Berlin (dapd). Europa kommt voran, aber nur langsam und unter großen Schmerzen. Am Dienstag besuchte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) erstmals Athen, während 7.000 Polizisten sie vor den Protesten auf der Straße schützen mussten. „Wir verlangen nicht mehr Geld“ sagte Premier Antonis Samaras. Gleichzeitig erzielten die EU-Finanzminister in Luxemburg einen ersten Durchbruch bei der Finanztransaktionssteuer. In Brüssel setzte sich der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi, für eine europaweite Bankenaufsicht ein. In Tokio bezeichnete der Internationale Währungsfonds (IWF) die Eurokrise als die „deutlichste Bedrohung der globalen Wirtschaftsaussichten“. Der im Sommer vieldiskutierte Rauswurf Griechenlands aus der Eurozone ist jedenfalls vom Tisch. „Ich wünsche mir, dass Griechenland in der Eurozone bleibt“, sagte Merkel. Der Satz ist deshalb bedeutsam, weil sie diejenige Politikerin ist, auf die es dabei in Europa ankommt. Man werde versuchen, die noch ausstehenden Probleme gemeinsam zu lösen. „Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass sich der schwierige Weg lohnt. Deutschland wird dabei ein guter Partner und Freund sein“, versprach Merkel. Das bedeutet die Bereitschaft, weiter zu helfen. Steine und Pfefferspray Nicht alle in Athen waren davon überzeugt: Mehrere Dutzend Randalierer lösten sich aus einer friedlichen Demonstration und warfen mit Steinen auf die Polizisten. Diese reagierten mit Pfefferspray und Blendgranaten. Samaras zeigte sich überzeugt, dass sein Land „eine neue Seite der finanziellen Zukunft“ aufgeschlagen habe. Angesichts der weiter schrumpfenden Wirtschaft des Landes, die die Steuerbasis ruiniert, bleibt aber nur die Möglichkeit, dem griechischen Staat eine Art von Atempause bei den Sparbemühungen einzuräumen. Dafür wird der Troika-Bericht in den kommenden Wochen wichtig. Die Eurozone steht aber auch vor der seit Jahren diskutierten Einführung einer Finanztransaktionssteuer, die Frankreich bereits beschlossen hat. In Luxemburg kamen dafür 11 Stimmen der Euro-Finanzminister zusammen, 9 waren notwendig. EU-Steuerkommissar Algirdas Semeta sagte, zuletzt hätten Estland, Spanien, Italien und die Slowakei mündlich zugesagt, die Abgabe einführen zu wollen. Die britische Regierung sowie Schweden, die Niederlande und Luxemburg sind weiter dagegen. Draghi und Schäuble auf Kollisionskurs EZB-Chef Draghi erklärte in Brüssel zur Bankenaufsicht: „Es ist sehr wichtig, dass die entsprechende Verordnung der Regierungen wie geplant am 1. Januar 2013 in Kraft tritt.“ Das ermögliche es der Zentralbank, schnell mit den Vorbereitungen für eine solche Aufsicht zu beginnen. Doch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble bremste. die Pläne seien unausgereift, sagte er in Luxemburg. Die Auswirkungen der europäischen Krise sind mittlerweile global: Wegen der Eurokrise dämpfte der IWF seine Wachstumsprognosen für Deutschland und die Welt im kommenden Jahr. Der IWF rechnet jetzt nur noch mit einem deutschen Wachstum von 0,9 Prozent, nachdem er im Juli noch 1,4 Prozent prognostiziert hatte. Während der Herbsttagung des IWF und der Weltbank in Tokio sind daher wieder kritische Äußerungen aus China, Brasilien, Indien und Kanada gegenüber Europa zu erwarten. Der Kontinent steht am Pranger. Währungsfonds skeptisch Der IWF erwartet 2013 ein Wachstum der Weltwirtschaft von 3,6 Prozent, 0,3 Prozentpunkte weniger als im Sommer vorhergesagt. Deutschland bekomme nun die Auswirkungen der Krise bei seinen Euro-Partnern und Nachbarn zu spüren, erklärte der Leiter der Abteilung für weltwirtschaftliche Studien, Jörg Decressin, in Tokio. Dabei gibt es Hoffnung. IWF-Chefökonom Olivier Blanchard blieb zuversichtlich. „Wenn die versprochenen Maßnahmen in Europa umgesetzt werden, kann man optimistisch sein.“ Wichtig sei das Tempo der Konsolidierungsmaßnahmen. Strukturelle Ziele seien wichtiger als nominelle. Das gelte vor allem für Spanien und Griechenland. dapd (Politik/Politik)
