Kultusminister einigen sich auf bundesweit gleiche Abi-Standards

Kultusminister einigen sich auf bundesweit gleiche Abi-Standards Hamburg (dapd). Ab 2017 gelten in ganz Deutschland die gleichen Standards für das Erreichen der Allgemeinen Hochschulreife. Darauf einigten sich die Kultusminister der Länder auf ihrer 339. Plenartagung in Hamburg. Die verbindlichen Leistungsanforderungen gelten für die gymnasiale Oberstufe und das Abitur in allen 16 Bundesländern – in den Fächern Deutsch, Mathematik und fortgeführter Fremdsprache (Englisch/Französisch). „Von der Grundschule bis zum Abitur liegen damit jetzt bundesweit geltende Bildungsstandards für die zentralen Fächer vor“, sagte KMK-Präsident und Hamburgs Schulsenator Ties Rabe (SPD). Das sei ein großer Schritt für das deutsche Schulwesen, der so noch vor einigen Jahren kaum für möglich gehalten worden sei. Rabe zufolge sorgt die KMK mit den gleichen Anforderungen für mehr Vergleichbarkeit zwischen den Bundesländern. „Wir sichern ein gemeinsames Leistungsniveau und wir schaffen zugleich eine länderübergreifende Grundlage zur Entwicklung und Sicherung schulischer Qualität“, sagte der Senator weiter. Die Bildungsstandards sollen durch sogenannte illustrierende Lernaufgaben veranschaulicht werden. Sie zeigen, „welche Aufgabenstellungen geeignet sein können, um die angestrebten Bildungsziele im Unterricht zu erreichen“, wie es weiter hieß. Ferner enthalten die Bildungsstandards auch Beispiele für mögliche Prüfungsaufgaben. Damit wollen die Kultusminister Anregungen vermitteln, wie die in den Bildungsstandards formulierten Anforderungen im Abitur geprüft werden könnten. Einrichtung eines Aufgabenpools Mit der Umsetzung der Standards in ihren Bildungs- und Lehrplänen sollen die Länder nun beginnen. Im Schuljahr 2016/17 werden dann bundesweit gleich schwere Abiturprüfungen in den zentralen Fächern eingesetzt. Dazu wird ein Aufgabenpool mit wissenschaftlich überprüften und gleich schweren Abituraufgaben in den zentralen Fächern eingerichtet. Dieser Pool soll ab 2013 wachsen und den Ländern ab dem Schuljahr 2016/2017 zur Verfügung stehen. Rabe erhofft sich durch die Einigung auf die einheitlichen Standards eine weitere Verbesserung der Qualität und Vergleichbarkeit des Abiturs. Zugleich würden damit neue Impulse für die Weiterentwicklung des Unterrichts gesetzt. Entwickelt wurden die Bildungsstandards für die Allgemeine Hochschulreife vom Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB) in Zusammenarbeit mit Fachexperten der Länder sowie Wissenschaftlern in Abstimmung mit der KMK. Auch soll das IQB federführend die Entwicklung von Standards für die Allgemeine Hochschulreife für die Fächer Biologie, Chemie und Physik verantworten. dapd (Politik/Politik)

