Die Unternehmensnachfolge zählt zu den größten strategischen Herausforderungen für den deutschen Mittelstand. Jedes Jahr stehen tausende kleine und mittlere Unternehmen vor der Frage, wie das eigene Lebenswerk gesichert und in neue Hände übergeben werden kann. Wer die Nachfolge zu spät angeht, riskiert nicht nur wirtschaftliche Einbußen, sondern auch den Verlust von Arbeitsplätzen, regionalem Know-how und gewachsenen Unternehmensstrukturen. Nachfolge ist damit längst kein Randthema mehr, sondern ein zentraler Faktor für die Stabilität der deutschen Wirtschaft.
Die Komplexität des Nachfolgeprozesses ist hoch. Rechtliche, steuerliche, wirtschaftliche und organisatorische Aspekte greifen ineinander. In Familienunternehmen kommen emotionale und generationenübergreifende Fragestellungen hinzu, die den Entscheidungsprozess zusätzlich erschweren. Neben diesen bekannten Herausforderungen rückt ein Aspekt zunehmend in den Vordergrund: die Finanzierung der Unternehmensübernahme.
Demografischer Druck und wachsende Nachfolgelücke
Das neue Nachfolge-Monitoring Mittelstand 2025 von KfW Research macht deutlich, dass die Nachfolgeproblematik im deutschen Mittelstand an Dringlichkeit gewinnt. Immer mehr Unternehmer stehen vor der Frage, wie sie ihr Lebenswerk fortführen können: Rund jedes vierte mittelständische Unternehmen denkt inzwischen im Fall des Ausscheidens der Senior-Generation über eine Geschäftsaufgabe nach. Hochgerechnet bedeutet dies bis Ende 2029 jährlich etwa 114.000 Unternehmen, die ohne Nachfolgelösung schließen könnten.
Gleichzeitig planen zahlreiche Unternehmen aktiv ihre Übergabe – jährlich rund 109.000 – doch die finanzielle Dimension stellt eine wachsende Herausforderung dar: Die Kaufpreisvorstellungen sind seit 2019 um etwa ein Drittel gestiegen und liegen mit durchschnittlich rund 499.000 Euro klar über der Inflation. Hinzu kommt, dass die Inhaber immer älter werden; mehr als die Hälfte sind 55 Jahre oder älter. Bürokratische Hürden und mangelndes Interesse der nächsten Generation erschweren die Nachfolge zusätzlich.
Die Studie verdeutlicht damit eindrucksvoll, dass strukturelle und finanzielle Faktoren entscheidend sind und dass eine frühzeitige, systematische Vorbereitung unerlässlich ist, um tragfähige Übergabelösungen zu sichern.
Finanzielle Risiken als zentrale Hürde
Unabhängig vom Nachfolgemodell zeigt sich in der Praxis immer wieder: Das finanzielle Risiko stellt für potenzielle Nachfolger eine der größten Hürden dar. Kaufpreise, Investitionen, Betriebsmittelbedarf und häufig fehlende bankübliche Sicherheiten erschweren die Finanzierung erheblich. Studien bestätigen, dass genau diese Faktoren die größte Barriere für Existenzgründungen durch Übernahme darstellen.
Vor diesem Hintergrund gewinnen öffentliche Förderinstrumente an Bedeutung, die gezielt auf Nachfolgesituationen zugeschnitten sind. Ein zentrales Element ist die sogenannte Nachfolge-Bürgschaft der Bürgschaftsbanken.
Die Nachfolge-Bürgschaft als finanzpolitisches Instrument
Ein zentrales Finanzierungsinstrument für Unternehmensnachfolger sind Nachfolge-Bürgschaften. Sie setzen dort an, wo klassische Finanzierungslösungen oft an ihre Grenzen stoßen: fehlende Sicherheiten und hohe persönliche Haftungsrisiken erschweren vielen Übernahmen den Weg. Ein Beispiel aus der Praxis bietet die Bürgschaftsbank NRW, die Ausfallbürgschaften für Hausbank- oder Förderdarlehen gewährt. Diese Bürgschaften ersetzen fehlende Sicherheiten und reduzieren das persönliche Risiko der Nachfolger deutlich.
Förderfähig sind dabei unterschiedliche Nachfolgeszenarien – von Betriebsübernahmen durch Anteilskäufe oder Asset-Deals über den Erwerb von Firmenwerten bis hin zu ergänzenden Investitionen oder vorhabensbezogenen Betriebsmitteln. Die Bürgschaften decken in der Regel zwischen 50 und 80 Prozent der Kreditsumme ab, bei einem maximalen Bürgschaftsvolumen von bis zu 2 Millionen Euro. Besonders interessant ist die Möglichkeit, die persönliche Haftung zu begrenzen: Bei haftungsbeschränkten Gesellschaftsformen kann sie auf 20 Prozent der verbürgten Summe reduziert werden, sodass das finanzielle Risiko kalkulierbar bleibt, ohne die Verantwortung der Nachfolger vollständig aufzulösen.
Kombination mit Förderkrediten
In Verbindung mit dem ERP-Förderkredit Gründung und Nachfolge lassen sich Nachfolgesituationen noch tragfähiger gestalten. Dieser Kredit bietet langfristige Laufzeiten, tilgungsfreie Anlaufjahre und eine vollständige Risikoentlastung der Hausbanken durch die Bürgschaftsbanken. Für Unternehmensnachfolger entstehen so günstigere Finanzierungskonditionen und mehr Planungssicherheit, insbesondere in den ersten Jahren nach der Übernahme.
Praxisbeispiele zeigen: Durch die Kombination von Eigenmitteln, Förderkrediten und Bürgschaften lassen sich auch komplexe Nachfolgesituationen realistisch umsetzen – selbst, wenn nur begrenzte Sicherheiten vorhanden sind.
Nachfolge als wirtschaftliche Zukunftsfrage
Unternehmensnachfolge ist längst eine gesamtwirtschaftliche Aufgabe. Frühzeitige Planung, realistische Bewertungen und passgenaue Finanzierungsinstrumente sind entscheidend, um Wertschöpfung, Arbeitsplätze und Innovationsfähigkeit zu sichern. Richtig gestaltet, bietet Nachfolge nicht nur Kontinuität, sondern auch Chancen zur Erneuerung.
Die Johannes Müller Wirtschaftsberatung (BDU) begleitet seit vielen Jahren Unternehmensnachfolgen im Mittelstand, engagiert sich in Fachveranstaltungen und ist seit langem Teil der IHK-Nachfolgeberatung. Die Beratungspraxis zeigt dabei immer wieder, dass erfolgreiche Übergaben dort gelingen, wo strategische, wirtschaftliche und finanzielle Fragen frühzeitig und strukturiert zusammengeführt werden.
Unternehmenslink: https://www.mueller-beratung.de