Altmaier will steigende Strompreise mit Energieberatung kontern
Berlin (dapd). Bundesumweltminister Peter Altmaier will bis 2020 allen Deutschen eine kostenlose Energieberatung ermöglichen. Auf diesem Wege soll es den Verbrauchern möglich sein, den steigenden Strompreisen „ein Schnippchen zu schlagen“, sagte der Minister nach dem Stromspargipfel am Dienstag in Berlin. Einkommensschwache sollen nach Altmaiers Vorstellung zudem künftig auch Hilfen zur Anschaffung energieeffizienter Geräte erhalten können. Auf konkrete Modelle habe man sich aber noch nicht geeinigt, sagte der Minister. Sozialverbände reagierten mit harscher Kritik. Altmaier hatte zum Runden Tisch ins Umweltministerium geladen. Besondere Brisanz erhielt der Gipfel durch erneute Berichte über starke Strompreissteigerungen. Gut drei Stunden lang sprach der Minister dann mit Wohlfahrts- und Verbraucherschutzverbänden, Branchen- und Kirchenvertretern sowie Kommunen. Auf der Agenda stand vor allem die Ausweitung kostenloser Energieberatungen für Privathaushalte. Nach dem Treffen verkündete Altmaier, die Energieberatung solle sowohl „qualitativ als auch quantitativ“ ausgebaut werden. So sollen künftig „mindestens doppelt so viele“ einkommensschwache Haushalte von Energieberatungen Gebrauch machen. Ziel sei es, bis 2020 allen Deutschen eine „in aller Regel kostenlose“ Beratung zu ermöglichen. Zu diesem Zweck wolle sein Ministerium „Geld in die Hand“ nehmen, sagte der Minister. Genaue Zahlen seien aber erst nach den Haushaltsberatungen zu nennen. Insgesamt rechnet Altmaier künftig mit „einigen 100.000 Beratungen pro Jahr“. Maßgeschneiderte Angebote Dem Vorwurf, mit der kostenlosen Beratung ein „Scheinangebot“ zu offerieren, trat Altmaier entgegen. Einkommensschwache Haushalte wolle er mit „maßgeschneiderten Angeboten“ auch bei der Umsetzung der Beratung unterstützen, sagte der Minister. Als Beispiel nannte er die Einführung spezieller Finanzierungsmodelle für energieeffiziente elektrische Geräte wie Kühl- und Gefrierschränke. „Ob und welche“ Finanzierungsmodelle verfolgt würden, sei aber noch nicht entschieden, sagte Altmaier. Das könne beim nächsten Runden Tisch geschehen. Dieser sei für November angesetzt. Schon ab dem Jahreswechsel solle die Beratung ausgebaut werden. Anderen Lösungsvorschlägen erteilte Altmaier hingegen eine Absage: So sei „das Hantieren mit Steuern nicht die richtige Antwort“ für ein „viel grundsätzlicheres Problem“. Auch die umstrittenen finanziellen Erleichterungen für energieintensive Industrien seien „im Prinzip nach wie vor richtig“, sagte der Minister. Abwrackprämie gefordert Andere Parteien und die Sozialverbände kritisierten die Ergebnisse des Runden Tisches. Der „Vorschlag einer kostenlosen Energieberatung bringt für sich allein genommen wenig“, sagte die energiepolitische Sprecherin der Linkspartei, Dorothée Menzner. Sie forderte, Unternehmen vor allem der energieintensiven Industrie stärker an den Kosten der Energiewende zu beteiligen: „Das wäre sozial gerecht und ökologisch sinnvoll“. Ablehnende Stimmen regten sich aber auch in Koalitionskreisen. Bereits vor dem Runden Tisch kritisierte der umweltpolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Michael Kauch, es gebe keinen Mangel an Energieberatung. Altmaier sei vielmehr gefordert, durch eine Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) die Kosten zu dämpfen. Kritik kam auch vonseiten des Verbraucherzentrale