Rentenbeitrag sinkt auf 18,9 Prozent – Höhere Entlastung

Rentenbeitrag sinkt auf 18,9 Prozent - Höhere Entlastung Berlin (dapd). Arbeitgeber und Arbeitnehmer werden im kommenden Jahr deutlicher entlastet als bislang angenommen. Es laufe auf eine Senkung des Rentenversicherungsbeitrages zum 1. Januar von 19,6 auf 18,9 Prozent hinaus, bestätigte der Sprecher des Bundesarbeitsministeriums, Jens Flosdorff, am Freitag in Berlin. Bislang hatte die Regierung eine Absenkung auf 19,0 Prozent geplant. Für Arbeitgeber und Arbeitnehmer werde die gesamte Entlastung jeweils rund drei Milliarden Euro pro Jahr betragen, sagte Flosdorff. Das wären jeweils 300 Millionen Euro mehr als gedacht. Der Bundestag will sich kommenden Donnerstag abschließend mit dem Gesetzentwurf der Bundesregierung zur Festsetzung der Beitragssätze in der gesetzlichen Rentenversicherung für das Jahr 2013 befassen. Das Bundeskabinett hatte den Gesetzentwurf am 17. August verabschiedet und damit zunächst lediglich die technischen Voraussetzungen für eine Senkung des Beitragssatzes geschaffen. Die endgültige Höhe des künftigen Beitrags und damit das Ausmaß der Absenkung steht in der Regel erst im Herbst vor und wird dann im parlamentarischen Verfahren angepasst. Flosdorff sagte, der Schätzerkreis der Rentenversicherung sei bei seiner Tagung Anfang der Woche zu dem Ergebnis gekommen, dass der Beitrag stärker sinken könne als zunächst angenommen. Auch hätten sich die Daten zur Finanzlage der Rentenversicherung im Vergleich zum Sommer positiv entwickelt. Zudem hätten die Annahmen der Bundesregierung zur Wirtschaftsentwicklung vom vergangenen Mittwoch dazu „beigetragen, dass man zu diesem erfreulichen Ergebnis gekommen ist“. „Völlig falsches Signal“ Der Sozialverband VdK kritisierte die nun geplante stärkere Beitragssatzsenkung. „Es ist ein völlig falsches Signal, bei ständig sinkenden Renten und drohender Altersarmut durch eine Absenkung des Beitragssatzes die bestehenden Rücklagen bis auf die Mindestrücklage aufzulösen“, kritisierte die Präsidentin des Verbandes, Ulrike Mascher, in Berlin. Stattdessen sollten die bestehenden Überschüsse in der Rentenversicherung genutzt werden, um Altersarmut zu bekämpfen. Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) betonte, die Reserven der Rentenversicherung würden dringend gebraucht, um Altersarmut wirksam zu bekämpfen. „Im ersten Schritt sollten die Mittel für eine deutliche Erhöhung der Erwerbsminderungsrente eingesetzt werden. Es ist ein Skandal, dass Beschäftigte, die durch Arbeit krank werden, auch noch durch Abschläge bei der Rente bestraft werden“, forderte DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach in Berlin. Die Senkung des Rentenbeitrags sei „ohnehin keine reale Entlastung, weil sie in kurzer Zeit wie ein Bumerang als drastische Beitragserhöhung zurückkommt“. dapd (Politik/Politik)

