Gauck zum Mittagessen bei der Queen

Gauck zum Mittagessen bei der Queen London/Berlin (dapd). Joachim Gauck bei der Queen: Der Bundespräsident und seine Lebenspartnerin Daniela Schadt kamen am Dienstag in London mit Königin Elizabeth II. und Prinz Philip zu einem Mittagessen zusammen. Bei dem „sehr persönlichen Kennenlernen“ im Buckingham Palace habe sich die Queen „sehr interessiert an Deutschland gezeigt“, hieß es aus dem Bundespräsidialamt. Gauck sei von der „Präsenz“ der Königin „beeindruckt“ gewesen. Nach einem Aperitif gab es ein Drei-Gänge-Menü. Als „besondere Geste“ wurde ein Riesling von der Saar gereicht. Zum Abschluss tranken die Staatsoberhäupter Kaffee. Am Nachmittag führte der Bundespräsident in der Residenz des deutschen Botschafters Gespräche mit Persönlichkeiten der britischen Politik und Gesellschaft. Thema der Begegnung waren die jeweils unterschiedlichen Sichtweisen auf beide Länder und die Europäische Union. Gauck hatte im Sommer die Eröffnungsfeiern der Olympischen Spiele und der Paralympics in London besucht. Schon damals war er mit der Queen zusammengetroffen. Mit der eintägigen Reise nach Großbritannien hat der Bundespräsident nun seine Antrittsbesuche bei den europäischen Nachbarn abgeschlossen. dapd (Politik/Politik)

Der steinerne Steinbrück

Der steinerne Steinbrück Hamburg (dapd). Das böse Wort fällt nicht. Peer Steinbrücks umstrittene Nebeneinkünfte kommen auf dem SPD-Bürger-Dialog mit dem Kanzlerkandidaten in Hamburg nicht zur Sprache. Zu der Parteiveranstaltung am Dienstagnachmittag hatten die Jusos und die „AG 60+“ der Hamburger SPD geladen. Ein Heimspiel für Steinbrück, er ist hier geboren. „Ich bin ein Hamburger Jung“, sagt er vor einigen hundert Zuhörern in der Markthalle am Klosterwall. Applaus. Steinbrück grinst. Das ist an diesem Nachmittag selten. Die meiste Zeit blickt der designierte Kanzlerkandidat ernst drein. Wie in einem Boxring steht er auf der Bühne, umringt von den Zuhörern. In einem knappen Monat wollen die Sozialdemokraten Steinbrück auf in Hannover offiziell zum Kanzlerkandidaten küren. Doch die Debatte um seine hohen Vortrags- und Autorenhonorare hat ihm den Wahlkampfstart vermiest. Am Dienstag in Hamburg soll es um andere Themen gehen. „Was muss in Deutschland besser werden?“, will Steinbrück von den Anwesenden wissen und kündigt an, Anregungen fürs Wahlprogramm mitzunehmen. Steinbrück hält EU-Friedensnobelpreis für angemessen Ein junger Mann steht auf und sagt: Transparenz. Steinbrücks Miene versteinert. Warum Politiker ihr Einkommen nicht komplett offen legen müssen, warum der Bundestag nichts gegen Korruption tue, will der junge Mann wissen. Steinbrück antwortet, die schwarz-gelben Regierungsparteien würden alle derartigen Initiativen blockieren. Die SPD wolle die Bestechung von Abgeordneten schon lange unter Strafe stellen. „Die schwarz-gelbe Mehrheit blockiert das im Bundestag, also müssen wir die Mehrheit ändern“, ruft Steinbrück. Verhaltener Applaus. Dann geht es um andere Themen. Von Atomausstieg über Finanzkrise, Mieten und Leiharbeit bis hin zur Vorratsdatenspeicherung: Es gibt viele Fragen an den Kandidaten. Steinbrück antwortet oft mit Begriffen wie „Betreuungsinfrastruktur“, „Alterskohorten“ oder „Philosophie der Derregulierung“. Manchmal kann er das Publikum aber auch mitreißen. Etwa wenn er Sätze sagt wie „Ich glaube, dass das Grundgesetz eine der besten Verfassungen der Welt ist“. Fast schon Jubel braust sogar auf, als Steinbrück erklärt, dass er anders als sein Vater und Großvater „nicht in einem europäischen Krieg verheizt worden ist“. Deshalb halte er den Friedensnobelpreis für die Europäische Union auch für berechtigt. Maskierter beschuldigt Steinbrück Kampf sagt Steinbrück den hohen Mieten in Großstädten an. Möglich sei etwa ein Wohnungsbauprogramm mithilfe der Kreditanstalt für Wiederaufbau, um mehr günstigen Wohnraum in Ballungsräumen zu schaffen. Auch das kommt beim Publikum gut an. Nach knapp zwei Stunden beendet er die Fragerunde mit einem seltenen Lacher. Ob Steinbrück nicht das Steuersystem vereinfachen könne, fragt ein älterer Herr. Er habe schon graue Haare von seiner Steuererklärung. „Na wenigstens haben Sie noch welche“, lacht der ziemlich kahlköpfige Steinbrück und mit ihm das Publikum. Aber dann ist wieder schnell Schluss mit lustig. Als der Moderator den Kandidaten gerade verabschiedet, springt ein Maskierter auf die Bühne. In den Händen hält er ein Schild und darauf steht: „Banken-Lobbyist“. Steinbrücks Miene versteinert. dapd (Politik/Politik)

