Berlin/Frankfurt (dapd-bln). Der Sanierer Hartmut Mehdorn verlässt überraschend die angeschlagene Fluggesellschaft Air Berlin. Der ehemalige Deutsche-Bahn-Chef macht mit sofortiger Wirkung Platz für den neuen Vorstandsvorsitzenden Wolfgang Prock-Schauer, wie das Unternehmen am Montag bekanntgab. Finanziell hat Air Berlin die existenzbedrohende Krise vorerst überwunden, eine langfristige Perspektive fehlt der zweitgrößten deutschen Fluglinie aber nach wie vor. Mehdorn war als Übergangschef angetreten, dennoch kommt seine Ablösung früher als erwartet. Der 70 Jahre alte Mehdorn, bekannt für seine ebenso zupackende wie undiplomatische Art, hatte im September 2011 den Chefposten bei Air Berlin übernommen. Frisch zurück aus dem Ruhestand wartete eine Herkulesaufgabe auf ihn: Der Expansionskurs des ehemaligen Eigentümers und langjährigen Konzernchefs Joachim Hunold war an Grenzen gestoßen. Viele Zukäufe gingen an die finanzielle Substanz, während der Wettbewerb härter und die Rahmenbedingungen für Fluglinien immer schlechter wurden. Mehdorn legte in den 16 Monaten bei Air Berlin zwei Einsparprogramme auf, mit denen er auch den Unmut der Beschäftigten auf sich zog. Der Manager straffte das Streckennetz und schmiedete Allianzen. Großaktionär Etihad verschaffte Air Berlin Spielraum Der Einstieg des Konkurrenten Etihad, eines Staatsunternehmens aus dem Emirat Abu Dhabi, veränderte die Bedingungen für Air Berlin grundlegend. Das Geld der Araber verschaffte Mehdorn Luft für den Sanierungskurs. Allerdings besitzt Etihad nun knapp 30 Prozent der Anteile und hat bei den strategischen Entscheidungen ein gehöriges Wort mitzureden. Mehdorns Unterstützung bei den Arabern soll zuletzt deutlich gelitten haben. Der wohl größte Coup des Sanierers war der Verkauf von 70 Prozent der Anteile am Vielfliegerprogramm „Topbonus“ an Etihad, was 184,4 Millionen Geld in der Kasse brachte und im Gesamtjahr 2012 wohl erstmals wieder für schwarze Zahlen sorgen wird. Analysten rechnen aber damit, dass Air Berlin nicht vor 2014 allein mit der Fliegerei Gewinn machen wird. Branchenkenner vermissen eine neue Strategie für Air Berlin, zu deren Entwicklung Mehdorn wegen der Sanierung noch nicht gekommen sei. „Er hat das Unternehmen in der Krise der europäischen Luftfahrt auf einen neuen Weg gebracht, marktgerechter positioniert und entscheidende Weichen für die Zukunft gestellt“, sagte Verwaltungsratschef Hans-Joachim Körber über den scheidenden Manager. Mehdorn solle im Verwaltungsrat des Konzerns bleiben. Der neue Vorstandschef Prock-Schauer kam im Oktober zu Air Berlin und war bisher für Strategie und Planung verantwortlich. Der Österreicher verfügt über viel internationale Erfahrung, die er bei Austrian Airlines, der indischen Fluglinie Jet und zuletzt bei der ehemaligen Lufthansa-Tochter British Midland sammelte. Körber lobte ihn als anerkannten Airline-Experten „mit umfassender internationaler Führungserfahrung“. Auf Prock-Schauer wartet die große Herausforderung, Air Berlin langfristig wieder fit zu machen. Konkurrenz machen vor allem Billigflieger, außerdem belasten hohe Spritpreise, neue Steuern und Abgaben das Ergebnis. Schmerzhaft ist für Air Berlin auch, dass sich die Eröffnung des Berliner Hauptstadtflughafens immer weiter verzögert. In der Planung der Fluggesellschaft nimmt der Airport eine zentrale Rolle ein. Dass der Stabwechsel bei Air Berlin mit dem Bekanntwerden weiterer Verzögerungen bei der Flughafen-Eröffnung zusammenfällt, dürfte dagegen Zufall sein. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
Wirtschaft
Umsatz von Rossmann nach Schlecker-Pleite kräftig gestiegen
