Hannover (dapd). CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe hat mit Blick auf die Bundestagswahl 2013 die Eigenständigkeit seiner Partei hervorgehoben. „Jede Partei wirbt für sich“, sagte Gröhe am Dienstag im ARD-„Morgenmagazin“ auf die Frage, ob die CDU auch als „Leihstimmen“-Geber für den Koalitionspartner FDP zur Verfügung stehe. Gröhe betonte gleichzeitig, dass es mit den Liberalen programmatisch die meiste Übereinstimmung gebe. Die CDU hält heute in Hannover ihren 25. Bundesparteitag ab. Kanzlerin und Parteichefin Angela Merkel stellt sich bei dem Parteitag der Wiederwahl. Ihre Bestätigung gilt als sicher. Die Vorsitzende ist im Wahlkampf das Zugpferd der CDU, wie auch Gröhe betonte: „Wir vertrauen da sehr stark aufs Programm und die Arbeit von Angela Merkel.“ Beim Streitthema Anerkennung von Erziehungszeiten in der Rente will die CDU-Spitze der Frauen Union entgegenkommen. Im Antrag des Parteivorstandes sei klargestellt, dass es Verbesserungen für Mütter geben soll, die vor 1992 Kinder geboren haben. Es handle sich nicht bloß um einen Prüfauftrag. „Das ist sicher ein klarer Erfolg der Frauen Union“, betonte Gröhe. Allerdings werde die Besserstellung der Mütter „nur schrittweise“ umzusetzen sein, sagte Gröhe. FDP-Generalsekretär Patrick Döring sieht hingegen keinen Spielraum für eine Besserstellung von Müttern bei der Rente. Die Koalition habe sich darauf verständigt, „dass diejenigen unterstützt werden, die nach 40 Jahren keine Rente in Höhe der Grundsicherung erhalten würden“, sagte Döring dem Berliner „Tagesspiegel“ (Dienstagausgabe). Er fügte hinzu: „Dieses Problem wollen wir lösen. Alle anderen Maßnahmen sind derzeit nicht zu finanzieren.“ Döring sagte, neben den berechtigten Anliegen der Älteren müssten auch die Interessen der Jüngeren berücksichtigt werden. „Eine Besserstellung der Mütter mit Kindern, die vor 1992 geboren wurden, hätte gravierende Auswirkungen auf den Bundeshaushalt und die Rentenbeitragszahler“, warnte der FDP-Politiker. Der FDP-Fraktionsvorsitzende Rainer Brüderle forderte derweil eine klare Koalitionsaussage der CDU zugunsten der FDP. „Ich kann die CDU nur davor warnen, es mit Schwarz-Grün zu versuchen“, sagte Brüderle der „Bild“-Zeitung. „Wer Schwarz-Grün verhindern will, muss FDP wählen.“ Die Koalition aus Union und FDP arbeite „sehr erfolgreich zusammen. Das wollen wir über 2013 hinaus fortsetzen“. Die FDP sei in der Koalition „das marktwirtschaftliche Korrektiv“. Wie schon FDP-Chef Philipp Rösler schloss auch Brüderle eine Koalition mit SPD und Grünen aus. „Eine Ampel passt doch inhaltlich überhaupt nicht“, betonte er. Bei der Bundestagswahl 2013 gehe es „um eine klare Richtungsentscheidung: die oder wir“. Die FDP ist der Wunschpartner der CDU für eine Fortsetzung der schwarz-gelben Regierung nach der Bundestagswahl im September 2013. Die rheinland-pfälzische CDU-Vorsitzende Julia Klöckner sieht ihre Partei „bunter und moderner“ als ihr Image. Sie widersprach in der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ der Einschätzung, die Partei werde von „alten Männern“ dominiert. Vielmehr habe die CDU Kanzlerin Merkel als Bundesvorsitzende sowie Frauen an der Spitze von Landesverbänden und im Präsidium. Zudem gebe es überall in der Partei aufstrebende junge Frauen. „Wir sind in der Realität bunter und moderner als unser Image“, betonte Klöckner, die in Hannover als stellvertretende Parteivorsitzende kandidiert. dapd (Politik/Politik)