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Friedrich warnt vor rechtsterroristischen Gruppierungen

Friedrich warnt vor rechtsterroristischen Gruppierungen Wiesbaden (dapd). Ein Jahr nach Auffliegen der rechtsextremen Terrorgruppe NSU sieht Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) weiterhin erhebliches Bedrohungspotenzial in der rechten Szene. Die Gefahr gehe „von radikalisierten Einzeltätern und von Kleinstgruppen aus“, sagte Friedrich am Dienstag auf der BKA-Herbsttagung in Wiesbaden. BKA-Chef Jörg Ziercke hält gar das Auftreten von Nachahmungstätern für möglich. Die Terrorgruppe Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) wird für zehn Morde, zwei Sprengstoffanschläge und mehrere Banküberfälle verantwortlich gemacht. Sie flog vor einem Jahr auf, nachdem die beiden NSU-Mitglieder Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt umzingelt von der Polizei Selbstmord begingen. Gegen das dritte mutmaßliche Mitglied der Gruppe, Beate Zschäpe, hat die Bundesanwaltschaft vergangene Woche Anklage erhoben. BKA-Chef Ziercke betonte, auszuschließen sei nach diesem Fall nichts mehr. „Auch können wir vergleichbare Radikalisierungsverläufe ebenso wenig ausschließen wie Nachahmungstäter, die sich an der vom NSU propagierten These ’startet Taten statt Worte‘ orientieren“, sagte er. Rund 500 Sicherheitsexperten aus dem In- und Ausland kamen am Dienstag zur Herbsttagung des Bundeskriminalamtes (BKA) in Wiesbaden zusammen. Innenminister Friedrich appellierte an die Bürger, wachsam zu bleiben. Insbesondere die verbreitete Affinität zu Waffen, Sprengstoff und Wehrsport bei den Rechtsextremisten berge erhebliches Gefährdungspotenzial, warnte der CSU-Politiker. Anschläge rechtsterroristischer Gruppierungen müssten weiter in Betracht gezogen werden. Diskussion um Sonderprogramm Ost Friedrich warnte aber auch vor dem sogenannten Alltagsextremismus. Dass dies kein Randphänomen ist, zeigt auch eine aktuelle Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung. Darin wird aufgezeigt, dass sich die Zahl der Bürger mit rechtsextremem Weltbild in Ostdeutschland seit 2006 von 6,6 auf 15,8 Prozent mehr als verdoppelt hat, während sie in Westdeutschland zurückging. Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) forderte vor diesem Hintergrund eine „bildungspolitische Offensive in Sachen Demokratieerziehung“. Auch die Staatsministerin im Bundeskanzleramt, Maria Böhmer (CDU), verlangt mehr Präventionsarbeit. Der ostdeutsche CDU-Politiker Michael Kretschmer lehnt hingegen ein neues „Sonderprogramm Ost“ entschieden ab und warnt vor einer Stigmatisierung der Menschen. Thierse bezeichnete es im Deutschlandfunk als „verrückt, dass es in Ostdeutschland mehr Ausländerfeindlichkeit gibt, obwohl es dort nachweislich weniger Ausländer gibt“. Über Jahre hinweg sei die rechtsextreme Gefahr vielerorts gering eingeschätzt worden. Unionsfraktionsvize Kretschmer erteilte der Forderung Thierses nach einer Bildungsoffensive im dapd-Gespräch eine deutliche Absage: „Ich halte nichts von Sonderprogrammen für Ostdeutschland.“ Schon einmal habe „die SPD mit Altkanzler Gerhard Schröder mit einem solchen Ansatz den gesamten Osten stigmatisiert“. Berliner Verfassungsschutz räumt weitere Aktenvernichtung ein Unterdessen zieht der Skandal um die illegale Vernichtung von Akten zum Rechtsextremismus beim Berliner Verfassungsschutz immer weitere Kreise. Behördenchefin Claudia Schmid räumte am Dienstag ein, dass bereits im Juli 2010 das Schreddern angeordnet wurde. Anhaltspunkte für einen Bezug zur rechten Terrorzelle NSU gibt es nach ihrer Darstellung derzeit aber nicht. Personelle Konsequenzen lehnte sie ab. Erst Anfang November war bekannt geworden, dass in der Behörde im Juni Akten zum Rechtsextremismus geschreddert wurden, die eigentlich im Landesarchiv aufbewahrt werden sollten. Dies wurde offiziell mit einem „Versehen“ begründet. Am Mittwoch will der Verfassungsschutzausschuss im Berliner Abgeordnetenhaus erneut über den Fall beraten. dapd (Politik/Politik)

