Berlin (dapd). Im Tarifkonflikt beim Energiekonzern Vattenfall haben am Dienstag mehrere Tausend Beschäftigte für mehrere Stunden die Arbeit niedergelegt. In Berlin beteiligten sich nach Gewerkschaftsangaben 3.500 Mitarbeiter an Warnstreiks, in Hamburg waren es 3.000 und in Brandenburg, Sachsen und Thüringen insgesamt rund 2.000. Am Kraftwerk Schwarze Pumpe in der Lausitz versammelten sich Beschäftigte zu einer Kundgebung. Hintergrund der Warnstreiks ist die laufende Tarifrunde für die bundesweit rund 15.000 Beschäftigten des Energiekonzerns. Die dritte Verhandlungsrunde ist für Mittwoch geplant. Die Gewerkschaften IG BCE, ver.di und IG Metall, die sich bei Vattenfall zu einer Tarifgemeinschaft zusammengeschlossen haben, fordern unter anderem eine Lohnerhöhung von 6,5 Prozent mit einer Laufzeit von zwölf Monaten sowie den Verzicht auf Entlassungen bis zum Jahr 2020. „Der geforderte Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen ist der Schlüssel zur Lösung des Tarifkonflikts“, sagte der IG-BCE-Verhandlungsführer Holger Nieden. Der schwedische Energiekonzern hatte Anfang März angekündigt, bis 2014 alleine in Deutschland 1.500 Stellen streichen zu wollen. Der Bezirksleiter der IG Metall Küste, Meinhard Geiken, sagte: „Wer mitten in den Verhandlungen über eine Beschäftigungssicherung die Streichung von Hunderten Stellen verkündet, muss sich über eine Eskalation des Konflikts nicht wundern.“ Der Energiekonzern solle zur Vernunft kommen und ein Ergebnis vereinbaren, „das für Beschäftigte wie Unternehmen Sicherheit und Verlässlichkeit bedeutet“, forderte der Konzernbetriebsratsvorsitzende Rainer Kruppa. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
der
US-Konzernchefs verdienen deutlich mehr als ihre deutschen Kollegen
Frankfurt/Main (dapd). Die Vergütungen der Vorstandsvorsitzenden deutscher DAX-Unternehmen sind 2012 nur moderat gestiegen. Auch wenn es jüngst wieder Diskussionen um die Höhe von Managergehältern in Deutschland gab, ist das Niveau in Europa und den USA nach wie vor höher. Im Schnitt bekamen die DAX-Chefs eine Direktvergütung von 5,33 Millionen Euro, das waren drei Prozent mehr als im Vorjahr. Das geht aus einer am Dienstag in Frankfurt am Main veröffentlichten Studie der Unternehmensberatung Towers Watson hervorgeht. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern der Unternehmen stieg dagegen durchschnittlich um 14 Prozent auf 3,4 Milliarden Euro. Allerdings verlief die Entwicklung der einzelnen Unternehmen sehr unterschiedlich. Spitzenverdiener war Volkswagen-Konzernchef Martin Winterkorn, der eine Direktvergütung von mehr als 14,5 Millionen Euro erhielt. Mit 2,1 Millionen Euro bekam der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Lufthansa, Christoph Franz, am wenigsten. Für die Studie untersuchte Towers Watson die 23 bereits von DAX-Konzernen veröffentlichten Geschäftsberichte für das Jahr 2012. Im DAX sind die 30 wertvollsten börsennotierten Unternehmen vertreten. Von den in den USA üblichen Vergütungsniveaus seien die Vorstandsvorsitzenden hierzulande weit entfernt, sagte Helmuth Uder von Tower Watson. Die Chefs der größten Industrieunternehmen der USA erhielten den Angaben zufolge für 2012 durchschnittlich 13,3 Millionen Euro. Auch die europäischen Kollegen der im Dow Jones Stoxx 50 Europe gelisteten