Uelzen (dapd). Für den verstorbenen SPD-Politiker Peter Struck ist in seiner Heimatstadt Uelzen ein Kondolenzbuch ausgelegt worden. Zwei Wochen lang könnten Bürger in dem im Rathaus ausliegenden Buch nun ihre Trauer ausdrücken, teilte die Stadtverwaltung am Donnerstag mit. „Uns ist wichtig, den Menschen eine Möglichkeit zu geben, ihr Mitgefühl zu zeigen“, sagt Bürgermeister Otto Lukat (SPD). Struck war am Mittwoch im Alter von 69 Jahren nach einem Herzinfarkt in einer Berliner Klinik gestorben. Er war 48 Jahre lang SPD-Mitglied, gehörte 29 Jahre dem Bundestag an und war von 2002 bis 2005 Bundesminister der Verteidigung. dapd (Politik/Politik)
Kondolenzbuch in Strucks Heimatstadt Uelzen ausgelegt
Uelzen (dapd). Für den verstorbenen SPD-Politiker Peter Struck ist in seiner Heimatstadt Uelzen ein Kondolenzbuch ausgelegt worden. Zwei Wochen lang könnten Bürger in dem im Rathaus ausliegenden Buch nun ihre Trauer ausdrücken, teilte die Stadtverwaltung am Donnerstag mit. „Uns ist wichtig, den Menschen eine Möglichkeit zu geben, ihr Mitgefühl zu zeigen“, sagt Bürgermeister Otto Lukat (SPD). Struck war am Mittwoch im Alter von 69 Jahren nach einem Herzinfarkt in einer Berliner Klinik gestorben. Er war 48 Jahre lang SPD-Mitglied, gehörte 29 Jahre dem Bundestag an und war von 2002 bis 2005 Bundesminister der Verteidigung. dapd (Politik/Politik)
Handelsblatt steuert Internetseite künftig nachts aus New York
Düsseldorf (dapd). Nachrichten für Deutschland, geschrieben im Big Apple: Das „Handelsblatt“ hält sein Internetangebot ab Januar stundenweise von New York aus aktuell. Wenn hierzulande alles schläft, haben in einem neuen Newsroom in der US-Metropole deutsche Journalisten die Nachrichtenlage weiter im Blick, wie „Handelsblatt Online“-Chefredakteur Oliver Stock der Nachrichtenagentur dapd in Düsseldorf sagte. Etwa 15 Kollegen sollen vorwiegend für die Website und die mobilen Angebote arbeiten. Das Modell könnte Schule machen – denn Online-Leser erwarten auch am frühen Morgen Informationen, die so frisch sind wie ihr morgendlicher Kaffee. Chefredakteur Stock und sein Team haben den Schritt nach New York in den vergangenen Monaten vorbereitet – nun ziehen teilweise auch Kollegen von der Düsseldorfer Zentrale der Wirtschaftszeitung in die Millionenstadt um. Dort übernehmen sie das Ruder, während in Deutschland wegen der sechs Stunden Zeitverschiebung die Nacht anbricht: „Wir denken daran, dass diese Mannschaft die Kerntruppe ist, die nicht nur unsere deutschen Portale nachts steuert, sondern irgendwann auch in der Lage ist, eine Art digitalen ‚Reader’s Digest‘ des Handelsblatts auf Englisch herauszugeben“, sagte Stock. „Reader’s Digest“ ist ein US-Magazin, das traditionell Artikel von hohem Leserinteresse aus diversen Quellen zusammenfasst. Neue Arbeitsplätze trotz Zeitungskrise Während die Branche über eine tiefe Krise klagt, herrscht in Düsseldorf Optimismus. Das „Handelsblatt“ stellt Journalisten ein, weil das digitale Angebot weiter wachsen soll: „Das geht nicht ohne neue Kolleginnen und Kollegen, entweder dort – oder hier, wo sie die ersetzen, die künftig in New York sitzen“, sagte Stock. Sein Verlagshaus ist allerdings auch in einer vergleichsweise komfortablen Position: Seit zwei Wochen ist das „Handelsblatt“ nahezu unangefochten die Nummer Eins im aktuellen Geschäft mit Wirtschaftsnachrichten. Nach dem Ende der finanziell angeschlagene „Financial Times Deutschland“ wittert das Blatt aus der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt die Chance, sich weitere Marktanteile zu sichern. Sein Verlag kaufte kurzerhand die Daten der mehr als 41.000 Abonnenten der „FTD“. Diese erhielten direkt nach der Einstellung der Zeitung zum Kennenlernen eine Ausgabe des einstigen Konkurrenzblattes. Schweizer Internetportal wird aus Hongkong aktualisiert Die Idee, Mitarbeiter in anderen