Ehningen (dapd). Die Deutschlandchefin des IT-Konzerns IBM, Martina Koederitz, wünscht sich eine stärkere Öffnung der Forschungsabteilungen in hiesigen Unternehmen. „Ich glaube, es liegt sehr viel gemeinsames Potenzial darin, dass sich unsere Branche und die klassische Industrie mit ihrer Forschung und Entwicklung öffnen“, sagte Koederitz der Nachrichtenagentur dapd. Das könne nicht nur für das einzelne Unternehmen wertvoll sein, sondern für den Standort Deutschland im weltweiten Wettbewerb. „Es ist eine riesige Chance, aus der industriellen Stärke, die wir haben, auch nach vorne blickend eine echte Differenzierung zu haben, die auch beispielsweise der Quantität aus den asiatischen Märkten gegenübersteht“, sagte Koederitz. Sie führt seit Mai 2011 die Deutschlandzentrale des US-Konzerns in Ehningen bei Stuttgart. Koederitz zufolge wird die rasante Entwicklung in der IT-Branche auch die Geschäftsmodelle der klassischen Industrie verändern. „Wir werden sehr stark getrieben von der jüngeren Generation, die schlicht und einfach über Facebook und andere soziale Medien eine ganz klare Selbstverständlichkeit dafür entwickelt hat, Wissen zu teilen“, sagte die 49-jährige Managerin. Dadurch sei inzwischen eine Akzeptanz für neue Kommunikationswege erreicht, die sich auch für Geschäftsideen nutzen ließen. „Noch vor ein paar Jahren wurde zu den sozialen Netzwerken gesagt: Das ist alles gefährlich, der Datenschutz ist in Gefahr“, sagte Koederitz. Heute sei es so, dass mehr als 25 Millionen Menschen in Deutschland bei Facebook seien und 87 Prozent der Bevölkerung ein mobiles Gerät habe, viele von ihnen Smartphones. Unternehmen werden von technischer Entwicklung getrieben In einer IBM-Studie aus dem vergangenen Jahr hätten 1.700 Manager gesagt, dass nicht mehr ökonomische oder ökologische Marktfaktoren bestimmend für die Geschäftsentwicklung seien. „Technologie ist der stärkste Treiber für ihr Geschäftsmodell“, sagte Koederitz. Das betreffe vor allem die Technologie an der Schnittstelle zum Kunden. Als Beispiel nannte Koederitz Onlineshopping. „Wenn sich der Kunde verändert, tut man als Unternehmen gut daran, sich darauf einzustellen“, sagte sie. Dementsprechend hatte sich der Konzern auf der Computermesse Cebit Anfang März auch mit dem Motto „Rethink your business“ (Überdenke dein Geschäftsmodell) aufgestellt. Auf der Messe stellte IBM unter anderem eine App vor, die beim Einkaufen behilflich sein soll. „Mit der App können Sie auf einem Smartphone im Supermarkt filmen und alle Informationen finden, die für Sie relevant sind, wie Nahrungsmittelzusätze, Zutaten, Kalorienangaben, Informationen für Allergiker und vieles mehr“, sagte Koederitz. Die Technik soll jetzt mit einem Partner zu einem Geschäftsmodell ausgebaut werden. Geschäftsmodelle für soziale Netzwerke sind für IBM ebenso Wachstumsbereiche wie Lösungen für mobile Geräte, die Analyse großer Datenmengen oder die Bereitstellung von Daten und Infrastruktur über das Internet, Cloud Computing genannt. Weltweit will der US-Konzern 30 Prozent des gesamten Wachstums in diesen Bereichen generieren. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
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Handwerk wirbt verstärkt um Abiturienten