Unternehmen erhalten mehr: Ihre Vergütung betrug im vergangenen Jahr im Schnitt 7,5 Millionen Euro. Veröffentlichung von Obergrenzen schafft Transparenz In der Diskussion über angemessene Managervergütungen begrüßten die Tower-Watson-Experten die geplante Veröffentlichung absoluter Obergrenzen für jeden einzelnen Bestandteil der Vergütung. Zwar konnte der Aufsichtsrat auch bisher Obergrenzen definieren. „Neu ist, dass diese Obergrenzen künftig veröffentlicht werden sollen, was zu einer größeren Transparenz beiträgt“, sagte Tower-Watson-Berater Olaf Lang. Vor allem VW-Chef Winterkorn war aufgrund seines ausufernden Gehalts zuletzt in die Kritik geraten. Er hatte 2011 einschließlich seiner Bezüge bei der Porsche Automobil Holding SE 18,3 Millionen Euro verdient – so viel wie kein Chef eines DAX-Konzerns zuvor. Der Konzern deckelte für 2012 aber von sich aus die Bezüge seines obersten Managers. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
Winterkorn sieht positive Zukunft für Porsche SE
Stuttgart (dapd). Der Volkswagen-Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn sieht auch nach der vollständigen Einbringung der Porsche-Sportwagensparte in den Wolfsburger Konzern Wachstumschancen für die Porsche Automobil Holding SE (Porsche SE). „Schon heute profitiert die Porsche SE von den Stärken des Volkswagen-Konzerns“, sagte Winterkorn, der auch Vorstandschef der Porsche SE ist, am Dienstag in Stuttgart. „Für die kommenden Jahre sehen wir ein erhebliches Wertsteigerungspotenzial unserer Gesellschaft“, fügte er hinzu. Nach dem Verkauf des Sportwagengeschäfts an VW hält die Porsche SE noch 50,7 Prozent der Stammaktien an den Wolfsburgern. In Zukunft sollen weitere Beteiligungen hinzukommen. 2012 verbuchte das Unternehmen ein Konzernergebnis in Höhe von 7,8 Milliarden Euro. 2013 und 2014 soll laut Winterkorn unter dem Strich ein niedriger einstelliger Milliardenbetrag stehen. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie eröffnet
Darmstadt/Unterhaching (dapd). Die diesjährige Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie ist eröffnet. Den Auftakt machten am Dienstag die Bezirke Mitte für die Länder Hessen, Rheinland-Pfalz und Saarland in Darmstadt sowie Bayern in Unterhaching. Die Verhandlungen wurden am Mittag vertagt. Die IG Metall geht mit der Forderung nach Einkommenserhöhungen von 5,5 Prozent bei einer Laufzeit von zwölf Monaten in die Gespräche mit den Arbeitgebern. Die bayerischen Arbeitgeber wiesen die Forderung der IG Metall als deutlich überzogen zurück. Verhandlungsführerin Angelique Renkhoff-Mücke erklärte, dass sich die Konjunktur in der Branche Ende 2012 abgekühlt habe. Auch für 2013 sei nur mit mäßigem Wachstum zu rechnen. Erst 2012 habe es mit 4,3 Prozent die höchste Lohnsteigerung seit 20 Jahren gegeben. Daran hätten viele Betriebe noch zu knabbern. Der Verhandlungsführer der Arbeitgeber im Bezirk Mitte, Eduard Kulenkamp, sagte in Darmstadt, die Entgeltforderung von 5,5 Prozent passe nicht zur wirtschaftlichen Lage in der Metall- und Elektroindustrie. Die Produktion sei 2012 geschrumpft und werde im laufenden Jahr kaum über ein Wachstum von 0,5 Prozent hinauskommen. In Bayern wird für 770.000 Beschäftigte verhandelt, im Bezirk Mitte für 400.000. Die zweite Runde findet am 19. beziehungsweise 22. April statt. Der IG-Metall-Vorsitzende Berthold Huber bezeichnete die Forderung als „wirtschaftlich angemessen und fair gegenüber den Beschäftigten“. Die 5,5 Prozent mehr Geld würden der Konjunktur Auftrieb verschaffen. Im vergangenen Jahr war die IG Metall mit einer Forderung nach Lohnerhöhungen um 6,5 Prozent für die bundesweit rund 3,7 Millionen Beschäftigten in die Verhandlungen gegangen. Vereinbart wurde ein Plus von 4,3 Prozent für die Laufzeit von 13 Monaten. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
Landtag von Rheinland-Pfalz verabschiedet Nachtragshaushalt
Mainz (dapd). Der rheinland-pfälzische Landtag hat den mehr als 240 Millionen Euro schweren Nachtragshaushalt verabschiedet. Am Dienstag stimmten im Mainzer Landesparlament die Abgeordneten der Regierungsfraktionen von SPD und Grünen für den Nachtragshaushalt. Die CDU-Fraktion stimmte bei einer Enthaltung dagegen. Mehrere Änderungsanträge der Union fanden keine Mehrheit. Der nun beschlossene Zusatzetat sieht Ausgaben von 242 Millionen Euro vor, von denen 221 Millionen mit neuen Schulden gedeckt werden sollen. Vorgesehen sind unter anderem Ausgaben für den Ausbau der Kinderbetreuung, für Hochschulen und die Versorgung von Asylbewerbern. Der Löwenanteil, insgesamt 120 Millionen Euro des frischen Geldes, sollen dem Flughafen Frankfurt-Hahn zugutekommen, zwei Drittel davon als Kreditlinie, mit denen neue Gesellschafterdarlehen aufgenommen werden können. dapd (Politik/Politik)
BMW gibt sich nach Rekordjahr zurückhaltend
München (dapd). Der Autohersteller BMW blickt nach dem Rekordjahr 2012 vorsichtig optimistisch in die Zukunft. Der Absatz soll im laufenden Geschäftsjahr zwar erneut auf eine neue Bestmarke steigen, wie der Vorstandsvorsitzende Norbert Reithofer am Dienstag in München sagte. Beim Vorsteuergewinn geht der Konzernchef jedoch nur von einer Größenordnung wie im vergangenen Jahr aus, als BMW auf 7,8 Millionen Euro kam. Grund seien hohe Investitionen in neue Technologien und Modelle, mit denen sich der DAX-Konzern im schwierigen Automarkt behaupten will. BMW legte vor allem dank des weiterhin hohen Wachstums in den großen Märkten wie China und den USA trotz eines rückläufigen Absatzes in Europa weiter zu. Produktionsvorstand Frank-Peter Arndt sagte, alle Werke seien auch in diesem Jahr mit 120 Prozent ausgelastet und führen Sonderschichten. Bis Ende 2014 will BMW 25 neue Modelle herausbringen, zehn davon ohne Vorgänger. In diesem Jahr sind elf neue Modelle geplant. Darunter wird das neue Elektroauto i3 sein, das Ende des Jahres auf den Markt kommen soll. BMW setzt langfristig auf Elektrofahrzeuge Vor Beginn der Serienproduktion der Elektrofahrzeuge mahnte Reithofer zu Geduld. BMW betrete „Neuland“. Die Jahre 2013 bis 2016 werden „herausfordernd“ sein, wie der Konzernchef ankündigte. Er forderte Steuererleichterungen, um die Kaufanreize zu erhöhen. Ab 2017 müsste sich die neue Technologie dann selbst tragen. BMW will trotz der Skepsis anderer Hersteller an seinen Plänen für die Elektromobilität festhalten. Der Konzern brauche diese emissionsfreien Fahrzeuge, um die Abgase der gesamten Flotte weiter zu senken und so die Anforderungen der Europäischen Union bis 2020 zu erreichen, sagte Reithofer. Außerdem seien für den i3 bereits einige Hundert Vorbestellungen eingegangen. BMW