Zeitzonen zu postieren, setzt die Schweizer Nachrichtenseite 20minuten.ch bereits seit Sommer 2011 um. Seitdem werden im Sechs-Wochen-Rythmus Mitarbeiter von Zürich nach Hongkong entsendet, um dort das Portal aktuell zu halten, während die Schweiz schläft. „Die Seite soll um 5.00 Uhr morgens frisch aussehen“, sagte der stellvertretende Chefredakteur Franz Ermel. Ihr Hongkong-Redakteur trage für Stunden die Verantwortung für das gesamte Portal. Noch vor wenigen Jahren sei 20minuten.ch eine typische Büro-Seite gewesen, die Leute vom Schreibtisch aus aufriefen, sagte Ermel. „Aber durch die Smartphone-Revolution hat sich das extrem geändert.“ Zwei Drittel der Besucher kämen mittlerweile mit dem internetfähigen Handy oder dem mobilen Tablet-Computer auf die Seite. „Die Leute lesen uns frühmorgens um 5.30 Uhr oder auch um 1.00 Uhr in der Nacht.“ (20minuten.ch im Juli 2011 zu ihrem Hongkong-Redakteur: http://url.dapd.de/JtZhu5 ) dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
Staatsanwaltschaft nimmt weitere Porsche-Verantwortliche ins Visier
Stuttgart (dapd). Nach der Anklageerhebung gegen die früheren Porsche-Vorstände Wendelin Wiedeking und Holger Härter wegen Marktmanipulation untersucht die Staatsanwaltschaft Stuttgart auch die Rolle anderer Beteiligter bei der missglückten Übernahme von Volkswagen durch VW. „Das ist so eine Art Nachbereitung“, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft am Donnerstag der Nachrichtenagentur dapd. Unter anderem werde untersucht, ob der Aufsichtsrat eventuell seine Aufsichtspflicht verletzt habe oder ob sich Personen der Beihilfe schuldig gemacht haben. Damit geraten auch das Porsche-Aufsichtsratsmitglied Ferdinand Piëch – Chef des Volkswagen-Kontrollgremiums – und der Aufsichtsratsvorsitzende Wolfgang Porsche ins Visier der Ermittler. Dieses Vorgehen sei üblich, Ermittlungen seien aber noch keine eingeleitet worden, sagte die Sprecherin. Damit bestätigte sie einen Bericht der „Wirtschaftswoche“. Auch die Rolle anderer Manager werde untersucht. Der Staatsanwaltschaft lägen „sehr umfangreiche Akten“ über die mögliche Verstrickung weiterer Personen in die angeblichen Manipulationen des Aktienmarktes vor, heißt es darin. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
Reform des Emissionshandels könnte Milliarden einbringen
Berlin (dapd). Eine Reform des europäischen Emissionshandels könnte knapp zwei Milliarden Euro in die deutschen Staatskassen spülen. Sollte die EU, wie von der EU-Kommission vorgeschlagen, 900.000 Verschmutzungszertifikate vorübergehend aus dem Markt nehmen, könnte Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) für den Zeitraum 2013 bis 2015 mit Extraeinnahmen von 1,9 Milliarden Euro rechnen. Das geht aus einem internen Bericht hervor, aus dem die Zeitung „Die Welt“ zitiert. EU-Klimakommissarin Connie Hedegaard will mit dem Markteingriff den anhaltenden Preisverfall im Emissionshandel stoppen. Derzeit liegt der Preis pro Tonne Kohlendioxid bei rund sieben Euro, durch die Verknappung soll er laut Berechnungen der Behörde 2013 auf zehn, 2014 auf elf und 2015 auf zwölf Euro steigen. Insgesamt könnten damit 21 Milliarden Euro in die Kassen der EU-Staaten fließen anstatt lediglich 14 Milliarden Euro. Die deutschen Einnahmen lägen bei fast fünf Milliarden Euro, ohne eine Verknappung der Zertifikatsmenge wären es dem Bericht zufolge 3,13 Milliarden Euro. Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) hatte sich zuletzt für den Vorschlag der EU-Kommission ausgesprochen, Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) lehnt das Ansinnen hingegen ab. dapd (Politik/Politik)
Psychotherapeuten schimpfen über sinkende Zahl an Praxen
