Zerbst (dapd-lsa). Mehr als 40 riesige Hangars stehen scheinbar nutzlos in der Landschaft. Bauern haben einige davon als Lager gemietet. Die Zeit, als auf dem Flugplatz Zerbst in Landkreis Anhalt-Bitterfeld Düsenjets der Sowjet-Armee starteten und landeten, ist seit über 20 Jahren vorbei. „Bis zu 10.000 Soldaten und Offiziere sollen in der einstigen Militärstadt stationiert gewesen sein“, sagt der Vorstand der Getec Green Energy AG, Chris Döhring. Zwischen den herbstlich gefärbten Bäumen sind die alten Kasernengebäude noch zu sehen. Von der alten Landebahn dagegen erkennt der Besucher kaum noch etwas. Im vergangenen Jahr wurden dort rund 194.000 Solarmodule aufgestellt. Auf etwa einem Drittel der 360 Hektar, die früher der Flugplatz einnahm, gewinnt moderne Technik seit dem Sommer 2011 Strom aus Sonnenenergie. „Die Jahreskapazität reicht aus, um mehr als 14.300 Haushalte mit Strom zu versorgen“, sagt Projektingenieur Ralf Schmidt. Ganz bewusst habe Getec mit dem Hersteller Q-Cells aus Sachsen-Anhalt kooperiert und wolle diese Zusammenarbeit auch bei weiteren Vorhaben aufrechterhalten. Die Qualität der Module, der Service vor der Haustür und die Stärkung der heimischen Wirtschaft hätten eine Rolle gespielt, ergänzt Döhring. Millionen für die Forschung Der Stärkung von Forschung und Entwicklung in der Solarindustrie zwischen Altmark und Burgenland sei sehr wichtig, schätzt die Investitions- und Marketinggesellschaft (IMG) Sachsen-Anhalt. Aus der Krise der Branche sollen neue Chancen entstehen. Dem Fraunhofer-Center für Silizium-Photovoltaik CSP kommt dabei eine besondere Rolle zu. Es wurde 2007 vom Fraunhofer-Institut für Werkstoffmechanik sowie dem Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme für die anwendungsorientierte Forschung gegründet. Bis 2013 sind für den Ausbau des Zentrums insgesamt 60 Millionen Euro vorgesehen. Der Standort Schkopau beherbergt das Modultechnologiezentrum, in Halle entsteht gegenwärtig ein Technikum für Kristallisation und Wafering, also die Herstellung von Siliziumscheiben. Das alte Militärgelände in Zerbst soll sich noch weiter wandeln. Getec Green Energy hat das Gelände gekauft und entwickelt es nach eigenen Angaben zum Bio-Energiepark weiter. 2013 soll die Bioraffinerie fertig gestellt sein, die Gas ins öffentliche Netz einspeist. Später sollen Windräder als Stromlieferanten folgen. Mit einem Teil der erzeugten Energie könnten auch Gewächshäuser beheizt werden, zeigt sich Schmidt optimistisch. Vom begehbaren Dach eines der Hangars aus zeigt er auf die immense Fläche, die dafür zur Verfügung steht. Aus Kasernen sollen Grünflächen werden Grüne Energie nimmt das Unternehmen wörtlich und will die Konversionsfläche im Laufe der Zeit teilweise der Natur zurückgeben. Döhring spricht davon, dass aus den bebauten Arealen beispielsweise Ausgleichsflächen für neu entstehende Autobahnen werden könnten. Alles sei langfristig ausgelegt. Wo noch Kasernen oder alte Hallen stehen, ließen sich die Flächen in Streuobstwiesen oder waldähnliche Gebiete verwandeln. Bereits jetzt weidet ein Schäfer auf dem alten Flughafengelände seine Herde. Außerdem gibt es neben den Solarflächen zwei zusammenhängende Biotope von 6,5 und 15 Hektar Größe, die unangetastet bleiben. Moderne Photovoltaikanlagen finden sich in Sachsen-Anhalt unter anderem auf Industriebrachen oder alten Mülldeponien. Sonnenenergie trägt im Bundesland nach IMG-Angaben mit etwa vier Prozent zur Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien bei. Nach Angaben des Landesverwaltungsamtes in Halle gab es Ende 2011 bereits 95 Solarparks in Sachsen-Anhalt. Die Zahl steige weiter, sagt eine Sprecherin. ( www.getec-greenenergy.de ) dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
