Berlin (dapd). Deutschland gerät in den Sog der Eurokrise: Die einheimische Wirtschaft wird nächstes Jahr nur noch halb so schnell wachsen wie bisher erwartet. Auch ist die günstige Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt vorerst gestoppt. Zu diesem Schluss kommen die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute in ihrem am Donnerstag in Berlin vorgestellten Herbstgutachten. „Daher wird die konjunkturelle Expansion vorerst schwach bleiben und erst im Verlauf des kommenden Jahres wieder leicht anziehen“, erklären die Institute. Die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, forderte unterdessen Europa eindringlich zum Handeln auf, um die Schuldenkrise zu lösen. „Es muss mehr und schneller geschehen“, sagte sie in Tokio. Das globale Wachstum stagniere und brauche Anreize. Die Ökonomen prognostizieren in ihrem Herbstgutachten für Deutschland ein Wirtschaftswachstum von 0,8 Prozent in diesem und von 1,0 Prozent im nächsten Jahr. Im Frühjahr waren die Institute noch von einem Plus von 0,9 Prozent 2012 und 2,0 Prozent 2013 ausgegangen. Auch die deutsche Wirtschaft könne sich der Krise in den Partnerländern und der weltweiten Abschwächung nicht auf Dauer entziehen, sagte Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP). „Entscheidend für eine positive wirtschaftliche Entwicklung ist, dass die Vertrauenskrise im Euroraum überwunden wird“, fügte Rösler hinzu und unterstützte die Forderung der Institute, an finanzpolitischer Disziplin festzuhalten. Arbeitsmarkt stagniert Neben der sich eintrübenden Weltkonjunktur habe die andauernde Unsicherheit über die Zukunft des Euroraums den Geschäftserwartungen der Unternehmen zugesetzt, schreiben die Wirtschaftsforscher. „Die Konjunktur hat nahezu überall an Fahrt verloren, und die Stimmung von Unternehmen und Haushalten hat sich weiter verschlechtert“, sagte Klaus-Jürgen Gern vom Institut für Weltwirtschaft in Kiel bei der Vorstellung des Gutachtens. Schlechtere Geschäftserwartungen schlugen sich in der Folge ungünstig auf Unternehmensinvestitionen nieder. Die Arbeitslosenzahl soll vor diesem Hintergrund laut Gutachten leicht steigen: von 2,892 Millionen in diesem Jahr auf 2,903 Millionen im Jahr 2013. Kritisch beurteilen die Institute die Ankündigung der Europäischen Zentralbank (EZB), massiv Staatsanleihen von Krisenländern zu kaufen. „Damit steigt die Inflationsgefahr“, heißt es im Gutachten. Die Anleihekäufe würden als monetäre Staatsfinanzierung gesehen und stellten keine „langfristige Lösung“ der Schuldenkrise dar, warnte Joachim Scheide vom Institut für Weltwirtschaft in Kiel. „Die Stabilitätsrisiken bleiben hoch“, betonte Scheide. Auch werde eine stark restriktive Finanzpolitik die Nachfrage in den USA im kommenden Jahr dämpfen. In China dagegen sieht man ein Anziehen des Wachstums dank einer expansiven Konjunkturpolitik. Für 2013 nur 0,1 Prozent Wachstum im Euroraum erwartet Die Reform- und Konsolidierungsanstrengungen im Euroraum trüben den Experten zufolge das Wachstum in den Euroländern weiterhin ein: Nach einem Rückgang der Wirtschaftsleistung von 0,5 Prozent in diesem Jahr wird für 2013 nur noch ein Wachstum von 0,1 Prozent erwartet. „Doch besteht dann die Aussicht, dass die Unsicherheit, die die wirtschaftliche Aktivität in den Krisenländern derzeit lähmt, zurückgeht“, sagen die Institute voraus. „Unter dieser Voraussetzung dürfte sich die Konjunktur im Euroraum allmählich stabilisieren.