München (dapd). Der Münchner Flughafen wird auch in diesem Jahr einen Passagierrekord aufstellen. Nach dem Bürgerentscheid gegen den Bau der dritten Startbahn befürchtet Flughafenchef Michael Kerkloh jedoch, dass der Airport in Zukunft nicht mehr unbegrenzt wachsen könne. München werde „die Nachfrage nach zusätzlichen Flügen in den kommenden Jahren nur noch sehr eingeschränkt erfüllen können“, sagte Kerkloh der Nachrichtenagentur dapd. Der 59-Jährige hofft weiter, dass die Startbahn doch noch gebaut werden darf. Die bevorstehende gerichtliche Überprüfung des Planfeststellungsbeschlusses spielt dabei auch eine Rolle, wie der Flughafenchef sagte. „Wenn das Gericht unsere Baugenehmigung bestätigt, kann der Ausbau innerhalb der folgenden 15 Jahre vollzogen werden.“ Dann läge eine Genehmigung vor, „die nach entsprechender Weichenstellung durch unsere Gesellschafter jederzeit sofort aktiviert werden kann“, sagte der Vorsitzende der Geschäftsführung. Nach 38 Millionen Passagieren im Jahr 2011 konnte München auch im abgelaufenen Jahr die Zahl weiter steigern und einen Passagierrekord erzielen, wie Kerkloh sagte. Auch das Ergebnis habe sich positiv entwickelt. Genaue Zahlen werde er aber erst Anfang 2013 bekanntgeben. Im neuen Jahr erwartet der Flughafen-Chef erneut ein Plus. „Allerdings stellen wir gegenwärtig auch die bremsenden Effekte der konjunkturellen Eintrübung fest und rechnen deshalb allenfalls mit geringfügigen Zuwächsen“, sagte Kerkloh. Wegen der steigenden Passagierzahlen fordert Kerkloh eine „bessere Vernetzung“ mit dem Schienenverkehr. „Von München aus würde es sicher keine Flüge nach Stuttgart oder Nürnberg geben, wenn wir eine leistungsfähige Fernbahnanbindung hätten“, sagte der Vorsitzende der Geschäftsführung. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
Wirtschaft
DIW-Chef Wagner wirbt für Steuererhöhungen
Berlin (dapd). Der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Gert Wagner, wirbt für höhere Steuern. Wagner sagte der Nachrichtenagentur dapd: „Ich persönlich halte es für sinnvoll, dass die hohe Staatsverschuldung nicht durch Ausgabenkürzungen, sondern durch Steuererhöhungen zurückgefahren wird.“ Mehr Steuereinnahmen seien auch notwendig, um in das Bildungswesen und in die Infrastruktur zu investieren. Wagner fügte hinzu: „Denn in zehn Jahren wird das angesichts der Alterung der Bevölkerung, wodurch höhere Sozial- und Gesundheitsleistungen notwendig werden, sehr schwer werden.“ Er kritisierte, die Bundesregierung spare „zu viel“. Die Inflationsgefahr hält der DIW-Chef derzeit für gering. Er betonte: „Inflation kann entstehen, wenn die Reallöhne viel stärker als die Produktivität steigen. So weit sind wir aber noch lange nicht – nicht in Deutschland und erst recht nicht im Euroraum.“ Wagner fügte hinzu: „Auch die Rettungsprogramme der Europäischen Zentralbank schlagen sich bisher nicht in den Preisen nieder – und die EZB hat hinreichende Instrumente zur Verfügung, um eine Teuerung im Zaum zu halten.“ Im Übrigen müsse „man auch nicht sofort in Panik verfallen, wenn die Inflation mal über die Zwei-Prozent-Marke klettert“. Wagner betonte: „Inflationsraten von drei Prozent können auch in Deutschland schon mal vorkommen und sollten uns nicht beunruhigen.“ dapd (Politik/Wirtschaft)
Siemens-Chef weist Schuldzuweisungen wegen ICE-Auslieferungen zurück
