternehmerische Chancen begreifen.“ In Anspielung darauf, dass Niederlassungsleiter andere Aufgaben bekämen, sagte der Bankchef: „Eine Management-Position ist nicht zwingend höher einzuschätzen als eine Position, in der jemand am Kunden Bruttobeiträge erwirtschaftet.“ Die sechs Regionen für das Privatkundengeschäft werden den Plänen zufolge Nord/West, Südwest, Ost sowie Bayern Nord, Bayern Süd und München sein. In der Unternehmer-Bank gibt es die Unterteilung: Nord, West, Südwest, Ost, Bayern-Nord und Bayern Süd. Die HypoVereinsbank hatte in den vergangenen Jahren zahlreiche Stellen abgebaut. Nach eigenen Angaben hat die Bank in Deutschland rund 17.000 Mitarbeiter und unterhält etwa 780 Geschäftsstellen. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
BASF stärkt Forschung in Ludwigshafen
Ludwigshafen (dapd). Mit einem neuen Forschungszentrum will der Chemiekonzern BASF den Stammsitz Ludwigshafen international wettbewerbsfähig halten. Für 50 Millionen Euro soll bis zum zweiten Halbjahr 2015 ein Neubau entstehen, in dem rund 200 Forscher verschiedener Fachrichtungen arbeiten werden, wie der DAX-Konzern am Donnerstag mitteilte. Dadurch soll eine noch engere Zusammenarbeit möglich werden. „Innovationen auf Basis effizienter und effektiver Forschung und Entwicklung sind ein wichtiger Eckpfeiler unserer Strategie und Garant für organisches Wachstum“, sagte Vorstandsmitglied Andreas Kreimeyer zu dem Vorhaben. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
Auf den Gabentisch kommt teures Spielzeug
Berlin (dapd). Teures Spielzeug wird einer der Umsatztreiber im diesjährigen Weihnachtsgeschäft. Im Durchschnitt liegen für jedes Kind Geschenke für 250 Euro auf dem Gabentisch, wie aus Zahlen und Prognosen hervorgeht, die Branchenverbände am Donnerstag in Nürnberg und Berlin veröffentlichten. Danach werden die deutschen Einzelhändler im November und Dezember erstmals mehr als 80 Milliarden Euro umsetzen. Der Handelsverband Deutschland (HDE) rechnet sowohl für das Weihnachtsgeschäft als auch für das Gesamtjahr mit einem Umsatzzuwachs von 1,5 Prozent im Vergleich zu 2011. Um den Andrang in den Monaten November und Dezember zu bewältigen, wollen die Händler demnach etwa 30.000 zusätzliche Aushilfen einstellen. Die Spielwarenbranche erwartet beim Jahresumsatz sogar ein Plus von drei Prozent auf 2,7 Milliarden Euro. HDE-Präsident Josef Sanktjohanser sah als Hauptursache für den erwarteten Umsatzzuwachs die gute Beschäftigungslage. Die Bürger hätten in ihrer Gesamtheit mehr Geld zur Verfügung, und das gäben sie auch aus. Seine Branche sei in „robuster Verfassung“, aber die Margen und das verfügbare Einkommen der Kunden würden zunehmend durch die steigenden Energiepreise geschwächt. Nicht anders als vor 50 Jahren Hersteller klassischer Geschenke wie Kosmetika, Uhren, Schmuck und Spielwaren zeigten Optimismus, während die Bekleidungshändler eher verhalten aufs Weihnachtsgeschäft schauten, sagte der HDE-Präsident. Beim Spielzeug seien ferngesteuerte Autos und Hubschrauber, Brettspiele, Autorennbahnen und Modelleisenbahnen gefragt – „nicht anders als vor 50 Jahren“, sagte Sanktjohanser. Bei den Spielwaren treibt vor allem der Verkauf hochwertiger und teurer Produkte und weniger die Stückzahl den Umsatz, wie der Bundesverband des