“ Sicher ist das jedoch nicht. Abwärtsrisiken würden überwiegen und „die Gefahr ist groß, dass auch Deutschland in eine Rezession gerät“, warnen die Wirtschaftsforscher. Um die Tragfähigkeit der Schulden im Euroraum in Zukunft zu gewährleisten, sollte die Möglichkeit einer geregelten Staatsinsolvenz in Europa eingeführt werden, sagte Kai Carstensen vom Ifo-Institut in München. Im Falle Griechenlands sei bereits im Frühjahr klar gewesen, dass das Land insolvent sei – trotz schmerzlicher struktureller Reformen. „Wir vermuten, dass Griechenland nicht zu retten ist“, sagte Wirtschaftsforscher Scheide. Er plädierte aber dafür, vor weiteren Schritten erst den nächsten Bericht der Troika aus EZB, Europäischer Union und IWF abzuwarten. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
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Tausende Serben und Mazedonier bewerben sich in Deutschland um Asyl
Berlin (dapd). Eine rasant steigende Zahl von Asylbewerbern aus Serbien und Mazedonien stellt die deutschen Behörden vor große Probleme. „Die Anerkennungsquote liegt bei null Prozent“, sagte der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag, Hans-Peter Uhl (CSU), am Donnerstag der Nachrichtenagentur dapd. Dennoch hätten seit Januar dieses Jahres mehr als 7.000 Menschen aus beiden Ländern in Deutschland Asyl beantragt. Der CSU-Politiker sprach von einem „massiven Missbrauch des Grundrechts auf Asyl“. Das Thema wird nach dapd-Informationen auch den Rat der EU-Innen- und Justizminister am 25. Oktober beschäftigen. So ist von dem Zustrom von Asylbewerbern aus beiden Ländern nicht nur Deutschland betroffen, sondern in besonderem Maße auch Belgien, Schweden und Frankreich. Die EU-Kommission, die sich seit längerem mit dem Thema beschäftigt, will bei dem Treffen darüber berichten, wie sich die Liberalisierung der Visavergabe insbesondere mit Blick auf die Balkanstaaten ausgewirkt hat. Auf EU-Ebene wird bereits über eine zeitweise Aussetzung der Visafreiheit debattiert. Nach Einschätzung des Innenexperten Uhl entstehen für Deutschland hohe Kosten durch den zeitweisen Zuzug. „Derzeit erhält ein alleinstehender erwachsener Asylbewerber bei einer durchschnittlichen Verfahrensdauer von zwei Monaten ohne Rechtsbehelfsverfahren rund 700 Euro plus Heimfahrtkosten, ohne dass ein berechtigtes Asylbegehren besteht“, sagte Uhl. Er forderte daher eine schnelle Verfahrensbearbeitung und eine zügige Ausreise der Asylbewerber aus beiden Ländern – „bis es zu einer Aussetzung der Visafreiheit kommt“. Auch der Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses, Wolfgang Bosbach (CDU), plädiert für eine Überprüfung der Visum-Regelungen für Antragsteller aus den Balkanstaaten. „Das Auswärtige Amt sollte prüfen, ob der jetzige Zustand nicht geändert werden muss oder wie auf andere Weise der Missbrauch unserer Sozialsysteme verhindert werden kann“, sagte Bosbach den „Ruhr Nachrichten“ (Donnerstagausgabe). Auch gelte es, einen Vorschlag von Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) zu prüfen, der sich für die Einführung eines Schnellverfahrens innerhalb von 48 Stunden zur Prüfung von Asylanträgen von Serben und Mazedoniern ausgesprochen hatte. dapd (Politik/Politik)
Altmaier stellt Förderung von Ökostrom auf den Prüfstand