Kostenfreies WLAN-Netz in Berlin nimmt Form an

Kostenfreies WLAN-Netz in Berlin nimmt Form an Berlin (dapd). In Berlin rückt der Traum eines freien Internetzugangs für alle zumindest zaghaft näher an die Realität heran. Seit Freitag können Nutzer von mobilen Computern und internetfähigen Handys in der Hauptstadt an ersten öffentlichen Plätzen kostenfrei im Netz surfen. Der Betreiber Kabel Deutschland nahm dafür rund um den vor allem bei Touristen beliebten Hackeschen Markt im Stadtzentrum und die Ausgehmeile Kastanienallee im Szenestadtteil Prenzlauer Berg mehr als 40 sogenannte WLAN-Hotspots in Betrieb. Ende 2013 sollen es 100 sein. „Wir sind sehr glücklich über diese Initiative“, sagte Björn Böhning, Netzpolitiker der SPD und Leiter der Berliner Senatskanzlei. „Wir wünschen uns, dass Berlin die WLAN-Metropole Deutschlands wird.“ Die Medienanstalt Berlin-Brandenburg (MABB) fördert das Projekt nach eigenen Angaben mit 316.000 Euro. Der Telekommunikationskonzern rechnet mit Gesamtkosten von etwa zwei Millionen Euro. Den Luxus eines gänzlich kostenfreien WLAN-Zugangs leistet sich die Stadt mit dem Projekt „Public Wifi Berlin“ („Öffentliches kabelloses Internet Berlin“) allerdings nicht: Die Zugänge sollen allein an öffentlichen Plätzen, Museen und Behörden in Berlin und auch in Potsdam eingerichtet werden – aber nicht flächendeckend. Der Vorsitzende des Vereins Digitale Gesellschaft, Markus Beckedahl, erklärte dazu: „Eine Revolution ist das mit rund 100 geplanten Hotspots nicht.“ Mehr öffentliche Zugänge seien aber „trotzdem gut“. Außerdem können nur Stammkunden des Betreibers Kabel Deutschland hier unbegrenzt surfen. Allen anderen steht der WLAN-Zugang zunächst nur für 30 Minuten pro Tag frei zur Verfügung. Die einzige Ausnahme soll ein multimediales Informationsportal mit Neuigkeiten aus der Region sein, das die MABB fördert und das für das Frühjahr nächsten Jahres geplant ist. Die Inhalte, die Zeitungen und Sender aus der Region beisteuern könnten, sollen dann ständig frei abrufbar sein. Freifunker wollen umfassendes WLAN von Bürgern für Bürger An einem möglichst umfassenden WLAN von Bürgern für Bürger arbeitet hingegen parallel die Bewegung der Freifunker weiter. Sie möchte erreichen, dass viele Bürger ihre Netze freischalten. Am Freitag erklärte die MABB, neben dem Aufbau der WLAN-Hotspots von Kabel Deutschland auch dieses Projekt fördern zu wollen. Die Freifunker konzentrieren sich in Berlin bisher auf den alternativen Szenebezirk Friedrichshain-Kreuzberg. Sie helfen Nutzern, ihre Netze bei der Öffnung für Dritte rechtlich abzusichern. Netzaktivist Beckedahl, der für die Grünen im Medienrat der MABB sitzt, freute sich über die Förderung der Freifunker-Aktivitäten. „Freie Funknetze sind die offenen Kanäle des 21. Jahrhunderts“, sagte er. Die MABB will unter anderem die Frage klären, wie in dem Netz mit illegalen Aktivitäten umgegangen wird. Geplant ist zudem, den ehrenamtlichen Freifunkern die technischen Abnahmen zu bezahlen, die immer dann anfallen, wenn Funkmasten auf öffentlichen Gebäuden installiert werden. Laut MABB-Präsident Hans Hege geht es „aber um deutlich weniger Geld als das, das Kabel Deutschland erhält“. Auch Kabel Deutschland will die Bewegung fördern, heimische WLAN-Netze für Dritte zu öffnen. Der Vorstandsvorsitzende Adrian von Hammerstein warb für sogenannte Homespots: Seine Kunden könnten damit per Knopfdruck einen Teil ihrer Bandbreite für Dritte öffnen und so dafür sorgen, dass das mobile Internet nicht belastet wird. Gespräche mit den Freifunkern seien denkbar, aber noch nicht geplant. (Informationen zum Projekt „Public Wifi Berlin“: url.dapd.de/RByzio Informationen zu Freifunkern: http://start.freifunk.net ) dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)

Salafist muss für Messerattacken jahrelang ins Gefängnis

Salafist muss für Messerattacken jahrelang ins Gefängnis Bonn (dapd). Ein radikal-islamischer Salafist ist wegen eines brutalen Messerangriffs auf Polizisten in Bonn zu einer Haftstrafe von sechs Jahren verurteilt worden. Das Landgericht Bonn sprach den 26-jährigen Deutsch-Türken am Freitag der gefährlichen Körperverletzung, des Landfriedensbruchs und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte für schuldig. Der Muslim aus Hessen hatte gestanden, bei einer Salafisten-Demonstration im Mai auf zwei Polizisten eingestochen zu haben, und dies mit seinem Glauben gerechtfertigt. Die Lage war eskaliert, nachdem Anhänger der rechtsextremen Splitterpartei Pro NRW Mohammed-Karikaturen in die Höhe gehalten hatten. Mit einer dritten Attacke war der junge Mann gescheitert. Die Beweislage war eindeutig: Die Gewalttaten waren per Video aufgenommen worden. Der schwer verletzte Polizist und seine Kollegin mussten im Krankenhaus operiert werden. Der Beamte hat noch heute mit den Folgen zu kämpfen. Der Islamist hatte das Gericht für nicht legitim erklärt. Er sei nur Allah gegenüber verpflichtet, sagte er während des Prozesses. Der Angriff auf die Polizisten sei gerechtfertigt gewesen, weil diese die Beleidigung des Propheten geschützt hätten. Bei den Ausschreitungen im nordrhein-westfälischen Landtagswahlkampf waren insgesamt 29 Polizisten verletzt und mehr als 100 Personen festgenommen worden. dapd (Politik/Politik)