Großunternehmer Anton Kathrein ist tot

Großunternehmer Anton Kathrein ist tot Rosenheim (dapd-bay). Der bayerische Großunternehmer Anton Kathrein junior ist tot. Der Inhaber der Rosenheimer Kathrein-Werke sei plötzlich und unerwartet in der Nacht zum Dienstag im Alter von 61 Jahren gestorben, teilte Firmensprecher Rudolf Sonnleitner mit: „Unser Mitgefühl gilt in erster Linie der Familie und den engsten Angehörigen. Sämtliche Firmenangelegenheiten sind entsprechend eines Notfallplanes geregelt.“ In der bayerischen Wirtschaft und Politik löste die Todesnachricht tiefe Betroffenheit aus. Die Kathrein-Werke sind nach eigenen Angaben der weltweit älteste und größte Antennenhersteller. Die Firmengruppe mit einem Jahresumsatz von zuletzt 1,3 Milliarden Euro beschäftigt etwa 6.600 Mitarbeiter. Allein in Rosenheim gibt es vier Werke von Kathrein, weltweit sind es 24 Produktionsstätten. Anton Kathrein senior hatte 1919 das Unternehmen gegründet, das zunächst Blitzableiter und später Radioantennen herstellte. Nach dem Tod des Vaters übernahm Anton Kathrein junior 1972 das Ruder und baute die Firma zu einem weltweit führenden Anbieter von Satelliten-Empfangsanlagen und Empfangsantennen, Autoantennen und Automobilelektronik aus. Einen zukunftsträchtigen Geschäftszweig entdeckte Kathrein im Mobilfunk. Der Unternehmer engagierte sich vielfältig. Er hatte eine Vielzahl von Ehrenämtern inne. Unter anderem war er 3. Bürgermeister und Stadtrat in Rosenheim. Als Honorarprofessor lehrte er seit 1992 Betriebswirtschaft an der Fachhochschule der Stadt. Er war Vizepräsident der Industrie- und Handelskammer für München und Oberbayern (IHK) und Vizepräsident der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw). Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) sagte: „Anton Kathrein war leidenschaftlicher Bayer und lebte die Soziale Marktwirtschaft.“ Wegen seiner menschlichen Qualitäten und seines unternehmerischen Geschicks sei Kathrein in Wirtschaft und Politik hoch geschätzt, anerkannt und beliebt gewesen. Der Tod des Unternehmers bedeute für ganz Bayern einen großen Verlust. Auch vbw-Präsident Randolf Rodenstock würdigte das Lebenswerk Kathreins. „Anton Kathrein war mit Leib und Seele Unternehmer.“ Kathrein habe wie kein zweiter für innovativen Gründergeist gestanden und höchst erfolgreich das Modell des global agierenden Mittelständlers verkörpert. „Die Lücke, die er hinterlässt, ist nicht zu füllen“, sagte Rodenstock. IHK-Präsident Erich Greipl erklärte: „Anton Kathrein war der Inbegriff einer erfolgreichen und verantwortungsvollen Unternehmerpersönlichkeit.“ Kathrein sei ein Vorbild für viele bayerische Unternehmer gewesen. Für deren Interessen habe er sich Jahrzehnte mit großem Herzen und unendlich viel ehrenamtlichem Engagement eingesetzt. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)