Berlin (dapd). Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) will steigende Strompreise wegen der Ökostromförderung nicht tatenlos hinnehmen. Erforderlich sei eine grundlegende Reform des Gesetzes über erneuerbare Energien, die über bisherige Korrekturen und Anpassungen hinausgeht, sagte Altmaier am Donnerstag in Berlin. „Nur so ist das Gelingen der Energiewende auch in den kommenden Jahren gewährleistet.“ Ob die Reform noch vor der Bundestagswahl im Herbst 2013 umgesetzt werden kann, ließ Altmaier offen. Er halte das weder für sicher noch für aussichtslos, sagte der Minister. Auf jeden Fall müsse man sich für die Neuregelungen „ausreichend Zeit nehmen“. „Ich habe bewusst nicht gesagt, ob wir das vor oder nach der Bundestagswahl machen“, betonte er. Nur wenn Änderungen im Einvernehmen mit allen Parteien und den Bundesländern gelängen, halte eine Reform länger als fünf oder sechs Jahre. „Ich möchte gerne, dass wir einen Konsens dazu verabschieden.“ Zentraler Punkt der von Altmaier angestrebten Neufassung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) ist das „Signal, dass die Energiewende wirklich gewollt ist“. Der CDU-Politiker hält am Ziel fest, bis 2050 einen Anteil von 80 Prozent der Erneuerbaren an der Stromversorgung zu erreichen – derzeit sind es 25 Prozent. Doch der Ausbau soll künftig in möglichst gleichmäßigen Schritten erfolgen. „Möglichkeiten zur geografischen und regionalen Steuerung“ Mit der Reform müsse die Fehlentwicklung korrigiert werden, dass die Kosten der Energiewende von allen getragen würden, die Einnahmen aber nur an einige wenige gingen, sagte Altmaier. Zu der von der Opposition und Umweltverbänden vorgebrachten Kritik an den Ausnahmeregelungen für energieintensive Unternehmen äußerte sich der Minister zurückhaltend. Insgesamt halte er die Regelung für richtig, allerdings sollten einzelne Punkte noch einmal überprüft werden. Bis zur kommenden Bundestagswahl sollten keine weiteren Ausnahmen geschaffen werden. Nachdem mit der letzten Novelle für die Photovoltaik ein Auslaufen der Einspeisevergütung festgeschrieben wurde, sobald 52 Gigawatt an installierter Leistung erreicht werden, „bieten sich ähnliche Festlegungen auch für Wind und Biomasse an“, sagte der Minister ohne weiter ins Detail zu gehen. Auf jeden Fall müsse der Ausbau der erneuerbaren Energien auf den Ausbau der Netze abgestimmt werden. Auch müsse die Situation konventioneller Energie berücksichtigt werden, sagte Altmaier. So seien Biogasanlagen hochinteressant für die Energiewende, weil die Stromerzeugung unabhängig von Sonne oder Wind regelbar sei. Doch inzwischen sei die Konkurrenz von „Tank und Teller“ ein Streitthema. „Deshalb werden wir auch in diesem Bereich diskutieren müssen.“ Wenig Freude bei den Ländern dürfte die Ankündigung Altmaiers hervorrufen, das neue EEG müsse auch „Möglichkeiten zur geografischen und regionalen Steuerung“ enthalten. „Persönliche Beratergruppe“ unterstützt Altmaier Den politischen Dialog will Altmaier mit einer „öffentlichkeitswirksamen Gesprächsreihe“ eröffnen. Von November 2012 bis Ende Mai soll über fünf Themen diskutiert werden: Photovoltaik, Biogas, Windenergie, Speicher sowie Aufbaupfade und Kosten. Den EEG-Dialog ergänzen soll eine „persönliche Beratergruppe“, der bis zu 20 Personen aus den Ländern, dem Parlament, der Wirtschaft und der Gesellschaft angehören werden. Wer das sein wird, sagte Altmaier zunächst nicht. dapd (Politik/Politik)
Neue Jobs bei DHL Express in Leipzig/Halle
