Leverkusen (dapd). Der Bayer-Konzern hat die Bau- und Betriebsgenehmigung für eine Großanlage zur Herstellung des Kunststoff-Vorprodukts TDI in Dormagen erhalten. Die Hightech-Anlage soll eine Jahreskapazität von 300.000 Tonnen haben und gegenüber konventionellen Anlagen gleicher Kapazität bis zu 60 Prozent Energie einsparen, wie der Konzern am Montag mitteilte. Außerdem würden bis zu 80 Prozent weniger Lösungsmittel benötigt. TDI wird als Vorprodukt für die Herstellung von Polyurethan-Weichschäumen benötigt, aus denen beispielsweise hochwertige Schaumstoffe für Matratzen, Stühle und Autositze hergestellt werden. Mit der Inbetriebnahme der Anlage rechnet der Konzern Mitte 2014. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
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Ende des Traumpaares Christian und Bettina Wulff
Berlin/Hannover (dapd). Christian und Bettina Wulff galten lange als das Glamourpaar der deutschen Politik, nun ist es aus: Ein knappes Jahr nach dem Rücktritt vom Amt des Bundespräsidenten bestätigte Wulffs Anwalt Gernot Lehr am Montag, dass der 53-Jährige und seine 39 Jahre alte Frau künftig separate Wege gehen werden. „Das Ehepaar Wulff hat sich am vergangenen Wochenende getrennt“, sagte eine Sprecherin des Anwalts. „Die Sorge für den gemeinsamen Sohn werden sie gemeinsam wahrnehmen.“ Es werde keine weiteren Erklärungen zu der Trennung geben, ließ Wulffs Anwalt mitteilen. Die Eheleute Wulff sollen der „Bild“-Zeitung zufolge am Montagmorgen bei einem Rechtsanwalt in Hannover eine Trennungsvereinbarung unterzeichnet haben. Bettina Wulff werde mit ihren beiden Söhnen bis auf weiteres im gemeinsamen Haus in Großburgwedel bei Hannover wohnen bleiben. Spekulationen über die bevorstehende Trennung gab es schon seit Wochen. Wulff sei bereits am vergangenen Wochenende in eine Mietwohnung nach Hannover umgezogen, heißt es in dem Bericht von „Bild“-Chefredakteur Kai Diekmann. Mit Rücksicht auf die Kinder sei die zunächst räumliche Trennung im gütlichen Einvernehmen gemeinsam vereinbart worden. Christian Wulff ist mit Bettina seit März 2008 in zweiter Ehe verheiratet. Ihr gemeinsamer Sohn wurde im Mai 2008 geboren. Er geht in Großburgwedel in den Kindergarten. Deshalb bleibe Bettina Wulff weiter dort wohnen, berichtet das Blatt. „Es wird spekuliert, ob das Haus, dessen Kauf die sogenannte Kredit-Affäre im Dezember 2011 auslöste, mittelfristig veräußert werden wird“, heißt es weiter. Die „Bild“-Zeitung hatte die Affäre ans Licht gebracht, was wiederum eine spektakuläre Nachricht Wulffs auf Diekmanns Anrufbeantworter zur Folge hatte. „Bild“ schlachtete in den Folgewochen den Fall aus; der Druck der Öffentlichkeit wurde immer größer, Wulff trat schließlich zurück. In einer Trennungsvereinbarung werden Regelungen für die Phasen des Getrenntlebens getroffen. Ziel muss nicht automatisch eine Scheidung sein. Die Partner können auch planen, dauerhaft getrennt zu leben. Allerdings ist die Trennung Hauptvoraussetzung für eine spätere Scheidung. Wenn beide die Scheidung wollen, gilt die Ehe nach der Trennungsdauer von einem Jahr als unwiderlegbar zerrüttet. Die Trennung des Ehepaars Wulff kommt fast genau ein Jahr nach dem Rücktritt Christian Wulffs vom Amt des Bundespräsidenten am 17. Februar 2012. Die Ehe scheint auch an den Belastungen der Affäre gescheitert zu sein. Die „Bild“-Zeitung jedenfalls zitiert einen Parteifreund mit den Worten: „Staatsanwälte, Hausdurchsuchung, Ermittlungen – das stellt jede Beziehung auf eine extreme Probe.