Dresden (dapd-lsc). Die Dresdner Mikrochipfabrik des Infineon-Konzerns will einem Zeitungsbericht zufolge die Zwölfstundenschicht abschaffen. Das berichtet die „Sächsische Zeitung“ in ihrer Freitagausgabe. Von Januar an werde wie an den westdeutschen Standorten auch in Dresden in Achtstundenschichten gearbeitet. Infineon hat in Dresden rund 2.000 Mitarbeiter. Von ihnen hätten 1.200 bislang im Rhythmus zwei Tagschichten zu zwölf Stunden und zwei Nachtschichten zu zwölf Stunden gearbeitet. Danach hatten sie vier Tage frei. Die Dresdner Infineon-Betriebsratsvorsitzende Kerstin Schulzendorf sagte der „Sächsischen Zeitung“, die langen Arbeitstage hätten bei vielen Kollegen zu Dauerstress geführt. Zu Anfang seien zwölf Stunden nicht als schlimm empfunden worden. „Aber je länger die Kollegen die volle Belastung haben, desto belastender empfinden viele es“, sagte Schulzendorf. Dennoch seien nicht alle Mitarbeiter mit der Umstellung auf kürzere Schichten einverstanden, da sie künftig weniger freie Tage haben und mehr Fahrten zur Arbeitsstätte. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
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Weihnachtsgeschäft bei Wildhändlern läuft auf Hochtouren
Ribnitz-Damgarten (dapd-lmv). Hellmuth Jenß lacht – obwohl er im Moment nicht weiß, wo ihm der Kopf steht. „Wir haben mit diesem Wildschwein noch viel Arbeit, aber endlich machen die Jäger wieder ordentlich Strecke“, sagt der 65-Jährige. Das Jagdglück kehrt damit gerade noch rechtzeitig zu Weihnachten zurück. Mecklenburg-Vorpommerns wichtigster Wildhändler reibt sich die Hände, dann schiebt er das Tier am Haken in die Zerlegung. 29 Mitarbeiter sind derzeit von frühmorgens bis spätabends damit beschäftigt, das Wild aus den Revieren zwischen dem Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft und der Insel Usedom für den Verkauf vorzubereiten. Allerdings herrscht nicht immer so viel Betrieb in Jenß‘ Verarbeitungszentrum am Stadtrand von Ribnitz-Damgarten. „Von Januar bis in den Sommer hinein hatten wir kaum etwas abgesetzt. Es war extrem“, sagt der Firmenchef und passionierte Jäger. Monatelang stand der 1990 mit Millionenaufwand aufgebaute Betrieb, der zuletzt 2,5 Millionen Umsatz erwirtschaftete, still. Nur ein fünfjähriger Kooperationsvertrag mit einem Hamburger Wildverarbeiter sicherte die Existenz. Drückjagden sorgen für erhöhtes Wildaufkommen im Herbst Wild sei ein reines Saisongeschäft, sagt ein Discounter-Filialleiter. Erst die alljährliche Drückerjagd ab September sorge für ausreichend Wildbret. Doch in diesem Herbst ließ der Erfolg lange auf sich warten, vor allem die Wildschweine hatten sich rargemacht. „Die hatten sich statt im Wald lieber in den Maisbeständen aufgehalten. Und da ist eine erfolgreiche Jagd kaum möglich“, sagt Heinz Stegemann. Der Jägermeister des Landkreises Rostock glaubt, den Grund für das Verhalten zu kennen: Weil Spätfröste im Frühjahr die Blüten von Kastanien, Buchen und eichen stark geschädigt hatten, wuchsen diesmal deutlich weniger Früchte heran. Also suchten sich die Schweine ihr Futter im Mais. „Erst als die für Biogasanlagen angebauten Maisbestände abgeerntet worden waren, gab es bei der Jagd ab November auch wieder ordentlich Strecke“, sagt Rainer Pirzkall vom Landesjagdverband. Hellmuth Jenß hat das selbst erlebt. „Erst vor ein paar Tagen haben wir bei einer großen Gesellschaftsjagd in der Nossentiner/Schwinzer Heide über 160 Stück Wild erlegt. Das war wichtig für einen ausgewogenen Bestand in der Region“, sagt er. Über 100 unterschiedliche Wild-Angebote kann Wildmeister Jenß jetzt seinen Kunden machen. Neben Keulen, Brust und Rücken gehören auch etliche Wurstsorten dazu. „Wildschwein-Salami und Hirsch-Schinken sind in diesem Jahr die absoluten Renner“, sagt Andreas Köhn, Chef in der 1996 gegründeten unternehmenseigenen Ribnitzer Boddenlandfleisch. Weihnachtlich verpackt sind die Produkte in diesem Jahr auch auf dem Rostocker Weihnachtsmarkt sehr gefragt. Zu den Kunden gehört auch Heinz Seyr, Geschäftsführer von Schuhbecks Geniesser Service in Laage. Im Unternehmen des Münchner Sternekochs Alfons Schuhbeck werden jährlich Tausende Fertiggerichte mit Wild produziert. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
Hier muss es immer Kaviar sein
Fulda (dapd). Innerhalb von Minuten verlangsamen sich die Bewegungen des soeben ins Eiswasser gesetzten Störs. Der Kreislauf des über einen Meter langen Fischs fährt herunter, bis er halb betäubt ist. „Dann geht alles zügig“, sagt Mesfin Belay, Betriebsleiter der Fuldaer „Kaviarmanufaktur Desietra“, eine der wenigen reinen Störzuchten Europas. „Der Kaviar dieses Störweibchens ist in 20 Minuten eingedost.“ Ein Mitarbeiter holt den Fisch mit beiden Händen aus dem Eisbassin, legt ihn auf den Arbeitstisch und schlägt mit dem Knüppel zu. Von dem Messer, das durch die Kiemen fährt und der anschließenden Entnahme der Fischeier spürt der Stör nichts mehr. Vor Weihnachten und Silvester erntet der Betrieb in Fulda täglich zwei Zentner Kaviar, übers Jahr kommen 7,5 Tonnen zusammen. Für ein 25-Gramm-Döschen der Fischeier zahlen Verbraucher im gut sortierten Supermarkt 20 Euro, für die Sorte Beluga im Fachgeschäft auch über 150 Euro. „Wir halten zu 90 Prozent die Arten Sibirischer und Russischer Stör“, erläutert Mitinhaber Jörg-Michael Zamek. Vom Beluga sind es wegen der geringeren Nachfrage entsprechend weniger.“ Einen weiteren Hinderungsgrund nennt Agrarwissenschaftler Belay: „Ein 15 Jahre alter Beluga wird auch bei uns sechs Meter lang. Das bringt besondere Anforderungen.“ Experte nennt Störproduktion umweltverträglich Kaviarherstellung benötige lange Vorlaufzeiten, sagt Andreas Müller-Belecke vom Potsdamer Institut für Binnenfischerei. „Als reine Störzucht hat die Fuldaer Firma eine Ausnahmestellung in Deutschland.“ Pestizideinsatz wie bei der Lachsproduktion sei beim Stör unmöglich, erläutert der Experte. „Das geht bei diesem Flussfisch nur mit Tiefbrunnenwasser, das aus Kostengründen umgewälzt und gereinigt wird.“ Die dabei eingesetzten Mikroorganismen würden durch Pestizide absterben. „Anständige Störproduktion ist vernünftig“, sagt Müller-Belecke, „und schützt die Wildbestände“. Die 34 Fischbecken in Fulda sind mit 7.000 Tonnen Brunnenwasser gefüllt, sieben Prozent davon werden täglich erneuert. Zur Zucht der Störe hält die Betreiberfirma einige männliche Fische, deren Samen mit weiblichem Rogen vermischt wird. Die geschlüpften Minizappler wachsen zu Fingerlingen heran und werden nach fünf bis sechs Monaten knapp einen halben Meter lang abtransportiert und in Freiluftbecken in Mecklenburg-Vorpommern oder auch Ungarn gesetzt. Denn die teure Indoor-Mast lohnt sich für den Züchter erst, wenn allein die eiertragenden Weibchen heranwachsen. Geschlechtsbestimmung erst nach zweieinhalb Jahren Den nur als Filet und Räucherware vermarktbaren Stör von der profitableren Störin zu unterscheiden, gelingt selbst Fachleuten nur mithilfe von Ultraschalluntersuchungen, wenn die Fische etwa zweieinhalb Jahre alt sind. Nach der Selektion siedeln die Weibchen aus der Desietra-Produktion wieder nach Fulda um, wo sie in Gesellschaft von rund 10.000 Artgenossen bei einer Diät aus Fischmehl, -öl und Getreide noch mal vier bis sechs – als Beluga sogar über zehn – Jahre lang wachsen. Wiegt eine sibirische Störfrau rund zwölf Kilo, ist ihr Leben