Schkeuditz (dapd). Der Transport-Dienstleister DHL modernisiert seine Flugzeugflotte und schafft damit weitere Jobs am Flughafen Leipzig/Halle. Die zehnte von den EADS Elbe Flugzeugwerken Dresden zum Frachtflugzeug umgerüstete Maschine des Typs Airbus A300-600 werde am Montag (15. Oktober) für DHL Express den Linienbetrieb auf der Strecke Leipzig-Budapest aufnehmen, teilte die Tochter der Deutschen Post AG am Donnerstag in Schkeuditz mit. Zur Modernisierung der Flugzeugflotte hatte der nach eigenen Angaben weltweit führende Anbieter für internationale Express- und Logistikdienstleistungen 18 Passagiermaschinen vom Typ Airbus A300-600 erworben. Bis 2013 sollen alle Maschinen zu Frachtflugzeugen umgebaut werden. Im Vergleich zum Vorgänger zeichne sich der A300-600 durch eine neue und moderne Technologie aus. Mit seinen rund 49 Tonnen Zuladung könne eine bis zu fünf Tonnen höhere Menge transportiert werden als mit dem bisher eingesetzten Airbus. Zudem habe das Flugzeug eine größere Reichweite, brauche bis zu 20 Prozent weniger Kerosin und sei leiser als die Vorgängermaschine. „Mit der Inbetriebnahme der Maschinen vom Typ A300-600 stellen wir insgesamt 140 neue Arbeitskräfte ein“, sagte der Geschäftsführer der European Air Transport Leipzig GmbH, Markus Otto. Die Deutsche Post DHL hat eigenen Angaben zufolge bislang rund 350 Millionen Euro in den Standort am Flughafen Leipzig/Halle investiert, der seit Mai 2008 Basis für einen Großteil der europäischen DHL-Flugzeugflotte ist. Werktags bedienen von dort aus 55 Flugzeuge innereuropäische und interkontinentale Routen. Pro Nacht werden etwa 1.500 Tonnen Fracht umgeschlagen, die Flugzeuge aus aller Welt zum europäischen DHL-Drehkreuz bringen. Damit zählt Leipzig/Halle dem Unternehmen zufolge neben Cincinnati in den USA und Hongkong zu den wichtigsten Hauptumschlagsplätzen im Netz von DHL Express. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
Bericht: VW will bald mit Billigautos Dacia Konkurrenz machen
Hamburg (dapd). Der Volkswagen-Konzern will laut einem Magazinbericht bald dem Beispiel der Renault-Tochter Dacia folgen und in Europa mit einer eigenen Billigmarke an den Start gehen. Wie das Magazin „Auto-Bild“ unter Berufung auf Konzernkreise am Donnerstag vorab berichtete, plant der VW-Konzern, die erste Generation der voraussichtlich in Asien produzierten Billigautos im dritten Quartal 2015 auch auf den europäischen Markt zu bringen. Demnach planen die Wolfsburger drei Modellvarianten – darunter eine Limousine und einen Kombi – in drei Preisstufen zwischen 6.000 und 8.000 Euro. Ein VW-Sprecher sagte auf dapd-Anfrage zu dem Bericht: „Volkswagen prüft regelmäßig den Einstieg in neue Fahrzeugsegmente und Märkte.“ Allerdings gebe es derzeit „keine Entscheidung dazu“. Um die Kosten zu drücken und das Auto deutlich unter der 10.000-Euro-Marke anbieten zu können, will VW dem Bericht zufolge auf technische Plattformen zurückgreifen, die im Konzern seit dem Umstieg auf das modulare Baukastensystem nicht mehr benötigt werden. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
Porsche-Absatz in Europa geht zurück
Stuttgart (dapd). Auch der Sportwagenhersteller Porsche bekommt die Konjunkturabkühlung zu spüren und büßt in Europa und Deutschland beim Absatz ein. Insgesamt steigerte das Unternehmen seinen Absatz im September zwar kräftig. Weltweit wurden 11.888 Neuwagen an die Kunden übergeben, das entspricht einem Zuwachs von 12,6 Prozent im Vorjahresvergleich, wie Porsche am Donnerstag in Stuttgart mitteilte. Wachstumstreiber waren vor allem China und die USA. Doch ist diese Wachstumsrate bereits niedriger als in den ersten neun Monaten. Seit Jahresbeginn stiegen die Absätze um 14,7 Prozent. Auf dem sonst so robusten Heimatmarkt Deutschland