“ Manche Paare würden dadurch zusammengeschweißt, andere lebten sich auseinander. Bereits in ihrem im September veröffentlichten Buch „Jenseits des Protokolls“ hatte Bettina Wulff über Eheprobleme berichtet. In einem „Brigitte“-Interview sagte sie über die Zeit vor dem Rücktritt: „So etwas kann eine Beziehung nur eine bestimmte Zeit lang durchleben und ertragen, sonst wird zu viel in Mitleidenschaft gezogen.“ Inzwischen sei sie mit ihrem Mann in therapeutischer Behandlung, berichtete Bettina Wulff damals. Politiker hielten sich mit Kommentaren zur Trennung zurück. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte auf die Frage, ob eine Reaktion von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) überliefert sei, schlicht: „Nein.“ Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner erklärte vor der Klausurtagung der CSU-Landesgruppe in Wildbad Kreuth: „Es steht mir nicht an, mich in das Privatleben anderer Politiker einzumischen.“ dapd (Politik/Politik)
Birkner hofft auf Ende störender Beigeräusche im FDP-Wahlkampf
Hannover (dapd). Niedersachsens FDP-Spitzenkandidat Stefan Birkner hofft nach dem Dreikönigstreffen in Stuttgart auf ein Ende des Führungsstreits in seiner Partei. „Zumindest“ der Vorsitzende Philipp Rösler und Bundestagsfraktionschef Rainer Brüderle hätten bei dem Treffen deutlich machen können, „wofür die Partei steht“, sagte Birkner im Interview mit der Nachrichtenagentur dapd am Montag. Das Auftreten von Entwicklungsminister Dirk Niebel wollte er hingegen „nicht weiter kommentieren“. „Alles, was den Eindruck macht, dass man sich nur mit sich selbst beschäftigt, lenkt nur ab von der Niedersachsen-Wahl“, sagte er. Er hoffe aber, dass die parteiinternen Kritiker zur Vernunft kämen. „Wir haben hier jetzt etwa noch knapp zwei Wochen bis zur Landtagswahl und ich erwarte von allen, auch den Bundespolitikern, dass uns hier der Raum bleibt, die Themen in den Vordergrund zu stellen. Da sind alle störenden Beigeräusche nur hinderlich“, sagte Birkner. Gezielt auf Störer in der Partei wolle er nun aber nicht mehr zugehen. Er gehe davon aus, dass „alle nun klug genug“ seien, die Debatte zu beenden. Birkner verwies in diesem Zusammenhang auch auf die Bedeutung der Landtagswahl am 20. Januar. „Die Dynamik des Wahlkampfs bestätigt, dass hier eine echte Chance besteht, die Regierungsbeteiligung fortzusetzen und damit auch ein Signal für die Bundestagswahl zu geben“, sagte er. Das sei sicher „im Interesse aller“. Seit Wochen wird in der FDP über einen Rückzug des als glücklos geltenden Bundesvorsitzenden Philipp Rösler spekuliert. Die FDP hat seit dem Amtsantritt Röslers mit anhaltend schwachen Umfragewerten zu kämpfen. dapd (Politik/Politik)
Strahlemann einer Krisenpartei
Düsseldorf (dapd). Hört man Christian Lindner so reden, entsteht nicht der Eindruck, er sei Mitglied der Freien Demokratischen Partei Deutschlands. Lindner lacht, Lindner scherzt, Lindner bläst zum Angriff auf SPD und Grüne. Kurzum: Lindner geht es gut. Von seiner Partei kann man das momentan nicht behaupten. Die FDP kämpft ein ums andere Mal um ihr Überleben und ihr Vorsitzender Philipp Rösler scheint nur noch ein Chef auf Abruf zu sein. Lindner sucht den größtmöglichen Abstand zur Krise seiner Partei. Ob es nur reiner Zufall ist oder eine gewollt dramaturgische Zuspitzung, bleibt dahingestellt. Aber dass Lindner nur einen Tag nach dem viel beachteten Dreikönigstreffen seiner Partei mit einer Pressekonferenz zum Jahresauftakt an diesem Montag die Öffentlichkeit sucht, kommt wie gelegen. Während sich Parteichef Rösler, Fraktionschef Rainer Brüderle und Entwicklungsminister Dirk Niebel am Sonntag in Stuttgart ein Rededuell lieferten, kann Lindner in aller Ruhe seine Sicht der Dinge verkünden. Irgendwie scheint es, als throne der frühere Generalsekretär über allen Dingen. Auf gewohnt lässige Art und Weise geht Lindner direkt zu Beginn auf die Krise seiner Partei ein. Er