Wiesbaden (dapd). Trotz Eurokrise haben die deutschen Unternehmen im Juli ihre Exporte deutlich gesteigert. Der Wert der ausgeführten Waren erhöhte sich gegenüber dem Vorjahr um 9,2 Prozent auf 93,6 Milliarden Euro, wie das Statistische Bundesamt am Freitag mitteilte. Die Einfuhren nach Deutschland legten um 1,9 Prozent auf 76,7 Milliarden Euro zu. Der Außenhandelsüberschuss betrug damit 16,9 Milliarden Euro. Gegenüber Juni nahmen die Ausfuhren kalender- und saisonbereinigt um 0,5 Prozent zu, die Einfuhren um 0,9 Prozent. Die Exporte in die Eurozone stiegen im Juli im Jahresvergleich um 3,2 Prozent auf 34,1 Milliarden Euro, die Importe um 6,7 Prozent auf 34,7 Milliarden Euro. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
Wirtschaft
UFO setzt im Lufthansa-Streik auf einen Schlichter
Frankfurt/Main (dapd). Die Flugbegleitergewerkschaft UFO hat sich nach eigenen Angaben im Arbeitskampf bei der Lufthansa mit der Airline auf Hinzuziehung eines Schlichters verständigt. Diese Absprache sei bei einem Telefonat zwischen ihm und einem Verhandlungsführer der Lufthansa bereits am Mittwochabend getroffen worden, sagte der UFO-Vorsitzende Nicoley Baublies am Freitagmorgen auf dem Frankfurter Flughafen. „Zu den Gesprächen eine dritte Person einzuladen, ist wohl das Beste“, betonte er. UFO bestreikt bis Freitagabend alle Lufthansa-Flüge. Einen Termin zur Wiederaufnahme der Tarifgespräche mit der Lufthansa nannte der UFO-Chef nicht. Die Initiative zur Einschaltung eines Vermittlers ging Baublies zufolge von UFO aus. „Ich war es, der zum Handy gegriffen hat“, sagte er. Eine Sprecherin der Lufthansa bestätigte allerdings lediglich, dass der Gesprächsfaden zu UFO wieder aufgenommen wurde. Sie wisse, dass es seit Donnerstag wieder Kontakte zwischen dem Unternehmen und UFO gebe, sagte die Sprecherin. Von einem Schlichter sei ihr nichts bekannt. Die Lufthansa hat wegen des 24-Stunden-Streiks der Flugbegleiter gut die Hälfte ihre heutigen Flüge gestrichen. Deutschlands größte Airline listete am frühen Morgen im Internet für Freitag 984 gestrichene Flüge auf. Im Durchschnitt biete das Unternehmen täglich 1.800 Flüge an, sagte die Sprecherin. Der Sonderflugplan, nach dem das Unternehmen wegen des Streiks fliege, sehe rund die Hälfte der üblichen Verbindungen vor. Es könnten im Laufe des Tages allerdings noch weitere Flüge gestrichen werden, sagte die Sprecherin. Auch am Samstag will Lufthansa wegen des Ausstands bislang bereits 13 Flüge ausfallen lassen. Die Unabhängige Flugbegleiterorganisation UFO hatte an den Lufthansa-Standorten Frankfurt, München, Düsseldorf, Berlin, Hamburg und Stuttgart zu einem 24-stündigen Ausstand aufgerufen. Trotz Streikbeginn um 00.00 Uhr fielen wegen des Nachtflugverbots in Deutschland erst ab dem Morgen Starts aus. Einige Langstreckenflüge nach Deutschland wurden bereits am Donnerstagabend gestrichen. In Deutschland musste die Lufthansa am Freitagmorgen nicht nur an den bestreikten Standort, sondern etwa auch in Bremen, Dresden und Leipzig auf Starts verzichten. UFO fordert fünf Prozent Entgeltverbesserung und Schutz vor Leiharbeit und Jobauslagerungen. Lufthansa hatte zuletzt 3,5 Prozent mehr Lohn über drei Jahre angeboten. „Wir müssen an den Tisch zurück, das ist jetzt Konsens“, sagte der UFO-Vorsitzende Baublies. Lufthansa habe vergangene Woche zum Ende der abgebrochenen Gespräche völlig versagt. „Die Airline hat mir gegenüber eingeräumt, unsere Schlagkraft unterschätzt zu haben.