vorbei. Ihre Eierstöcke bergen dann über 1.000 Gramm Kaviar. In Deutschland muss ein Stör zur Eierentnahme sterben, weil Tierschutzgesetze die Ernte per Kaiserschnitt verbieten. Das Abheilen ist zu komplikationsreich. Nach dem tödlichen Kiemenschnitt bluten die Fische in Fulda zehn Minuten aus. Dann schlitzt ein Mitarbeiter mit dem Messer den Störbauch auf und holt vorsichtig die prall mit schwärzlichem Kaviar behafteten Eierstöcke heraus, die in einer Schüssel sofort in einen Nebenraum weitergereicht werden. Dort wird das Gewebe durch ein Sieb gestrichen, das allein die zwei bis drei Millimeter großen kostbaren Körnchen passieren lässt. Traumjob am Ende der Herstellungskette Am Ende der nur Minuten dauernden Produktionskette arbeitet in Fulda Anna Nickel. Sie füllt den Kaviar in Dosen, die Desietra für einen Kilopreis von rund 650 Euro an den Großhandel abgibt – im Fall von Belugaware für 2.000 Euro. Für Kaviarliebhaber dürfte die russischstämmige Anna Nickel den Traumjob überhaupt haben. Denn sie salzt die Eierchen gemäß Rezeptur vorm Abfüllen behutsam ein, jede einzelne Charge von rund 80 täglich geschlachteten Stören. „Natürlich muss ich jedes Mal kosten“, sagt die 57-Jährige mit ihrem Löffel in der Hand – „so oft wie nötig“. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
Hotels und Gaststätten profitieren von Weihnachtsmärkten
Dortmund (dapd). Weihnachtsmärkte wirken sich positiv auf die Umsätze von Gastronomie und Handel aus. Das habe eine Studie des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) ergeben, wie die in Dortmund erscheinenden „Ruhr Nachrichten“ berichten. Mehr als jeder fünfte Beherbungsbetrieb sowie jede sechste Gaststätte bezeichnete sich in einer Umfrage als Nutznießer von Weihnachtsmärkten im Umkreis. Die Umfrage beruht auf den Antworten von etwa 6.300 Betrieben der Branche. Demnach beteiligen sich 48 Prozent der Hotels und rund 40 Prozent der Gaststätten in Deutschland selbst an Vorbereitung und Betrieb von Weihnachtsmärkten. Die Nachfrage nach Weihnachtsmarktreisen gehe in der Wintersaison 2012/13 allerdings eher zurück. „Die Weihnachtszeit ist auch für viele Gastronomen die wichtigste Zeit des Jahres“, sagte DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben der Zeitung. „Bei mehr als jedem dritten Betrieb macht das Weihnachtsgeschäft bis zu einem Viertel des Jahresumsatzes aus – vereinzelt liegt der Wert sogar bei 50 Prozent.“ dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
Ex-Verfassungsrichter Grimm warnt vor NPD-Verbotsantrag
Passau (dapd). Der frühere Richter am Bundesverfassungsgericht, Dieter Grimm, warnt vor einem neuen NPD-Verbotsverfahren. „Ich kann Sie in Ihrem Zögern, einem NPD-Verbotsverfahren näher zu treten, nur nachdrücklich bestärken“, heißt es in einem Schreiben Grimms an Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU), das der „Passauer Neuen Presse“ vorliegt. Entscheidend sei, „ob man der NPD den Willen nachweisen kann, die verfassungsrechtliche Grundordnung zu beseitigen, also nicht nur Rassenhass, Ausländerfeindlichkeit etc.“ Noch mehr müsse man fürchten, dass ein mögliches Verbot in Karlsruhe in Straßburg als Verstoß gegen die Europäische Menschenrechtskonvention angesehen würde. „Das Straßburger Gericht fragt nicht nur nach der Absicht, die verfassungsmäßige Ordnung zu beseitigen, sondern auch nach der Erfolgswahrscheinlichkeit.“ Der Bundesrat hatte in der vergangenen Woche beschlossen, erneut einen Antrag beim Bundesverfassungsgericht für ein NPD-Verbot zu stellen. Ob Bundesregierung und Bundestag ebenfalls Verbotsanträge stellen wollen, ist noch unklar. dapd (Politik/Politik)
Westerwelle will EU-Verhandlungen mit der Türkei voranbringen