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Post will sich mit Anleihen zwei Milliarden Euro besorgen
Bonn (dapd). Die Deutsche Post DHL nutzt die derzeit günstigen Zinsen am Kapitalmarkt zur Beschaffung von bis zu zwei Milliarden Euro für die Zahlung von Pensionen. Geplant sind dabei eine Wandelanleihe im Volumen von bis zu einer Milliarde Euro und einer Laufzeit von sieben Jahren sowie zwei klassische Anleihen mit Laufzeiten von acht und zwölf Jahren, wie der Konzern am Dienstag in Bonn mitteilte. Mit dem gewonnenen Kapital sollen die für die Altersbezüge der Mitarbeiter zur Verfügung stehenden Mittel fast verdoppelt werden. Zudem erwartet die Post nach Unternehmensangaben durch die Anleihen für die kommenden Jahre einen leicht positiven Effekt auf das Finanz- und Konzernergebnis. Die vorgesehenen Emissionen sollten noch am Dienstag platziert werden, erklärte die Post. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
Westerwelle verlangt klare Koalitionsaussage von Union
Passau/Berlin (dapd). Außenminister Guido Westerwelle (FDP) fordert aus den eigenen Reihen und vom Regierungspartner eine klare Koalitionsaussage. „Ich rate Union und FDP, glasklar für eine Fortsetzung unseres Bündnisses einzustehen“, sagte er der „Passauer Neuen Presse“ (Dienstagausgabe). „Dann haben wir eine sehr gute Chance für klare Mehrheiten.“ Westerwelle warnte die CDU davor, sich nicht oder zu spät festzulegen. „Wackeleien in der Koalitionsfrage“ hätten bei der Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen für das schlechteste Ergebnis der CDU und das zweitbeste der FDP seit 50 Jahren gesorgt. Er verlasse sich auf Zusagen von Politikern aus der CDU-Spitze. dapd (Politik/Politik)
Frankfurter OB Feldmann will Wohnraum schaffen
Frankfurt/Main (dapd-hes). Der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) wirbt für eine große Kraftanstrengung der Kommunen zur Schaffung von bezahlbarem Wohnraum. Im Interview der Nachrichtenagentur dapd sprach er von einer zentralen Zukunftsfrage für die deutschen Städte. Um tatsächlich mehr Wohnungen bauen zu können, seien auch unkonventionelle Lösungen wie der Abriss von Büroraum oder gemeinsame Bauvorhaben mit Nachbarkommunen nötig, fügte der SPD-Politiker hinzu. „Ein Dach überm Kopf ist ein Menschenrecht und lebenswichtig wie Kleidung und Essen“, fuhr Feldmann fort. Um ausreichend Wohnraum zu bezahlbaren Preisen zu sichern, seien daher drei Maßnahmen unerlässlich: die Bebauung noch vorhandener Restflächen, die Umwandlung von Nutzungsarten und die Kooperation mit dem Umland. In Frankfurt am Main müssten vor allem noch Restflächen in den Stadtteilen Bergen-Enkheim, Bonames und am Riedberg bebaut werden. Ansonsten stünden in der Stadt allein zwei Millionen Quadratmeter Bürofläche leer. „Im Osten werden Plattenbauten abgerissen, warum nicht im Westen Büroraum, der nicht nachgefragt wird“, fragte Feldmann. Eine solche Konversion von Flächen sei erforderlich, um Platz für mehr Wohnungen gerade in den Ballungszentren zu gewinnen. Zudem dürften Bauvorhaben nicht mehr an Gemarkungsgrenzen scheitern, fuhr Feldmann fort. Er stehe bereits mit Bürgermeistern und Landräten des Umlands in Kontakt, um gemeinsame Lösungen über die Stadtgrenze hinweg zu finden. In diesen Fällen werde es am Ende egal sein, ob die Menschen fünf Meter links oder rechts der Grenze wohnten. Wichtiger sei, dass sie mit U- oder S-Bahn-Anschluss schnell in die Innenstädte gelangten. Auch die Frage, wo die Steuer gezahlt