“ UFO sei weiter zu Zugeständnissen bereit, versicherte Baublies. „Wir wollen konstruktiv zum Erfolg des Unternehmens beitragen.“ In Frankfurt hat Lufthansa seit dem frühen Morgen rund 20 Umbuchungsschalter geöffnet, es bilden sich kaum Menschenschlangen. Am Rhein-Main-Airport sollen zwei Drittel der regulär 840 Starts und Landungen ausfallen. Der Lufthansa-Vorstandvorsitzende Christoph Franz räumte ein, die Entschlossenheit der Flugbegleitergewerkschaft UFO unterschätzt zu haben. Er habe Streiks in diesem Umfang nicht erwartet, sagte Franz am Donnerstagabend im ZDF-„heute journal“. Am letzten UFO-Streiktag waren fast 350 Lufthansa-Flüge ausgefallen. Die Gewerkschaft hatte am Dienstag die Flughäfen in Berlin, Frankfurt und München bestreikt, allerdings nicht ganztägig. (Liste der gestrichenen Lufthansa-Flüge: http://url.dapd.de/xbCill ) dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
Mittelstand kann Milliarden im Einkauf sparen
Düsseldorf (dapd). Experten schätzen das Einsparpotenzial beim Einkauf im Mittelstand auf einen zweistelligen Milliardenbetrag. Bei einer Umfrage der Düsseldorfer Einkaufsberatung Kloepfel Consulting gaben 40 Prozent der Einkaufsmanager mögliche Einsparungen von mindestens fünf Prozent an. Lege man das Einkaufsvolumen der im Bundesverband Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik (BME) vertretenen 8.000 Mitgliedsunternehmen zugrunde, das 2010 etwa 1,25 Billionen Euro erreichte, ergebe sich so ein Einsparpotenzial von 25 Milliarden Euro, sagte Geschäftsführer Marc Kloepfel der Nachrichtenagentur dapd. „Die Dunkelziffer liegt höher, da bei dieser aktuellen Rechnung nur die Mitgliedsunternehmen des BME betrachtet wurden“, sagte Kloepfel. Er geht von 40 bis 45 Milliarden Euro aus. Dem pflichtet Kai-Oliver Schocke, Professor für Produktionsmanagement und Logistik an der Fachhochschule Frankfurt am Main bei: „Ich halte die Aussage für realistisch“, sagte er. Gerade im Mittelstand gebe es charismatische Geschäftsführer, die stark im Umgang mit Kunden seien, aber das Verbesserungspotenzial im Einkauf oft nicht erkennen. Kloepfel sagte: „Dieses Geld könnten Unternehmen deutlich sinnvoller in Arbeitsplätze und Wachstum investieren, als es zu verschwenden.“ Zur Veranschaulichung der Dimension, die den Experten zufolge im Einkauf verborgen liegt: Laut Monatsbericht des Bundeswirtschaftsministeriums vom August investierten deutsche Mittelständler 2010 rund 8,7 Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung. Die Werbeausgaben lagen laut Zentralverband der deutschen Werbewirtschaft 2011 bei 29,92 Milliarden Euro. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
Bofinger verteidigt Anleihenkäufe
Passau (dapd). Der „Wirtschaftsweise“ Peter Bofinger verteidigt den Ankauf von Anleihen aus Krisenländern als intensivmedizinische Maßnahme. Der „Passauer Neuen Presse“ sagte das Mitglied des Wirtschafts-Sachverständigenrats: „Die Anleihemärkte für Länder wie Italien und Spanien sind massiv gestört. Ein Land wie Italien zahlt ein Vielfaches der Zinsen, die Großbritannien zahlen muss. Und das, obwohl das britische Haushaltsdefizit drei Mal so hoch wie das italienische ist.