Frankfurt/Main (dapd). Siemens-Vorstandschef Peter Löscher wehrt sich gegen Vorwürfe, wegen Lieferproblemen bei neuen ICE-Zügen für Engpässe im Winterfahrplan der Deutschen Bahn mit verantwortlich zu sein. „Wir lassen niemanden im Stich! Unseren Kunden Deutsche Bahn nicht und auch nicht deren Fahrgäste“, sagte Löscher der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. 100 Service-Techniker von Siemens stünden jetzt im Winter „jederzeit bereit, um Probleme der ICE-Flotte jederzeit beheben zu können“. Den Ärger der Bahn über die Lieferverzögerungen könne er verstehen, sagte Löscher. Als Hauptgrund nannte er die komplizierten Zulassungsverfahren für Züge in Deutschland. Bei Autos und Flugzeugen gälten einfachere Verfahren. „Hier liegt eine entscheidende Ursache für Unsicherheiten und Verzögerungen“, sagte er. Siemens hatte Ende November mitgeteilt, dass sich die für Anfang Dezember geplante Auslieferung von acht ICE-Zügen vom Typ Velaro an die Bahn um mindestens zwei Monate verzögere. Als Grund nannte der Konzern Softwareprobleme. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
Psychostress Hauptursache für Frühverrentung
Berlin (dapd). Psychische Erkrankungen treiben in Deutschland immer mehr Arbeitnehmer in die Frührente. Vier von zehn Beschäftigten, die vorzeitig aus dem Erwerbsleben ausscheiden, sind psychisch krank, wie nach einem Bericht der „Welt am Sonntag“ aus noch nicht veröffentlichten Statistiken der Deutschen Rentenversicherung (DRV) hervorgeht. Der DGB macht für die Entwicklung eine stetig zunehmende Belastung am Arbeitsplatz verantwortlich. Arbeitgeberverbände wiesen die Statistik dagegen als irreführend zurück. Es gebe nicht mehr psychische Erkrankungen als früher, lediglich mehr Diagnosen. Im Jahr 2011 machten rund 41 Prozent der Arbeitnehmer, die eine Erwerbsminderungsrente beantragten, Depressionen, Angstzustände oder andere psychische Erkrankungen geltend, wie die Zeitung unter Berufung auf die DRV-Daten schreibt. Im Jahr 2000 hatte dieser Anteil bei 24 Prozent gelegen; bis 2010 war er auf 39 Prozent gestiegen. Psychische Erkrankungen sind überdies laut der Statistik der Rentenversicherung der häufigste Grund für ein unfreiwilliges vorzeitiges Ausscheiden aus dem Beruf, vor Herz-Kreislauf- oder Krebserkrankungen. Gegenüber 2008 sei die Zahl der Arbeitnehmer, die wegen psychischer Erkrankungen in Rente gingen, von 57.400 auf 73.200 gestiegen. Dies entspreche einem Zuwachs von 28 Prozent. Arbeitgeber zweifeln an Richtigkeit der Diagnosen Gewerkschafter reagieren alarmiert. „Die psychischen Belastungen durch Hetze und Stress am Arbeitsplatz sind inzwischen so hoch, dass sie die Gesundheit und die Leistungsfähigkeit der Beschäftigten gefährden“, sagte DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach der Zeitung. Die Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände räumte zwar ein, „dass die Zahl der Fehltage und Frühverrentungen wegen psychischer Erkrankungen in den letzten Jahren deutlich gestiegen ist“. Das zeige jedoch allein, dass es mehr Diagnosen psychischer Erkrankungen gibt, nicht aber, dass deren Verbreitung tatsächlich gewachsen ist, heißt es in einer Erklärung vom Sonntag. Überdies müsse die wachsende Zahl psychisch bedingter Erkrankungen kritisch hinterfragt werden, erklärte der Verband. Nach wissenschaftlichen Studien bestehe hinsichtlich der Objektivität und Effizienz der Diagnosen Verbesserungsbedarf. Arbeitsministerin Ursula von der Leyen (CDU) kündigte derweil an, stärker gegen Psychostress vorgehen. Sie wolle „Hand in Hand mit Arbeitgebern, Gewerkschaften und Unfallkassen erarbeiten, welche Programme und Konzepte und konkreten Regeln Belegschaften wirksam vor psychischen Belastungen schützen können“, sagte sie der „Welt am Sonntag“. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
Weidmann will Euro-Krise nicht abhaken