werde, sei lösbar. Er habe den Eindruck, „dass die Kollegen aus dem Umland da relativ undogmatisch verfahren und sich freuen, dass die Frankfurter bereit sind zu investieren“, sagte Feldmann. Er wies daraufhin, dass Frankfurt am Main inzwischen die Marke von 700.000 Einwohnern überschritten hat und damit eine von nur drei großen Städten in der Bundesrepublik mit Einwohnerzuwachs sei. Die Zahl der öffentlich geförderten Wohnungen in der Stadt sei aber vor allem durch das Herausfallen aus der Sozialbindung von 53.000 im Jahr 1995 auf jetzt 30.000 gesunken. Feldmann betonte, er werde alles in seinen Kräften Stehende tun umzusteuern. Die Stadt selbst verdopple ihre Mittel für den Wohnungsbau binnen vier Jahren von 100 auf 200 Millionen Euro. Auch die Nassauische Heimstätte schraube die Gelder von 360 auf 500 Millionen Euro hoch, und die städtische Wohnungsbau Holding ABG von einer auf 1,4 Milliarden Euro. Im Übrigen wollten sich die Vertreter der Kommunen auch mit der Forderung nach Wohnbauprogrammen an den Bund wenden. dapd (Politik/Politik)
Klöckner: CDU ist bunter und moderner als ihr Image
Osnabrück (dapd). Die rheinland-pfälzische CDU-Vorsitzende Julia Klöckner sieht ihre Partei „bunter und moderner“ als ihr Image. Vor dem Bundesparteitag der CDU in Hannover widersprach sie in der „Osnabrücker Neuen Zeitung“ (Dienstagausgabe) der Einschätzung, die Partei werde von „alten Männern“ dominiert. Vielmehr habe die CDU Kanzlerin Angela Merkel als Bundesvorsitzende sowie Frauen an der Spitze von Landesverbänden und im Präsidium. Zudem gebe es überall in der Partei aufstrebende junge Frauen. „Wir sind in der Realität bunter und moderner als unser Image“, betonte Klöckner, die in Hannover als stellvertretende Parteivorsitzende kandidieren will. Klöckner gab zu bedenken, die Partei dürfe sich nicht ein eigenes städtisches und ein eigenes ländliches Gesicht geben, „die sich dann inhaltlich widersprechen“. Dann sei die CDU keine Volkspartei mehr. Dennoch brauche sie gerade in den Großstädten Personal, das dem dortigen Lebensgefühl entspreche. Dabei gehe es um Politiker, „die gerne ein bisschen unkonventioneller sind“, sagte Klöckner. dapd (Politik/Politik)
Panzer für Saudis: Merkel betont Wunsch nach Stabilität am Golf
Berlin (dapd). Die Bundesregierung lässt sich zu einer angeblichen Anfrage Saudi-Arabiens nach mehreren Hundert Radpanzern vom Typ „Boxer“ nicht in die Karten schauen: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verwies am Montag auf die geheimen Sitzungen des Bundessicherheitsrates, der über solche Anfragen entscheiden muss. Sie verwies aber auf das Interesse Deutschland an Stabilität in der Golfregion. In den ARD-Tagesthemen sagte Merkel, über Entscheidungen des Bundessicherheitsrates werde nicht berichtet. „Deshalb kann ich dazu jetzt auch nicht Stellung nehmen“. Sie verwies auf die Rüstungsberichte der Regierung, die regelmäßig dem Bundestag vorgelegt würden. „Dort sieht man dann die Entscheidungen, die getroffen wurden.“ Über ein angebliches Interesse Saudi Arabiens hatte der „Spiegel“ am Wochenende berichtet. Demnach verhandelte der Bundessicherheitsrat zwar über die Anfrage, vertagte eine Entscheidung aber. Merkel sagte weiter, allgemein könne sie nur sagen, dass immer eine Abwägung zwischen Fragen der Menschenrechte und der Stabilität stattfinde. Merkel verwies darauf, dass Deutschland mit einigen Golfstaaten „strategische Partnerschaften“ unterhalte, weil das iranische Nuklearprogramm als „sehr, sehr ernsthafte Bedrohung“ angesehen werde. Ähnlich hatten sich zuvor Regierungssprecher geäußert. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte, die Geheimhaltung schütze die Interessen des anfragenden Landes, des Lieferlandes und der Lieferfirmen. Wenn es Lieferungen von Rüstungsgütern gegeben habe, „können Sie davon ausgehen, dass im Einzelfall die Prüfung aus menschenrechtlichen und sicherheitspolitischen, friedenspolitischen, stabilitätspolitischen Kriterien zu dem Schluss gekommen ist, dass diese Anfrage berechtigterweise genehmigt werden kann“, erklärte der Sprecher. „Es gibt keine Automatismen, es sind alles Einzelfallentscheidungen.“ Saudi-Arabien sei „durchaus ein Stabilitätsfaktor in der Region“, sagte Seibert. Das Land habe sich Verdienste bei dem Versuch erworben, nicht nur im Jemen, sondern auch im Nahen Osten zu einer friedlichen Lösung beizutragen. Dabei sei das Existenzrecht Israels explizit anerkannt worden. Eine enge Zusammenarbeit gebe es auch bei der Bekämpfung des internationalen Terrorismus. Die unterschiedlichen Auffassungen in Menschenrechtsfragen seien in der Vergangenheit immer angesprochen worden. „Boxer“ eignet sich zur Bekämpfung von Aufständen Der „Boxer“ zählt zu den modernsten Gefechtsfahrzeugen der Welt und wird von der Bundeswehr in Afghanistan als gepanzerter Truppentransporter eingesetzt. Der Radpanzer ist straßentauglich und geeignet zur Aufstandsbekämpfung, hieß es im „Spiegel“. Die sicherheitspolitische Sprecherin der FDP, Elke Hoff, plädierte unterdessen dafür, ein neues Bundestagsgremium mit der Kontrolle von Waffenexporten zu befassen. Hoff sagte den „Kieler Nachrichten“ (Dienstagausgabe), Vorbild könne das Parlamentarische Kontrollgremium (PKG) sein, das zur Kontrolle der Geheimdienste gebildet wurde. dapd (Politik/Politik)
Westerwelle bestellt Botschafter Nordkoreas ein
Berlin (dapd). Aus Protest gegen die geplanten Raketentests Nordkoreas hat Außenminister Guido Westerwelle (FDP) den Botschafter des Landes ins Auswärtige Amt einbestellen lassen. Dem nordkoreanischen Vertreter sei die klare Haltung des Außenministers und der Bundesregierung deutlich gemacht worden, teilte das Auswärtige Amt am Montag mit. Die Ankündigung Nordkoreas, erneut einen Raketentest durchzuführen, stelle einen besorgniserregenden Rückschritt dar. Der geplante Raketenstart verstoße gegen die internationalen Verpflichtungen Nordkoreas und gefährde den Frieden und die Stabilität in der Region. Nordkorea bleibe nachdrücklich aufgefordert, den Weg zu Deeskalation und Verständigung nicht durch provokative Schritte zu blockieren, wurde dem Diplomaten erklärt. Westerwelle hatte bereits am Sonntag seine Missbilligung zum Ausdruck gebracht. Er forderte Nordkorea auf, „dass die Sicherheitsratsresolution 1.874, die derartige Tests unmissverständlich verbietet, respektiert wird.“ dapd (Politik/Politik)
Gauck würdigt Ehrenamtliche mit dem Bundesverdienstkreuz