Essen (dapd). Das deutsche Handwerk wirbt verstärkt um Abiturienten. „Mein Vorschlag an frustrierte Studenten lautet: Mach erst mal was Sinnvolles. Studieren kannst du immer noch“, sagte Handwerkspräsident Otto Kentzler den Zeitungen der Essener WAZ-Gruppe (Samstagausgaben). Viele Talente verkümmerten, weil sie einen akademischen Abschluss anstrebten, aber damit nicht glücklich würden. Massenuniversitäten mit überfüllten Hörsälen seien nicht die beste Voraussetzung, um sich selbst zu verwirklichen. Im vergangenen Jahr seien etwa 15.000 Lehrstellen im Handwerk unbesetzt geblieben. „Der Führungskräftebedarf im Handwerk wächst“, sagte Kentzler. Der Wettbewerb um gute Leute sei härter geworden. „Die Zahl der Schulabgänger ist rückläufig. Das heißt, es gibt weniger Real- und Hauptschüler, die sich klassischerweise für das Handwerk interessieren.“ dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
Die Mehrheit der Berliner will den Flughafen Tegel behalten
Berlin (dapd-bln). Die Mehrheit der Berliner will den Flughafen Tegel behalten. Das ergab eine am Samstag veröffentlichte repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Insa Consulere im Auftrag der „Bild“-Zeitung. Demnach wollen 60 Prozent der Hauptstädter den alten West-Berliner Airport behalten. Lediglich 24 Prozent der 1.050 Befragten befürworten die geplante Schließung sechs Monate nach der Eröffnung des neuen Hauptstadt-Flughafens in Schönefeld. Besonders die jungen Berliner zwischen 18 und 39 Jahren wünschen sich, dass der Flughafen Tegel auch in Zukunft offen bleibt. 67 Prozent sprachen sich dafür aus, nur 15 Prozent dagegen. Der Rest ist noch unschlüssig. Anfang der Woche hatte der neue Flughafen-Chef Hartmut Mehdorn überraschend erklärt, über die Schließung von Tegel sei noch nicht endgültig entschieden. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
Spargelbauern hoffen auf baldiges Ende des Winters
Beelitz (dapd-lbg). Noch machen sich die Beelitzer Spargelbauern keine Sorgen. Der Winter ist zwar lang, aber bislang ist höchstens mit einer Woche Verzug zu rechnen. Die kurzzeitige frühlingshafte Witterung Anfang März hat gereicht, um die Felder herzurichten. „Die Dämme der frühen Spargelsorten sind unter Folie und mit Tunneln versehen“, sagt der Landwirt Ernst-August Winkelmann. Sowie die Sonne kräftiger scheine, komme auch der Spargel. Der Frost werde die Spargelpflanzen unter der Erde nicht angreifen, glaubt Winkelmann. Einerseits seien die Dämme durch Folie geschützt. Andererseits liege auf der Folie auch noch Schnee – und der dämmt. „Die Kälte spüren die Pflanzen da kaum“, sagt Winkelmann. Und dass es im März noch Frost gebe, sei auch nicht so ungewöhnlich. Eigentlich sei das der normale Rhythmus. Nur im vergangenen Jahr wurden die Spargelbauern und vor allem die Spargelliebhaber verwöhnt. Im März 2012 war es schon so warm, dass das Edelgemüse außergewöhnlich früh in die Höhe schoss. So kamen die Stangen schon verfrüht auf die Tische. Die auf diese Weise verlängerte Saison bescherte den Bauern denn auch eine gute Ernte. Im Durchschnitt wurden im vergangenen Jahr auf brandenburgischen Feldern knapp 52 Dezitonnen Spargel je Hektar gestochen. Dieser Wert lag nach Angaben des Statistikamts zwar um 0,4 Dezitonnen unter dem Rekordergebnis von 2011, aber über dem Mittel der vorangegangenen sechs Jahre von 51,3 Dezitonnen. Brandenburg ist Spargelland Brandenburg lag im vergangenen Jahr nach Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen auf dem dritten Platz beim Spargelanbau in Deutschland. Rund 15 Prozent der deutschen Anbaufläche befinden sich in der Mark. Spargel dominierte 2012 auch den Gemüseanbau im Land. Das Edelgemüse nahm nach Angaben des Statistikamts mit 3.435 Hektar deutlich mehr als die Hälfte der gesamten Anbaufläche von 5.579 Hektar ein. Nach Spargel folgten mit weitem Abstand Einlegegurken auf 745 Hektar und Möhren auf 263 Hektar. Speisekürbis wuchs auf 135 