Lange Zeit spielten Gaspreise in Deutschland aufgrund der günstigen russischen Gasimporte eine vergleichsweise untergeordnete Rolle. Das hat sich mit dem Ukrainekrieg gänzlich verändert, auch jüngst kam es durch den Konflikt im Iran wieder zu neuen Preisspitzen bei fossilen Energieträgern. Noch dazu sind Gaspreise bundesweit sowieso keinesfalls identisch, sondern können in erheblicher Weise schwanken.
Der Status Quo im Gasmarkt
Deutschland baut zum aktuellen Zeitpunkt weiter LNG-Terminals, um die höchstwahrscheinlich nicht mehr wiederkehrenden Gasimporte aus Russland auszugleichen. Das Problem ist damit in Anbetracht der aktuellen Situation aber längst nicht erledigt: Ein Teil der Importe kam nämlich auch aus dem Nahen Osten, wo zum aktuellen Zeitpunkt aufgrund der Blockade der Straße von Hormus so gut wie kein Durchkommen ist. Beide Gründe sorgen dafür, dass in Deutschland die Inflation zuletzt wieder über dem Zielwert lag, denn fossile Energiekrisen sind traditionell auch große Preistreiber.
Welche Hauptursachen sorgen für regionale Preisschwankungen?
Beide zuvor genannten Gründe sind primär für generelle Preissteigerungen verantwortlich. Aber weder das Preisniveau noch die relative Preissteigerung sind innerhalb der Bundesrepublik länder- und kommunenübergreifend identisch. Das liegt allen voran an den regionalen Netzentgelten. Selbige werden auf die Endkunden verteilt, weshalb in urbanen und dicht besiedelten Regionen das tatsächlich fällige Netzentgelt pro Person niedriger ausfällt als in dünn besiedelten und ländlichen Regionen – auch da fallen Netzentgelte an, verteilen sich aber naturgemäß auf weniger Haushalte. Nicht selten haben Netzentgelte einen Anteil von etwa 20 % am Gesamtpreis, sie sind also keinesfalls unerheblich oder nur Rundungsfehler.
Eine weitere Schlüsselrolle spielt der Wettbewerb. Dort, wo viele Gasanbieter tätig sind, führt das zu einem steigenden Wettbewerb. Dadurch erhöhen sich aus Kundensicht die Chancen für niedrigere Preise. Sind in bestimmten Regionen jedoch nur wenige Gasanbieter tätig, müssen diese keinen dichtgedrängten Wettbewerb fürchten und erlangen daher eine stärkere Preissetzungsmacht. Zu beachten ist außerdem: Es gibt keine starren gesetzlichen Vorgaben, wie Gasanbieter den Rohstoff einkaufen müssen. Manche Gasanbieter haben daher vielleicht einfach „clever“ günstig eingekauft und können daher günstigere Preise anbieten als solche Anbieter, die zu einem schlechten Zeitpunkt einkauften und den höheren Preis nun an die Endverbraucher weitergeben.
Es lohnt sich aus Kundensicht also definitiv einen Blick auf die aktuelle Gaspreisentwicklung zu werfen. Dahingehend ist es aber ebenso wichtig, sich nicht nur an den bundesweiten Preisen zu orientieren, sondern auf die Preise zu schauen, die tatsächlich in der eigenen Region abgerufen werden.
Was spielt noch eine Rolle und wie könnte man gegensteuern?
Abseits der genannten Faktoren gibt es noch einige weitere Aspekte, die zu berücksichtigen sind:
– Die Entwicklung des CO2-Preises
– Individuelle Vertragsbedingungen, insbesondere der finale Preis pro bezogener Kilowattstunde Gas
– Etwaige Vergünstigungen, zum Beispiel Neukunden-, Wechsel- oder Treueboni
Wer mit Gas heizt und das auch in absehbarer Zeit noch tun wird, sollte sich regelmäßig einen Überblick über möglicherweise bessere Angebote am Markt verschaffen. Das ist auch deshalb wichtig, weil es so wie schon in der Vergangenheit mit großer Wahrscheinlichkeit auch in der Zukunft wieder fossile Energiekrisen und damit signifikant steigende Preise geben wird.