Berlin (dapd). Zum Tag des Ehrenamts hat Bundespräsident Joachim Gauck 26 Bürgern aus allen Ländern das Bundesverdienstkreuz verliehen. Die Geehrten engagieren sich laut Präsidialamt in vorbildlicher Weise in sozialen und kulturellen Initiativen, in der Kirche, im Sport oder für die Integration von Ausländern. „Was engagierte Bürgerinnen und Bürger freiwillig einbringen, ist kein nettes Plus, sondern ein unverzichtbarer Bestandteil für das gesellschaftliche Wohlergehen“, sagte das Staatsoberhaupt laut Redetext im Berliner Schloss Bellevue. Gauck mahnte, die alte Abgrenzung zwischen Staat und Zivilgesellschaft führe nicht weiter. „Was wir brauchen, ist eine bessere Verzahnung von öffentlicher Hand und freiwilliger Tat. Manchmal helfen schon eine Teilzeitstelle und ein Telefon, um die große Bereitschaft zur Hilfe sinnvoll zu strukturieren“, sagte Gauck. Er regte an, der Staat solle Bürgersinn fördern, etwa durch kluge Rahmenbedingungen und eine „Kultur der Anerkennung“. Zu den Ordensträgern gehört die Regisseurin, Drehbuchautorin und Schriftstellerin Doris Dörrie aus Bayern, die ihre Bekanntheit nutzt, um die Hospiz- und Palliativarbeit zu unterstützen. Ebenfalls geehrt wurde Sebastian Krumbiegel, Sänger der Pop-Gruppe „Die Prinzen“. In der Würdigung hieß es, der Leipziger habe sich „durch sein jahrzehntelanges gesellschaftliches, demokratisches und soziales Engagement verdient gemacht“. Stets sei Krumbiegel präsent, wenn es heiße „Gesicht zeigen gegen Rechts“. (Kurzporträts des Präsidialamts: http://url.dapd.de/u3yy80 ) dapd (Politik/Politik)
VW laut Bericht vor Aufstieg zur Nummer zwei weltweit
Düsseldorf (dapd). Europas größter Autobauer Volkswagen steht vor dem Aufstieg an die weltweit zweitstärkste Position der Branche. Halten die Niedersachsen Kurs, dürfte der VW-Konzern nach einem Bericht des „Handelsblatts“ (Dienstagausgabe) kommendes Jahr am US-Konkurrenten General Motors (GM) vorbeiziehen und auf Rang zwei der globalen Autobauer nach Toyota vorrücken. Das gehe aus einer unveröffentlichten Prognose des Center of Automotive Management (CAM) hervor, die der Zeitung vorliege. Demnach soll der VW-Konzern 2013 rund 9,4 Millionen Autos verkaufen. GM komme auf 9,3 Millionen Pkw. „Volkswagen greift mit den wichtigen Marken Audi, VW, Skoda und Porsche auf ein breiteres und hochwertigeres Produktportfolio zurück als General Motors“, sagte CAM-Chef Stefan Bratzel laut „Handelsblatt“. Der Abstand zum Branchenprimus Toyota ist jedoch noch weit. Die wiedererstarkten Japaner sollen den Berechnungen zufolge 2013 rund 10,2 Millionen Autos verkaufen. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
Das Großstadt-Problem der CDU
Berlin (dapd). Einen wie Ole von Beust könnte die CDU jetzt gut gebrauchen. Von 2001 bis 2010 regierte der heute 57-Jährige Hamburg. Er schmiedete das erste schwarz-grüne Bündnis auf Landesebene und er bekannte sich, wenn auch spät, offen zu seiner Homosexualität. Von Beust kennt sich aus mit der Lebenswirklichkeit in großen Städten. Und genau hier hat die CDU ein Problem und das seit langem. Am Sonntagabend ging mal wieder eine große Stadt für die Christdemokraten verloren. Nach 42 Jahren Regentschaft musste die CDU bei der Oberbürgermeisterwahl in Karlsruhe den obersten Rathaussessel der SPD und ihrem Kandidaten Frank Mentrup räumen. Es war nicht der erste Nackenschlag dieser Art in diesem Jahr. Mit Peter Feldmann hat nach 17 Jahren wieder ein Sozialdemokrat in Frankfurt am Main das Ruder übernommen, nachdem die beliebte Oberbürgermeisterin Petra Roth von der CDU nicht mehr antrat, und der CDU-Kandidat Boris Rhein chancenlos war. Fast noch bitterer war, dass in Stuttgart die lange Regentschaft der CDU durch den Grünen Fritz Kuhn beendet wurde. Die Liste lässt sich fortsetzen, Hamburg, Köln und Duisburg gingen jüngst ebenfalls an SPD-Kandidaten. „Bei der Union bröckelt es und zwar ganz gezielt in den Großstädten“, kommentierte SPD-Generalsekretärin Andrea Nahles die Entwicklung. Von den 