setzt laut Vertriebsvorstand Ian Robertson vor allem im Stadtverkehr, wo die Reichweite von rund 130 Kilometern ausreiche, auf die Elektroautos. Mit Plug-in-Hybridfahrzeugen, die Elektroantrieb mit Verbrennungsmotoren kombinieren, will BMW in Zukunft auch Autos für deutlich längere Distanzen anbieten. Im vergangenen Jahr verkaufte der Konzern 1,845 Millionen Autos seiner Marken BMW, Mini und Rolls-Royce und damit knapp ein Neuntel mehr als 2011. Damit war der DAX-Konzern erfolgreicher als die anderen Premiumhersteller Audi und Mercedes-Benz. Der Umsatz stieg um zwölf Prozent auf 76,8 Milliarden Euro. Zugleich markierte der Nettogewinn mit einem Plus von 4,4 Prozent auf gut 5,1 Milliarden Euro einen neuen Bestwert. Vorstandsgehälter steigen deutlich Der achtköpfige BMW-Vorstand verdiente mit insgesamt 31,4 Millionen Euro vier Millionen Euro mehr als 2011. Reithofers Jahresgehalt stieg gegenüber dem Vorjahr um rund eine halbe Million auf 6,6 Millionen Euro. Damit liegt er deutlich hinter VW-Vorstandschef Martin Winterkorn, der auf rund 14,5 Millionen Euro kommt. Auch Daimler-Chef Dieter Zetsche verdiente mit 8,2 Millionen Euro mehr als Reithofer. Die Mitarbeiter des Autoherstellers bekommen für 2012 im Schnitt eine Bonuszahlung von knapp 9.000 Euro. Bei einem Facharbeiter sind es 7.630 Euro. Das entspricht rund zweieinhalb Monatsgehältern. Im Vorjahr waren es 20 Euro mehr. Die BMW-Aktie gehörte zu Gewinnern im DAX. Bis 13.00 Uhr lag sie 0,7 Prozent im Plus bei 70,69 Euro. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
Lehner übernimmt Aufsichtsratsvorsitz bei ThyssenKrupp
Essen (dapd). Machtwechsel bei ThyssenKrupp: Der Aufsichtsrat hat am Dienstag den früheren Henkel-Chef Ulrich Lehner zum neuen Chefkontrolleur des größten deutschen Stahlproduzenten gewählt. Der 66-jährige Manager löst Gerhard Cromme ab, der angesichts milliardenschwerer Verluste und zahlreicher Kartellskandale zum Monatsende aus dem Unternehmen ausscheidet. Auf Lehner warten große Herausforderungen. Denn das Essener Traditionsunternehmen steckt in einer tiefen Krise. Milliardenverluste durch Fehlinvestitionen in Amerika haben die Finanzkraft des Stahlkonzerns untergraben. Außerdem hat eine Flut von Kartellskandalen den Ruf des Unternehmens schwer geschädigt. Schadenersatzforderungen der geschädigten Unternehmen könnten weitere Lücken in die Bilanz reißen. Lehner hatte bereits angekündigt, er wolle die Themen Corporate Governance und Compliance zu inhaltlichen Schwerpunkten seiner künftigen Arbeit machen. Der Manager gehört dem ThyssenKrupp-Aufsichtsrat seit 2008. Er hatte deshalb auch einige Fehlentscheidungen der Vergangenheit mitgetragen. Seine Wahl ist deshalb nicht unumstritten. ThyssenKrupp-Aktie verliert mehr als fünf Prozent Neben seiner Tätigkeit bei ThyssenKrupp ist Lehner auch Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Telekom und gehört den Kontrollgremien von Henkel, Porsche, E.on und Novartis an. Doch hatte er bereits angekündigt, auf einige Mandate verzichten zu wollen, um sich der neuen Aufgabe intensiv widmen zu können. Nach Informationen des „Handelsblatts“ (Dienstagausgabe) prüft ThyssenKrupp eine milliardenschwere Kapitalerhöhung. Die Wirtschaftszeitung berichtete unter Berufung auf Konzernkreise, die Krupp-Stiftung als größter Aktionär habe auf