gingen die Auslieferungen im September sogar um 1,3 Prozent zurück. Im Jahresverlauf verbuchte Porsche hier bisher noch einen Zuwachs von 18,6 Prozent. In Gesamteuropa verkaufte das Unternehmen im September fünf Prozent weniger Autos – und da ist ein Verkaufsplus von 90 Prozent in Russland bereits eingerechnet. Damit kommt die Absatzkrise in Westeuropa auch bei dem Luxuswagenhersteller an. Zuletzt hatten auch der Premiumhersteller Mercedes-Benz und die Marke Volkswagen Rückgänge auf dem deutschen Heimatmarkt vermeldet. Allerdings konnten sie diese ebenso wie Porsche in anderen Regionen ausgleichen. Porsche-Vertriebsvorstand Bernhard Maier sagte, das Unternehmen befinde sich weltweit weiter auf Wachstumskurs. „Wir behalten einen kühlen Kopf und fahren weiterhin auf Sicht“, fügte er hinzu. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
SPD und Steinbrück holen auf
Mainz (dapd). Nach der Nominierung des Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück ist die SPD in der Wählergunst deutlich gestiegen. Nach dem am Donnerstag veröffentlichten ZDF-Politbarometer legten die Sozialdemokraten zwei Punkte zu und kämen jetzt auf 31 Prozent. Wenn am nächsten Sonntag Bundestagswahl wäre, erhielte die CDU/CSU danach unverändert 38 Prozent. Die FDP bliebe bei vier und die Linke bei sechs Prozent. Grüne und Piraten verloren jeweils einen Punkt und lägen bei zwölf beziehungsweise fünf Prozent. Im direkten Vergleich hat sich der Umfrage zufolge der Vorsprung von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) gegenüber Steinbrück verringert: Gefragt, wen die Deutschen lieber als Regierungschef hätten, sprachen sich 49 Prozent für Merkel und 40 Prozent für Steinbrück aus. Vor zwei Wochen wollten noch 53 Prozent die CDU-Chefin und nur 36 Prozent den SPD-Politiker. Die Mannheimer Forschungsgruppe Wahlen hatte in der Zeit vom 08. bis 10. Oktober 1.225 zufällig ausgewählte Wahlberechtigte befragt. dapd (Politik/Politik)
Enders will Strategie von EADS überdenken
Berlin (dapd). Nach der gescheiterten Fusion mit dem britischen Konzern BAE erwägt EADS eine Neuausrichtung des Unternehmens. Der Konzern müsse nun die Strategie seiner Rüstungssparte überdenken, schrieb EADS-Chef Tom Enders in einem Brief an die Mitarbeiter, aus dem die „Financial Times“ (Onlineausgabe) am Donnerstag zitiert. Am Mittwoch hatten beide Unternehmen bekanntgegeben, dass die geplante Mega-Fusion gescheitert sei. Durch das Zusammengehen wäre der weltweit größte Luftfahrt- und Rüstungskonzern mit über 220.000 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von mehr als 70 Milliarden Euro entstanden. Streitpunkt waren zuletzt britische Bedenken gegen die geplanten Staatsbeteiligungen von Deutschland und Frankreich an dem neuen Konzern. Nach der geplatzten Fusion machten Politiker von CSU und SPD der Bundesregierung Vorwürfe. Der CSU-Bundestagsabgeordnete Florian Hahn sagte in Berlin der Nachrichtenagentur dapd: „Ich hätte mir gewünscht, dass die Bundesregierung und die Regierungen von Großbritannien und Frankreich nicht nur die Risiken, sondern auch die Chancen gesehen hätten.