Professor Stefan Witte, TH-OWL-Präsident Jürgen Krahl und Institutsleiter Thomas Schulte stehen bei der FJRG-Fachtagung im historischen Rathaus Lemgo vor den Teilnehmenden.
Professor Dr. Stefan Witte (von links), Vizepräsident für Forschung und Transfer, Professor Dr. Jürgen Krahl, Präsident der TH OWL, und Professor Dr. Thomas Schulte, Leiter des Instituts für Energieforschung, bei der FJRG-Fachtagung in Lemgo. Foto: TH OWL

FJRG-Fachtagung Lemgo: Erneuerbare Kraftstoffe als Teil des Mobilitätsmixes

Mehr als 60 Fachleute aus Wissenschaft, Industrie und Verbänden haben bei der FJRG-Fachtagung Lemgo über die künftige Energieversorgung des Verkehrs diskutiert. Nach ihrer Einschätzung werden erneuerbare Kraftstoffe neben der Elektromobilität insbesondere für Luftfahrt, Schifffahrt, Schwerlastverkehr und bestehende Fahrzeugflotten benötigt.

FJRG-Fachtagung Lemgo setzt auf einen Technologiemix

Die siebte Tagung der Fuels Joint Research Group fand am 11. und 12. Juni im historischen Rathaus in Lemgo statt. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie sich die Klimaziele im Verkehrssektor erreichen lassen, wenn nicht alle Anwendungen kurzfristig batterieelektrisch betrieben werden können.

Flüssige und gasförmige Energieträger dürften nach Einschätzung der Teilnehmenden aufgrund ihrer hohen Energie- und Leistungsdichte langfristig relevant bleiben. Neben der Elektromobilität wurden deshalb Biokraftstoffe, Wasserstoff, Methanol, Ammoniak und synthetische Kraftstoffe als mögliche Bestandteile einer klimaverträglichen Mobilität diskutiert.

„Wer die Klimaziele ernst nimmt, darf erneuerbare Kraftstoffe nicht gegen Elektromobilität ausspielen. Wir brauchen beides“, sagte Professor Dr. Jürgen Krahl, Präsident der Technischen Hochschule Ostwestfalen-Lippe. Entscheidend sei nicht allein die Art des Kraftstoffs, sondern vor allem dessen Herkunft.

Regulierung beeinflusst Investitionen und Wettbewerbsfähigkeit

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf den politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Nach Einschätzung der Fachleute werden die europäischen Regelwerke RED III und ETS2 wesentlich mitbestimmen, welche klimafreundlichen Kraftstoffe künftig wirtschaftlich eingesetzt werden können.

Gleichzeitig bestehen weiterhin Unsicherheiten bei Investitionen in neue Produktionskapazitäten. Vorgestellte Forschungsergebnisse zu Power-to-Liquid- und Syngas-Verfahren zeigten nach Angaben der Forschenden Fortschritte bei Effizienz und Skalierbarkeit. Offen bleibt jedoch, ob erneuerbare Kraftstoffe künftig in ausreichender Menge zur Verfügung stehen werden.

Auch die Versorgungssicherheit spielte eine Rolle. Heimisch verfügbare flüssige und gasförmige Energieträger können nach Einschätzung der Forschenden dazu beitragen, die Energieversorgung in Krisensituationen abzusichern.

Künstliche Intelligenz unterstützt die Kraftstoffforschung

Die Fachvorträge behandelten außerdem neue Möglichkeiten zur Emissionsminderung bei Verbrennungsmotoren. Dabei ging es unter anderem um den Einsatz künstlicher Intelligenz bei der Entwicklung von Kraftstoffen, der Modellierung von Emissionen und der Optimierung von Verbrennungsprozessen.

Professor Dr. Stefan Witte, Vizepräsident für Forschung und Transfer der TH OWL, ordnete postfossile Mobilität nicht als vollständigen Verzicht auf Verbrennungsmotoren ein. Entscheidend sei vielmehr, dass die eingesetzte Antriebsenergie nicht mehr auf fossilen Energieträgern basiere.

Die TH OWL will diese Fragestellungen auch im Mobilitätszentrum MZL auf dem Innovation Campus Lemgo untersuchen. Das Forschungsinfrastrukturprojekt soll sich unter anderem mit umweltfreundlichen Antrieben beschäftigen. Die Hochschule sieht Ostwestfalen-Lippe dabei als Modellregion für postfossile, automatisierte und vernetzte Mobilität in ländlichen Räumen.

Gruppenfoto der Ausgezeichneten und Organisierenden des FJRG-Nachwuchsförderpreises mit Urkunden und Blumensträußen im historischen Rathaus Lemgo.
Professorin Dr. Anika Sievers (links) zeichnete Ewald Keksel (3. von links), Florian Zacherl (7. von links), Svenja Iserloth (6. von links) und Yasin Incedag (5. von links) mit dem FJRG-Nachwuchsförderpreis aus. Foto: TH OWL

Nachwuchsförderpreis für nachhaltige Kraftstoffforschung

Die Fuels Joint Research Group wurde 2012 gegründet und umfasst inzwischen 15 Forschungspartner aus Deutschland. Bei der Tagung in Lemgo präsentierten 24 Referentinnen und Referenten in 16 Fachvorträgen sowie einer Postersektion aktuelle Ergebnisse zu Kraftstoffen, Antriebssystemen und nachhaltiger Mobilität.

Im Rahmen der Veranstaltung wurde außerdem der Nachwuchsförderpreis vergeben. Den ersten Platz erhielt Ewald Keksel. Florian Zacherl belegte den zweiten Platz. Svenja Iserloth und Yasin Incedag teilten sich den dritten Platz.

Unternehmens-/Veranstalterlink:
www.th-owl.de
www.fuels-jrg.de

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