Die Unternehmensschließungen 2025 sind in Deutschland um zehn Prozent auf rund 188.000 gestiegen. Besonders deutlich nahmen die Geschäftsaufgaben im Gastgewerbe, im Bau, im verarbeitenden Gewerbe und im Gesundheitswesen zu. In Nordrhein-Westfalen lag die Schließungsrate bei 5,7 Prozent, in Niedersachsen bei 5,5 Prozent.
Rund 188.000 Unternehmen verlassen den Markt
So viele Unternehmen wie 2025 haben nach einer gemeinsamen Untersuchung von Creditreform und dem Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) seit fast 20 Jahren nicht mehr ihre Geschäftstätigkeit eingestellt. Bereits 2024 waren die Schließungszahlen deutlich gestiegen.
Auffällig ist dabei nicht nur die Zahl der Marktaustritte. Unter den geschlossenen Betrieben befinden sich inzwischen auch mehr Unternehmen mit mittlerer oder guter Bonität. Wirtschaftliche Schwierigkeiten und Finanzierungssorgen sind damit nicht die einzigen Ursachen für Geschäftsaufgaben.
Als Belastungsfaktoren nennt die Untersuchung unter anderem gestiegene Energie- und Personalkosten, den Arbeits- und Fachkräftemangel sowie einen zunehmenden Wettbewerbsdruck. Hinzu kommen Unsicherheiten im internationalen Handel und die Konkurrenz durch Importe. Auch fehlende Nachfolgelösungen spielen eine wachsende Rolle.
Bau, Industrie und Gastgewerbe mit deutlichen Zuwächsen
Im verarbeitenden Gewerbe stellten 2025 gut 11.000 Unternehmen ihren Betrieb ein. Das waren zehn Prozent mehr als im Vorjahr. Eine Ausnahme bildeten die energieintensiven Industriebranchen. Dort gingen die Schließungszahlen leicht um 0,2 Prozent zurück.
Im Baugewerbe wurden rund 24.000 Unternehmen geschlossen. Gegenüber 2024 entspricht das einem Anstieg von zwölf Prozent. Bei den konsumnahen Dienstleistungen stieg die Zahl ebenfalls um zwölf Prozent auf rund 56.000.
Besonders hoch war die Dynamik im Gastgewerbe. Gut 15.000 Gaststätten und Beherbergungsunternehmen gaben 2025 auf, 15 Prozent mehr als im Vorjahr. Im Handel erhöhte sich die Zahl der Schließungen um acht Prozent auf rund 37.000.
Auch das Gesundheitswesen verzeichnete einen deutlichen Anstieg. Rund 11.000 Unternehmen und Praxen schieden aus dem Markt aus, zwölf Prozent mehr als 2024. Besonders betroffen waren Arztpraxen: Knapp 5.500 wurden bundesweit geschlossen. Das entspricht einem Plus von 23 Prozent.
Unternehmensschließungen 2025: NRW mit 5,7 Prozent Schließungsrate
Bezogen auf den Unternehmensbestand des Vorjahres lag die durchschnittliche Schließungsrate in Deutschland 2025 bei 5,8 Prozent. 2024 waren es 5,2 Prozent und 2023 noch 4,7 Prozent.
Nordrhein-Westfalen lag mit 5,7 Prozent knapp unter dem Bundesdurchschnitt. Für Niedersachsen weist die Untersuchung eine Schließungsrate von 5,5 Prozent aus. Damit liefern die Daten auch einen Orientierungswert für die Wirtschaftsregionen Ostwestfalen-Lippe, Münster und Osnabrück. Gesonderte Werte für diese Teilregionen weist die Untersuchung allerdings nicht aus.
Die höchste Schließungsrate unter den Bundesländern verzeichnete Bremen mit 7,8 Prozent. Innerhalb Nordrhein-Westfalens nennt der Bericht den Hochsauerlandkreis, den Rhein-Kreis Neuss und den Rhein-Erft-Kreis als Gebiete mit besonders hohen Schließungsraten.
Nur 13 Prozent der Schließungen sind Insolvenzen
Unternehmensschließung und Insolvenz sind nicht gleichzusetzen. Nach den Daten des Mannheimer Unternehmenspanels entfielen 2025 lediglich rund 13 Prozent der erfassten Schließungen auf Insolvenzverfahren.
„Die Mehrzahl der Geschäftsaufgaben, etwa 87 Prozent, erfolgt dabei ohne Insolvenzverfahren und nahezu geräuschlos“, sagt Dr. Sandra Gottschalk, Senior Researcher beim ZEW Mannheim.
Rund 43 Prozent der Schließungen waren Abmeldungen oder Geschäftsaufgaben ohne Insolvenzverfahren. Einen ähnlich großen Anteil machen Unternehmen aus, die nach der Methodik des Panels als nicht mehr wirtschaftsaktiv eingestuft werden.
Eine zunehmende Bedeutung hat außerdem die Unternehmensnachfolge. Bei eigentümergeführten Familienunternehmen entfielen 2025 rund 29 Prozent der freiwilligen Schließungen auf Unternehmen mit Inhaberinnen oder Inhabern im Alter von mindestens 65 Jahren. Im Jahr 2002 lag dieser Anteil bei 14 Prozent.
Mannheimer Unternehmenspanel bildet auch kleine Betriebe ab
Grundlage der Untersuchung ist das Mannheimer Unternehmenspanel (MUP) von Creditreform und ZEW. Die Datenbank enthält Informationen zu mehr als neun Millionen Unternehmen, von denen aktuell rund drei Millionen wirtschaftsaktiv sind. Erfasst werden auch Kleinstunternehmen und selbstständige Freiberufler.
Die Methodik zur Bestimmung der Schließungszeitpunkte wurde für die aktuelle Auswertung angepasst. Bei im Handelsregister eingetragenen Unternehmen wird nun teilweise bereits der von Creditreform ermittelte Zeitpunkt der tatsächlichen Geschäftseinstellung berücksichtigt und nicht erst die spätere Löschung im Handelsregister.
Bei kleinen Personengesellschaften, deren wirtschaftliche Aktivität nicht unmittelbar beobachtet werden kann, werden Schließungen teilweise statistisch geschätzt. Die Werte für 2024 und 2025 sind deshalb am aktuellen Rand mit einer höheren Unsicherheit verbunden.
Unternehmens-/Veranstalterlink:
www.creditreform.de
www.zew.de