Saarbrücken (dapd). Außenminister Guido Westerwelle (FDP) fordert eine neue Initiative, um die stockenden EU-Beitrittsverhandlungen mit der Türkei wieder in Gang zu bringen. „Wir Europäer sollten das erste Halbjahr 2013 nutzen und mit den Verhandlungen über weitere Kapitel beginnen“, sagte Westerwelle der „Saarbrücker Zeitung“. „Sonst kann es uns leicht passieren, dass wir bald mehr Interesse an der Türkei haben, als die Türkei an uns.“ Die Türkei habe im letzten Jahrzehnt eine „atemberaubende Erfolgsgeschichte“ geschrieben. Durch die aktuelle Entwicklung in der Region habe sich zudem gezeigt, dass das Land eine Brücke in die islamisch geprägte Nachbarschaft Europas bilden könne. Zwar fordere die Türkei selbst keinen schnellen EU-Beitritt, sagte Westerwelle. „Was sie aber zu Recht fordert, ist Fairness, Zuverlässigkeit und Respekt bei den Verhandlungen.“ dapd (Politik/Politik)
Trauer um Struck: Kondolenzbücher ausgelegt
Berlin (dapd). Der frühere Verteidigungsminister Peter Struck wird Anfang kommenden Jahres in seiner Heimatstadt Uelzen beigesetzt und bekommt auf seinen letzten Weg ein militärisches Ehrengeleit. Das verlautete am Donnerstag aus Sicherheitskreisen in Berlin. Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) würdigte den am Mittwoch überraschend gestorbenen SPD-Politiker erneut als wichtige Stütze der Bundeswehr in einer schwierigen Zeit. „Peter Struck war ein knorriger Typ. Er hat die Soldaten gemocht und die Soldaten haben ihn gemocht“, sagte de Maizière am Rande eines Truppenbesuchs im Kosovo. Zugleich bezeichnete der Verteidigungsminister seinen Amtsvorgänger der Jahre 2002 bis 2005 als authentisch und charakterstark. Die Bundeswehr plant daher eine militärische Begleitung der Beisetzung des früheren Verteidigungsministers. In der Regel wird dazu ein sogenanntes großes Ehrengeleit gestellt, zu dem auch eine Totenwache von Generalen und Admiralen gehört. Hinzu kommt ein von Soldaten gestellter Trauerzug mit militärischen Sargträgern. Ein Staatsakt ist nicht geplant, sondern eine öffentliche Trauerfeier und eine anschließende Beisetzung im Familienkreis. Derweil legte die SPD in Berlin ein Kondolenzbuch in der Parteizentrale aus. Damit soll den Menschen die Möglichkeit gegeben werden, sich von dem „großen Sozialdemokraten“ zu verabschieden, wie die Bundespartei mitteilte. Auch Strucks niedersächsische Heimatstadt Uelzen legte ein Kondolenzbuch im Rathaus aus. „Uns ist wichtig, den Menschen eine Möglichkeit zu geben, ihr Mitgefühl zu zeigen“, sagte Bürgermeister Otto Lukat (SPD). Struck war am Mittwoch im Alter von 69 Jahren nach einem Herzinfarkt in einer Berliner Klinik gestorben. Er war 48 Jahre lang SPD-Mitglied, gehörte 29 Jahre dem Bundestag an und war von 2002 bis 2005 Bundesminister der Verteidigung. dapd (Politik/Politik)
Menschenrechtsbeauftragter kritisiert Umgang Athens mit Flüchtlingen
Berlin (dapd). Der Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Markus Löning (FDP), zeigt sich erschüttert über die von Amnesty International angeprangerte Behandlung von Flüchtlingen in Griechenland. Die Menschenrechtsorganisation zeichne ein „verstörendes Bild“ der Lage von Asylsuchenden und Migranten in dem EU-Land, erklärte Löning am Donnerstag in Berlin. „Ich bin bestürzt über das menschliche Leid, das sich in dem Bericht offenbart.“ Amnesty wirft Griechenland in dem am Mittwoch veröffentlichten Bericht eine unmenschliche Behandlung von Flüchtlingen vor. Ohne Zweifel trage Griechenland eine Hauptlast bei den ankommenden Flüchtlingen, erklärte Löning. „Die EU, aber auch Deutschland und andere Mitgliedsländer stellen deswegen seit langem finanzielle und logistische Hilfe zur Verfügung, da der würdige Umgang mit Menschen, die bei uns Schutz suchen, eine gemeinsame europäische Aufgabe ist.“ Der Bericht zeige aber, dass in Griechenland noch erhebliche weitere Anstrengungen nötig seien. Der „Süddeutschen Zeitung“ (Freitagausgabe) sagte Löning: „Wenn Griechenland das Problem selbst nicht in den Griff bekommt, muss überlegt werden, ob internationale Organisationen wie das UN-Flüchtlingshilfswerk eingeschaltet werden.“ dapd (Politik/Politik)