16 Landeshauptstädten stellt die CDU nur noch in Dresden mit Helma Orosz, in Düsseldorf mit Dirk Elbers und in Wiesbaden mit Helmut Müller Oberbürgermeister. Elf Stadtoberhäupter haben ein SPD-Parteibuch. In Stuttgart regiert mit Kuhn ein Grüner, in Schwerin mit Angelika Gramkow eine Linke-Politikerin. Urbane Modernität vermisst Das Großstadtproblem ist für die CDU nicht neu, seit den Zeiten von Konrad Adenauer sei das so, wiegelte der ehemalige Ministerpräsident Erwin Teufel unlängst ab und warnte davor, bei allem Bemühen um Modernität die Stammwähler zu vernachlässigen. Das sehen CDU-Politiker mit Großstadterfahrung anders. Petra Roth vermisste unlängst eine „urbane Modernität“ ihrer Partei. Von Beust glaubt, dass Schwarz-Grün das Lebensgefühl in den Großstädten widerspiegelt. Die ökonomische Vernunft der Union und der ökologisch-moralische Impetus der Grünen passten gut zusammen“, meinte Beust vor zwei Jahren, wenige Monate vor seinem Rücktritt. Vielleicht fehlen der CDU aber auch die richtigen Politiker, um in großen Städten Wahlen zu gewinnen. Die künftige CDU-Vizechefin Julia Klöckner warnte am Montag in Hannover zwar davon, dass die CDU sich treu bleiben müsse und nicht zwei Gesichter – eines für die Landbewohner und eines für die Städter – zeigen dürfe. Allerdings sollte sich die Partei auch „unkonventionellen Köpfen“ öffnen. Betreuungsgeld als „fatales Symbol“ „Ja natürlich kann die CDU Großstadt“, hielt Generalsekretär Hermann Gröhe im SWR am Montag den Kritikern entgegen und verwies auf die OB-Posten in Dresden, Düsseldorf und in einer ganzen Reihe von Universitätsstädten. Als kontraproduktiv für das Bemühen der CDU in großen Städten dürfte sich allerdings das jüngst vom Bundestag verabschiedete Betreuungsgeld erweisen. Ein „fatales Symbol“ sieht von Beust in der Maßnahme, weil sie vor allem in Großstädten „völlig an der Lebenswirklichkeit der Leute vorbeigeht“. Besser als die CDU treffen offenbar die Grünen den Nerv der Großstadtbewohner. „Wir reden heute mit DAX-Vorständen über die Einführung einer Frauenquote und beraten morgen mit Umweltaktivisten über unser Vorgehen gegen Gentechnik. Wir sind eine viel offenere Partei als die Union“, beschrieb Grünen-Fraktionschefin Renate Künast im dapd-Interview das Herangehen ihrer Partei. Das sehen auch einige Unions-Politiker so, die unlängst in einem Papier die Grünen als Lifestyle-Partei der bürgerlichen Mitte bezeichneten. Dass andere die Probleme schneller erfassen als die CDU, zeigte sich unlängst auch, als der Mieterbund wegen der galoppierenden Mieten in großen Städten Alarm schlug. Es war die SPD und nicht die CDU, die sofort reagierte. SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück nahm den Ball noch am selben Tag auf und riet seiner Partei, sich mit Blick auf ein Regierungsprogramm mit dieser Frage zu befassen und den sozialen Wohnungsbau wiederzuleben. Erfolgreiche Oberbürgermeister können auch eine Reserve der Parteien für höhere Posten sein. Das zeigt sich an Bayern und Niedersachsen. Dort fordern aktuell mit dem Münchner Oberbürgermeister Christian Ude und seinem Hannoveraner Amtskollegen Stephan Weil zwei Sozialdemokraten die jeweiligen Ministerpräsidenten der Union bei den anstehenden Landtagswahlen heraus. Vorgemacht hat es Torsten Albig: Der Sozialdemokrat und vormalige Oberbürgermeister von Kiel löste den CDU-Mann Peter Harry Carstensen im Juni als Ministerpräsident von Schleswig-Holstein ab. dapd (Politik/Politik)