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Schavan sagt Indien-Reise ab
Berlin (dapd). Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) hat eine für Anfang November geplante Reise nach Indien abgesagt. Ein Sprecher bestätigte der „Bild“-Zeitung: Die für den 2./3. November geplante „deutsch-indische Bildungskonferenz“ solle im Frühjahr 2013 im Rahmen der Regierungskonsultationen nachgeholt werden. Als Begründung für die Absage wurden „organisatorische Probleme“ angeführt. Die Bildungsministerin war letzte Woche durch ein vorab veröffentlichtes Gutachten der Uni Düsseldorf unter Druck geraten. Ein Gutachter hatte ihr vorgeworfen, Teile ihrer Doktorarbeit abgeschrieben zu haben. Schavan bestreitet die Vorwürfe. dapd (Politik/Politik)
Keitel: Umweltfreundliche Technologie kann Exportschlager werden
Essen (dapd). Der Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Hans-Peter Keitel, sieht die Energiewende auch als große Chance für den Export umweltfreundlicher Technologien aus Deutschland an. „Im Jahre 2011 haben deutsche Unternehmen mit umwelt- und klimaschonenden Technologien ein Marktvolumen von fast 300 Milliarden Euro erreicht. Das entspricht für Made in Germany einem Anteil von knapp 16 Prozent am weltweiten Markt“, sagte Keitel den Zeitungen der Essener WAZ-Gruppe (Dienstagausgaben). Experten prognostizierten für das Jahr 2025 ein globales Marktvolumen von 4,4 Billionen Euro für diese Technologien. „Das bietet große Exportchancen für die deutsche Industrie plus Wachstum und Arbeitsplätze.“ dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
Merkel verlangt mehr Anerkennung für Soldaten
Strausberg (dapd). Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) wirbt für mehr Anerkennung des Soldatenberufs. „Sie geben vieles, manche alles für das Land“, sagte Merkel am Montag auf der Bundeswehrtagung in Strausberg bei Berlin. Die Belastungen für die Soldaten seien sehr hoch, sie nähmen eine lange Abwesenheit von zu Hause in Kauf und seien Gefahren für Leib und Leben ausgesetzt. „Unsere Soldatinnen und Soldaten haben für ihren Dienst Anerkennung verdient“, betonte die Kanzlerin. Merkel wertete die Neuausrichtung der Bundeswehr als Vorbild für die Bereitschaft zu notwendigen Reformen. Die Angehörigen der Bundeswehr zeigten Mut zu Veränderungen und sendeten damit ein „starkes Signal für das ganze Land“ nie nachzulassen, wenn neue Weg gegangen werden müssen. Die Neuausrichtung müsse umgesetzt werden „mit Herz und Verstand“ sowie „kameradschaftlicher Zuwendung“, appellierte Merkel an die Führungskräfte der Bundeswehr. Die Reform der Bundeswehr ging mit dem Aus für die Wehrpflicht einher. Die Truppenstärke soll von vormals 250.000 auf maximal 185.000 Soldaten sinken, darunter 170.000 Zeit- und Berufssoldaten. Die restlichen 15.000 Planstellen sollen durch Freiwillige besetzt werden. „Die Neuausrichtung nimmt jetzt Tempo auf“, sagte Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) zur Eröffnung der Tagung in Strausberg. „Die Herausforderungen für die Bundeswehr werden nicht weniger“, machte Merkel deutlich. Es gebe gewaltsame Umbrüche in ganzen Regionen mit der Gefahr des Übergreifens auf andere Regionen. Auch neuartige Bedrohungen wie der Cyber War würden offenkundiger. Bundeswehr bald im Mali präsent? Einen Fokus lenkte die Kanzlerin auf das westafrikanische Land Mali, wo nach einem Militärputsch im März radikale Islamisten das Machtvakuum genutzt und den Norden des Landes unter ihre Kontrolle