Berlin (dapd). Mahnende Worte von Deutschlands oberstem Währungshüter: Europa sei in puncto Schuldenkrise noch längst nicht über den Berg, glaubt Bundesbankpräsident Jens Weidmann. Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hatte sich nach Weihnachten noch deutlich optimistischer geäußert, als er sagte, er glaube, „wir haben das Schlimmste hinter uns“. Unterstützung erhält Weidmann von EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen. Er warnte die EU-Staaten am Wochenende davor, ihre Hände zu früh in den Schoß zu legen. Weidmann sagte der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung (FAS)“, die Euro-Krise dürfe nicht voreilig abgehakt werden. „Die Ursachen sind noch lange nicht beseitigt“, sagte er. Dass sich jetzt allenthalben Krisenmüdigkeit ausbreite, werde zur Gefahr, „wenn die Politik mit der Krise nichts mehr zu tun haben will und erwartet, dass die Notenbank die Kastanien aus dem Feuer holt“. Der Bundesbankpräsident bestritt, dass die Ankündigung der Europäischen Zentralbank (EZB), notfalls unbegrenzt Staatsanleihen zu kaufen, eine positive Wende für den Euro gebracht habe. Sein Dissens mit EZB-Chef Mario Draghi gelte weiter. „Ich befürchte stabilitätspolitische Risiken und die Gefahr einer Vermischung von Geld- und Fiskalpolitik.“ Die Notenbank könne lediglich Risiken zwischen den Euroländern umverteilen, was eine Art Versicherung sei. „Aber die Versicherung macht das System noch nicht stabiler.“ „Konstruktionsfehler der Währungsunion noch nicht beseitigt“ Asmussen räumte zwar ein, dass die Euro-Staaten besser dastünden als vor einem Jahr. „Die Probleme sind aber nicht überwunden. Die Anpassungsprozesse, die Beseitigung der Struktur- und Wettbewerbsprobleme werden noch Jahre dauern“, sagte er den „Stuttgarter Nachrichten“ (Montagausgabe). „Die Konstruktionsfehler der Währungsunion sind noch nicht beseitigt.“ Er sei insgesamt vorsichtig optimistisch. „Aber der Reformeifer in der Eurozone darf nicht nachlassen“, sagte Asmussen. Kritik an der Sparpolitik in der europäischen Schuldenkrise übte SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück. 90 Prozent dessen, was der Europäische Rat beschlossen habe, ziele auf die Konsolidierung von Staatshaushalten, sagte Steinbrück der „FAS“. Einige Länder müssten dieses und nächstes Jahr fünf Prozent ihres Bruttoinlandsprodukts einsparen. Die Sparpolitik sei zu hart und führe in die Depression. „Manche Gesellschaften gehen in die Knie. Mit der Konsolidierung ist es wie mit manchen Medikamenten. Die eine Dosis kann Leben retten, die andere ist tödlich“, sagte er. Ein Aus des Euro wäre nach Ansicht des Chefs des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI), Thomas Straubhaar, viel kostspieliger als „das jetzige Durchwursteln“ zum Erhalt der Währung. „Andererseits warne ich vor Weltuntergangsszenarien. Kein Land in Europa verschwindet von der Weltkarte, wenn der Euro zerbricht“, sagte Straubhaar dem „Hamburger Abendblatt“ (Wochenendausgabe). Allerdings müssten sich die Euro-Länder dann neu organisieren. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
Die Deutschen zieht es zwischen den Jahren in die Ferne
Hamburg (dapd). Reiseboom zwischen den Jahren: Urlaub in der Zeit von Weihnachten bis Neujahr sei „so angesagt wie nie zuvor“, sagte der Geschäftsführer des Reisekonzerns TUI, Oliver Dörschuck, dem Nachrichtenmagazin „Spiegel“. Gerade Fernreisen würden immer beliebter. TUI habe noch nie „so viele Urlauber über Weihnachten nach Thailand, in die Karibik oder die Vereinigten Arabischen Emirate gebracht wie jetzt gerade“. Den Spitzenplatz unter den Urlaubszielen der Deutschen zwischen den Jahren halten demnach die Kanarischen Inseln, gefolgt von Österreich, Thailand, Ägypten und der Dominikanischen Republik. Für die anschwellende Reiselust gebe es „so viele Gründe, wie es Urlaubsmotive gibt“, sagte Dörschuck. „Durchaus eine große Rolle“ spiele für viele, dass sie dem Feiertagsstress zu Hause entfliehen wollten. Es gebe auch eine „allgemein gute Konsumlaune“ zwischen den Jahren. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