Spielwaren-Einzelhandels (BVS) und der Deutsche Verband der Spielwaren-Industrie (DVSI) berichteten. Hinzu komme, dass Eltern und Großeltern für ihre Kinder und Enkel mehr Geld ausgäben: Pro Kind werden dieses Jahr nach Schätzungen des Marktforschers Eurotoys für etwa 250 Euro Spielsachen gekauft. Das größte Umsatzpotenzial sieht Eurotoys in der Gruppe der Sechs- bis Zehnjährigen. Positiv bewerteten die Verbände die Situation im Onlinemarkt. Der HDE erklärte, im Internet würden die Händler im ganzen Jahr 29,5 Milliarden Euro umsetzen. Das wäre eine Steigerung um 13 Prozent gegenüber 2011. Auf das Weihnachtsgeschäft allein entfielen davon 7,4 Milliarden Euro. Auch Spielzeughändler wachsen vor allem im Internet. Das Onlinegeschäft habe seinen Marktanteil von 21 auf 25 Prozent ausgeweitet, hieß es. Die nach wie vor wichtigste Einkaufsstätte bleibt laut BVS-Geschäftsführer Willy Fischel aber der Fachhandel mit knapp 38 Prozent Umsatzanteil. Nachdem die für 2012 erwarteten Preiserhöhungen geblieben sind und die Preise auch im Weihnachtsgeschäft stabil bleiben sollten, rechnen BVS und DVSI für 2013 mit leichten Preisanstiegen. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
Staatsanwälte verdächtigen UBS der Beihilfe zur Steuerhinterziehung
Stuttgart/Mannheim (dapd). Der Schweizer Großbank UBS droht ein neuer Skandal, der auch das Steuerabkommen zwischen Deutschland und der Schweiz torpedieren könnte. Die Staatsanwaltschaft Mannheim leitete ein Ermittlungsverfahren gegen unbekannte Verantwortliche der UBS Deutschland AG wegen Beihilfe zur Steuerhinterziehung ein, sagte Sprecher Peter Lintz am Donnerstag der Nachrichtenagentur dapd. Damit bestätigte er einen Bericht der „Stuttgarter Nachrichten“. Die Bank wies die Vorwürfe zurück. Dem Bericht zufolge sollen Kapitalanleger über ein internes Verrechnungskonto der UBS Gelder am Fiskus vorbei in die Schweiz transferiert haben. Lintz sagte, die Staatsanwaltschaft sei durch einen Einzelfall aufmerksam geworden und ermittle seit März 2012. Im Mai habe es Durchsuchungen der Geschäftsräume der Großbank gegeben. Die Auswertung der Daten dauere an. Sollte sich der Verdacht erhärten, wäre es für die Bank doppelt peinlich. „Wir bieten deutschen Kunden keine Steuerberatung und keine Unterstützung bei Handlungen zur Steuerumgehung“, hatte sie noch im September in einer Stellungnahme für den Deutschen Bundestag erklärt. UBS weist Vorwürfe zurück Die Bank wies auch am Donnerstag die Vorwürfe zurück. „Die Zahlungssysteme und Konten sind transparent und werden von einer Vielzahl von Kunden, einschließlich Behörden, zur Ausführung von Daueraufträgen genutzt“, hieß es in einer Stellungnahme. „Entgegen der jüngsten Berichterstattung handelt es sich daher nicht um illegale Überweisungen über ein internes Verrechnungskonto, sondern um reguläre Überweisungen in das Ausland“, erklärte das Institut. Nach den Milliardenverlusten eines Londoner Händlers der Großbank und dem angekündigten Abbau von fast 10.000 Arbeitsplätzen kommt das Institut damit nicht zur Ruhe. Noch fataler: Das Bekanntwerden des Ermittlungsverfahrens kommt zu einem politisch sensiblen Zeitpunkt. Der Bundesrat muss dem vom Bundestag gebilligten Steuerabkommen mit der Schweiz noch zustimmen. Die von SPD oder Grünen angeführten Landesregierungen drohen allerdings mit Blockade. Für den baden-württembergischen Finanzminister Nils Schmid (SPD) wird mit dem Ermittlungsverfahren eine Zustimmung noch unwahrscheinlicher. „Wenn die Medienberichte zutreffen, ist eines klar, dann ist das Vertrauen in die Schweizer Banken aufs Tiefste erschüttert“, sagte er und fügte hinzu: „Alles, was das Vertrauen in die Schweizer Banken untergräbt, versetzt dem Abkommen in dieser Form den Todesstoß.