Finanztest warnt vor Risiken geschlossener Immobilienfonds

Finanztest warnt vor Risiken geschlossener Immobilienfonds Berlin (dapd). Die Zeitschrift „Finanztest“ mahnt zu Vorsicht bei der Geldanlage in geschlossenen Immobilienfonds. Bei einem Test von 58 Angeboten fielen 36 dieser Fonds bereits in der Vorprüfung als zu riskant durch. Von den übrigen 22 Fonds erhielt keiner die Note „gut“ oder „sehr gut“. Vier Fonds benoteten die Tester mit „mangelhaft“, zehn mit „ausreichend“ und nur acht mit „befriedigend“. Auch Vermögende, die den Komplettverlust ihrer Anlage verkraften könnten, sollten höchstens fünf Prozent ihres Besitzes in geschlossene Immobilienfonds investieren, rät „Finanztest“. Die Finanztester formulierten sechs Kriterien, nach denen sie Fonds von vornherein als zu riskant einstuften. So scheiterten in der Vorprüfung Fonds, die weniger als 80 Prozent der Anlagesumme tatsächlich in Immobilien investieren. Auch Blindfonds, bei denen ein Teil der Immobilienprojekte noch nicht feststeht, und solche mit einem hohen Anteil an Fremdkapital aus Bankkrediten schieden gleich aus. Zum Ausschluss führten auch Kredite in Fremdwährungen und auf Kleinanleger zugeschnittene Ratensparmodelle. Zudem fielen Fonds gleich durch, deren Initiator die Haftung für den Anlageprospekt auf die Fondsgesellschaft und damit letztlich auf die Anleger übertragen hat. Denn ein geschlossener Immobilienfonds ist rechtlich gesehen eine Gesellschaft von Anlegern, um gemeinsam langfristig in ein oder mehrere große Immobilienprojekte zu investieren. Der Bau wird dabei komplett durch die Einlagen oder teilweise auch über Bankkredite finanziert. Wenn der Fonds genügend Kapital eingesammelt hat, wird er geschlossen. Die Mindestbeteiligung liegt oft bei 10.000 Euro. Mit der Note „befriedigend“ schnitt im Test der Fonds „FHH Immobilien 12 Studieren & Wohnen“ am besten ab. Bei ihm können Anleger Summen ab 50.000 Euro in Studentenapartments investieren. Risiko des Totalverlusts Nach Angaben des Verbands Geschlossene Fonds (VGF) sammelten allein die VGF-Mitglieder von Januar bis Juni über 733 Millionen Euro für Immobilienprojekte in Deutschland ein. Auch VGF-Geschäftsführer Eric Romba riet auf Anfrage von dapd Kleinanlegern, die nur ein Vermögen von 10.000 oder 20.000 Euro hätten, von geschlossenen Immobilienfonds ab. „In allen Prospekten steht: Achtung, Totalverlustrisiko“, sagte er. Für wirklich vermögende Anleger, die das Risiko tragen könnten, seien geschlossene Immobilienfonds jedoch eine gute Möglichkeit, einen Teil ihres Besitzes gegen Inflation abzusichern und zu mehren. Romba kritisierte die Ausschlusskriterien von Finanztest als „nicht fundiert“. So hätten etwa Immobilienfonds mit einem höheren Anteil von Fremdkapital in der Regel günstigere Ergebnisse für die Anleger erbracht. Zudem sei es etwa üblich, in Prospekten für Fonds mit dem Ziel Mietwohnungsbau nur genaue Kriterien für Bauobjekte festzulegen und diese nicht einzeln aufzuführen, wie „Finanztest“ verlangt. Bessere Beratung verlangt Der Teamleiter Finanzdienstleistungen der Stiftung Warentest, Stephan Kühnlenz, sagte, es gebe zudem Probleme bei der Beratung von Fondsinteressenten. Potenziellen Anlegern müsse das Risiko eines Totalverlusts klargemacht werden. Den müssten sie zudem finanziell verkraften können. Auch sollten sich Sparer bewusst sein, dass sie 10 oder sogar 20 Jahre keinen direkten Zugriff auf ihr Geld hätten. Deshalb sei ein geschlossener Immobilienfonds auch ein ungeeignetes Produkt für Kleinanleger, sagte er. „Finanztest“-Chefredakteur Hermann-Josef Tenhagen sagte, es gebe den Irrglauben, ein Immobilienfonds könne nicht pleitegehen, da es im Zweifel noch die Liegenschaft selbst gebe. Besonders bei Projekten mit einem hohen Fremdkapitalanteil bestehe aber die Gefahr des Totalverlusts, da unter anderem Zinsen bedient werden müssten. Bei geringen Mieteinnahmen oder sogar einem Mietausfall werde dann jedes Jahr Verlust gemacht, bis das Eigenkapital aufgezehrt sei. Insgesamt bewerte „Finanztest“ die geschlossenen Immobilienfonds daher als „sehr riskant“ und nur geeignet für eine enge Zielgruppe, sagte Kühnlenz. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)