Drängen von Konzernchef Heinrich Hiesinger ihren Widerstand gegen die Ausgabe neuer Aktien aufgegeben. Das Unternehmen lehnte auf dapd-Anfrage eine Stellungnahme zu dem Bericht ab. Die Krupp-Stiftung hatte sich bisher gegen eine Kapitalerhöhung gestemmt, weil dadurch ihre Sperrminorität beim Essener Konzern infrage gestellt würde. Sie hält derzeit noch 25,3 Prozent der ThyssenKrupp-Anteile, könnte aber mangels finanzieller Ressourcen bei der Ausgabe neuer Aktien wohl nicht mitziehen. Eine endgültige Entscheidung sei zwar noch nicht gefallen, berichtete das „Handelsblatt“. Es spreche aber vieles dafür, dass die Kapitalerhöhung noch in diesem Geschäftsjahr komme und ein Volumen von mehr als einer Milliarde Euro haben werde. An der Börse kam der Bericht nicht gut an. Die ThyssenKrupp-Aktie verlor bis zum frühen Nachmittag mehr als fünf Prozent an Wert. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
NPD-Verbot sorgt für Spannungen in der Koalition
Berlin (dapd). Mit ihrem Nein zu einem NPD-Verbotsantrag der Bundesregierung sorgt die FDP für Knatsch in der schwarz-gelben Koalition. Vor allem die CSU, die über den Bundesrat den Verbotsantrag der Länder mitträgt, ist empört. Nun rückt der ebenfalls antragsberechtigte Bundestag in den Blickpunkt: Die SPD bekräftigte am Dienstag ihre Forderung, dass wenigstens das Parlament einen Antrag auf ein Verbot der rechtsextremen NPD beim Bundesverfassungsgericht einreichen sollte. Die FDP lehnt dies ab, die Union windet sich. Am Montag hatte der FDP-Vorsitzende Philipp Rösler verkündet, dass seine Partei einen eigenen Antrag der Regierung im Bundestag nicht mittragen werde. Er begründete dies damit, dass sich Dummheit nicht verbieten lasse. Am Mittwoch will das Bundeskabinett endgültig über einen NPD-Verbotsantrag der Regierung entscheiden. Mit dem Veto der FDP ist ein eigener Antrag der Regierung de facto aber vom Tisch. Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann (CSU) sprach von einem „völlig falschen Signal“. „Ich bedauere es sehr, dass die FDP den breiten Konsens, den es bisher für einen NPD-Verbotsantrag gegeben hat, verlässt“, sagte er der „Mitteldeutschen Zeitung“. Zugleich forderte er einen eigenen Antrag des Bundestags. „Jetzt müssen eben alle anderen demokratischen Kräfte geschlossen deutlich machen, dass für rassistische Parteien in unserer Demokratie kein Platz ist“, betonte er. Van Essen verteidigt Haltung der FDP CSU-Chef Horst Seehofer hatte die Haltung der FDP zuvor bereits scharf kritisiert und sich insbesondere gegen Röslers Begründung gewandt. Gegen verfassungsfeindliche Politik müsse man mit eindeutiger Sprache argumentieren und nicht salopp und etwas oberflächlich. Auch Unionsfraktionsgeschäftsführer Michael Grosse-Brömer (CDU) kritisierte die Begründung Röslers, Dummheit lasse sich nicht verbieten. „Es geht um wesentlich mehr“, betonte Grosse-Brömer. „Es ist schon wichtig, dass man mit aller Kraft dagegen vorgeht.