De Maizière kündigt Reduzierung der KFOR-Truppe an
Pristina/Erfurt (dapd). Deutschland wird seine Truppen im Kosovo in den kommenden Tagen deutlich reduzieren. Das kündigte Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) am Donnerstag beim Besuch deutscher Soldaten in dem Balkanland an. Bis Ende des Jahres sollen die meisten Soldaten des knapp 500 Mann starken Einsatzbataillons wieder nach Hause kommen. Deutschland stellt mit 1.250 Mann das größte Kontingent der knapp 5.600 KFOR-Soldaten aus 30 Ländern. Er gehe davon aus, dass ein Großteil der Reservekräfte „noch vor Silvester Kosovo wieder verlassen können“, sagte de Maizière. Die Truppenverstärkung war wegen der Spannungen zwischen Serben und Kosovaren in das Land verlegt worden. Gegenwärtig sei die Lage wieder „stabil, aber auf einer fragilen, leicht zerbrechlichen Basis“. Begleitet wurde der Verteidigungsminister vom Wehrbeauftragten des Bundestages, Hellmut Königshaus (FDP), und Thüringens Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht (CDU). De Maizière sagte, wenige Tage vor Weihnachten wollte er in Gesprächen nicht nur die Lage im Nordkosovo erörtern, sondern den Soldaten die Unterstützung der Bundesregierung versichern. Die Schutztruppe ist seit mehr als 13 Jahren im Einsatz. Bei seinem Besuch in Pristina bescheinigte de Maizière Serbien und dem Kosovo Fortschritte bei der Lösung der seit Jahren schwelenden Kosovokrise. Im Norden des mehrheitlich albanisch geprägten Kosovo leben etwa 40.000 Serben. In den Konflikt sei „Bewegung“ gekommen, sagte der Minister. Allerdings rechne er damit, dass es noch längere Zeit bis zu einer Lösung brauchen werde. Denn der Konflikt sei „militärisch nicht zu lösen“. Die Beziehungen zu Serbien gelten als schwierig. Serbien betrachtet den Kosovo, der sich 2008 für unabhängig erklärte, weiterhin als seine autonome Provinz. Im mehrheitlich von ethnischen Serben bewohnten Norden des Kosovos kommt es regelmäßig zu Ausschreitungen. Immer wieder müssen KFOR-Soldaten an Grenzübergangsstellen für Ruhe sorgen. Ausdrücklich lobte de Maizière die Reaktion der KFOR-Truppe bei der Räumung von Straßensperren im Norden des Landes an der Grenze zu Serbien. „Mit einer klugen Mischung aus Deeskalation und Härte hat die KFOR alle Blockaden abgeräumt, bis auf die in Mitrovica. Man erreicht viele Ziele intelligent besser als mit der Brechstange“, unterstrich der Minister. In Pristina stand zunächst ein Treffen mit dem Kommandeur der Kosovo-Force (KFOR), Generalmajor Volker Halbauer, auf dem Besuchsprogramm. Anschließend reisten de Maizière und Lieberknecht in den Norden nach Mitrovica. Die Barriere auf der Brücke über den Ibar-Fluss teilt den serbischen vom kosovarischen Teil der Stadt. Die KFOR will die als politisches Symbol geltende Sperre nicht räumen lassen, da sie eine Destabilisierung der Lage befürchtet. Lieberknecht sagte, sie wolle mit dem Truppenbesuch wie de Maizière ihre Verbundenheit mit den Soldaten zeigen und ausdrücken, dass die Thüringer hinter ihren Bundeswehrangehörigen stünden: „Am Heiligabend hat Thüringen seine Soldaten im Auslandseinsatz besonders im Herzen.“ Zugleich solle der Besuch ein Zeichen der Solidarität mit den Angehörigen sein, die das Weihnachtsfest ohne sie verbringen müssten. dapd (Politik/Politik)