Grüne-Wähler favorisieren Trittin und Künast als Spitzenkandidaten

Grüne-Wähler favorisieren Trittin und Künast als Spitzenkandidaten Hamburg (dapd). Die meisten Grünen-Wähler wünschen sich die Fraktionschefs Jürgen Trittin und Renate Künast als Spitzenkandidaten der Partei für die Bundestagswahl 2013. Das ergab eine am Freitag veröffentlichte Umfrage des Meinungsforschungsinstituts TNS Forschung im Auftrag von „Spiegel Online“. Für das Duo Trittin/Künast sprachen sich demnach 25 Prozent der Grünen-Wähler aus. 23 Prozent der Befragten plädierten für ein Duo aus Trittin und Parteichefin Claudia Roth. 18 Prozent favorisieren die Kombination Künast/Roth, auf Trittin und Bundestagsvizepräsidentin Katrin Göring-Eckardt entfielen elf Prozent. Die 60.000 Parteimitglieder sollen bis zum 30. Oktober in einer Basisabstimmung entscheiden, wer die Grünen 2013 in den Wahlkampf führt. Dem Duo muss mindestens eine Frau angehören. Befragt wurden vom 14. September bis 14. Oktober 1.000 Wähler der Grünen. dapd (Politik/Politik)

SMA Solar will Stellen streichen

SMA Solar will Stellen streichen Niestetal (dapd). Die Solartechnikfirma SMA Solar hat mit einer Gewinnwarnung und der Ankündigung eines deutlichen Stellenabbaus die Anleger schockiert. Der Aktienkurs des weltweit größten Herstellers von Wechselrichtern für Solaranlagen brach am Freitag ein, nachdem SMA Solar zuvor einen Verlust für das kommende Jahr nicht ausgeschlossen hatte. Die im TecDAX geführte Aktie sackte zwischenzeitlich um mehr als ein Viertel auf weniger als 19 Euro ab. SMA Solar aus dem hessischen Niestetal hatte bislang der tiefen Branchenkrise weitgehend getrotzt. Nun aber erwartet das Unternehmen wegen massiver Förderkürzungen einen Einbruch für den europäischen Markt und weiter zunehmenden Preisdruck. Daher prognostiziert SMA Solar für 2013 nur noch einen Umsatz von 0,9 bis 1,3 Milliarden Euro, nach 1,3 bis 1,5 Milliarden Euro in diesem Jahr. Zudem gab die Firma eine Gewinnwarnung aus. „Im besten Fall rechnen wir 2013 mit einem ausgeglichenen operativen Ergebnis. Einen Verlust können wir zum aktuellen Zeitpunkt nicht ausschließen“, erklärte Vorstandssprecher Pierre-Pascal Urbon laut Mitteilung vom Donnerstagabend. Die Wachstumsimpulse der außereuropäischen Solarmärkte reichten nicht aus, den Nachfragerückgang in Europa zu kompensieren. Angesichts des sinkenden Umsatzes will SMA Solar von weltweit 5.500 Arbeitsplätzen schrittweise 450 Stellen abbauen und dabei nur die Entwicklung verschonen. Darüber hinaus will sich die Firma von 600 Zeitarbeitern trennen. SMA Solar hatte Ende September die Jahresprognose bestätigt und die langfristigen Aussichten für die gesamte Solarbranche als gut bezeichnet. Kurz- und mittelfristig sah die Firma aber große Herausforderungen. „Eine Prognose für die kommenden Jahre ist daher derzeit nicht möglich“, erklärte die Firma damals. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)

Verfassungsschutz soll doch nicht über Gemeinnützigkeit entscheiden

Verfassungsschutz soll doch nicht über Gemeinnützigkeit entscheiden Berlin (dapd). Vereine sollen doch nicht automatisch den Status der Gemeinnützigkeit verlieren, wenn sie in Verfassungsschutzberichten auftauchen. Darauf haben sich nach Informationen der Zeitung „Die Welt“ die zuständigen Finanzpolitiker der Unions- und FDP-Fraktion verständigt. Ein entsprechender Passus werde aus dem Entwurf des Jahressteuergesetzes 2013 gestrichen. Das Bundesfinanzministerium hatte für das Jahressteuergesetz eine Änderung vorgesehen, nach der Vereine künftig grundsätzlich ihre Gemeinnützigkeit verlieren, wenn sie im Verfassungsschutzbericht des Bundes oder der Länder als extremistisch eingestuft werden. Damit hätten nicht mehr wie bisher die Finanzämter über die Gemeinnützigkeit entscheiden, die Vereinen Steuervorteile bringt. Dagegen hatten zahlreiche zivilgesellschaftliche Organisationen protestiert, darunter das globalisierungskritische Netzwerk Attac sowie der Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND). dapd (Politik/Politik)