Bundesverbandes. „Wir können nicht innerhalb eines Vierteljahres alle deutschen Haushalte beraten, damit sie die zwei Cent Stromeinsparung erzielen, die die Erneuerbare-Energien-Umlage demnächst kosten wird“, sagte der Energieexperte Holger Krawinkel dem RBB Inforadio. Kurzfristig helfe nur eine Senkung der Stromsteuer. Der Sozialverband Deutschland und die Arbeiterwohlfahrt (AWO) forderten Sozialtarife beim Strom. „Die Regierung darf den ständigen Strompreiserhöhungen nicht tatenlos zusehen“, sagte der AWO-Bundesvorsitzende Wolfgang Stadler. Er sprach sich zudem dafür aus, Geringverdiener-Haushalten eine „Abwrackprämie“ für alte Stromgeräte zu gewähren. dapd (Politik/Politik)
Opel Bochum verlegt Feier zum 50. Jubiläum
Bochum (dapd). Der angeschlagene Autobauer Opel wird nicht wie geplant am 27. Oktober das 50-jährige Bestehen des Werks in Bochum feiern. Da wegen der guten Auftragslage an allen Samstagen im Oktober und November gearbeitet werde, würden die Feierlichkeiten verschoben, sagte ein Unternehmenssprecher am Dienstag und bestätigte damit einen Bericht der Zeitungen der WAZ-Mediengruppe. „Es wird noch in diesem Jahr gefeiert“, kündigte der Sprecher an. Dem Medienbericht zufolge ist die Feier neu für den letzten Samstag vor Weihnachten vorgesehen. Die deutsche Traditionsmarke verliert seit Jahren Marktanteile und fährt hohe Verluste ein. Deswegen gibt es immer wieder Spekulationen um eine Schließung des Bochumer Werks. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
Deutsche Bank weist erneut Schuld an Kirch-Insolvenz von sich
München (dapd). Die Deutsche Bank hat erneut die Verantwortung für die Pleite der Kirch-Gruppe von sich gewiesen. Der die Deutsche Bank vertretende Anwalt habe am Montag vor dem Oberlandesgericht in München betont, das umstrittene Interview von Ex-Vorstandschef Rolf Breuer 2002 „nicht ursächlich für die Insolvenz der Kirch-Gruppe“ war, sagte ein Deutsche-Bank-Sprecher der Nachrichtenagentur dapd am Dienstag. Am Montag war ein Gerichtsbeschluss bekanntgeworden, der die Bank im Schadenersatzprozess mit den Kirch-Erben in Bedrängnis gebracht hatte. Das Gericht hatte in einem der dapd vorliegenden Beschluss vom Montag unter anderem festgestellt, Ziel der umstrittenen Interview-Äußerungen Breuers sei es gewesen, eine Umstrukturierung der Kirch-Gruppe an der Deutschen Bank vorbei zu verhindern. Zudem hält das Gericht die Beweisaufnahme zu einer möglichen Haftung der beklagten Bank für „weitgehend abgeschlossen“. Die Erben des im vergangenen Jahr verstorbenen Medienunternehmers Leo Kirch wollen Schadenersatz in Milliardenhöhe von der Deutschen Bank erstreiten. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
Solarzulieferer erwarten einen Umsatzrückgang von knapp 50 Prozent
Frankfurt/Main (dapd). Deutsche Solarzulieferer müssen sich nach eigener Einschätzung auf wirtschaftlich düstere Zeiten einstellen. Laut der am Dienstag veröffentlichten Geschäftsklimaumfrage des Verbandes Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) geben 85 Prozent der Unternehmen zum Ende des dritten Quartals 2012 eine Verschlechterung der Auftragslage im Vergleich zum Vorjahreszeitraum an. Laut der Erhebung gehen die Hersteller von Komponenten, Maschinen und Anlagen für die Photovoltaik-Industrie infolge der Investitionszurückhaltung der Modulhersteller von einem durchschnittlichen Umsatzrückgang von knapp 50 Prozent im laufenden Jahr aus. „Aufgrund der sich im Feld befindenden Überkapazitäten erwarten wir einen neuen Investitionszyklus nicht vor Ende 2013“, sagte Peter Fath, Entwicklungsvorstand beim insolventen Anlagenbauer Centrotherm und Vorsitzender des VDMA-Photovoltaik-Bereichs. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