Neuer Gesamtplan im Kampf gegen Ärztemangel vereinbart
Berlin (dapd). Im Kampf gegen den Ärztemangel haben Medizinerverbände und Krankenkassen einen neuen Gesamtplan aufgestellt, um Ärzte und Psychotherapeuten gerade auf dem Land besser zu verteilen. Der Gemeinsame Bundesausschuss verabschiedete dazu am Donnerstag in Berlin eine neue Richtlinie. Die Versorgung der Patienten nahe ihres Wohnorts werde damit weiter verbessert, sagte Regina Feldmann, Vorstand der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV). Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) ist das oberste Beschlussgremium der gemeinsamen Selbstverwaltung der Ärzte, Zahnärzte, Psychotherapeuten, Krankenhäuser und Krankenkassen in Deutschland. Er bestimmt in Form von Richtlinien den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) für mehr als 70 Millionen Versicherte. Feldmann betonte, Ziel sei ein gleichmäßiger Zugang aller Versicherten zur ambulanten medizinischen Versorgung, vor allem auf dem Land. Neu ist unter anderem, dass alle Arztgruppen einer Planung unterliegen. Außerdem werden sogenannte Mitversorgereffekte berücksichtigt – beispielsweise, welche Rolle die Stadt bei der Versorgung des eher ländlich geprägten Umlands spielt. Die Größe der Planungsbereiche richtet sich künftig nach dem Tätigkeitsspektrum: Hausärzte versorgen grundsätzlich eine kleinere Region, Fachärzte wie Radiologen eine größere. Hintergrund der Richtlinie ist, dass das Versorgungsstrukturgesetz, das seit Januar 2012 gilt, der Selbstverwaltung den Auftrag erteilt, Defizite der bisherigen Regelung zu beheben, zum Beispiel die starren und teilweise zu großen Planungsbereiche. Feldmann sagte: „Diesen Auftrag haben wir fristgerecht und im vollen Umfang erfüllt. Die gemeinsame Selbstverwaltung hat hier gute Arbeit geleistet.“ Jetzt wird die Richtlinie dem Bundesgesundheitsministerium zur Prüfung vorgelegt und danach auf der Landesebene von Kassenärztlichen Vereinigungen und den jeweiligen Gremien ausgestaltet. Dafür haben die regionalen Gremien Zeit bis Ende Juni 2013. Bis dahin gilt die alte Bedarfsplanung weiter. Im Versorgungsstrukturgesetz sind neue Anreize für Mediziner festgeschrieben worden, sich in unterversorgten Regionen neu niederzulassen oder Praxen zu übernehmen. So können etwa Ärzte, die aufs Land ziehen, mehr verdienen als ihre Kollegen in Städten. Auch der Vize-Vorstandsvorsitzende des GKV-Spitzenverbands, Johann-Magnus von Stackelberg, begrüßte die Einigung. „Jetzt ist es wichtig, dass der Hausarzt innerhalb der Ärzteschaft aufgewertet wird. Gerade angehende Mediziner müssen davon überzeugt werden, sich für den Hausarztberuf zu entscheiden.“ Bei den Psychotherapeuten werde es darauf ankommen, zusammen mit der Ärzteschaft eine bessere Verteilung zwischen Stadt und Land zu organisieren. Als „Mogelpackung“ für psychisch Kranke kritisierten Psychotherapeuten allerdings die neue Bedarfsplanungsrichtlinie. Der Spitzenverband der Krankenkassen und die Kassenärztliche Bundesvereinigung hielten ihre Zusagen nicht ein, die Versorgung zu verbessern, kritisierte der Präsident der Bundespsychotherapeutenkammer, Rainer Richter. Krankenkassen und Kassenärzte hätten im Oktober beschlossen, zusätzliche Psychotherapeuten zuzulassen und dafür rund 100 Millionen Euro bereitzustellen, erklärte Richter. Doch statt zusätzliche Praxen zu schaffen, könne ab 2013 die Zahl der Psychotherapeuten in Deutschland um mehr als 6.000 sinken. Schuld an dieser Entwicklung sei die Tatsache, dass der Ausschuss mit Zahlen von 1999 rechne. dapd (Politik/Politik)