Lederer: Linke muss Anwalt des Ostens bleiben

Lederer: Linke muss Anwalt des Ostens bleiben Berlin (dapd-bln). Die Linke muss nach Einschätzung des Berliner Landeschefs, Klaus Lederer, auch künftig „Anwalt des Ostens“ sein. „Wir treten bei der Bundestagswahl in einem Jahr zwar als gesamtdeutsche Partei an, werden aber weiter auch ostdeutsche Themen auf die Tagesordnung setzen“, sagte Lederer in einem Interview der Nachrichtenagentur dapd. Als Beispiele nannte er Rentengerechtigkeit, gleiche Löhne sowie die Wirtschafts- und Arbeitsmarktperspektiven. „Die Linke wird die Finger in die Wunde legen“, betonte Lederer, der zum Reformerflügel gezählt wird. Das sei aber nicht als Abgrenzung zum Westen zu verstehen. Vielmehr sei das soziale Abdriften des Ostens mit deutlich geringeren Renten und Löhnen ein gesamtdeutsches Problem, weil es die Lage im ganzen Land verschärfe. Angesichts der „sozialen Spaltung“ und der Europa-Krise sei „politischer Druck von Links“ notwendiger denn je, sagte der Landeschef. Er zeigte sich überzeugt, dass die soziale Frage ohne eine starke Linksfraktion im Bundestag nach der Wahl 2013 ein „Randthema“ werde. Über die Strategie der Partei für das nächste Jahr will am kommenden Wochenende ein Landesparteitag beraten, auf dem sich Lederer zur Wiederwahl stellt. Das Ergebnis der Bundestagswahl 2009, als der Berliner Landesverband 20,2 Prozent und die Bundespartei fast 12 Prozent der Stimmen holten, war ein „Ausnahmeresultat“, schätzte Lederer ein. Damals habe die Linke von einem positiven Bundestrend nach einer großen Koalition auf Bundesebene profitiert. Diesmal mache neben den Grünen auch die SPD Front gegen Schwarz-Gelb. Zudem hätten die Piraten die politische Bühne betreten. Man werde deshalb um jede Stimme für soziale Politik kämpfen. Steinbrück lässt Raum für linke Politik Die Nominierung von Peer Steinbrück als SPD-Kanzlerkandidat lasse „viel Raum für linke Politik“, sagte Lederer. Als Beispiele nannte er Themen wie Steuergerechtigkeit oder Regulierung von Finanzmärkten. Zudem müsse die Linke an der Seite der Krisen-Opfer in anderen europäischen Ländern stehen. Eine Regierungsbeteiligung der Linken auf Bundesebene zur Ablösung der schwarz-gelben Koalition nach der Bundestagswahl sei aus derzeitiger Sicht „überhaupt kein Thema“, sagte Lederer. Auch wenn es punktuell Übereinstimmungen gebe, sei kein inhaltliches Projekt der potenziellen Bündnispartner SPD und Grüne erkennbar. Die Sozialdemokraten hätten bisher nicht klargemacht, „für welche Idee sie stehen und wo sie sich von der CDU unterscheiden“. In seiner eigenen Partei sieht Lederer eine „Aufbruchstimmung“. Politik mache seit dem Göttinger Bundesparteitag im Frühsommer wieder mehr Spaß. Zwar gehe das nicht konfliktfrei, aber es sei ein Fortschritt, dass über Differenzen und Misstrauen offen geredet werden könne ohne die Gesamtpartei vor eine Zerreißprobe zu stellen. dapd (Politik/Politik)

Seehofer will Familienarbeit bei Rente besser berücksichtigen

Seehofer will Familienarbeit bei Rente besser berücksichtigen München (dapd-bay). Zur Verhinderung von Altersarmut will der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer bei der Berechnung der Rente „die Familienarbeit besser berücksichtigen“. Im „Bayerischen Rundfunk“ sagte der CSU-Vorsitzende am Freitag: „Die Rentenversicherung lebt von beidem: den Beitragszahlern, die in normalen Arbeitsverhältnissen sind, aber auch von denen, die Kinder großziehen, weil die Kinder ja die Beitragszahler der Zukunft sind.“ Ein Vollzeitbeschäftigter müsse einen Lohn erhalten, von dem er seine Existenz finanzieren könne. Je höher die Löhne seien, „desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass Sie Altersarmut vermeiden“. Wo es keine Tarifbindung gebe, sollten Gewerkschaften und Arbeitgeber für Regionen und Branchen Mindestlöhne festlegen. Von der Berliner Koalition verlangte Seehofer mehr Entscheidungsfreudigkeit. CDU, CSU und FDP würden „einige Themen schon zu lange“ vor sich herschieben, sagte Seehofer. Dazu zähle neben dem Betreuungsgeld auch die Energiewende „mit einer wirksamen Antwort gegen weitere Strompreiserhöhungen“ oder die Sicherung von Arbeitsplätzen. dapd (Politik/Politik)