NSU: Ex-Verfassungsschutzpräsident wirbt um Verständnis
München (dapd). Der frühere Präsident des bayerischen Landesamts für Verfassungsschutz, Gerhard Forster, hat um Verständnis für die fehlenden Erkenntnisse seiner Behörde über einen rechtsextremistischen Hintergrund der Mordserie an Ausländern in Deutschland geworben. In seiner Amtszeit sei zwar auch diese Möglichkeit geprüft worden, sagte Forster am Dienstag im NSU-Untersuchungsausschuss des bayerischen Landtags. Das Problem sei aber, dass der Verfassungsschutz nicht über ein „dichtes Überwachungsnetz“ verfüge. Forster war der erste Zeuge dieses Untersuchungsausschusses. Die Opposition in Bayern will unter anderem wissen, warum die Ermittler nicht stärker einen ausländerfeindlichen Hintergrund der Taten in München und Nürnberg geprüft haben. Der Freistaat war seit dem September 2000 Tatort der Hälfte der zehn Morde der Terrorgruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU). Forster sagte, er könne sich nicht genau an das damalige Vorgehen seiner Behörde erinnern. Klar sei aber: „Wenn Ausländer ermordet werden, taucht immer die Frage auf: Könnte es unser Klientel gewesen sein?“ Deshalb seien „ganz sicher“ V-Leute befragt worden, ob es Hinweise auf einen Neonazi-Hintergrund gebe: „Das Ergebnis war gleich Null.“ Verfassungsschutz „kein Überwachungsdienst“ Forster verwies darauf, dass der Verfassungsschutz darauf angewiesen sei, Informationen zu bekommen. Dies sei damals nicht geschehen. Dies bedeute jedoch nicht, dass seine Behörde einen Fehler gemacht habe. Denn es sei „systemimmanent“, dass der Verfassungsschutz „kein Überwachungsdienst“ sei. Forster fügte hinzu: „Wir alle wären froh gewesen, wir hätten einen Hinweis bekommen.“ Nun würden Mitarbeiter des Verfassungsschutzes in der Presse „nur noch als Dilettanten dargestellt“. Forster schilderte auch allgemein das Vorgehen seiner Behörde gegen den Rechtsextremismus in seiner Amtszeit von März 1994 bis November 2001. Dabei lobte er ausdrücklich die damalige Zusammenarbeit mit der Polizei. Auch der Informationsaustausch mit anderen Bundesländern habe funktioniert. Verstärkter Personaleinsatz gegen Rechtsextremismus Forster berichtete, das für den Rechtsextremismus zuständige Personal des bayerischen Landesamtes für Verfassungsschutz sei „nach dem Ende des Kalten Krieges“ im Jahr 1989 kontinuierlich erhöht worden. Im Jahr 2001 seien es bereits rund 60 Prozent der Mitarbeiter gewesen. Dagegen hätten sich nur noch 40 Prozent mit dem Linksextremismus befasst. Genaue Zahlen wollte Forster unter Verweis auf die Geheimhaltungspflicht nicht nennen. Er betonte zugleich, seine Behörde sei entschieden gegen „autonome Kameradschaften“ vorgegangen. Er habe „mit allen Mitteln verhindern“ wollen, dass sich Strukturen wie in Ostdeutschland mit „ausländerfreien Zonen“ auch in Bayern festsetzen. Ein großes Problem sei damals die zunehmende Stärke von Skinhead-Gruppen gewesen. Forster fügte jedoch hinzu: „Insgesamt glaube ich, dass wir die Szene ganz gut eingeschätzt haben.“ dapd (Politik/Politik)
Afghanistan im Wandel: Faisabad wird Bildungsstützpunkt
Faisabad/Berlin (dapd). Vom Kampf- zum Bildungsort: Das von Deutschland betriebene Regionale Wiederaufbauteam (PRT) im nordostafghanischen Faisabad markiert wie kaum ein anderer Ort den Wandel am Hindukusch. 