Burgwedel (dapd). Die Drogeriekette Rossmann hat nach der Pleite des Konkurrenten Schlecker ein kräftiges Umsatzwachstum eingefahren. Mit 5,96 Milliarden Euro setzte das Familienunternehmen aus Hannover im abgelaufenen Jahr 16,1 Prozent mehr um als 2011. Der Konzern übertraf damit die eigene Prognose von 5,6 Milliarden Euro Umsatz deutlich. Für 2013 erwartet der Handelskonzern nach Angaben vom Montag einen Umsatzanstieg um mindestens 13 Prozent auf 6,7 Milliarden Euro. Dazu sollen 170 Millionen Euro investiert und 120 neue Filialen eröffnet werden. Rossmann betreibt in sechs Ländern 2.776 Drogeriemärkte und beschäftigt rund 38.000 Mitarbeiter, davon 26.000 in Deutschland. Allein in Deutschland entstanden im vergangenen Jahr nach Firmenangaben 3.500 neue Stellen. 2.000 neue Mitarbeiter kamen von Schlecker. Rossmann hatte mehr als 100 Filialen der Schlecker-Tochter Ihr Platz übernommen. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
Bayer erhält Bau- und Betriebsgenehmigung für neue TDI-Großanlage
Leverkusen (dapd). Der Bayer-Konzern hat die Bau- und Betriebsgenehmigung für eine Großanlage zur Herstellung des Kunststoff-Vorprodukts TDI in Dormagen erhalten. Die Hightech-Anlage soll eine Jahreskapazität von 300.000 Tonnen haben und gegenüber konventionellen Anlagen gleicher Kapazität bis zu 60 Prozent Energie einsparen, wie der Konzern am Montag mitteilte. Außerdem würden bis zu 80 Prozent weniger Lösungsmittel benötigt. TDI wird als Vorprodukt für die Herstellung von Polyurethan-Weichschäumen benötigt, aus denen beispielsweise hochwertige Schaumstoffe für Matratzen, Stühle und Autositze hergestellt werden. Mit der Inbetriebnahme der Anlage rechnet der Konzern Mitte 2014. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
Audi erzielt Verkaufsrekord in China
Ingolstadt (dapd). Die Volkswagen-Tochter Audi hat im vergangenen Jahr eine neue Bestmarke auf ihrem größten Absatzmarkt China erreicht. Erstmals verkaufte der Premiumhersteller in China und Hongkong mehr als 400.000 Autos. Die Auslieferungen stiegen 2012 auf Jahressicht um 29,6 Prozent auf 405.838 Fahrzeuge, wie Audi am Montag in Ingolstadt mitteilte. „Mit diesem Rekordergebnis bauen wir unseren Abstand zu den Premium-Wettbewerbern und unsere Marktführerschaft in China deutlich aus“, sagte Vertriebsvorstand Luca de Meo. Der Zuwachs fiel allerdings nicht so hoch aus wie ein Jahr zuvor. 2011 war der Audi-Absatz in China im Jahresvergleich um 37 Prozent auf mehr als 313.000 Auto gewachsen. Der Absatz der im chinesischen Werk Changchun hergestellten Audi-Modelle stieg im vergangenen Jahr um gut 28 Prozent auf 322.700, erklärte Audi. Der Absatz der importierten Autos legte um 36,2 Prozent auf 83.138 zu. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
Weitere Verzögerung beim Wiederanfahren der Volkswerft Stralsund
Stralsund (dapd). Auf der insolventen und weitgehend stillgelegten Volkswerft Stralsund herrscht auch eine Woche nach dem Jahreswechsel weiter Betriebspause. Der ursprünglich für 2. Januar geplante und dann auf 7. Januar verlegte Start zum Weiterbau von zwei Ro-Ro-Frachtern verzögert sich weiter, weil der Vertrag vom dänischen Kunden DFDS noch nicht unterschrieben wurde, wie ein Sprecher von Insolvenzverwalter Berthold Brinkmann am Montag auf dapd-Anfrage sagte. „Wir gehen davon aus, dass die Unterschrift unter den bereits im Dezember ausgehandelten Vertrag in den nächsten Tagen geleistet wird, so dass die Arbeiten am 14. Januar aufgenommen werden können“, fügte der Sprecher hinzu. Inzwischen bereitet ein Expertenteam die Wiederaufnahme des Werftbetriebs vor. DFDS hatte vergangene Woche bestätigt, dass mit dem Insolvenzverwalter über die Fertigstellung der jeweils 195 Meter langen Schiffe verhandelt worden sei. Der angebotene Kaufpreis soll sich auf 84 Millionen Euro belaufen. Ende Dezember hatte das Land Mecklenburg-Vorpommern einen für die Baufinanzierung erforderlichen Massekredit über 43,5 Millionen Euro bewilligt. Die