“ Mit seiner Äußerung hat Rösler auch den Zentralrat der Juden verärgert. Zentralratspräsident Dieter Graumann warf Rösler Verharmlosung vor. In einem Telefonat mit Graumann versicherte Rösler, dass die Bekämpfung und Ächtung des Rechtsextremismus für die FDP eine zentrale politische Aufgabe bleibe. Zudem betonte er, dass die Bundesregierung den Bundesrat bei der Sammlung von Beweismaterial gegen die NPD unterstützen werde. Der Parlamentarische Geschäftsführer der FDP-Bundestagsfraktion, Jörg van Essen, verteidigte das Nein seiner Partei zu einem NPD-Verbotsantrag der Bundesregierung. Es gebe sehr viele gute Gründe, die gegen ein Verbotsverfahren sprächen, sagte van Essen im RBB-Inforadio. Er rate daher auch den Ländern, auf ihren Verbotsantrag zu verzichten. Auch der hessische Justizminister Jörg-Uwe Hahn (FDP) stellte den Antrag der Länder wieder infrage. Die NPD müsse politisch bekämpft werden, nicht durch Verbote. Zwtl.: Forderung nach eigenen Antrag des Bundestags Gleichwohl wächst der Druck auf die schwarz-gelbe Koalition, auch im Bundestag einen Verbotsantrag voranzutreiben. Der Parlamentarische Geschäftsführer der SPD-Bundestagsfraktion, Thomas Oppermann, rief die Fraktionsvorsitzenden von Union und FDP, Volker Kauder und Rainer Brüderle, auf, sich nicht „hinter der Bundesregierung zu verstecken, sondern eine verantwortliche und unabhängige Entscheidung zu treffen“. Die stellvertretende SPD-Vorsitzende Manuela Schwesig betonte, ein geschlossenes Vorgehen von Bundesregierung, Bundestag und Bundesrat wäre ein wichtiges Signal. Der Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses, Wolfgang Bosbach (CDU), forderte im Berliner „Tagesspiegel“ eine rasche Entscheidung des Parlaments. Da es in fast allen Fraktionen Befürworter und Gegner eines Verbotsantrages der rechtsextremen Partei gebe, sollte man den Fraktionszwang bei dieser Entscheidung aufheben. CSU-Landesgruppenchefin Gerda Hasselfeldt lehnte dies indes ab. „Ich sehe bei diesem Thema nicht die Notwendigkeit wechselnder Mehrheiten“, sagte sie in Berlin. Es sei zudem nicht entscheidend, dass möglichst viele Verfassungsorgane einen eigenen Antrag stellten. Es sei vielmehr wichtig, dass die Debatte über das Verbot der NPD „kein Ersatz für die Bekämpfung der braunen Ideologie“ sein dürfe. Grosse-Brömer kündigte an, dass seine Fraktion voraussichtlich in der ersten Aprilwoche über einen möglichen eigenen NPD-Verbotsantrag des Bundestages beraten will. dapd (Politik/Politik)
Die späte Karriere des Ulrich Lehner
Essen (dapd). Späte Karriere: Im Alter von 66 Jahren steigt der frühere Henkel-Chef Ulrich Lehner zu einem mächtigsten Manager Deutschlands auf. Als Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Telekom und des Stahlriesen ThyssenKrupp übernimmt er künftig eine Schlüsselrolle gleich bei zwei der wichtigsten Konzerne der Deutschland AG. Vor allem beim Essener Stahlhersteller erwarten den Manager allerdings in den nächsten Monaten große Herausforderungen. ThyssenKrupp bemühte sich am Dienstag nach der außerordentlichen Aufsichtsratssitzung sichtlich, die Sache herunterzuspielen. Gerade einmal vier Zeilen umfasste die Pressemitteilung, in der der Konzern die Wahl Lehners zum neuen Chefkontrolleur bestätigte. Dabei ging es um eine Zäsur in der Firmengeschichte. Gerhard Cromme, der mehr als ein Jahrzehnt lang die Geschicke des Stahlkochers bestimmte, musste nach Milliardenverlusten durch Fehlinvestitionen in Amerika und einer Flut von Kartellskandalen seinen Posten räumen. Sein Nachfolger Lehner muss nun den taumelnden Konzern zusammen mit Firmenchef Heinrich Hiesinger wieder auf Kurs zu bringen. Es ist keine leichte Aufgabe für einen Manager, der sich eigentlich schon im Pensionsalter befindet. Doch darf man annehmen, dass Lehner die Herausforderung genießt. Hatte er doch beim Abschied als Henkel-Chef im Jahr 2008 noch die Sorge, in Zukunft zu wenig zu tun zu haben. „Es fällt mir schwer, aufzuhören“, gestand er damals in einem Interview. „Es ist nicht leicht, von hundert auf Null zu bremsen, wenn man sich so lange sieben Tage die Woche um etwas gekümmert hat.