Hektar. Etwa die Hälfte der Gemüseanbaufläche Brandenburgs lag 2012 im Landkreis Potsdam-Mittelmark. Dort wird auch mit Abstand der meiste Spargel angebaut – und zwar vorwiegend der bekannte Beelitzer Spargel. Auch Winkelmann und sein Partner Jörg Buschmann haben sich auf diese Sorte spezialisiert. Ihr Hof in Klaistow gehört zu den größten in der Region und ganz Brandenburg. Bei Buschmann und Winkelmann wird auf 450 Hektar Spargel angebaut. Die Spargeldämme sind insgesamt 2.250 Kilometer lang, wie die Landwirte berechnet haben. Bei guten Bedingungen werden dort bis zu 100 Tonnen Spargel pro Tag geerntet. Manchmal seien es aber auch nur 30 Tonnen. Ein Spargelstecher kann je nach Witterung zwischen 80 und 150 Kilogramm pro Tag ernten. Etwa 600 bis 800 Erntehelfer setzen Buschmann und Winkelmann jede Saison ein – die Arbeiter kommen überwiegend aus Osteuropa. Unter der Folie wird es schnell warm Die Bauern der Region haben sich im Beelitzer Spargelverein organisiert. Auch dessen Vorsitzender Manfred Schmidt macht sich noch keine Sorgen wegen des Frosts. Es gebe bislang keine Schwierigkeiten, die Felder seien bestellt. Vorerst halte der Verein an seinem Termin zur offiziellen Eröffnung der Saison am 18. April fest. Eingeläutet werde die Saison beim Spargelbauer Josef Jakobs in Schäpe bei Beelitz. „Bis dahin werden wir auch den ersten Spargel haben“, zeigt sich Schmidt zuversichtlich. Wenn die Sonne erst einmal kräftiger scheine, entstünden unter den Folien schnell 30 bis 50 Grad Celsius. Da werde das Edelgemüse dann auch wachsen. Auch Berater Jürgen Schulze ist noch nicht nervös. Wenn der Frost nicht mehr allzu lange bleibe, sei noch eine normale Saison zu erwarten. „Der Schnee bremst den Spargel zwar in seinem Tatendrang, doch es wird ja sicher bald wärmer.“ Für ihren Spargel wollen die Beelitzer Landwirte in diesem Jahr einen sogenannten Geoschutz bei der EU beantragen. Der bereits für das vergangene Jahr geplante Antrag sei nun so weit fertig und werde in den kommenden Tagen mit dem brandenburgischen Agrarministerium abgestimmt, sagt Schmidt. Bislang seien in Deutschland nur der Schrobenhausener Spargel und seit kurzem auch der Fränkische Spargel aus Bayern nach der europäischen Verordnung zum Herkunftsschutz gesichert. Künftig soll das auch beim Beelitzer Spargel der Fall sein. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
Grüne knüpfen Zustimmung zu Strompreisbremse an Bedingungen
München (dapd). Die Grünen wollen der vorgeschlagenen Strompreisbremse einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ (Samstagausgabe) zufolge nur unter der Bedingung zustimmen, dass die Bundesregierung eine Verschärfung der Klimaschutzvorgaben in der EU billigt. „Diese Frage können wir nicht aussparen“, wird die rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerin Eveline Lemke (Grüne) zitiert. „Dafür geht die Strompreisbremse zu sehr ans Herz der Energiepolitik.“ Gebe es hier kein Zugeständnis des Bundes, würden die Grünen in den Ländern gegen eine Strompreisbremse stimmen. Nach dem Willen der EU soll der Emissionshandel reformiert werden: EU-Klimakommissarin Connie Hedegaard hat vorgeschlagen, CO2-Zertifikate befristet zu verknappen. Die Bundesregierung konnte sich bislang auf keine gemeinsame Position einigen. Umweltminister Peter Altmaier (CDU) ist für, Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) ist gegen den Kommissionsplan.. dapd (Politik/Politik)
Kardinal Woelki: Soziale Gerechtigkeit Hauptthema des neuen Papstes