wünsche allen versammelten Journalisten ein frohes neues Jahr und viele gute Schlagzeilen in 2013. „Die wünsche ich der FDP auch“, fügt er hinzu und hat damit nach nur wenigen Sekunden schon die ersten Lacher auf seiner Seite. Nur wenigen Spitzenpolitikern in Deutschland wird soviel rhetorisches Talent nachgesagt wie Lindner. Der 34-Jährige kann eine Stunde lang ohne Manuskript reden und dabei auch noch druckreife Sätze von sich geben. Seine Botschaften verpackt er dabei gerne. So auch an diesem Montag. Ohne auch nur einen der Protagonisten in der aktuellen Diskussion gezielt zu attackieren, schafft es Lindner, den umtriebigen Niebel auf Distanz zu halten und die Arbeit von Parteichef Rösler zu kritisieren. Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) bietet dafür die Steilvorlage, indem er die Liberalen zu mehr Geschlossenheit aufgerufen hat. „Ich hoffe, dass auch Dirk Niebel diesen Hinweis von Herrn Seehofer einzuordnen versteht.“ Mehr braucht Lindner nicht sagen. Und der Hinweis darauf, dass die FDP wieder „seriöse, ernsthafte Vorschläge zu den konkreten Problemen“ der Menschen liefern solle, zielt auch an die Adresse Röslers, der die Partei seit Monaten versucht, wieder auf Kurs zu bringen. All zu lange will sich Lindner mit der Lage in der FDP sowieso nicht aufhalten. Das machen die Parteifreunde in Berlin schon zur genüge. Viel lieber redet der Freidemokrat über SPD und Grüne – und insbesondere den sozialdemokratischen Kanzlerkandidaten Peer Steinbrück. Der habe den politischen Diskurs in den zurückliegenden Wochen bereichert, durch die Erfindung des „Peer-S“. „Das ist die Längeneinheit für den kürzesten Abstand zwischen zwei Fettnäpfchen.“ Auch in Sachen Landespolitik bläst Lindner zum Angriff. Wirtschaftsminister Garrelt Duin (SPD) sei eher ein „Ankündigungsminister“, Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) bei der Integration von behinderten Schülern vorerst gescheitert und bei der Schaffung von Kita-Plätzen hoffe die Regierung von Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) offensichtlich auf ein „Betreuungswunder“. Doch trotz der rhetorischen Flucht nach vorne sucht an diesem Tag die FDP-Krise den nordrhein-westfälischen Parteichef immer wieder heim. Die meisten Nachfragen drehen sich um die Zukunft der Partei. Seit Wochen wird über einen Rückzug Röslers vom Vorsitz der Bundespartei spekuliert. Geht es um die Zeit danach, fällt auch immer wieder der Name Lindner. Der bleibt seiner Linie allerdings treu. Er spricht von einer „abstrakten Personaldebatte“ und verspüre „keinerlei Druck“, frühzeitig von Düsseldorf nach Berlin zu wechseln, um die FDP aus der Krise zu führen. Es sind seit Wochen dieselben Fragen und Lindner beantwortet sie in Variationen immer gleich. Ganz ungelegen kommt ihm das Bohren nach seinen Zukunftsplänen aber wohl auch nicht. Schließlich bleibt er damit im Gespräch. dapd (Politik/Politik)
Steinbrücks Vorstoß für Regierungsabzug aus Bonn weiter kritisiert
Bonn/Berlin (dapd-nrw). SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück steht jetzt auch wegen seiner Forderung nach einem Regierungsabzug aus Bonn in der Kritik. Die Zusagen, die der Bundesstadt Bonn nach der Vollendung der Deutschen Einheit gemacht wurden, seien einzuhalten, sagte der Vorsitzende der nordrhein-westfälischen CDU-Landesgruppe, Peter Hintze, am Montag in Berlin. „Wenn der SPD-Kandidat Peer Steinbrück das Bonn-Berlin-Gesetz infrage stellt, erfordert das einen klaren Widerspruch.“ Bonn habe eine entscheidende Rolle auf dem Weg zur Deutschen Einheit gespielt. „Die Stadt und ihre Bürger haben einen moralischen und politischen Anspruch darauf, dass die im überparteilichen Konsens gefundenen Regelungen dauerhaften Bestand haben“, sagte Hintze. Steinbrück hatte dem „Tagesspiegel am Sonntag“ gesagt: „Die Zeiten von doppelten Standorten der Ministerien werden irgendwann zu Ende gehen.“ Bonn bleibe Bundesstadt und ein Standort der Vereinten Nationen, „aber der Platz der politischen Entscheider ist Berlin“. Die Ministerien, die heute noch Standorte in Bonn haben, sollten schrittweise in oberste Bundesbehörden umgewandelt werden. dapd (Politik/Politik)