BGH kippt Zusatzgebühren für Pfändungskonten

BGH kippt Zusatzgebühren für Pfändungskonten Karlsruhe (dapd). Nach zwei Grundsatzentscheidungen des Bundesgerichtshofs (BGH) dürfen Banken und Sparkassen keine zusätzlichen Gebühren für sogenannte Pfändungskonten mehr erheben. Mit den beiden Urteilen vom Dienstag hatten die Klagen von Verbraucherschutzverbänden Erfolg. Die Zusatzgebühren seien unwirksam, weil die Geldinstitute Kosten für die Erfüllung ihrer gesetzlichen Pflichten auf die Bankkunden abwälzten, heißt es zur Begründung. Auf Pfändungskonten – auch P-Konten genannt – besteht seit Juli 2010 ein gesetzlicher Anspruch. Bei Lohnpfändungen sichert die Bank dabei das monatliche Existenzminimum des Schuldners und gibt nur die über die Pfändungsgrenze hinaus gehenden Beträge frei. Damit soll dem Schuldner ohne aufwendige gerichtliche Verfahren Geld zur Sicherung seines Lebensunterhalts verbleiben. Der Gepfändete kann entweder sein herkömmliches Girokonto in ein P-Konto umwandeln oder aber ein Pfändungskonto neu eröffnen. Zahlreiche Banken und Sparkassen erheben bisher für P-Konten höhere Gebühren als für herkömmliche Girokonten. In letzter Instanz gab der BGH in Karlsruhe aber den von Verbraucherverbänden statt. Ein Fall betraf die Sparkasse Nürnberg, die monatlich zehn Euro für ein Pfändungskonto verlangte und damit sieben Euro mehr als für ein übliches Girokonto. Auch die Sparkasse Bremen erhob Zusatzgebühren, wenn ein Kunde sein bestehendes Girokonto als P-Konto führen ließ. Der BGH entschied, dass die Klauseln als Preisnebenabreden der Inhaltskontrolle unterliegen. Diese gerichtliche Kontrolle führe zur Unwirksamkeit der Preisklauseln, denn die Geldinstitute wälzten „hierdurch Kosten für Tätigkeiten ab, zu deren Erbringung sie … gesetzlich verpflichtet sind“, heißt es in der Begründung des für das Bankenrecht zuständigen XI. Zivilsenats. (Aktenzeichen: Bundesgerichtshof XI ZR 500/11 und XI ZR 145/12) dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)