gebracht haben. Merkel sagte, es sei nicht zu akzeptieren, dass Mali zum Rückzugsgebiet für den internationalen Terrorismus werde. Die Streitkräfte des Landes bräuchten Hilfe von außen. Denkbar wären eine europäische Ausbildungsmission sowie materielle und logistische Hilfen. Deutschland sei bereit, sich daran zu beteiligen, wenn die Voraussetzungen geklärt seien. Merkel bekräftigte zugleich die Abzugsperspektive für die Bundeswehr aus Afghanistan. Noch immer lauerten hier große Gefahren, kritische Fragen zu Ziel und Zweck des Einsatzes hier seien „vollkommen verständlich“. Es gehe um die Stabilisierung eines schwer geprüften Landes. Zugleich gebe es aber ermutigende Fortschritte. Der Einsatz dort stehe vor der Zäsur, nämlich die Sicherheitsverantwortung in afghanische Hände zu geben. Bis Ende 2014 solle die Übergabe umgesetzt sein. Aber auch danach blieben Soldaten für Beratung, Training und Unterstützung der afghanischen Streitkräfte präsent. Die Stabilisierung des Landes erforderten einen langen Atem, betonte Merkel. Die Führungskräfte der Bundeswehr beraten noch bis Dienstag über die Umsetzung der Bundeswehrreform. In Strausberg war früher das DDR-Verteidigungsministerium beheimatet, heute hat hier die Bundeswehrakademie für Kommunikation und seit einigen Tagen auch das Kommando Heer seinen Sitz. Der Gegensatz – früher eine Armee in der Diktatur, heute ein prägender Standort der Armee in der Demokratie – könne kaum größer sein, hob der Verteidigungsminister hervor. dapd (Politik/Politik)
SPD wirft der Koalition einen Wahlkampfhaushalt vor
Berlin (dapd). Die SPD wirft der Bundesregierung vor, für das kommende Jahr einen „Wahlkampfhaushalt“ vorzubereiten. Um der „brüchigen Koalition“ einen „Scheinfrieden“ zu bescheren, plane Schwarz-Gelb unverantwortliche Ausgabenprogramme etwa für die Absenkung des Rentenbeitrags oder das Betreuungsgeld, kritisierte SPD-Chef Sigmar Gabriel am Montag in Berlin. Dies könne dazu führen, dass Deutschland den neuen EU-Fiskalpakt bereits 2014, also im ersten Jahr seines Bestehens, brechen müsse. Die Koalition bereite damit für den Fall ihres Fortbestehens einen „Wahlbetrug“ und zugleich eine „massive Hypothek für eine neue Regierung“ vor. Schwarz-Gelb wolle „Gelder verfrühstücken, die wir zum Schuldenabbau brauchen“, warnte Gabriel. Die Folge wären „massive Einschnitte in das soziale Netz“. dapd (Politik/Politik)
IG Metall verlangt altersgerechte Arbeitsplätze
Frankfurt/Berlin (dapd). In der Diskussion über die Rente mit 67 hat die IG Metall die Forderung nach altersgerechten Arbeitsplätzen und flexiblen Ausstiegsmöglichkeiten aus dem Arbeitsleben erhoben. „Wenn es keine altersgerechten Arbeitsplätze gibt, ist die Rente mit 67 nichts weiter als ein Rentenkürzungsprogramm“, sagte Vorsitzender Berthold Huber, am Montag in Frankfurt. Gebe es diese Arbeitsplätze nicht, so müsse die Rente mit 67 von der Politik ausgesetzt werden. Seine Gewerkschaft sehe im Vorschlag des SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel einen Schritt in die richtige Richtung für einen demografischen Interessenausgleich. Gabriel hatte sich für eine Belohnung für Arbeitgeber ausgesprochen, die altersgerechte Arbeitsplätze schaffen. dapd (Politik/Politik)
Lindner nennt die SPD eine Gefahr für Deutschland
Osnabrück (dapd). Nordrhein-Westfalens FDP-Chef Christian Lindner hat mit Blick auf mögliche Koalitionspartner nach der Bundestagswahl 2013 die SPD scharf attackiert. In einem Interview mit der „Neuen Osnabrücker Zeitung“ warf Lindner der SPD vor, sich unter dem Parteivorsitzenden Sigmar Gabriel nach links bewegt zu haben.