Weitere Verzögerung beim Wiederanfahren der Volkswerft Stralsund
Stralsund (dapd). Auf der insolventen und weitgehend stillgelegten Volkswerft Stralsund herrscht auch eine Woche nach dem Jahreswechsel weiter Betriebspause. Der ursprünglich für 2. Januar geplante und dann auf 7. Januar verlegte Start zum Weiterbau von zwei Ro-Ro-Frachtern verzögert sich weiter, weil der Vertrag vom dänischen Kunden DFDS noch nicht unterschrieben wurde, wie ein Sprecher von Insolvenzverwalter Berthold Brinkmann am Montag auf dapd-Anfrage sagte. „Wir gehen davon aus, dass die Unterschrift unter den bereits im Dezember ausgehandelten Vertrag in den nächsten Tagen geleistet wird, so dass die Arbeiten am 14. Januar aufgenommen werden können“, fügte der Sprecher hinzu. Inzwischen bereitet ein Expertenteam die Wiederaufnahme des Werftbetriebs vor. DFDS hatte vergangene Woche bestätigt, dass mit dem Insolvenzverwalter über die Fertigstellung der jeweils 195 Meter langen Schiffe verhandelt worden sei. Der angebotene Kaufpreis soll sich auf 84 Millionen Euro belaufen. Ende Dezember hatte das Land Mecklenburg-Vorpommern einen für die Baufinanzierung erforderlichen Massekredit über 43,5 Millionen Euro bewilligt. Die beiden Frachter, die im Dezember 2013 und im Januar 2014 ausgeliefert werden sollen, sind auch für deutsche und dänische Militärtransporte vorgesehen. Ihre Fertigstellung würde etwa 300 Mitarbeitern der inzwischen gegründeten Betreibergesellschaft „Stralsunder Schiffbaugesellschaft“ ein Jahr lang Beschäftigung sichern. Experten gehen davon aus, dass mit dem Wiederanfahren des Werftbetriebs die Chancen für den Verkauf der Volkswerft steigen. Der Zuschlag der ebenfalls zum früheren P+S Werften-Verbund gehörenden Peene-Werft in Wolgast war bereits im Dezember an die Bremer Lürssen-Werft gegangen, die zum 1. Mai den Reparatur- und Neubaubereich am Peenestrom übernimmt. Unterdessen wächst offenbar auch das internationale Interesse am Kauf von zwei ebenfalls noch nicht fertiggestellten Ostseefähren. Nach Vertragskündigung durch die Reederei Scandlines gebe es inzwischen mehrere Absichtserklärungen zur Übernahme, sagte der Sprecher des Insolvenzverwalters. Die Kaufangebote für die deutlich zu schwer ausgefallenen Neubauten bewegten sich im zwei-, teilweise sogar im dreistelligen Millionenbereich. Über entsprechende Offerten wolle Brinkmann am 17. Januar in Stralsund Gläubigerversammlung und -ausschuss informieren. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
Regierung wusste offenbar erst seit Wochenende von Terminproblemen
Berlin (dapd). Die Bundesregierung hat erst am Wochenende Kenntnis von den neuen Entwicklungen beim künftigen Hauptstadtflughafen in Schönefeld erhalten. Das sagte ein Sprecher von Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) am Montag in Berlin. Ein entsprechendes Schreiben der Flughafenbetreiber trage das Datum 4. Januar und sei am Wochenende gelesen worden. Über genaue Inhalte des Schreibens wollte der Sprecher keine Angaben machen. Auch das Finanzministerium bestätigte, am Wochenende informiert worden zu sein. Beide Ministerien erklärten, dass mögliche Zusatzkosten durch die Verschiebung noch nicht beziffert werden könnten. Nach Angaben des Sprechers hätte das Flughafenmanagement bei einem Ortstermin