“ Seiner Auffassung nach wäre „ein aktiveres und mutigeres Verhandeln notwendig gewesen, um mittel- und langfristig Arbeitsplätze, Standorte und technologische Fähigkeiten zu sichern und auszubauen“. Das „Gefeilsche um nationale Anteile“ habe das Projekt zum Scheitern gebracht, beklagte Hahn. Nun sei eine „große Chance vertan, die europäische Luft- und Raumfahrtindustrie sinnvoll zu konsolidieren und damit global wettbewerbsfähiger zu machen“. Koordinator Hintze verteidigt sich Vor allem ärgerte sich der CSU-Verteidigungsexperte über den Koordinator der Bundesregierung für die Luft- und Raumfahrt, Peter Hintze (CDU): „Es ist absurd, dass Peter Hintze als Vertreter der Bundesregierung das Scheitern der Fusion begrüßt. Man muss sich fragen, ob Deutschland überhaupt je ernsthaft verhandelt hat.“ Auch der SPD-Politiker Hans-Peter Bartels warf der Regierung eine völlig unentschlossene Haltung vor. Der Verteidigungsexperte sagte der „Mitteldeutschen Zeitung“ (Onlineausgabe), die Bundesregierung habe „mit ihrer völlig unentschlossenen Haltung nicht dazu beigetragen, dass die Fusion gelingt“. Auch EADS-Chef Enders habe mit seiner „Diplomatie mit dem Holzhammer“ die Fusion nicht befördert, sondern ständig neue Hindernisse geschaffen. So habe die Bundesregierung „zugeguckt, wie Enders die Sache vor die Wand fährt“. Die Bundesregierung dagegen verteidigte ihre kritische Haltung zur Fusion. Luftfahrtkoordinator Hintze sagte der „Bild“-Zeitung (Donnerstagausgabe): „Es war die Pflicht der Bundesregierung, die deutschen Standortinteressen zu wahren. Da geht es um Schlüsseltechnologien und Arbeitsplätze.“ dapd (Politik/Politik)
Bundesregierung nach geplatzter EADS-Fusion in der Kritik
Berlin (dapd). Nach dem Scheitern der Fusion der Konzerne EADS und BAE machen Politiker von CSU und SPD der Bundesregierung Vorwürfe. Die Chancen der Unternehmensverschmelzung seien zu wenig berücksichtigt worden, kritisierte der CSU-Verteidigungsexperte Florian Hahn. Der SPD-Politiker Hans-Peter Bartels warf der Regierung eine völlig unentschlossene Haltung vor. Dagegen erklärte Luftfahrtkoordinator Peter Hintze (CDU), die Regierung habe ihre Pflichten erfüllt. Der europäische Luft- und Raumfahrtkonzern EADS und der britische Rüstungshersteller BAE hatten ihre Fusionspläne am Mittwoch beerdigt. Schuld sind nach Darstellung der Unternehmen die unterschiedlichen Interessen der beteiligten Länder Frankreich, Deutschland und Großbritannien. „Aktiveres und mutigeres Verhandeln notwendig“ Der CSU-Bundestagsabgeordnete Hahn sagte der Nachrichtenagentur dapd in Berlin: „Ich hätte mir gewünscht, dass die Bundesregierung und die Regierungen von Großbritannien und Frankreich nicht nur die Risiken, sondern auch die Chancen gesehen hätten.“ Seiner Auffassung nach wäre „ein aktiveres und mutigeres Verhandeln notwendig gewesen, um mittel- und langfristig Arbeitsplätze, Standorte und technologische Fähigkeiten zu sichern und auszubauen“. Vor allem habe das „Gefeilsche um nationale Anteile“ das Projekt zum Scheitern gebracht, beklagte Hahn. Nun sei eine „große Chance vertan, die europäische Luft- und Raumfahrtindustrie sinnvoll zu konsolidieren und damit global wettbewerbsfähiger zu machen“. SPD-Verteidigungsexperte Bartels sagte der „Mitteldeutschen Zeitung“ (Onlineausgabe), die Bundesregierung habe „mit ihrer völlig unentschlossenen Haltung nicht dazu beigetragen, dass die Fusion gelingt.“ Auch EADS-Chef Tom Enders habe mit seiner „Diplomatie mit dem Holzhammer“ die Fusion nicht befördert, sondern ständig neue Hindernisse geschaffen. So habe die Bundesregierung „zugeguckt, wie Enders die Sache vor die Wand fährt“. „Es geht um Schlüsseltechnologien und Arbeitsplätze“ Die Bundesregierung dagegen verteidigte ihre kritische Haltung zur Fusion. Luftfahrtkoordinator Hintze sagte der „Bild“-Zeitung (Donnerstagausgabe): „Es war die Pflicht der Bundesregierung, die deutschen Standortinteressen zu wahren. Da geht es um Schlüsseltechnologien und Arbeitsplätze.“ dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