Berlin (dapd). Als Mogelpackung für psychisch Kranke kritisieren Psychotherapeuten die neue Bedarfsplanungsrichtlinie. Der Spitzenverband der Krankenkassen und die Kassenärztliche Bundesvereinigung hielten ihre Zusagen nicht ein, die psychotherapeutische Versorgung in Deutschland zu verbessern, kritisierte der Präsident der Bundespsychotherapeutenkammer, Rainer Richter, am Donnerstag in Berlin. Über die neue Bedarfsplanungs-Richtlinie berät am Mittag der Gemeinsame Bundesausschuss. Krankenkassen und Kassenärzte hätten im Oktober beschlossen, zusätzliche Psychotherapeuten zuzulassen und dafür rund 100 Millionen Euro bereitzustellen, erklärte Richter. Doch statt zusätzliche Praxen zu schaffen, könne ab 2013 die Zahl der Psychotherapeuten in Deutschland um mehr als 6.000 sinken. Schuld an dieser Entwicklung sei die Tatsache, dass der Ausschuss mit Zahlen von 1999 rechne. Aktuell arbeiten nach Richters Angaben rund 21.600 niedergelassene Psychotherapeuten in Deutschland. Der Ausschuss plane für das kommende Jahr mit rund 15.100 Praxen. „Wir fordern, dass tatsächlich 1.300 Praxen zusätzlich zu den bereits existierenden Praxen geschaffen werden“, erklärte der Präsident. In seiner letzten Sitzung des Jahres befasst sich der Gemeinsame Bundesausschuss mit einem neuen Planungsrahmen für die Zulassungsmöglichkeiten von Ärzten einschließlich Psychotherapeuten. Ziel ist eine gleichmäßige und bedarfsgerechte ambulante medizinische Versorgung. Der Ausschuss ist das oberste Beschlussgremium der gemeinsamen Selbstverwaltung der Ärzte, Zahnärzte, Psychotherapeuten, Krankenhäuser und Krankenkassen in Deutschland. Er bestimmt in Form von Richtlinien den Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) für mehr als 70 Millionen Versicherte. dapd (Politik/Politik)
Messe Frankfurt macht erstmals über 500 Millionen Euro Umsatz
Frankfurt/Main (dapd). Die Messegesellschaft in Frankfurt am Main hat als erste in Deutschland die Marke von 500 Millionen Euro Umsatz übersprungen. Im zu Ende gehenden Jahr waren es nach dem vorläufigen Ergebnis 538 Millionen Euro, wie Vorstandschef Wolfgang Marzin am Donnerstag mitteilte. Mit dem Umsatzrekord habe die Frankfurter Messe ihre eigene Planung um rund 40 Millionen Euro übertroffen. Zugleich lag der Umsatz um rund 15 Prozent über dem Vorjahresergebnis. Laut Marzin betrafen die Umsatzsteigerungen sowohl das Auslands- als auch das Inlandsgeschäft. Im Ausland lagen sie sogar um 28 Prozent über dem bisherigen Spitzenwert von 2011. Mit 169 Millionen Euro macht das Auslandsgeschäft inzwischen rund 31 Prozent des Konzernumsatzes aus. Vor allem die asiatischen Gesellschaften der Messe Frankfurt hatten daran entscheidenden Anteil. Das Ergebnis vor Steuern lag bei 42 Millionen Euro und damit in etwa auf dem Niveau des ebenfalls ohne die Internationale Automobil Ausstellung (IAA) verlaufenen und somit turnusmäßig vergleichbaren Jahres 2010. Allerdings gehen davon rund 13 Millionen Sonderzahlung für die Auflösung eines Cross-Border-Vertrags ab, so dass das vorläufige Konzernergebnis vor Steuern real rund 30 Millionen Euro betrug. Auch für das Jahr 2013 äußerte sich Marzin optimistisch. Angestrebt werden weiteres Wachstum und eine Umsatzsteigerung. Im Heimatstandort Frankfurt soll dabei vor allem in Veranstaltungen und das digitale Geschäft investiert werden. Zudem stünden strategische Allianzen mit führenden internationalen Partnern und Messeveranstaltern auf dem Programm. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
Deutsche Bahn verklagt Schienenkartell
