Beim Businessplan-Wettbewerb startklar OWL 2026 ist Breakomers aus Bielefeld als Gesamtsieger ausgezeichnet worden. Die OstWestfalenLippe GmbH vergab mit ihren Partnern insgesamt 25.000 Euro an vier Gründungsteams aus Ostwestfalen-Lippe.
Elf Teams im Finale
Für startklar OWL 2026 präsentierten elf Teams ihre Konzepte vor der Jury. Insgesamt beteiligten sich 79 Gründungsteams an der Wettbewerbsrunde; 54 von ihnen reichten einen Businessplan ein. Nach Angaben der OstWestfalenLippe GmbH war dies die höchste Zahl eingereichter Businesspläne seit 2012.
Der Wettbewerb wird von der OstWestfalenLippe GmbH gemeinsam mit 27 Partnern durchgeführt. Dazu zählen IHKs, die Handwerkskammer, Wirtschaftsförderungen der Kreise sowie der Städte Bielefeld und Paderborn, Hochschulen und Gründungsinitiativen. Hauptsponsoren sind die Sparkassen in OWL.
Die Jury vergab den Gesamtsieg mit 10.000 Euro an Breakomers. Die drei Auszeichnungen in den Kategorien „Hightech und Forschung“, „Industrie, Handwerk und Dienstleistung“ sowie „Zukunft und Gesellschaft“ sind jeweils mit 5.000 Euro dotiert. Der Wettbewerb fand nach Angaben der OstWestfalenLippe GmbH zum neunten Mal statt.
Breakomers entwickelt Recyclingansatz für Polyurethan-Schaumstoffe
Breakomers entwickelt nach eigenen Angaben Polyurethan-Schaumstoffe mit eingebauten chemischen Sollbruchstellen. Die Materialien sollen sich am Ende ihrer Nutzung gezielt wieder in ihre Ausgangsbausteine zerlegen lassen. Das Bielefelder Team richtet den Ansatz auf Schaumstoffe etwa aus Matratzen und Polstern aus.
Zu den Gründern gehören Dr. Kubilay Ceyhan, Christian Fabek, Paulo Wohlfahrt und Wirtschaftsingenieur Willy Zubert. Statt herkömmlicher Monomere setzt das Team auf sogenannte Breakomers-Bausteine, die bereits bei der Herstellung eine chemische Bruchstelle enthalten. Für die Technologie wurde nach Angaben des Teams ein Patent angemeldet.
Das Geschäftsmodell sieht vor, bestehende Produktionsanlagen der Matratzen- und Polsterindustrie über ein Plug-and-Play-Prinzip mit wenigen Anpassungen weiter zu nutzen. Breakomers führt nach eigenen Angaben erste Gespräche mit Herstellern. Seit Ende 2025 erhält das Team rund 1,5 Millionen Euro aus dem EXIST-Forschungstransfer-Programm des Bundes.
Sensorik aus Paderborn für die Leckageerkennung
Die Kategorie „Hightech und Forschung“ gewann AutoAquaControl aus Paderborn. Das Team entwickelt ein energieautarkes Sensorsystem, das Wasserleckagen erkennen und Messwerte drahtlos an einen Empfänger übertragen soll.
Kern der Entwicklung ist ein patentierter Detektor, der bei Kontakt mit Wasser selbst Energie erzeugen soll. Batterie oder externer Stromanschluss sind dafür nach Angaben von AutoAquaControl nicht vorgesehen. Da die Elektronik bis zur Detektion spannungsfrei bleibe, sollen Alterungseffekte vermieden werden. Das System ist auf einen wartungsfreien Betrieb von mehr als 25 Jahren ausgelegt.
Die Technologie entstand an der Universität Paderborn am Lehrstuhl für Sensorik von Prof. Dr.-Ing. J. Christoph Scheytt. Dr. Angelika Endres-Fröhlich, Jan-Philipp Dupal und weitere Teammitglieder arbeiten seit Oktober 2025 im Rahmen eines EXIST-Forschungstransfer-Projekts an der Marktreife. Als Einsatzfelder nennt das Team Regen- und Trinkwasserleitungen sowie Heizungs- und Kühlkreisläufe.
Wildfleisch-Rückverfolgung und digitale Schutzkonzepte
In der Kategorie „Industrie, Handwerk und Dienstleistung“ wurde die Wild.AF GmbH & Co. KG aus Detmold ausgezeichnet. Die Brüder Paul und Theodor Sürmann gründeten das Unternehmen 2024. Wild.AF verbindet nach eigenen Angaben die Abholung bei Jägern und Forstämtern der Region mit der Verarbeitung im eigenen EU-zertifizierten Betrieb in Detmold.
Über einen QR-Code soll sich jedes Stück Wild mit dem WildTracker® bis zur Postleitzahl seiner Herkunft zurückverfolgen lassen. Das Unternehmen verarbeitet das Fleisch ohne Zwischenhändler. Die digitale Rückverfolgbarkeit ist dabei Teil des Geschäftsmodells für die Vermarktung von Wildfleisch.
Den Preis in der Kategorie „Zukunft und Gesellschaft“ erhielt die BarricadiX GmbH aus Paderborn. Die Gründer Dr. Paul Eichwald, Valentin Antipin und Manuel Granseuer entwickeln eine KI-gestützte Plattform für normbasierte Risikoberichte und Schutzkonzepte. Das System soll unter anderem Zufahrtsrisiken und Fahrzeugdynamik berechnen, mit Produktdaten abgleichen und Unterlagen für Genehmigungen oder Fördermittel erstellen.
BarricadiX richtet seine Lösung an Veranstaltungen, kritische Infrastrukturen und weitere sicherheitskritische Bereiche. Das Unternehmen war bereits im DefenseTech-Inkubator.NRW vertreten und erprobt die Software nach eigenen Angaben mit Partnern aus Verwaltung, kritischer Infrastruktur und Event-Sicherheit.
Teil des regionalen Gründungsnetzwerks
startklar OWL bündelt Akteure aus Wirtschaftsförderung, Hochschulen, Kammern und Gründungsinitiativen in Ostwestfalen-Lippe. Zu den Partnern gehören unter anderem die Universität Bielefeld, die Universität Paderborn, die Technische Hochschule OWL, die Hochschule Bielefeld, die Founders Foundation und it’s OWL.
Die OstWestfalenLippe GmbH verweist für die bisherigen Wettbewerbsrunden auf 688 teilnehmende Teams und 361 zur Bewertung eingereichte Businesspläne. Die aktuelle Runde verbindet vier unterschiedliche Gründungsvorhaben: Materialrecycling, Sensortechnik, digital unterstützte Lebensmittelvermarktung und Sicherheitsplanung.
Veranstaltungslink: startklar OWL