am Flughafen Mitte Dezember Probleme bei der Brandschutzanlage eingeräumt, die weitere Tests erforderten. Sollten diese erfolgreich verlaufen, werde der angepeilte Eröffnungstermin 2013 aber zu halten sei, hieß es damals den Angaben zufolge. Die Lage um den Flughafen sei ernst, sagte der Sprecher. Deshalb habe Ramsauer im Dezember auch deutliche Worte gefunden, wonach ein Steuermann das Ruder fest in der Hand halten müsse, wenn die See stürmisch ist. „Jetzt muss man über den neuen Kenntnisstand in Ruhe sprechen, aber die Worte des Ministers werden sicherlich nicht zurückzunehmen sein“, betonte er und stellte klar, dass sich die Äußerung des Ministers auf Flughafenchef Rainer Schwarz bezogen habe. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
CSU-Politiker Müller rät Bund zum Ausstieg aus Hauptstadt-Airport
Berlin (dapd). Wegen der erneuten Verschiebung der Eröffnung des Hauptstadt-Airports kommt aus der CSU die Ratschlag, den Bundesanteil am Pannen-Flughafen abzustoßen. Der Parlamentarische Geschäftsführer der CSU-Landesgruppe im Bundestag, Stefan Müller, appellierte in der „Leipziger Volkszeitung“ (Dienstagausgabe) an den Bund, „zu prüfen, ob man die Anteile des Bundes am Flughafen BER so schnell wie möglich los werden kann“. „Meine Geduld mit dem Chaos-Bau ist schon lange erschöpft“, sagte Müller. Anteilseigner an der Flughafengesellschaft sind die Länder Berlin und Brandenburg mit je 37 Prozent und der Bund mit 26 Prozent. dapd (Politik/Politik)
Der Sanierer geht von Bord
Berlin/Frankfurt (dapd). Hartmut Mehdorn polarisiert. „Diplomat wollte ich nie werden“, heißt ein 2007 erschienenes Buch des Managers, der seit Montag nicht mehr Vorstandschef von Air Berlin ist. Als Feuerwehrmann war der mittlerweile 70-jährige ehemalige Bahnchef im September 2011 aus dem Ruhestand zur zweitgrößten deutschen Fluglinie geholt worden. Dort brannte es im übertragenen Sinne an allen Ecken: Die Konkurrenz von Billigfliegern und Premiumairlines schnürte von zwei Seiten die Luft ab, Millionenverluste bedrohten die Existenz. Bereits zuvor galt Mehdorn als erfolgreicher Sanierer, bei Air Berlin machte er seinem Ruf alle Ehre und fackelte nicht lange. Ein knallharter Sparkurs soll die Fluglinie wieder profitabel machen. Air Berlin gehört seit Ende 2011 teilweise zu Etihad, einem finanzstarken Staatsunternehmen aus Abu Dhabi, das angetreten ist, das internationale Fluggeschäft aufzumischen. Der Finanzspritze der Araber ist es zu verdanken, dass es Air Berlin überhaupt noch gibt. Außerdem fädelte Mehdorn den Beitritt zum Luftfahrtbündnis Oneworld ein. Ende vergangenen Jahres verkaufte der Manager einen 70-prozentigen Anteil des Vielfliegerprogramms „Topbonus“ an den Partner Etihad. Das schwächt die Substanz der Fluglinie zwar weiter, spült aber auch 184,4 Millionen Euro in die Kasse. Mehdorn sagte, Air Berlin werde im Gesamtjahr 2012 wieder Gewinn machen, nannte aber keine Details. Das Hauptziel des Sanierers Mehdorn wäre damit erreicht. Zuletzt lief geschäftlich allerdings auch einiges gegen ihn. Der neue Hauptstadtflughafen wird nicht fertig, was Mehdorn einen Strich durch den Plan machte, einen effizienten Flugplan anzubieten. Konkurrent Lufthansa setzte trotzdem seine Expansionspläne in Berlin um und macht Air Berlin das Leben schwer. Diese leidet mit ihrem hohen Inlandsfluganteil, gemessen am Gesamtumsatz, schwer unter der Luftverkehrsabgabe. Berühmt, aber auch berüchtigt wurde Mehdorn zwischen 1999 und 2009, als er dem letzten großen Staatsunternehmen der Bundesrepublik, der Deutschen Bahn, vorstand. Dorthin hatte ihn der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) geholt, mit dessen Zustimmung Mehdorn das Unternehmen als Global Player in