Berlin (dapd). Eineinhalb Jahre nach der Aufdeckung des Schienenkartells fordert die Deutsche Bahn vor dem Frankfurter Landgericht Schadenersatz von den beteiligten Unternehmen. Bahnvorstand Gerd Becht betonte am Donnerstag, er sehe sehr gute Erfolgschancen für die Klage des Unternehmens. Die Höhe des entstandenen Schadens wurde vom Bahnkonzern in der Klageschrift zunächst nicht konkret beziffert. Doch liegt der vorläufige Streitwert nach Informationen der „Süddeutschen Zeitung“ bei rund 750 Millionen Euro. Das Bundeskartellamt hatte gegen die Mitglieder des Schienenkartells bereits im vergangenen Jahr Bußgelder in einer Gesamthöhe von 124,5 Millionen Euro verhängt. Nach den Ermittlungen der Wettbewerbsbehörde hatten die beteiligten Unternehmen jahrelang durch verbotene Absprachen die Preise für Schienen in die Höhe getrieben. Die dadurch entstandenen Mehrkosten fordert die Bahn nun von den Unternehmen ThyssenKrupp, Moravia Steel und Vossloh sowie dem ehemaligen Eigentümer der Vossloh-Tochtergesellschaft Stahlberg zurück. ThyssenKrupp zeigt sich überrascht Becht sagte: „In den vergangenen Monaten haben wir an die Einsicht der Kartellanten appelliert und erwartet, zu einer gütlichen Einigung zu kommen.“ Doch gebe es nach Einschätzung der Bahn bislang keine zielführende Mitwirkung der verklagten Unternehmen an diesen Gesprächen. „Einige haben sogar die Gespräche mit uns abgebrochen. Und das, obwohl zweifelsfrei feststeht, dass sie die Bahn geschädigt haben“, sagte Becht. Die Bahn habe sich deshalb entschlossen, ihre Ansprüche gerichtlich geltend zu machen. Die Erfolgsaussichten seien gut. Denn das Landgericht sei an die Feststellungen des Bundeskartellamtes gebunden. Die gerichtliche Auseinandersetzung könne sich deshalb auf die Höhe des Schadenersatzes beschränken, betonte die Bahn. Deutschlands größter Stahlkonzern ThyssenKrupp, der bei dem Kartell eine führende Rolle spielte, zeigte sich überrascht vom Vorgehen der Bahn. Der Konzern führe seit Monaten mit der Bahn Gespräche über einen Schadensausgleich und habe keinen Anlass für die Klageerhebung zum jetzigen Zeitpunkt gegeben. „Wir gehen davon aus, dass die Klage zur Wahrung von Verjährungsfristen eingereicht wurde“, hieß es in Essen. Eine konkrete Forderungssumme sei von der Bahn bisher in den Gesprächen noch nicht genannt worden. Ein Sieg der Bahn wäre auch ein Erfolg für die Steuerzahler. Da der größte Teil der Schienenkosten von der öffentlichen Hand getragen wird, würde ein Großteil des Schadenersatzes in die Staatskasse fließen. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
Deutsche Bank kommt nicht aus den Negativ-Schlagzeilen
Frankfurt/München (dapd). Die Chefetage der Deutschen Bank kommt einfach nicht zur Ruhe: Ein Bericht über die Hintergründe der Razzia, Kritik von Spitzenpolitikern und ein verlorener Prozess in Italien befeuern die Image-Krise des größten heimischen Finanzinstituts. Die „Süddeutsche Zeitung“ berichtete unter Berufung auf Ermittlerkreise, das Institut habe die aufsehenerregende Hausdurchsuchung vergangene Woche selbst verschuldet. Die Bank habe Warnungen der Staatsanwaltschaft ignoriert und den Ermittlern wichtige Unterlagen verweigert. Die Frankfurter Generalstaatsanwaltschaft habe den Firmenanwalt des Instituts bereits im Juni davor gewarnt, angeforderte Unterlagen länger zurückzuhalten, heißt es in dem Bericht. Demnach sei die Warnung einer „dunkelgelben“ Karte beim Fußball vergleichbar gewesen. Die Bank habe sich aber weiter geweigert, so umfassend mit den Behörden zusammenzuarbeiten, wie man das seit mehr als zwei Jahren immer wieder versprochen hatte. Ein Banksprecher wollte sich auf dapd-Anfrage nicht zu dem Bericht äußern und verwies auf die laufenden Ermittlungen. Er erneuerte lediglich die Aussage, dass das Institut die Vorwürfe gegen einzelne Mitarbeiter prüfe und dazu mit den Behörden zusammenarbeite. Fitschen weiter in der Kritik Rund 500 Ermittler hatten in der vergangenen Woche Büros der Deutschen Bank und Wohnungen durchsucht. 