“ Auch der nordrhein-westfälische Finanzminister Norbert Walter-Borjans (SPD) sieht seine kritische Haltung bestätigt. Sollte der Verdacht zutreffen, wäre dies ein „eindeutiger Beleg“ dafür, dass die Banken „noch immer meilenweit entfernt sind von einer Weißgeldstrategie“. Durch die sogenannte Weißgeldstrategie soll sichergestellt werden, dass Schweizer Kreditinstitute nur Geschäfte mit Kunden machen, die schriftlich versichern, ihr Geld ordnungsgemäß versteuert zu haben. Niedersachsens Finanzminister Hartmut Möllring (CDU) attackierte die Amtskollegen. „Da es keine sachlichen Einwände gibt, werden nun krampfhaft Gründe gesucht, das Abkommen zu torpedieren.“ SPD-Finanzminister bleiben bei ablehnender Haltung Für andere SPD-Finanzminister ändert sich durch die Ermittlungen nicht allzu viel. „Direkt gibt es keinen Zusammenhang“, sagte der rheinland-pfälzische Finanzminister Carsten Kühl. Da das Steuerabkommen, das dem Bundesrat zur Zustimmung vorliegt, erhebliche Lücken habe, könne das Land dem aber nach wie vor nicht zustimmen. Auch an der ablehnenden Haltung der Finanzministerin von Mecklenburg-Vorpommern, Heike Polzin, habe sich nichts geändert, erklärte das Ministerium auf Anfrage. Hamburg will laut Senatssprecher erst unmittelbar vor der Bundesratssitzung am 23. November über das Abstimmungsverhalten entscheiden. Eine Sprecherin des Bundesfinanzministeriums sagte auf dapd-Anfrage, zu konkreten Einzelfällen nehme das Ressort von Minister Wolfgang Schäuble (CDU) keine Stellung. Grundsätzlich gelte, dass derartige Ermittlungsverfahren von dem Abkommen unabhängig seien. Das Steuerabkommen mit der Schweiz soll nach Passieren des Bundesrats 2013 in Kraft treten und sieht vor, in der Schweiz geparktes unversteuertes Vermögen pauschal mit 21 bis 41 Prozent zu besteuern. Deutsche Behörden erhalten zudem ein erweitertes Auskunftsrecht bei der Schweizer Finanzverwaltung. SPD, Linke und Grüne halten das Abkommen für unzureichend. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
Daimler-Chef sieht europäische Massenhersteller am Abgrund
Hamburg (dapd). Der Vorstandsvorsitzende des Autokonzerns Daimler, Dieter Zetsche, sieht die auf den europäischen Markt konzentrierten Massenhersteller am Abgrund. Volumenhersteller, die auf „Europa fokussiert sind, befinden sich in existenziellen Problemen“, sagte der Manager am Donnerstag auf einer Konferenz der Wochenzeitung „Die Zeit“ in Hamburg. Zetsche erinnerte daran, dass der Automarkt in Europa innerhalb weniger Jahre um drei Millionen Neuwagen eingebrochen sei. Daimler mit seinen Marken Mercedes und Smart sei dagegen um fünf Prozent in Europa gewachsen, während der Markt um zehn Prozent gefallen sei. Zetsche verwies darauf, dass Wachstumschancen für Daimler vor allem in China und den USA warteten. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)