Vattenfall-Chef: Strom wird noch deutlich teurer
Berlin (dapd). Strom wird durch die Energiewende in den nächsten Jahren noch deutlich teurer werden. Das steht für den Chef des drittgrößten deutschen Stromproduzenten Vattenfall, Tuomo Hatakka, fest. Der Deutschland-Chef des schwedischen Staatskonzerns sagte in einem Interview der Nachrichtenagentur dapd: „Ich gehe davon aus, dass der Strompreis für Haushaltskunden bis 2020 um 30 Prozent steigen könnte.“ Größte Preistreiber sind nach seiner Einschätzung die EEG-Umlage zur Förderung der erneuerbaren Energien und der Netzausbau. Die Verbraucher müssten akzeptieren, dass es keinen Klimaschutz zum Nulltarif gebe, sagte Hatakka. Mit einem Blackout im kommenden Winter rechnet der Manager trotz bestehender Engpässe nicht. „Wir müssen alle hart daran arbeiten, dass die Lichter anbleiben. Das wird sicherlich kein Sonntagsspaziergang sein“, sagte der Manager. Doch er sei zuversichtlich, dass es gelinge. Gut ein Jahr nach der Energiewende zog der Energiemanager eine gemischte Bilanz des bisher Erreichten. Das Wachstum bei den erneuerbaren Energien sei beeindruckend. Doch hinke der Netzausbau hinterher. „Wenn der Netzausbau künftig nicht schneller vorangeht, wird die sehr ambitionierte Wachstumsprognose bei den Erneuerbaren schon etwas reduziert werden müssen. Ich glaube, dass die Energiewende länger dauern wird, als wir denken“, sagte Hatakka. „Wir werden noch mehr sparen müssen“ Unterschätzt werde außerdem die Notwendigkeit von Reservekapazitäten für sonnenarme und windschwache Zeiten. Aktuell gebe es zwar allgemein noch genug Reserven, sagte der Manager. „Wir müssen aber dafür sorgen, dass die vorhandenen Kraftwerke tatsächlich auch in Zukunft noch zur Verfügung stehen. Mit Gaskraftwerken etwa lässt sich im Moment kein Geld verdienen. Wir brauchen Anreize, dass diese Kapazitäten am Netz bleiben. Irgendetwas muss da passieren.“ Hatakka bekräftigte außerdem die Forderung des Konzerns nach einer fairen Kompensation für die durch die endgültige Stilllegung der Vattenfall-Reaktoren Krümmel und Brunsbüttel erlittenen Schäden. Zur genauen Höhe der Forderungen, die der Konzern vor dem Bundesverfassungsgericht und einem Schiedsgericht der Weltbank durchsetzen will, wollte sich der Manager aber nicht äußern. Er betonte lediglich: „Wenn es nur um ein paar Euro-Cents ginge, würden wir es nicht tun.“ Der Konzern selbst hält weiter an der Kernenergienutzung fest und erwägt sogar den Bau eines neuen Atomkraftwerks in Schweden. „Wir haben im Sommer einen Antrag bei der Behörde eingereicht, um den Bau eines neuen Kernkraftwerks zu prüfen – ein erster Schritt in einem sehr umfangreichen Prozess“, sagte Hatakka. In Deutschland hofft der Konzern, „in den 20er-Jahren am Standort Jänschwalde ein neues Kohlekraftwerk mit CCS zu bauen“. Die aktuelle Lage auf dem Strommarkt bezeichnete der Manager als eine „echte Herausforderung“. Die Branche leide unter der Wirtschafts- und der Eurokrise. „Dieser Konsolidierungsdruck wird bleiben und vielleicht sogar noch stärker werden. Wir werden – davon gehe ich aus – noch mehr sparen müssen“, sagte Hatakka. Auf die Frage, ob dies auch einen Stellenabbau beinhalte, antwortete er: „Wir werden auch die Personalkosten genau analysieren und überprüfen müssen.“ dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)