“ Eine schwierige Gratwanderung Tatsächlich hat der Hobby-Marathonläufer die Hände danach nicht in den Schoß gelegt. Als Multi-Aufsichtsrat überwachte er unter anderem die Geschäfte bei E.on, Porsche und dem Schweizer Pharmakonzern Novartis. Doch vor allem als Chefkontrolleur der Deutschen Telekom habe er in den vergangenen Jahren gute Arbeit geleistet, bescheinigen ihm Branchenkenner. Dort hatte Lehner Klaus Zumwinkel beerbt, der wegen seiner Liechtensteiner Steueraffäre zurücktreten musste. Er kam in ein Unternehmen, dass durch die geplante Auslagerung zahlreicher Arbeitsplätze ebenso erschüttert wurde wie durch das Bekanntwerden der Spitzelaffäre, bei der die Telekom systematisch Arbeitnehmervertreter im Aufsichtsrat, Betriebsräte und Journalisten ausspioniert hatte. Lehner sei es mit seiner ausgleichenden Art gelungen, wieder Ruhe in das Unternehmen zu bringen und das Vertrauen in den Konzern wiederherzustellen, heißt es. Doch die Herausforderungen bei ThyssenKrupp könnten noch größer sein. Zusammen mit Vorstandschef Hiesinger muss Lehner die Firmenkultur bei ThyssenKrupp umkrempeln und endlich die Kette von Kartellskandalen beenden. Und er muss es schaffen, den bevorstehenden schmerzhaften Umbau des Konzerns auch für die Beschäftigten erträglich zu machen. Es ist eine schwierige Gratwanderung. Doch Lehner könnte der richtige Mann für diese Aufgabe sein. Denn einerseits steht für ihn fest: „Ein Unternehmen funktioniert nur, wenn die Mitarbeiter sich morgens freuen, zur Arbeit zu gehen.“ Doch hat er als Henkel-Chef andererseits nicht gezögert, tausende Arbeitsplätze abzubauen, wenn ihm dies unvermeidlich erschien. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
Bahn: Land zu Gesprächen über Stuttgart 21 -Flughafenbahnhof bereit
Stuttgart (dapd). Die baden-württembergische Landesregierung hat der Bahn nach Angaben des Technikvorstands des Konzerns, Volker Kefer, ihre Bereitschaft signalisiert, über den Flughafenbahnhof beim Bahnprojekt „Stuttgart 21“ zu reden. Es sei zwar in Gesprächen am Dienstag keine Entscheidung getroffen worden, wer die Mehrkosten in Höhe von 224 Millionen Euro für den verbesserten Bahnhof am Flughafen zahle, sagte Kefer in Stuttgart. Es sei aber vereinbart worden, „möglichst kurzfristig“ wieder über das Thema zu sprechen. Kefer zufolge sind sich alle „Stuttgart 21“-Partner einig, dass die Finanzierung des Flughafenbahnhofs über eine gesonderte Finanzierungsvereinbarung geregelt werden muss. Der Bahnvorstand wertete die Bereitschaft der grün-roten Landesregierung zu Gesprächen als positiv. Im Zuge des Gesamtprojekts „Stuttgart 21“ soll am Flughafen Stuttgart ein neuer Bahnhof gebaut werden. Aus einem Bürgerbeteiligungsverfahren, dem sogenannten Filderdialog, ging hervor, dass nicht die von der Bahn geplante, sondern eine andere, aber teurere Variante gebaut werden soll. dapd (Politik/Wirtschaft)