Passau (dapd). Der Berliner Erzbischof, Kardinal Rainer Maria Woelki, erhofft sich vom neuen Papst Franziskus eine kraftvolle Reform der Kurie und der Strukturen im Vatikan. „Ich hoffe sehr, dass er sich dieser Fragen annimmt“, sagte Woelki, der an der Papst-Wahl teilnahm, der „Passauer Neuen Presse“ (Samstagausgabe). Der Erzbischof erwartet als bestimmendes Thema des Pontifikats von Franziskus aber etwas anderes: „Als Lateinamerikaner ist Papst Franziskus sehr stark von Fragen der sozialen Gerechtigkeit und des Kampfes gegen Armut geleitet und geprägt – Themen, die der Kirche in Europa bisher nicht unbedingt nahe liegen.“ Ob Franziskus die Abschaffung des Zölibats oder auch die Ehe für gleichgeschlechtliche Paare angehe, sei offen. „Es ist noch zu früh für Prognosen“, erklärte Woelki, unterstrich aber: „Die Kirche benötigt einen neuen Gestus und eine neue Sprache. Und natürlich braucht sie auch innere Reformen.“ Woelki rechnet damit, „dass dieser Papst diesen Weg aus dem Geist des Evangeliums heraus gehen wird“. Dahinter, dass der Jesuit Jorge Mario Bergoglio sich als Papst Franziskus nennt, steht für Kardinal Woelki eine Botschaft. „Die Jesuiten haben nach der Reformation die Erneuerung der katholischen Kirche entscheidend vorangetrieben. Unsere Kirche ist in den letzten Monaten und Jahren durch eine schwere Krise gegangen. Da könnte es ein Zeichen des Heiligen Geistes sein, dass er gerade jetzt einen Jesuiten an die Spitze setzt – als Erneuerer.“ dapd (Politik/Politik)
SPD-Chef Gabriel bezeichnet Mindestlohn-Gegner als Schwätzer
Berlin (dapd). SPD-Chef Sigmar Gabriel hat Gegner des Mindestlohns als „Schwätzer“ bezeichnet. „Das sind ja interessanterweise fast immer die gleichen Leute, die uns vor ein paar Jahren empfohlen haben, die Finanzmärkte zu deregulieren“, sagte Gabriel der in Düsseldorf erscheinenden „Rheinischen Post“ vom Samstag. Das seien keine Ökonomen, sondern Theologen. Sie verbreiteten nicht volkswirtschaftliche Erkenntnisse, sondern Glaubenssätze. „Und manchmal sind es auch einfach nur Schwätzer, die sich nicht vorstellen können, wie es ist, am Ende des Monats mit 700 Euro klarkommen zu sollen“, sagte Gabriel. Den Sachverständigenrat der Bundesregierung, die sogenannten Wirtschaftsweisen, kritisierte der SPD-Chef zudem als lebensfern. „Sachverständige, die ihre Gutachten an der Lebenswirklichkeit vorbei schreiben, brauchen wir nicht“, sagte er. „Wer der Politik Ratschläge gibt, darf keine Scheuklappen haben und muss das Leben kennen. Mal eine Schicht bei Briefträgern im Winter mitmachen oder mit einer Krankenschwester zur Arbeit gehen, das wäre vielleicht eine heilsame Konfrontation mit der Wirklichkeit.“ Gabriel hatte kürzlich erklärt, seiner Ansicht nach komme der Mindestlohn „allerspätestens nach dem September, nach der Bundestagswahl“. Mit 8,50 Euro pro Stunde beginnend, werde der Mindestlohn steigen. dapd (Politik/Politik)
Bei Salafisten entdeckte Substanz war sprengfähig
Bonn/Essen (dapd-nrw). Im Fall der vereitelten Anschläge von vier Salafisten auf Vertreter der rechtsextremen Partei Pro NRW hat die Polizei in einer Wohnung in Bonn eine sprengfähige Substanz entdeckt. Sie sei noch vor Ort kontrolliert gesprengt worden, teilte die Polizei am Freitagabend mit. Worum es sich dabei genau gehandelt habe, müssten weitere Untersuchungen klären. Schon am Mittwoch war die Wohnung eines Tatverdächtigen durchsucht und eine Chemikalie gefunden worden. Dabei handelte es sich nach Polizeiangaben um Ammoniumnitrat. Laut einer Untersuchung des Landeskriminalamtes sei die Substanz sprengfähig gewesen, sagte Staatsanwalt Henner Kruse auf dapd-Nachfrage. Allerdings habe ein Zünder gefehlt. Die vier in Nordrhein-Westfalen festgenommenen Islamisten sitzen seit Donnerstag in Untersuchungshaft. Den Männern im Alter von 23 bis 43 Jahren wird vorgeworfen, Mordanschläge auf Politiker von Pro NRW geplant zu haben. Zwei der Beschuldigten wurden nahe der Wohnung des Landesvorsitzenden Markus Beisicht in Leverkusen festgenommen. Die beiden anderen wurden bei Durchsuchungen von Wohnungen in Essen und Bonn gefasst. Alle Männer schweigen bislang zu den Vorwürfen. dapd (Politik/Politik)