2004 als zweites Bundeswehrfeldlager außerhalb Kabuls eröffnet, übergab Deutschland am Dienstag das Camp nun in afghanische Hände. Künftig werden hier afghanische Polizisten ausgebildet und eine Zweigstelle der Universität Zentralasien der Aga-Khan-Stiftung eingerichtet. „Die Übergabe des PRT und der Region Faisabad zeigt, dass die Umsetzung der Afghanistan-Strategie vorankommt“, sagte Außenminister Guido Westerwelle in Berlin. Bereits im Dezember vergangenen Jahres hatte die Bundeswehr die Leitung des PRT in zivile Hände gelegt. Nun werden die letzten 100 deutschen ISAF-Soldaten die Region verlassen. Die Bundeswehr verfügt damit neben dem logistischen Drehkreuz in Masar-i-Scharif – dem Camp Marmal – nur noch über das Regionale Wiederaufbauteam in Kundus. Abschied nach gut acht Jahren Die ersten deutschen Soldaten hatten das Feldlager in Faisabad in der Provinz Badakhschan am 12. Juli 2004 bezogen und damit nach Kundus das zweite PRT außerhalb Kabuls errichtet. Schrittweise ausgebaut umfasste es zuletzt eine Fläche von 450 mal 1.000 Metern. Künftig wird das Gelände unter anderem von der speziell für Unruhebekämpfung aufgestellten afghanischen Polizei-Spezialeinheit ANCOP genutzt. Bereits seit Juli führt das afghanische Innenministerium das dort befindliche und von Deutschland errichtete Trainingszentrum für die Polizei. Westerwelle sagte, auch nach dem Ende der permanenten Präsenz der Bundeswehr in der Provinz Badakhschan würden deutsche Entwicklungshilfeprojekte in der Region weitergeführt. Dazu gehöre auch der Universitätsaufbau. Er wird von Deutschland finanziert und soll bis Sommer 2013 abgeschlossen sein. Bauträger ist die Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ). „Die Umwandlung des PRT Faisabad in einen regionalen Bildungsstützpunkt ist ein Beispiel für eine sinnvolle Nachnutzung eines ISAF-Stützpunktes“, sagte der Minister. Wichtiger Schritt in Richtung Kampftruppen-Abzug Die Schlüsselübergabe in Faisabad gilt als wichtige Wegmarke zum Abzug aller Kampftruppen vom Hindukusch bis Ende 2014. „Trotz Rückschlägen und Schwierigkeiten kommen wir dem Ziel der vollständigen Übergabe der Sicherheitsverantwortung und dem Abzug Kampftruppen bis Ende 2014 Schritt für Schritt näher“, sagte Westerwelle. Deutschland stellt derzeit in Afghanistan gut 4.500 Soldaten, von denen die meisten im Regionalkommando Nord, im Verantwortungsbereich der Bundeswehr, stationiert sind. dapd (Politik/Politik)
Heubisch verlangt härtere Strafen für manipulierte Organvergabe
München (dapd). Vorsätzliche Manipulationen bei der Organvergabe an Kliniken sollen nach dem Willen des bayerischen Wissenschaftsministers Wolfgang Heubisch (FDP) künftig härter bestraft werden. Solche Vergehen könnten bislang nur als Ordnungswidrigkeit geahndet werden, sagte Heubisch am Dienstag in München. Er fügte an: „Mir erscheint das unzureichend.“ Bei Vorsatz seien solche Manipulationen von Daten „kriminelles Unrecht“. Daher müsse über eine Gesetzesänderung nachgedacht werden, damit dies als Straftat geahndet werden könne und der Staatsanwaltschaft die Möglichkeit zu einer umfassenderen Überprüfung eröffnet werde. Am Uniklinikum Regensburg und am Klinikum rechts der Isar in München sollen Mediziner in der Vergangenheit Diagnosedaten gefälscht haben, um Patienten zu einer Organtransplantation zu verhelfen. Heubisch betonte am Dienstag erneut, dass keine weiteren Verdachtsfälle bekannt seien. Es sei aber nicht auszuschließen, dass bei den umfassenden Überprüfungen weitere Auffälligkeiten an Licht kommen. Die Sonderuntersuchung der vom Minister bestellten Expertenkommission tagt erstmals am 26. Oktober. In Bayern gibt es insgesamt sieben Transplantationszentren. Der CSU-Gesundheitsexperte Johannes Singhammer verlangte derweil mehr staatliche Kontrolle bei der Organspende. In Abstimmung mit den Ländern solle das Paul-Ehrlich-Institut des Bundes weitere Zuständigkeiten erhalten, schlug der CSU-Politiker im Deutschlandradio Kultur vor. Zudem sei es wichtig, „dass dieser Unsinn mit Prämienzahlungen für Ärzte, die möglichst viel transplantieren“, aufhöre, verlangte Singhammer, der auch stellvertretender Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion ist. Dagegen werde ein Gesetz benötigt. „Wir wollen dieses Bonussystem nicht, weil es nämlich eine der Ursachen für die derzeitigen Skandale ist“, sagte Singhammer. dapd (Politik/Politik)