“ Die überhöhten Zinsen konterkarierten alle Anstrengungen, die diese Länder unternehmen, ihre Haushalte zu sanieren. „Das ist gefährlich“, sagte Bofinger. Der bisherige Umfang der Aufkäufe sei nicht ausreichend gewesen. Auch in den USA oder Großbritannien seien die Volumina viel höher gewesen. Bofinger sieht zudem keine Inflationsgefahr, weder im Euro-Raum noch in Deutschland. Der Haupttreiber für Inflation – steigende Löhne – komme derzeit für Europa gar nicht zur Geltung. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
FDP und Linkspartei kritisieren EZB-Entscheid
Passau (dapd). Liberale und Linke haben die Entscheidung der Europäischen Zentralbank (EZB) zum unbegrenzten Kauf von Staatsanleihen der Euro-Krisenländer stark kritisiert. Ankäufe wären mit einem „hohen Inflationsrisiko verbunden“, warnte FDP-Europaparlamentarier Alexander Graf Lambsdorff in der „Passauer Neuen Presse“. „Über die politischen Bedingungen für Hilfen muss in den Parlamenten entschieden werden, nicht in Zentralbankräten ohne demokratische Legitimation“, sagte Lambsdorff. „Die EZB darf nicht zur Oberregierung der Eurozone werden.“ Kritik kommt auch von der Linkspartei: „Es kann nicht sein, dass eine Handvoll Eurokraten sich in ein Hinterzimmer setzt und den deutschen Steuerzahlern die Bankschulden von halb Europa auflädt“, sagte Vizeparteichefin Sahra Wagenknecht der Zeitung. Gegen jede Aufstockung der Haftungssumme müsse der Bundestag ein Vetorecht bekommen, forderte sie. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
Es darf keine Chefsachen mehr geben
Berlin (dapd-bln). Der Berliner Piraten-Politiker Martin Delius fordert als Konsequenz aus dem Desaster um den neuen Hauptstadtflughafen den Rückzug politischer Entscheidungsträger aus Kontrollgremien für Großprojekte. „Alle Anzeichen deuten darauf hin, dass es eine blöde Idee ist, Politiker in Aufsichtsräte zu entsenden“, sagte Delius der Nachrichtenagentur dapd. Er ist seit knapp einem Jahr Mitglied des Abgeordnetenhauses und wird voraussichtlich den geplanten Untersuchungsausschuss zur Aufklärung der Flughafen-Affäre leiten. Wegen der mehrfach verschobenen Eröffnung des neuen Airports steht der Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft unter anhaltender Kritik. Dem Gremium gehören neben Berlins Regierendem Bürgermeister Klaus Wowereit und Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (beide SPD) auch der Berliner Innensenator Frank Henkel (CDU) sowie die brandenburgischen Minister Ralf Christoffers und Helmuth Markov (beide Linke) an. Delius forderte, politische Amtsträger von solchen Aufgaben zu entbinden. „Es darf keine Chefsachen mehr geben“, sagte er und fügte hinzu: „Wenn alles davon abhängt, wie gut Herr Wowereit sich um den Flughafen gekümmert hat und es in dem Moment schief geht, wenn er das Interesse verliert, ist das nicht im Sinne der Leute, die dafür bezahlen müssen.“ Stattdessen müsse die Kontrolle von Großprojekten in der Hand des Parlaments liegen. „Es gibt derzeit keine regelmäßigen Berichtspflichten an das Parlament“, bemängelte Delius. Solche Maßnahmen seien für Gesellschaften gegebenenfalls „schmerzhaft“, weil sie regelmäßig über die Arbeit Auskunft geben und Probleme offen benennen müssten. Er halte sie jedoch für notwendig. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
Straubhaar: EZB nähert sich der US-Notenbank an