beiden Frachter, die im Dezember 2013 und im Januar 2014 ausgeliefert werden sollen, sind auch für deutsche und dänische Militärtransporte vorgesehen. Ihre Fertigstellung würde etwa 300 Mitarbeitern der inzwischen gegründeten Betreibergesellschaft „Stralsunder Schiffbaugesellschaft“ ein Jahr lang Beschäftigung sichern. Experten gehen davon aus, dass mit dem Wiederanfahren des Werftbetriebs die Chancen für den Verkauf der Volkswerft steigen. Der Zuschlag der ebenfalls zum früheren P+S Werften-Verbund gehörenden Peene-Werft in Wolgast war bereits im Dezember an die Bremer Lürssen-Werft gegangen, die zum 1. Mai den Reparatur- und Neubaubereich am Peenestrom übernimmt. Unterdessen wächst offenbar auch das internationale Interesse am Kauf von zwei ebenfalls noch nicht fertiggestellten Ostseefähren. Nach Vertragskündigung durch die Reederei Scandlines gebe es inzwischen mehrere Absichtserklärungen zur Übernahme, sagte der Sprecher des Insolvenzverwalters. Die Kaufangebote für die deutlich zu schwer ausgefallenen Neubauten bewegten sich im zwei-, teilweise sogar im dreistelligen Millionenbereich. Über entsprechende Offerten wolle Brinkmann am 17. Januar in Stralsund Gläubigerversammlung und -ausschuss informieren. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
Regierung wusste offenbar erst seit Wochenende von Terminproblemen
Berlin (dapd). Die Bundesregierung hat erst am Wochenende Kenntnis von den neuen Entwicklungen beim künftigen Hauptstadtflughafen in Schönefeld erhalten. Das sagte ein Sprecher von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) am Montag in Berlin. Ein entsprechendes Schreiben der Flughafenbetreiber trage das Datum 4. Januar und sei am Wochenende gelesen worden. Über genaue Inhalte des Schreibens wollte der Sprecher keine Angaben machen. Auch das Finanzministerium bestätigte, am Wochenende informiert worden zu sein. Beide Ministerien erklärten, dass mögliche Zusatzkosten durch die Verschiebung noch nicht beziffert werden könnten. Nach Angaben des Sprechers hätte das Flughafenmanagement bei einem Ortstermin am Flughafen Mitte Dezember Probleme bei der Brandschutzanlage eingeräumt, die weitere Tests erforderten. Sollten diese erfolgreich verlaufen, werde der angepeilte Eröffnungstermin 2013 aber zu halten sei, hieß es damals den Angaben zufolge. Die Lage um den Flughafen sei ernst, sagte der Sprecher. Deshalb habe Ramsauer im Dezember auch deutliche Worte gefunden, wonach ein Steuermann das Ruder fest in der Hand halten müsse, wenn die See stürmisch ist. „Jetzt muss man über den neuen Kenntnisstand in Ruhe sprechen, aber die Worte des Ministers werden sicherlich nicht zurückzunehmen sein“, betonte er und stellte klar, dass sich die Äußerung des Ministers auf Flughafenchef Rainer Schwarz bezogen habe. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
Der Sanierer geht von Bord
Berlin/Frankfurt (dapd). Hartmut Mehdorn polarisiert. „Diplomat wollte ich nie werden“, heißt ein 2007 erschienenes Buch des Managers, der seit Montag nicht mehr Vorstandschef von Air Berlin ist. Als Feuerwehrmann war der mittlerweile 70-jährige ehemalige Bahnchef im September 2011 aus dem Ruhestand zur zweitgrößten deutschen Fluglinie geholt worden. Dort brannte es im übertragenen Sinne an allen Ecken: Die Konkurrenz von Billigfliegern und Premiumairlines schnürte von zwei Seiten die Luft ab, Millionenverluste bedrohten die Existenz. Bereits zuvor galt Mehdorn als erfolgreicher Sanierer, bei Air Berlin machte er seinem Ruf alle Ehre und fackelte nicht lange. Ein knallharter Sparkurs soll die Fluglinie wieder profitabel machen. Air Berlin gehört seit Ende 2011 teilweise zu Etihad, einem finanzstarken Staatsunternehmen aus Abu Dhabi, das angetreten ist, das internationale Fluggeschäft aufzumischen. Der Finanzspritze