Profiteure in Zeiten der Finanzkrise

Profiteure in Zeiten der Finanzkrise Weidhausen/Coburg (dapd-bay). Thomas Welsch hat keinen Grund zu klagen. Im Gegenteil, so gut wie derzeit ging es dem Geschäftsführer der Polstermöbelfabrik Ponsel mit 220 Angestellten im oberfränkischen Weidhausen lange nicht mehr. „Die Nachfrage nach unseren Sofas wächst stetig. Vor allem die Modelle im romantischen Naturdesign sind sehr gefragt“, sagt der 42-Jährige. Rund 100 Modelle hat Ponsel im Angebot, bevorzugt werden von den Kunden Naturstoffe. „Wir nennen das unsere Chalet-Linie – mit viel Leder, Holz und Blumenmotiven“, sagt Welsch. Bei ihren Produkten setzt die Firma auf Nachhaltigkeit. „Mit der Atomkatastrophe in Fukushima haben wir unsere Standards radikal geändert und auf Nachhaltigkeit gesetzt“, sagt Welsch. Bis vor wenigen Jahren noch verarbeitete giftige Stoffe wie Quecksilber oder Cadmium fänden sich in keinem Möbelstück mehr. Bayerische Wohnmöbelindustrie mit Umsatzplus Die Geschäftslage der Firma Ponsel ist kein Einzelfall. Das erste Halbjahr 2012 lief für die gesamte bayerische Wohnmöbelindustrie hervorragend. So kletterte der Umsatz von Januar bis Juni im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um fünf Prozent auf 1,54 Milliarden Euro, wie Verbandsgeschäftsführer Christian Dahm sagt. Davon erlösten allein die oberfränkischen Polstermöbelbauer 600 Millionen Euro. „Die Menschen investieren in unsicheren Zeiten in langlebige Dinge in ihrem Lebensumfeld. Und dazu gehört das Wohnzimmer als ganz wichtiger Bereich“, sagt Dahm. Und weil Beständigkeit auch etwas kosten darf, müssten sich die Polsterer nicht wie so manch andere Branche in Rabattschlachten mit der Konkurrenz zermürben. „Wir müssen nichts verramschen und punkten dafür mit Sonderkollektionen und neuen Trends“, berichtet Dahm. Das allein ist allerdings nicht der Grund, weshalb die Branche in Oberfranken unlängst auf 6.000 Beschäftigte gewachsen und damit zum größten Arbeitgeber der Region avanciert ist. Ein großer Vorteil gegenüber den Billiganbietern aus Osteuropa und China ist vor allem die lokale Konzentration der Branche auf wenige Quadratkilometer bei Coburg. Einst die Heimat der Korbflechter verteilen sich in der Region am Main rund 300 Polstereien und deren Zulieferer auf wenige Dörfer. „Für uns ist das wirtschaftlich ideal. Alle Zulieferer liegen quasi um die Ecke, und wenn ich morgens etwas bestelle, habe ich es am Mittag“, sagt Welsch. Jugend meidet den Beruf Gänzlich sorgenfrei ist die oberfränkische Polstermöbelindustrie dennoch nicht. Vor allem fehlt es an Nachwuchs. Jugendliche verschmähten das Handwerk wegen seines Rufs als Knochenjob, sagt Welsch. „Viele verbinden mit dem Handwerk immer noch schwere, körperliche Arbeit, die man nicht lange durchhält.“ Um das zu ändern, haben die meisten Hersteller in den vergangenen Jahren viel Geld in Hilfsmittel investiert, um das industrielle Polstern im Akkord zu erleichtern. „Es gibt längst Hebevorrichtungen, und es wird in Teams gearbeitet. Niemand muss heute noch ein Sofa alleine heben“, sagt Welsch. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)