BASF produziert in USA künftig Batteriematerialien für Elektroautos

BASF produziert in USA künftig Batteriematerialien für Elektroautos Ludwigshafen/Elyria (dapd). Der Chemiekonzern BASF macht einen weiteren Schritt bei der Produktion von Batteriematerialien für Elektro- und Hybridautos. Im US-amerikanischen Elyria wurde am Dienstag eine Anlage für Kathodenmaterialien in Betrieb genommen, wie der DAX-Konzern mitteilte. Diese werden von BASF-Kunden wiederum in Lithium-Ionen-Batterien eingesetzt. Die neue Anlage kostete rund 39,4 Millionen Euro. BASF hat es sich zum Ziel gesetzt, führender Anbieter von Materialien und Komponenten für Batterien zu werden. Den Gesamtmarkt schätzt der Konzern bis 2020 auf mehr als 20 Milliarden Euro, das Umsatzpotenzial für BASF liege dann bei mehr als 500 Millionen Euro. Chemische Innovationen würden entscheidend dazu beitragen, „dass Elektromobilität in den kommenden Jahren nachhaltiger und bezahlbarer sein und eine breite Akzeptanz finden wird“, sagte der Leiter des Unternehmensbereichs Catalysts, Frank Bozich. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)

Kriselnder Solarkonzern Conergy macht weiter Verluste

Kriselnder Solarkonzern Conergy macht weiter Verluste Hamburg (dapd). Der angeschlagene Solarkonzern Conergy steht auf seinem Sanierungsweg ungeachtet gesunkener Verluste weiter unter Druck. Durch einen anhaltenden Preisverfall bei Solarprodukten von rund 40 Prozent binnen eines Jahres sackte der Umsatz im dritten Quartal auf 108 Millionen Euro ab, wie das Unternehmen am Dienstag in Hamburg mitteilte. Ein Jahr zuvor waren es noch 182,4 Millionen Euro. Den Verlust vor Zinsen und Steuern (Ebit) verringerte der Hersteller von Solaranlagen um mehr als zwei Drittel auf 35,1 Millionen Euro. Dabei hatten aber im Vorjahresquartal einmalige Abschreibungen zum Minus von 104 Millionen Euro beigetragen. Belastet wurde das Ergebnis im dritten Quartal neben dem Preisdruck auch durch die vorzeitige Auflösung eines langfristigen, teuren Liefervertrags mit der US-Firma MEMC. Dafür zahlte Conergy gut 16 Millionen Euro. Dennoch sieht das Management die Vertragsauflösung als Befreiung von einer Altlast. Conergy sei „weiterhin auf einem guten Weg“, sagte Vorstandschef Philip Comberg. Für das Gesamtjahr 2012 erwartet Conergy weiter einen geringeren Umsatz sowie einen Verlust vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) „im mittleren zweistelligen Millionenbereich“. Im Vorjahr hatte Conergy einen Umsatz von 754 Millionen Euro erzielt und einen Ebitda-Verlust von gut 84 Millionen Euro gemacht. Conergy hatte im Sommer noch einen positiveren Ausblick gegeben, während zahlreiche Wettbewerber in der kriselnden Solarbranche in die Pleite gingen. Doch im Oktober räumte der Konzern ein, zum zweiten Mal binnen zwei Jahren in Finanznot zu sein. Grund dafür war die Aufzehrung des Eigenkapitals von knapp 160 Millionen Euro um mehr als die Hälfte. Zum 30. September lag das Eigenkapital bei nur noch 72 Millionen Euro. Gemäß Aktiengesetz lud Conergy die Aktionäre daher für den 18. Dezember zu einer außerordentlichen Hauptversammlung. Dabei will der Vorstand nach Firmenangaben erläutern, wie der Verlust entstand. Beschlüsse etwa zu Kapitalmaßnahmen sieht die Tagesordnung nicht vor. Experten halten diese aber für unvermeidbar. „Wir sehen nicht, dass Conergy nach dem Verlust der Hälfte des Grundkapitals einen Kapitalschnitt vermeiden kann“, sagte Analyst Leonard Herbig vom Berliner Zentrum für Solarmarktforschung. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)