Verschnaufpause für den DAX
Frankfurt/Main (dapd). Nach den Höhenflügen der vergangenen Tage hat der DAX zum Wochenschluss eine Verschnaufpause eingelegt. Der Leitindex ging am Freitag mit einem Minus von 0,2 Prozent bei 8.043 Punkten aus dem Handel, nachdem er am Vormittag noch ein Fünf-Jahres-Hoch bei 8.074 Zählern erreicht hatte – nur noch gut 40 Punkte von seinem Rekordhoch von 8.106 Punkten vom Juli 2007 entfernt. Der MDAX kletterte dagegen leicht um 0,1 Prozent auf 13.486 Punkte, während der TecDAX 0,3 Prozent auf 925 Zähler nachgab. Börsianer nannten schwache US-Konjunkturdaten als Begründung für die schwächere DAX-Tendenz. An den US-Börsen verzeichneten die wichtigsten Indizes ebenfalls Abgaben: Der Dow-Jones-Index verlor bis 17.50 Uhr MEZ 0,2 Prozent auf 14.514 Punkte, der Nasdaq-Composite gab 0,2 Prozent auf 3.254 Zähler nach. Der Euro gab nach und wurde am frühen Abend zu 1,3057 Dollar gehandelt. In der Eurozone ist die Verunsicherung mit dem Treffen der EU-Staats- und Regierungschefs sowie der Finanzminister der Eurozone groß. Wie Eurogruppenleiter Jeroen Dijsselbloem angedeutet hat, könnte das Paket mit 10 Milliarden Euro kleiner als die ursprünglich erwarteten 17 Milliarden ausfallen. Die Europäische Zentralbank legte ihren Referenzkurs bei 1,3086 Dollar fest. Im DAX führten VW die Verlierer mit Abgaben von 2,6 Prozent auf 160,30 Euro an. BMW sackten 1,3 Prozent auf 70,00 Euro ab, Allianz um 1,1 Prozent auf 112,25 Euro. An der Spitze lagen K+S, die 2,2 Prozent auf 37,53 Euro zulegten. Munich Re stiegen um 2,1 Prozent auf 150,25 Euro, Deutsche Börse um 1,3 Prozent auf 51,39 Euro. Gefragtester Wert im MDAX waren Deutsche Wohnen mit einem Plus von 4,3 Prozent auf 15,00 Euro. Puma folgten mit Aufschlägen von 3,8 Prozent auf 146,95 Euro. Rheinmetall kletterten um 2,9 Prozent auf 42,01 Euro. Die Verlierer wurden von Wincor Nixdorf angeführt, die sich um 1,0 Prozent auf 38,20 Euro verbilligten. Fielmann und Salzgitter büßten jeweils 0,8 Prozent auf 69,70 beziehungsweise 35,29 Euro ein. Im TecDAX stürzten Solarworld um 9,6 Prozent ab auf 0,98 Euro. Mehr als 2,0 Prozent verloren Euromicron auf 14,85 Euro und Dialog Semiconductor auf 12,26 Euro. Kräftig zulegen konnten PSI mit einem Plus von 7,2 Prozent auf 16,34 Euro. Evotec stiegen um 2,8 Prozent auf 2,39, Aixtron um 2,5 Prozent auf 11,02 Euro. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
Der Sinn des Lebens aus Präsidentensicht
Wiesbaden (dapd). Vor der Lichtenbergschule in Darmstadt ist die sprichwörtliche Hölle los. Dicht gedrängt stehen die Schüler der Europaschule mit gezückten Blöcken und zum Schnappschuss bereiten Smartphones. „Sympathisch“ finden die beiden Sechstklässler Marleen und Lilli das Staatsoberhaupt. Aufgeregt hoffen sie, ein Autogramm von ihm ergattern zu können. Ein knappes Jahr nach seiner Wahl zum Bundespräsidenten ist Joachim Gauck am Freitag zum offiziellen Antrittsbesuch nach Hessen gekommen. Der Besuch in Hessen ist für Gauck und vor allem für seine Lebensgefährtin Daniela Schadt ein besonderer: Die 53 Jahre alte Journalistin wuchs in Hanau