25 Mitarbeiter stehen unter Verdacht, in einen Umsatzsteuerbetrug mit CO2-Zertifikaten verstrickt zu sein. Derzeit sitzen noch drei Deutschbanker in Untersuchungshaft, ein weiterer wurde zwischenzeitlich wieder freigelassen. Der Co-Vorstandsvorsitzende der Bank, Jürgen Fitschen, beschwerte sich wegen der Razzia beim hessischen Ministerpräsidenten Volker Bouffier (CDU). Dieser wies aber auf die Unabhängigkeit der Staatsanwaltschaft hin. Seitdem das Telefonat bekanntwurde, hat Fitschen heftige Kritik aus allen größeren Parteien geerntet. Der Manager bat daraufhin öffentlich um Entschuldigung, die Kritiker brachte er damit aber nicht zum Verstummen. Der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel wies daraufhin, dass Fitschen sich glücklich schätzen könne, noch nicht zum Rücktritt gezwungen worden zu sein. „Ein Politiker hätte bei einem solchen Versuch, die Arbeit von Staatsanwalt und der Polizei durch einen Anruf beim Ministerpräsidenten zu behindern, bereits seinen Job verloren“, sagte Gabriel der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Es verstärke sich der Eindruck, dass manche Spitzenbanker glaubten, sie stünden über dem Gesetz. In Deutschland hätten sich inzwischen „Parallelgesellschaften in den obersten Etagen“ gebildet. Verteidigungsminister Thomas de Maizière (CDU) sagte der „Bild“-Zeitung: „Fitschens Anruf bei Bouffier hat mich erstaunt. Ich war selber Justizminister. Aber so etwas habe ich noch nicht erlebt.“ Die Vize-Chefin der Linksfraktion im Bundestag, Sahra Wagenknecht, forderte, Fitschen im Bundestag vorzuladen. „Ich schließe auch einen Untersuchungsausschuss nicht aus“, sagte Wagenknecht der „Rheinischen Post“. Deutsche Bank wegen Betrugs zu Geldstrafe verurteilt Derweil musste die Deutsche Bank eine weitere Schlappe einstecken. Ein Gericht in Mailand verurteilte das Frankfurter Institut und drei weitere Banken in einem seit zwei Jahren andauernden Streit mit der italienischen Stadt zu Geldstrafen wegen Betrugs. Neben der Deutschen Bank sind dies die UBS, JP Morgan Chase und die zur verstaatlichten HRE-Bank gehörende Depfa. Mailand hatte den Banken vorgeworfen, durch Unregelmäßigkeiten beim Verkauf von hochkomplexen Derivaten im Zusammenhang mit einer von der Stadt begebenen Anleihe rund 100 Millionen Euro verdient zu haben. Die Institute hatten in dem Streit bereits im Frühjahr eine Einigung erzielt und dabei 455 Millionen Euro gezahlt. Strafrechtlich ging das Verfahren vor Gericht jedoch weiter. Neben der Strafe von je einer Million Euro zog der Richter nun auch die rund 100 Millionen an Gewinnen ein, die die Banken mit dem Geschäft erzielt haben sollen. Zudem wurden neun Angestellte mit achtmonatigen Haftstrafen belegt. Die Banken kündigten an, in Berufung gehen zu wollen. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
Leicht erkennbare Finte
München (dapd). Im Milliardenstreit zwischen der Bayerischen Landesbank und ihrer früheren Konzerntochter Hypo Group Alpe Adria (HGAA) stehen die Zeichen weiter auf Konfrontation. Die BayernLB schlug am Donnerstag das Angebot der HGAA aus, geschuldete Zinszahlungen auf ein Treuhandkonto zu überweisen. Dabei handele es sich um eine „leicht erkennbare Finte“, sagte ein BayernLB-Sprecher. Die HGAA behalte sich das Recht vor, die Gelder jederzeit ohne Begründung wieder vom Treuhänder zurückzufordern. Außerdem verlange die Kärntner Bank, dass die BayernLB auf rechtliche Schritte verzichte. Zuvor hatte HGAA-Chef Gottwald Kranebitter im Interview mit den „Oberösterreichischen Nachrichten“ von einem konstruktiven Angebot gesprochen. Zugleich betonte er: „Wir wollen keinen österreichisch-bayerischen Watschentanz. Es braucht eine faire und korrekte Lösung.“ In dem Bankenstreit geht es um rund drei Milliarden Euro, die die BayernLB ihrer damaligen Konzerntochter überwiesen hatte. Für die Landesbank ist das Geld ein normaler Kredit, der zurückgezahlt werden muss. Die HGAA verweigert jedoch Tilgungs- und Zinsleistungen, weil es sich aus ihrer Sicht um eine Eigenkapitalspritze handelte. Der Streit beschäftigt inzwischen auch das Münchner Landgericht. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)