die Gewinnzone führte. Treffen der beiden wurden gerne so beschrieben, dass Mehdorn mit einer Flasche Wein unterm Arm im Kanzleramt klingelte und sich bei Vier-Augen-Abendessen die Zustimmung zu Projekten holte. Dass bei dem schließlich gescheiterten Vorhaben des Börsengangs einige Grundsätze der Nachhaltigkeit hinten angestellt wurden, zeigte sich erst später. Der Un-Diplomat packt an und ist stolz auf dieses Image. Auch Charisma kann man ihm nicht absprechen. Sein Hauptmerkmal, das ihn viele Sympathien besonders in der Politik gekostet hat, ist aber die Direktheit, mit der er Ziele benennt und durchzusetzen versucht. Mit der Datenschutz-Affäre, die ihn den Titel – er nannte es seinen neuen Vornamen – „Bahnchef“ kostete, kam der Vorwurf des Herrschens nach Gutsherrenart hinzu. Andererseits gibt es auch Mehdorn-Fans. Ein gutes Händchen bei der Auswahl seiner Vorstandskolleginnen und -kollegen bei der Bahn bewirkte, dass er Zigtausende Mitarbeiter wegrationalisieren konnte, ohne sie auf die Straße setzen zu müssen. Ein konzerninterner Arbeitsmarkt und Insourcing trugen dazu bei. Während seiner Vorstandszeit vertrieb er aber auch mehrere Kollegen aus Vorstand und Aufsichtsrat, darunter den heutigen Lufthansa-Chef Christoph Franz. Der Maschinenbauingenieur Mehdorn, am 31. Juli 1942 in Warschau geboren, aber in Berlin groß geworden, war das Bohren dicker Bretter gewohnt. Seine Stationen als Manager bei den Luftfahrtunternehmen VFW Fokker, MBB, Airbus der Deutschen Aerospace (DASA), der deutschen Vorgängerin der EADS, waren stets von einschneidenden Maßnahmen der Anpassung an die Globalisierung geprägt. Beim Versuch, Chef der DASA zu werden, überwarf er sich mit dem damaligen Daimler-Boss Jürgen Schrempp. Danach war erst einmal Schluss mit der Luftfahrt. Mehdorn wurde Vorstandsvorsitzender der Heidelberger Druckmaschinen AG (1995-1999). Nach seinem Rücktritt bei der Bahn nahm er zahlreiche Aufsichtsratsposten an, neben Air Berlin auch bei SAP und der russischen Eisenbahn. Mehdorn wurde mehrfach ausgezeichnet, darunter mit zwei Ehrendoktortiteln. Frankreichs früherer Präsident Jacques Chirac beförderte den Bundeswehr-Hauptmann der Reserve für seine Verdienste um die deutsch-französische Freundschaft zum Kommandeur der Ehrenlegion. Mehdorn ist seit 1973 mit einer Französin verheiratet und hat drei Kinder. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
FDP-Personalstreit: Lindner ruft Niebel zur Räson
Düsseldorf (dapd). Der nordrhein-westfälische FDP-Vorsitzende Christian Lindner fordert ein Ende des parteiinternen Führungsstreits. Vor allem zu Entwicklungsminister Dirk Niebel, der die Diskussion in den vergangenen Tagen immer wieder angefacht hatte, geht Lindner auf Distanz. Mit Verweis auf Forderungen von Bayerns Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) nach mehr Geschlossenheit der Liberalen sagte Lindner am Montag in Düsseldorf: „Ich hoffe, dass auch Dirk Niebel diesen Hinweis von Herrn Seehofer einzuordnen versteht.“ Lindner versicherte, dass er sich an „abstrakten Personaldebatten“ nicht beteiligen werde. Stattdessen fordert er ein Zurück zu Sachthemen. „Nach unseren festen Überzeugungen muss die FDP seriöse, ernsthafte Vorschläge zu den konkreten Problemen vorlegen, die die Menschen im Alltag beschäftigen“, sagte der frühere Generalsekretär der Bundespartei. Seit Wochen wird über einen Rückzug von Philipp Rösler als Vorsitzender der Bundespartei spekuliert. Geht es um die Zeit danach, fällt auch immer wieder der Name Lindner. Der hält allerdings daran fest, die gesamte Legislaturperiode bis 2017 in NRW zu verbringen. Zudem verspüre er innerhalb der Partei „keinerlei Druck“, davon abzuweichen, sagte Lindner. dapd (Politik/Politik)