Bitteres Jahr für die Autobranche in Europa
Hamburg (dapd). 2012 war ein schlechtes Jahr für die Autobranche – aber nur in Europa. Weltweit steuert die Branche mit einem Plus von vier Prozent auf 68 Millionen Neuwagen zu. Der deutsche Branchenverband VDA erwartet bis 2020 sogar einen Weltmarkt von 90 Millionen Stück. Deutsche Hersteller eröffneten oder planten 2012 rund um den Globus neue Fabriken: Audi in Mexiko, Daimler in den USA, VW in Mexiko, Russland und China, BMW in Brasilien. Ganz anders sieht es in Europa aus: Die Autonachfrage sank inzwischen 14 Monate in Folge. Von Januar bis November wurden mit elf Millionen Stück rund acht Prozent weniger Fahrzeuge abgesetzt, wie der europäische Branchenverband ACEA erklärte. Das sind drei Millionen weniger als in normalen Jahren. Der deutsche Verband VDA rechnet mit bis zu vier Jahren, ehe der westeuropäische Automarkt sich wieder erholt. Angesichts der Misere begann eine Welle von Werksschließungen: Ford kündigte das Ende von drei Fabriken in Großbritannien und Belgien an, PSA Peugeot Citroën will ein Werk bei Paris dichtmachen. Opel schließt die Fabrik in Bochum. Damit ist es aber nicht vorbei: Der ACEA hält es für „sehr wahrscheinlich, dass es in den nächsten Monaten weitere solcher Ankündigungen geben wird“. Die Schuldenkrise in den Südländern: Wer arbeitslos ist oder um seinen Job zittert, kauft keinen Neuwagen. Besonders schlimm ist der Einbruch deshalb in Italien, Portugal, Frankreich und Spanien. Fehlendes Vertrauen: Auch in Ländern mit besserer Wirtschaftslage wie etwa Deutschland plagen die Kunden Zukunftssorgen. Außerdem sind die Unternehmen nach der Erfahrung des rasanten Absturzes von 2009 vorsichtiger mit Bestellungen von Firmenwagen. Nachwirkungen der Abwrackprämien: In der vorigen Krise 2009 und 2010 retteten viele EU-Regierungen die Autoindustrie mit Abwrackprämien. Es kamen Millionen zusätzliche Neuwagen auf den Markt. Wer sich damals vor der Zeit von seinem Gebrauchtwagen trennte, fällt heute als Käufer aus. Am schlimmsten trifft die Euro-Autokrise Hersteller, die auf Europa beschränkt sind: Fiat, Opel, die Schwestermarken Peugeot und Citroën sowie die europäische Tochter von Ford. Sie exportieren kaum in Länder außerhalb Europas und leiden dadurch doppelt: In Europa fehlen ihnen die Umsätze. Gleichzeitig laufen ihre Fabriken nicht rund, was die Verluste noch erhöht. Nach einer Daumenregel verdient eine Autofabrik erst Geld, wenn sie zu mehr als 80 Prozent ausgelastet ist. Solche und noch höhere Auslastungsgrade erreichen dagegen Daimler, BMW, Audi und VW: Sie fertigen in Europa auch für den boomenden Export: In China, den USA, Russland und dem Nahen Osten sind deutsche Oberklasseautos begehrt. Die Marke VW etwa steuert auf ein weiteres Rekordjahr zu: VW lieferte von Januar bis November 2012 weltweit 5,22 Millionen Fahrzeuge aus, ein Wachstum von 11,2 Prozent. „Für das Gesamtjahr erwarten wir einen neuen Auslieferungsrekord“, erklärte Vertriebsvorstand Christian Klingler. Besonders gut war der VW-Absatz in Russland, China und den USA, während die Verkäufe in Westeuropa um rund sechs Prozent zurückgingen. Auch Daimler und BMW steuern Verkaufsrekorde an. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
2,6 Millionen Deutsche planen für 2013 einen Jobwechsel