der Araber ist es zu verdanken, dass es Air Berlin überhaupt noch gibt. Außerdem fädelte Mehdorn den Beitritt zum Luftfahrtbündnis Oneworld ein. Ende vergangenen Jahres verkaufte der Manager einen 70-prozentigen Anteil des Vielfliegerprogramms „Topbonus“ an den Partner Etihad. Das schwächt die Substanz der Fluglinie zwar weiter, spült aber auch 184,4 Millionen Euro in die Kasse. Mehdorn sagte, Air Berlin werde im Gesamtjahr 2012 wieder Gewinn machen, nannte aber keine Details. Das Hauptziel des Sanierers Mehdorn wäre damit erreicht. Zuletzt lief geschäftlich allerdings auch einiges gegen ihn. Der neue Hauptstadtflughafen wird nicht fertig, was Mehdorn einen Strich durch den Plan machte, einen effizienten Flugplan anzubieten. Konkurrent Lufthansa setzte trotzdem seine Expansionspläne in Berlin um und macht Air Berlin das Leben schwer. Diese leidet mit ihrem hohen Inlandsfluganteil, gemessen am Gesamtumsatz, schwer unter der Luftverkehrsabgabe. Berühmt, aber auch berüchtigt wurde Mehdorn zwischen 1999 und 2009, als er dem letzten großen Staatsunternehmen der Bundesrepublik, der Deutschen Bahn, vorstand. Dorthin hatte ihn der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) geholt, mit dessen Zustimmung Mehdorn das Unternehmen als Global Player in die Gewinnzone führte. Treffen der beiden wurden gerne so beschrieben, dass Mehdorn mit einer Flasche Wein unterm Arm im Kanzleramt klingelte und sich bei Vier-Augen-Abendessen die Zustimmung zu Projekten holte. Dass bei dem schließlich gescheiterten Vorhaben des Börsengangs einige Grundsätze der Nachhaltigkeit hinten angestellt wurden, zeigte sich erst später. Der Un-Diplomat packt an und ist stolz auf dieses Image. Auch Charisma kann man ihm nicht absprechen. Sein Hauptmerkmal, das ihn viele Sympathien besonders in der Politik gekostet hat, ist aber die Direktheit, mit der er Ziele benennt und durchzusetzen versucht. Mit der Datenschutz-Affäre, die ihn den Titel – er nannte es seinen neuen Vornamen – „Bahnchef“ kostete, kam der Vorwurf des Herrschens nach Gutsherrenart hinzu. Andererseits gibt es auch Mehdorn-Fans. Ein gutes Händchen bei der Auswahl seiner Vorstandskolleginnen und -kollegen bei der Bahn bewirkte, dass er Zigtausende Mitarbeiter wegrationalisieren konnte, ohne sie auf die Straße setzen zu müssen. Ein konzerninterner Arbeitsmarkt und Insourcing trugen dazu bei. Während seiner Vorstandszeit vertrieb er aber auch mehrere Kollegen aus Vorstand und Aufsichtsrat, darunter den heutigen Lufthansa-Chef Christoph Franz. Der Maschinenbauingenieur Mehdorn, am 31. Juli 1942 in Warschau geboren, aber in Berlin groß geworden, war das Bohren dicker Bretter gewohnt. Seine Stationen als Manager bei den Luftfahrtunternehmen VFW Fokker, MBB, Airbus der Deutschen Aerospace (DASA), der deutschen Vorgängerin der EADS, waren stets von einschneidenden Maßnahmen der Anpassung an die Globalisierung geprägt. Beim Versuch, Chef der DASA zu werden, überwarf er sich mit dem damaligen Daimler-Boss Jürgen Schrempp. Danach war erst einmal Schluss mit der Luftfahrt. Mehdorn wurde Vorstandsvorsitzender der Heidelberger Druckmaschinen AG (1995-1999). Nach seinem Rücktritt bei der Bahn nahm er zahlreiche Aufsichtsratsposten an, neben Air Berlin auch bei SAP und der russischen Eisenbahn. Mehdorn wurde mehrfach ausgezeichnet, darunter mit zwei Ehrendoktortiteln. Frankreichs früherer Präsident Jacques Chirac beförderte den Bundeswehr-Hauptmann der Reserve für seine Verdienste um die deutsch-französische Freundschaft zum Kommandeur der Ehrenlegion. Mehdorn ist seit 1973 mit einer Französin verheiratet und hat drei Kinder. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
Medien: Chinesischer Fonds will bei Daimler einsteigen