Dunkle Wolken über E.on

Dunkle Wolken über E.on Düsseldorf (dapd). Kurssturz bei E.on: Deutschlands größter Energieversorger hat die Börse am Dienstag mit einer Gewinnwarnung geschockt. Angesichts der Konjunkturkrise in Europa und des Siegeszuges der Solarenergie rechnet der Konzern nicht mehr damit, sein Ergebnisziel für 2013 erreichen zu können. Die Aktie verlor daraufhin zeitweise um mehr als elf Prozent an Wert. Konzernchef Johannes Teyssen malte bei der Präsentation der Quartalszahlen am Dienstag in Düsseldorf ein düsteres Bild der Lage auf dem Energiemarkt. „Noch nie seit dem Zweiten Weltkrieg war in so kurzer Zeit ein so deutlicher Absatzrückgang zu beobachten“, klagte er. Die Verwerfungen in den europäischen Energiemärkten verschärften sich schneller als jemals zuvor. Der Energieriese sieht sich gleich mit zwei Problemen konfrontiert. Einerseits lässt die um sich greifende Rezession in weiten Teilen Europas den Stromabsatz schrumpfen. Gleichzeitig sorgt das schnell wachsende Angebot an vorrangig einzuspeisendem Ökostrom dafür, dass die Gas- und Kohlekraftwerke des Konzerns immer häufiger stillstehen. Selbst modernste Gaskraftwerke könnten unter diesen Bedingungen kaum mehr profitabel betrieben werden, klagte der Manager. Die Gewinnwarnung kam dennoch unerwartet. Denn noch bei der Veröffentlichung der Halbjahreszahlen im August hatte der Konzern den Eindruck vermittelt, es gehe bei ihm nach der Energiewende wieder aufwärts. Teyssen sagte damals: „Wir haben die Talsohle durchschritten.“ Eine schnelle Besserung erwartet der Konzern offenbar nicht. Das Unternehmen überprüfe auch die bisherigen Aussagen für das Jahr 2015, teilte der Konzern mit. E.on-Chef will hart gegensteuern Doch will der E.on-Chef nun hart gegensteuern. Der Konzern werde sein Effizienzprogramm E.on 2.0, das unter anderem den Abbau von 11.000 Arbeitsplätzen vorsieht, nun „noch schneller und entschlossener umsetzen“, kündigte Teyssen an. Außerdem stellt er das Investitionsprogramm angesichts der verschlechterten Rahmenbedingungen auf den Prüfstand und plant die Schließung nicht mehr lukrativer Kraftwerksstandorte. Dabei glänzte der Konzern in den ersten neun Monaten noch einmal mit zweistelligen Wachstumsraten. Der Umsatz stieg laut Quartalsbericht um 21 Prozent auf 93,6 Milliarden Euro. Der nachhaltige Konzernüberschuss erhöhte sich sogar um 155 Prozent auf gut vier Milliarden Euro. Ausdrücklich bestätigte E.on auch seine Prognose für das laufende Jahr, die einen nachhaltigen Konzernüberschuss zwischen 4,1 und 4,5 Milliarden Euro und eine Dividende von 1,10 Euro pro Aktie vorsieht. Doch basiert dies wesentlich auf Einmaleffekten. Wesentliche Gründe dafür waren deutliche Verbesserungen im Gashandelsgeschäft nach der Neuverhandlung der langfristigen Lieferverträge mit Gazprom sowie der Wegfall einmaliger Belastungen aus der Energiewende. Schon im kommenden Jahr soll sich das Ergebnis wieder eintrüben. Das bislang angestrebte Ziel eines nachhaltigen Gewinns von 3,2 bis 3,7 Milliarden Euro erscheine 2013 angesichts der erheblichen wirtschaftlichen Unsicherheiten und der strukturellen Veränderungen im Energiesektor nicht mehr erreichbar, betonte der Konzern. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)

