Der HSBI-Jahresempfang in Bielefeld hat die Veränderungen von Lernen und Lehren an Hochschulen in den Mittelpunkt gestellt. Die Hochschule Bielefeld präsentierte ihren Jahresbericht 2025, zeichnete Prof. Dr. Jonas Ide für seine Lehre aus und vergab einen Engagementpreis an die Studentin Jessica Czok.
Mehr als 600 Menschen vor Ort und im Livestream
Mehr als 400 Gäste verfolgten den Jahresempfang im Audimax der Hochschule Bielefeld. Zwei Dutzend weitere Personen schalteten sich an Bildschirmen auf den Fluren des Hauptgebäudes zu, annähernd 200 nutzten den Livestream. Unter den Gästen waren nationale und internationale Vertreterinnen und Vertreter aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik sowie Hochschulmitglieder.
HSBI-Präsidentin Prof. Dr. Ingeborg Schramm-Wölk stellte die Veranstaltung in den Zusammenhang von Lehre, Forschung und Transfer. Sie verwies auf erneut gestiegene Drittmitteleinnahmen, ein gutes Abschneiden der Hochschule im Bereich der sogenannten Third Mission und zahlreiche Bewerbungen zum kommenden Wintersemester. Konkrete Zahlen zu Drittmitteln, Ranking und Bewerbungen nannte die HSBI dabei nicht.
Schramm-Wölk begründete die Nachfrage nach Studienplätzen unter anderem mit dem praxisnahen Studienangebot, der fortlaufenden Anpassung der Lehre an neue Erfordernisse und der Attraktivität der HSBI für Studieninteressierte aus dem Ausland. Die Entwicklung ordnete sie vor dem Hintergrund ein, dass der gymnasiale Abiturjahrgang in Nordrhein-Westfalen in diesem Jahr weitgehend wegfällt und weniger geburtenstarke Jahrgänge an die Hochschulen kommen.
Ewald Lienen spricht über Lernbedingungen und Vorbilder
Als Keynotespeaker sprach der frühere Bundesligaprofi und Fußballlehrer Ewald Lienen über Bedingungen für erfolgreiches Lernen. Er hob das anwendungsnahe Studium an der HSBI hervor und verwies auf die berufliche Erfahrung der Lehrenden aus Unternehmen und Institutionen.
Lienen betonte die Bedeutung persönlicher Motivation: „Ich kann als Lehrer niemanden motivieren, ich kann nur den Rahmen schaffen, innerhalb derer ein Lernerfolg möglich und wahrscheinlicher wird.“ Auch Vorbilder seien für Lernprozesse bedeutsam. Seine Ausführungen bildeten den Auftakt für eine Gesprächsrunde mit den Studierenden Ana Dorl und Luis Denninghoff.
Dorl berichtete über ihr Studium der Sozialen Arbeit und ihre Tätigkeit als HSBI-Campus-Reporterin auf Instagram. Denninghoff, der Wirtschaft studiert, schilderte seine Teilnahme an einer von der HSBI angebotenen Summer School in China. Dort besuchte er Unternehmen und erhielt nach eigener Darstellung Einblicke in deren technische Innovationsfähigkeit.
Lehrpreis für Veranstaltung zur Diskreten Optimierung
Den HSBI-Lehrpreis erhielt Prof. Dr. Jonas Ide für seine Lehrveranstaltung „Diskrete Optimierung“ im Masterstudiengang „Computational Engineering“. Für die Auszeichnung konnten Studierende Seminare und Vorlesungen nominieren; in die engere Auswahl kamen Veranstaltungen mit mindestens drei Nominierungen. Eine Jury aus Studierenden und Hochschullehrern entschied über den Preis.
Die Jury würdigte insbesondere, dass Ide komplexe mathematische Inhalte anhand praktischer Fragestellungen vermittelt. Beispiele aus der Lehrveranstaltung betreffen die Reihenfolge von Paketzustellungen, den Einsatz vorhandener Rohstoffe oder Finanzmittel sowie die Fahrplangestaltung im öffentlichen Personennahverkehr. Prof. Dr. Ulrich Schäfermeier, HSBI-Vizepräsident für Studium und Lehre, überreichte die Urkunde.
Mit der Auszeichnung rückt die HSBI ein Themenfeld in den Fokus, das für Unternehmen und öffentliche Infrastruktur relevant ist: Optimierungsverfahren können bei Planung, Ressourceneinsatz und Logistik eingesetzt werden. Die Veranstaltung verknüpft diese Anwendungen mit dem Masterstudium Computational Engineering.
Engagementpreis für Jessica Czok
Der mit 1.000 Euro dotierte Engagementpreis der HSBI-Fördergesellschaft ging an Jessica Czok. Sie studiert im Master „Sozialwissenschaftliche Nachhaltigkeits- und Transformationsstudien“ und engagiert sich nach Angaben der HSBI in mehreren sozialen Initiativen in Bielefeld.
Czok ist als Foodsaverin für den Verein foodsharing e.V. tätig, arbeitet ehrenamtlich bei der Aidshilfe Bielefeld e.V. als Streetworkerin und unterstützt die Drogenberatung e.V. Bielefeld. Zudem ist sie Regionalsprecherin von akzept NRW e.V. Die Laudatorin Prof. Dr. Eika Auschner verwies darauf, dass Czok eine Weiterbildung in Traumafachberatung selbst finanziert habe.
Die Auszeichnung war Teil des Programms, das neben Hochschullehre auch gesellschaftliches Engagement von Studierenden thematisierte. Damit verband der Jahresempfang fachliche Fragen des Studiums mit Aktivitäten, die außerhalb des Hochschulalltags stattfinden.
Jahresbericht behandelt generative Sprachmodelle und Studienwege
Die HSBI veröffentlichte beim Jahresempfang ihren Jahresbericht 2025 mit dem Titel „Neue Wege, Umwege, Irrwege“. Das Magazin befasst sich aus unterschiedlichen Perspektiven mit Veränderungen beim Lernen und Lehren. Ein Schwerpunkt sind Chancen und Herausforderungen beim zunehmenden Einsatz großer generativer Sprachmodelle an Hochschulen.
Weitere Beiträge behandeln Erfahrungen von Studierenden aus dem In- und Ausland, Karrierewege nach einem berufsbegleitenden Studium, Serviceangebote für Studierende und Forschung von Doktorandinnen und Doktoranden. Die Gestaltung entwickelte die Agentur Any Studio um die HSBI-Alumna Katerina Trakakis. Das Konzept arbeitet mit Querverweisen und bricht klassische Lesegewohnheiten auf.
Prof. Dr. Edith Kollath stellte zudem die Jahresgabe „Atlas of Atmospheres“ vor. Die Arbeit setzt ihre künstlerische Forschung zu Atem und Luft fort. Für die Umsetzung eines bedruckten, von den Nutzerinnen und Nutzern aufzublasenden Objekts arbeitete Kollath mit dem Verpackungsspezialisten Flöter aus Schwieberdingen bei Stuttgart zusammen. Das Tableau Quartett, dessen Mitglieder sich an der Hochschule für Musik Detmold kennengelernt haben, gestaltete das Programm musikalisch mit.
Veranstaltungslink: HSBI