auf und ging dort auf die Karl-Rehbein-Schule. „An meiner Schule hat sie Volleyball gespielt“, erinnert sich Landtagspräsident Norbert Kartmann. Das sei die Otto-Hahn-Schule gewesen, und er war damals dort Lehrer für evangelische Religion und Physik. Hanau ist am Freitagabend die letzte Station des Präsidentenpaares – empfangen werden sie am Morgen in Wiesbaden von Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU), Mitgliedern des Landeskabinetts, den Fraktionschefs aus dem Wiesbadener Landtag und Kartmann. „Es ist uns eine große Ehre und eine große Freude, Sie in dem starken Land Hessen willkommen zu heißen“, betont Bouffier. Gauck bedankt sich mit der Bemerkung, er habe ja gar nicht gewusst, dass die hessische Regierung „neben der herausragenden Staatskunst Ihres Kabinetts“ auch so gute Verbindungen zu den Wettermachern habe. Tatsächlich herrscht den Tag über „Präsidentenwetter“ – egal ob beim Eintrag ins Goldene Buch der Stadt Wiesbaden im Kurhaus oder beim Besuch in Darmstadt. In Frankfurt informiert sich der Präsident am Nachmittag im Deutschen Architekturmuseum über die Landesstiftung „Miteinander in Hessen“ sowie über eine Ausstellung über neue Wohnformen im Alter. Bürger kommen allerdings an den meist Stationen nur wenige zum „Gauck-Gucken“. Dabei hat der Bundespräsident doch sie ganz besonders im Fokus. „Der besondere Schatz“ eines Landes, das seien seine engagierten Bürger, betont der Bundespräsident und hebt immer wieder hervor, wie wichtig „der gelebte Bürgerwille“ für eine Demokratie sei. „Wir haben in den kommenden Jahren viel zu gestalten“, schickt Gauck dann noch eine Mahnung an die Politiker. Im Wahljahr 2013 sei leider zu erwarten, dass viele „das Glück oder das Elend in glühendsten Farben“ ausmalten. „Das wird für uns Bürger ein wenig stressig sein“, merkt der Präsident an. Aber die Republik habe ja „die bisherigen Wahlkämpfe überlebt“. Und sei auch mit teils unerwarteten Wahlausgängen fertig geworden – „es tobt dann kein Bürgerkrieg“. Um Krieg und Frieden geht es dann auch in der Lichtenbergschule – in der der Bundespräsident wie ein Popstar empfangen wird. In der Aula geht dann es mit den Leistungskursen Politik des 12. Jahrgangs jedoch um ernstere Fragen: Warum er in seiner Europarede nicht die antidemokratischen Tendenzen in Ungarn angesprochen habe, und warum Deutschland nicht den Rebellen in Syrien helfe, wollten die Schüler wissen. „Jaaa…“, sagt Gauck, und fügte hinzu: „Wie sage ich das jetzt diplomatisch…?“ Früher, als Bürgerrechtler in der DDR hätte er auch gesagt, „wir müssen da reingehen“, meint er mit Blick nach Syrien. Heute, als Bundespräsident müsse er vorsichtiger formulieren und mehrere Faktoren bedenken. Die lange Freundschaft zu Ungarn etwa, die eine öffentliche Rüge verbiete. Doch als Bouffier vor den Schülern das leise Eintreten für Menschenrechte propagiert, hakt Gauck ein: „Das können wir so nicht stehen lassen“. Es müsse auch ein deutliches Eintreten für die Wert geben, betont er. Manchmal allerdings, wie in Syrien, sei es eben so „dass wir das moralische Gebotene nicht tun können“, weil die Fronten zu unklar seien, bedauert Gauck. Die Zwänge des Amtes schränkten seine persönliche Freiheit enorm ein, antwortet der Bundespräsident auf eine weitere Frage. Freiheit, das könne aber auch die Freiheit sein, etwas aufzugeben – weil man für eine Aufgabe brenne. „Der Sinn des Lebens“, den könne man selbst gestalten, und vielleicht eines Tages sogar Bundespräsident werden. „Das geht aber nicht vom Zugucken“, mahnt Gauck: „Das geht nur vom Mitmachen.“ dapd (Politik/Politik)