Schäuble hält Brüsseler Pläne für Bankenaufsicht für unausgereift
Luxemburg (dapd). Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) hält die Vorschläge der EU-Kommission für den Aufbau einer Bankenaufsicht noch für völlig unausgereift. Auf dem EU-Ressortcheftreffen in Luxemburg sei klar geworden, „dass der jetzige Stand noch keine Lösung bietet“, sagte er am Dienstag. Schäuble stellte die Absicht Brüssels grundsätzlich infrage, der Europäischen Zentralbank (EZB) die Aufsicht zu übertragen. Denn dadurch sei die Unabhängigkeit der Geldpolitk in Gefahr, und es gebe noch keine demokratische Kontrolle für die Überwachung. Ob die EZB das übernehme oder nur eine „maßgebliche Rolle“ spiele, „da lasst die Kommission noch mal drüber nachdenken, sie hat das Monopol für Initiativen“, sagte Schäuble auf einer Pressekonferenz. Aber wer die Aufsicht schnell zustande bringen wolle, der müsse „die Probleme lösen“. Das ist eine herbe Schelte für EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier, der den Vorschlag für die Aufsicht ausgearbeitet hat. Barnier forderte in Luxemburg eine „politische Entscheidung bis Ende des Jahres“. Schäuble reagierte genervt. Den Termin könne er nicht versprechen, denn „Qualität geht vor unrealistischen Zeitvorstellungen“. © 2012 AP. All rights reserved (Wirtschaft/Wirtschaft)
Kältetechnik-Branche zeigt Vielfältigkeit
Nürnberg (dapd). Die Bier- und Milcherzeugung, Busse und Bahnen und die Kühltheke im Supermarkt haben auf den ersten Blick wenig gemein. Tatsächlich kommen sie aber allesamt nicht ohne Kälte- und Klimatechnik aus. Auf der am Dienstag eröffneten Fachmesse Chillventa in Nürnberg trifft sich eine oftmals unterschätzte Branche, die mit ihren Kälte- und Wärmepumpen sowie Klimaanlagen nahezu überall im Alltag vertreten ist. „Kältetechnik gibt es vielerorts. Kein Supermarkt kommt ohne sie aus“, erklärte der Geschäftsführer des Zulieferers Kriwan, Jens Peter Huischen, in Nürnberg. Astrid Winkeler vom Unternehmen Bitzer ergänzte: „Unsere Produkte sind überall zu finden, beispielsweise in der Gebäude- und Bahn-Klimatisierung.“ Die Kältetechnik gehört dem Branchenexperten Rainer Jakobs zufolge zu den stabilen Wirtschaftszweigen in Deutschland. Konkrete Marktdaten seien allerdings nicht verfügbar. Angesichts sich weltweit verschärfender Klimaschutzvorgaben lege die Branche ihren Fokus zunehmend auf Energieeffizienz und Umweltschutz, zwei Trendthemen der Messe. 915 Unternehmen aus 43 Ländern präsentieren sich drei Tage lang auf der Branchenschau, darunter 200 neue Aussteller. „Mit der Entwicklung der Chillventa sind wir auch dieses Jahr wieder sehr zufrieden. Die gestiegene Ausstellerzahl sowie die um sechs Prozent gewachsene Fläche unterstreichen das deutlich“, sagte das Mitglied der Geschäftsleitung der Messe Nürnberg, Richard Krowoza. Insbesondere die Zahl der Aussteller aus China, Großbritannien, Italien und der Türkei sei gegenüber der Messe 2010 nochmals gewachsen. Neben der Kältetechnik liegt ein Themenschwerpunkt in diesem Jahr auf Wärmepumpen, denen eine ganze Halle gewidmet wird. „Sie gewinnen zunehmend an Bedeutung zur Wärmerückgewinnung“, sagte Krowoza. Die Industrie der Anlagen habe den Nutzen längst erkannt. „Moderne Discounter haben heute keine Heizung mehr, sondern nutzen komplett die Abwärme der Kühlgeräte“, sagte Branchenexperte Jakobs der Nachrichtenagentur dapd. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