Peking (dapd). Der chinesische Staatsfonds CIC will einem Zeitungsbericht zufolge Anteile am deutschen Autohersteller Daimler erwerben. Die Zeitung „People’s Daily“ berichtete am Montag unter Berufung auf Gewährspersonen, die China Investment Corporation könnte womöglich vier bis zehn Prozent des Stuttgarter Konzerns übernehmen. Nähere Details nannte die Zeitung nicht. Daimler wollte zunächst keine Stellung dazu beziehen. Der 2007 gegründete Fonds CIC soll die Währungsreserven Chinas verwalten. Anfangs konzentrierten sich die Investitionen des Fonds vor allem auf kleinere Anteile an börsennotierten Unternehmen. Inzwischen ist der Fonds aber auch für größere Direktinvestitionen bekannt. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
Gewerkschaftsnahe Ökonomen dringen auf Ende des Sparens
Berlin (dapd). Die Krise im Euroraum kann nach Meinung gewerkschaftsnaher Wirtschaftsforscher nur durch eine Abkehr vom bisherigen Sparkurs in den angeschlagenen Ländern der Währungsunion überwunden werden. Die „überharten Sparprogramme“ in den Euro-Krisenländern würden die Schuldenstände mittlerweile eher erhöhen als reduzieren, erklärte das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung am Montag in Berlin. Das belegten aktuelle Studien und eigene Berechnungen des IMK. Striktes Sparen bremse den Wirtschaftsaufschwung demnach stärker als bisher gedacht. Ein Kurswechsel ist aus Sicht des Instituts daher überfällig. Um Wachstum und Beschäftigung in Europa nicht noch weiter zu beeinträchtigen, sollten die Sparmaßnahmen abgemildert und zeitlich gestreckt werden. „Dass die harten Einschnitte in den Krisenländern nicht von Erfolg gekrönt sind, liegt nicht etwa an der laschen Umsetzung, sondern ist die makroökonomisch zwingende Folge eines sich selbst konterkarierenden Austeritätskurses“, erklärte das IMK. Staaten mit finanziellem Spielraum sollten die Konjunktur mit einer passenden Steuer- und Lohnpolitik sowie Investitionen fördern. Das Institut bekräftigte seine im Dezember angehobene Wachstumsprognose für die deutsche Wirtschaft. Das IMK rechnet weiterhin für 2013 mit einem Plus von 0,8 Prozent. Das Wachstum werde gestützt vom privaten Konsum und vom Export nach Osteuropa, Asien und Amerika. Doch könne dies die Nachfrageschwäche im Euroraum auf Dauer nicht ausgleichen, erklärte das Institut. „Die deutsche Wirtschaft wird sich in diesem Jahr über Wasser halten können“, sagte der wissenschaftliche Direktor des IMK, Gustav Horn. „Doch die Rezession im Euroraum hängt ihr wie ein Gewicht an den Füßen.“ dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
Mehdorn gibt Chefposten bei Air Berlin ab
London/Berlin (dapd-bln). Die angeschlagene Fluggesellschaft Air Berlin bekommt einen neuen Chef: Wolfgang Prock-Schauer übernimmt die Konzernspitze mit sofortiger Wirkung vom bisherigen Vorstandsvorsitzenden Hartmut Mehdorn, wie Air Berlin am Montag mitteilte. Prock-Schauer war im Unternehmen seit Anfang Oktober 2012 für Strategie und Planung verantwortlich. Mehdorn soll aber im Verwaltungsrat des Konzerns bleiben, hieß es weiter. Der ehemalige Bahn-Chef hatte die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft seit Anfang September 2011 geführt und seither vor allem gespart und die Partnerschaft mit dem Großaktionär Etihad Airways vertieft. „Er hat das Unternehmen in der Krise der europäischen Luftfahrt auf einen neuen Weg gebracht, marktgerechter positioniert und entscheidende Weichen für die Zukunft gestellt“, sagte Verwaltungsratschef Hans-Joachim Körber. Mit Prock-Schauer übernehme ein „anerkannter Airline-Experte mit umfassender internationaler Führungserfahrung“ die Konzernleitung, sagte Körber. Der 56-jährige Manager hatte unter anderem die Geschäfte der indischen Fluglinie Jet Airways und des englischen Anbieters British Midland geführt. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