Deutschland strebt bei Digitalisierung Weltspitze an

Deutschland strebt bei Digitalisierung Weltspitze an Essen (dapd). Deutschland will bei der fortschreitenden Digitalisierung in den nächsten Jahren zur wirtschaftlichen Weltspitze aufsteigen. Bis 2020 könne es die Bundesrepublik als Industrienation sowie als Standort für Informationstechnologie (IT) gleichermaßen unter die ersten drei schaffen, sagte Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) auf dem diesjährigen Nationalen IT-Gipfel am Dienstag in Essen. „Wir wollen in beiden Bereichen auf das Siegertreppchen kommen.“ Als Industrienation steht Deutschland, einstmals die Nummer drei nach den USA und Japan, durch das enorme Wachstum Chinas und Indiens inzwischen auf dem fünften Rang. Im Wettbewerb der IT-Branche bringt es die Bundesrepublik auf Platz sechs. In den nächsten Jahren müsse daher die traditionelle Stärke der deutschen Industrie mit den Chancen der IT vernetzt werden, sagte Rösler: „Die digitale Wirtschaft ist Wachstumstreiber für alle Branchen.“ Schon jetzt geht nach einer auf dem Gipfel vorgestellten Studie rund ein Fünftel des Produktivitätswachstums in allen Wirtschaftszweigen auf den wachsenden Einsatz von IT zurück. Der Anteil werde mit der fortschreitenden Digitalisierung auch der klassischen Industrie weiter steigen. Die von Fachleuten ausgerufene „vierte industrielle Revolution“, kurz „Industrie 4.0“, sei eine „große Chance“ für Deutschland, befand auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU). Wachstum durch „intelligente Netze“ In Deutschland sollen die Wachstumsimpulse aus dem Aufbau intelligenter digitaler Netze in den zentralen Infrastrukturen Energie, Verkehr und Gesundheit kommen. Damit lassen sich dann beispielsweise Verkehrsströme besser lenken und die Stromerzeugung passgenau auf den Verbrauch abstimmen. Der Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und Neue Medien (Bitkom) schätzt die nötigen Investitionen auf 130 Milliarden Euro. „Das ist eine Mammutaufgabe, die Staat und Wirtschaft nur gemeinsam bewältigen können“, sagte Bitkom-Präsident Dieter Kempf. Dem folge aber eine jährliche Wertschöpfung von bis zu 55 Milliarden Euro. „Wir sollten uns zum Ziel setzen, in den kommenden zehn Jahren die modernste Infrastruktur weltweit aufzubauen“, so Kempf. Aber auch die nationale IT-Gründerszene soll künftig mehr Unterstützung bekommen. Das Bundeswirtschaftsministerium will dazu laut Rösler sowohl einen Beirat „Junge Digitale Wirtschaft“ als auch einen Marktplatz für junge IT-Betriebe – sogenannte Start-ups – schaffen. Diese sollen so unter anderem leichter potenzielle Investoren finden und Kontakte zur etablierten Wirtschaft aufbauen. Dass es hierzulande bislang weder ein deutsches Google noch ein deutsches Amazon gibt, führen IT-Experten vor allem auf unzureichende Gründerhilfe zurück. Bankkredite, Beteiligungskapital oder öffentliche Zuschüsse spielten bei der Finanzierung von Start-ups kaum eine Rolle, kritisierte Kempf: „Mit dem Sparbuch der Gründer kann man kein Google und kein Facebook aufbauen.“ Bereits zum siebten Mal veranstaltete die Bundesregierung den Nationalen IT-Gipfel, auf dem rund 800 Teilnehmer aus Wirtschaft, Forschung und Politik die künftigen wirtschaftlichen Möglichkeiten der Informations- und Kommunikationstechnologie ausloteten. Erstmals fand die Veranstaltung in Nordrhein-Westfalen statt. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)

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