Berlin (dapd). Etwa jeder dritte Arbeitnehmer in Deutschland kann sich 2013 einen Jobwechsel vorstellen. Wie eine aktuelle Umfrage zeigt, sind 35 Prozent der Deutschen bereit, im kommenden Jahr den Arbeitgeber zu wechseln. Die Ergebnisse der repräsentativen Umfrage, die das Forschungsinstitut Forsa im Dezember im Auftrag des sozialen Netzwerks Xing durchgeführt hat, liegen der „Welt am Sonntag“ vor. Sieben Prozent der abhängig Beschäftigten planen demnach für 2013 sogar schon konkret einen Arbeitgeberwechsel. Bei zuletzt insgesamt 36,8 Millionen abhängig Beschäftigten in Deutschland entspricht dieser Anteil rund 2,6 Millionen Menschen. Dabei bezeichnen sich insgesamt immerhin 82 Prozent der Befragten als generell „sehr zufrieden“ oder zumindest „eher zufrieden“ mit dem aktuellen Arbeitgeber. Besonders gut schneiden hier kleine und mittelständische Firmen ab. Fast drei von fünf der Wechselwilligen (59 Prozent) nennen als Motiv für ihre Jobsuche eine unbefriedigende Entlohnung. Aber auch der Büroalltag scheint sehr entscheidend für die Treue zum Arbeitgeber zu sein: Jeweils fast die Hälfte der befragten Wechselwilligen fühlt sich durch das Verhalten der Vorgesetzten (48 Prozent) oder eine schlechte Arbeitsatmosphäre (46 Prozent) gestört. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
Bundesbank-Chef Weidmann will Eurokrise nicht voreilig abhaken
Frankfurt/Main (dapd). Bundesbankpräsident Jens Weidmann warnt davor, die Eurokrise voreilig abzuhaken. „Die Ursachen sind noch lange nicht beseitigt“, sagte er der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Dass sich jetzt allenthalben Krisenmüdigkeit ausbreite, werde zur Gefahr, „wenn die Politik mit der Krise nichts mehr zu tun haben will und erwartet, dass die Notenbank die Kastanien aus dem Feuer holt“. Weidmann bestritt, dass die Ankündigung der Europäischen Zentralbank (EZB), notfalls unbegrenzt Staatsanleihen zu kaufen, eine positive Wende für den Euro gebracht habe. Sein Dissens mit EZB-Chef Mario Draghi gelte weiter. „Ich befürchte stabilitätspolitische Risiken und die Gefahr einer Vermischung von Geld- und Fiskalpolitik.“ Die Notenbank könne lediglich Risiken zwischen den Euroländern umverteilen, was eine Art Versicherung sei. „Aber die Versicherung macht das System noch nicht stabiler.“ Weidmann wies darauf hin, dass die Sparer in Deutschland schon jetzt durch die Politik der EZB zur Eurorettung belastet würden, weil die Zinsen für Sparguthaben niedriger seien als die Inflationsrate. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
Altkanzler Schröder will weiter für Nord Stream arbeiten
Berlin (dapd). Altkanzler Gerhard Schröder (SPD) will trotz der Fertigstellung der Ostseepipeline weiter für die Nord Stream AG arbeiten. In einem Interview mit „Bild am Sonntag“ sagte Schröder laut Vorabbericht zur Dauer seines Engagements für das Unternehmen, bei dem der russische Energieriese Gazprom die Aktienmehrheit hält: „So lange, wie das notwendig ist. Wir denken darüber nach, eine Leitung drei und vier zu bauen.“ Schröder wehrte sich gegen Kritik, mit seinem Engagement deutschen Interessen geschadet zu haben. „Ich habe ganz im Gegenteil deutschen Interessen sehr gedient. Denn eine sichere Energieversorgung ist im allerhöchsten Interesse dieses Landes, gerade wenn man eine Energiewende will“, sagte er. „Gas ist nun einmal die einzige saubere fossile Energiequelle.“ Der Altkanzler verteidigte den Import von russischem Erdgas nach Deutschland und verwies auf mangelnde Alternativen. „Deutschland ist auf Gaslieferungen angewiesen, wenn wir die Energiewende schaffen und die Klimapolitik nicht abschaffen wollen“, sagte er. „Gas bekommen wir nur von solchen Ländern, die über entsprechende Vorkommen verfügen. In erster Linie ist das Russland. Wem das nicht gefällt, kann sich an den Iran wenden.“ Die Abhängigkeit sei zudem gegenseitig. Rund 50 Prozent der russischen Steuereinnahmen stammten aus Rohstoffexporten wie Erdgas. Darauf könne das Land nicht verzichten. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