SPD-Spitze legt Konzept vor gegen steigende Energiepreise
Berlin (dapd). Mit einer Reihe von Sofortmaßnahmen will die SPD-Spitze gegen die steigenden Energiepreise vorgehen. So solle der Staat etwa die Mehrwertsteuer auf Strom erstatten, zitiert die „Bild“-Zeitung (Montagausgabe) aus einem internen Programmpapier des Parteivorsitzenden Sigmar Gabriel. Dies könne durch einen Grundfreibetrag von 500 Kilowattstunden (Kwh) je Haushalt geschehen. Gerade untere und mittlere Einkommensschichten würden dadurch entlastet, schreibt Gabriel der Zeitung zufolge. Die Kosten für den Bundeshaushalt beliefen sich auf rund 400 Millionen Euro. Da der Staat über die Mehrwertsteuer von steigenden Energiepreisen profitiere, sei dies finanzierbar. Ferner schlägt Gabriel dem Bericht zufolge vor, das Bafög für Studenten an die Strompreissteigerung ebenso anzupassen wie die Grundsicherung für Arbeitssuchende und das Wohngeld. Zudem fordert Gabriel eine grundsätzliche Neuausrichtung der Energiepolitik, da die erneuerbaren Energien nunmehr marktbeherrschend würden. dapd (Politik/Politik)
Spahn: Gabriels Äußerungen zur Rente mit 67 verantwortungslos
Hamburg (dapd). Die Kritik an Überlegungen von SPD-Chef Sigmar Gabriel zu einem Abrücken von der Rente mit 67 dauert an. Der gesundheitspolitische Sprecher der Unionsfraktion, Jens Spahn (CDU), sagte auf NDR Info, Gabriels Argumentation sei „verantwortungslos, populistisch und auch sachlich falsch“. Der Anteil der über 60-jährigen Arbeitnehmer habe sich in den vergangenen zehn Jahren verdoppelt. „Die Chancen für Ältere auf dem Arbeitsmarkt sind gerade in den letzten Jahren gestiegen“, betonte Spahn. Gabriel hatte zuvor gesagt, man könne die Lebensarbeitszeit nicht heraufsetzen, solange Unternehmen ältere Arbeitnehmer aus dem Betrieb drängten. Dies sei „am Ende nichts anderes als eine flächendeckende Rentenkürzung“. Spahn sagte nun: „Die Unternehmen suchen händeringend Fachkräfte. Sie schauen viel stärker als noch vor zehn Jahren, wie sie ihre älteren Angestellten im Betrieb halten können.“ Einen Bonus für Firmen an, die ältere Menschen beschäftigen, halte er daher für überflüssig. dapd (Politik/Politik)
FDP lehnt zentrale Projekte der Union ab
Berlin (dapd). Der FDP-Vorsitzende und Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler lehnt zentrale Projekte der Union wie das Betreuungsgeld oder eine Großelternzeit als zu teuer ab. „Das Modell der Union für ein Betreuungsgeld kostet viel Geld, ist nicht gegenfinanziert und eine Bildungskomponente fehlt völlig. Daran muss gearbeitet werden, wenn es überhaupt kommen soll“, sagte Rösler der „Bild am Sonntag“. Zur Begründung verwies Rösler auf die angespannte Haushaltslage: „Wir erwarten nur wenig Wachstum im nächsten Jahr, mehr gibt die weltweite Entwicklung nicht her. Gerade deshalb kommt es darauf an, alles für die Stärkung unserer Wirtschaft und für die Arbeitsplätze zu tun. Das heißt: solide Haushalte.“ Der FDP-Chef warnte die Union vor teuren Projekten: Schädlich seien solche nicht finanzierten Vorschläge wie eine Großelternzeit oder die beitragsfinanzierte Zuschussrente. dapd (Politik/Politik)