Hamburg (dapd). Den geplanten Kauf von Staatsanleihen angeschlagener Eurostaaten durch die Europäische Zentralbank (EZB) bezeichnet der Wirtschaftsforscher Thomas Straubhaar als „sehr pragmatisch“. „Um einen größeren Schaden abzuwenden, nimmt die EZB wie bei einem Brand einen Wasserschaden in Kauf“, sagte der Direktor des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts (HWWI) der Nachrichtenagentur dapd. Selbst wenn die Inflation auf vier Prozent steigen sollte, könne dies besser sein, als einen Zusammenbruch der Eurozone zu riskieren. Der Kauf von Staatsanleihen „kann, aber muss nicht zu einer höheren Inflation führen“, fügte Straubhaar hinzu. „Die EZB bewegt sich weg von der traditionellen Politik und hin zu einer Politik der US-amerikanischen Notenbank Fed.“ Dennoch könne diese aktivere Geldpolitik keine strukturellen Probleme lösen, sagte Straubhaar. „Die Schuldenstaaten müssen trotzdem ihre Hausaufgaben machen und die Schulden abbauen.“ Der EZB-Rat hatte am Donnerstag den unbegrenzten Kauf von Anleihen der Euro-Krisenstaaten beschlossen. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
Tarifabschluss in der papierverarbeitenden Industrie
Wiesbaden (dapd). Die rund 100.000 Beschäftigten der Papier, Pappe und Kunststoffe verarbeitenden Industrie erhalten ab November eine Lohnerhöhung von 3,1 Prozent. Zwölf Monate später steigen die Einkommen abermals um drei Prozent. Das vereinbarten der Hauptverband der Papier, Pappe und Kunststoffe verarbeitenden Industrie und die Gewerkschaft ver.di in der Nacht zu Freitag in zweiter Verhandlungsrunde in Wiesbaden. Vorgeschaltet sind zwei Nullmonate. Die Laufzeit beträgt 24 Monate, wie die Arbeitgeber mitteilten. Die Gewerkschaft hatte 6,5 Prozent höhere Löhne und Gehältern bei einer zwölfmonatigen Laufzeit gefordert. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
Lufthansa-Flugbegleiter beginnen 24-Stunden-Streik
Frankfurt/Main (dapd). Lufthansa-Kunden müssen sich auf einen turbulenten Freitag gefasst machen. Die Flugbegleiter der Lufthansa begannen nach Angaben ihrer Gewerkschaft UFO um Mitternacht einen deutschlandweiten 24-Stunden-Streik. Die Lufthansa hat vorsorglich 1.200 von 1.800 geplanten Flugverbindungen gestrichen. Der Lufthansa-Vorstandvorsitzende Christoph Franz räumte ein, die Entschlossenheit der Flugbegleitergewerkschaft UFO unterschätzt zu haben. Er habe Streiks in diesem Umfang nicht erwartet, sagte Franz am Donnerstagabend im ZDF-„heute journal“ mit Blick auf die ersten Arbeitsniederlegungen von UFO-Mitgliedern. Die Lufthansa habe sich aber auf den bundesweiten Streik eingestellt und beizeiten einen Sonderflugplan herausgegeben. „Wir müssen unseren Kunden verlässliche Informationen und auch einen Flugplan bieten, den wir dann verlässlich abfliegen“, sagte der Vorstandsvorsitzende. Nach Berichten verschiedener Medien hat die Gewerkschaft UFO den Lufthansa-Vorstand kurz vor Beginn des 24-Stunden-Streiks angerufen. Den Ausstand hat das allerdings nicht verhindert. UFO-Verhandlungsführer Dirk Vogelsang sagte am Donnerstag der Nachrichtenagentur dapd: „Wir erwarten, dass danach Bewegung in die Sache kommt.“ Ob es zu weitern Gesprächen kommt, könnte sich im Laufe des Freitags entscheiden. Die etwa 19.000 Lufthansa-Flugbegleiter fordern fünf Prozent mehr Gehalt und den Verzicht der Lufthansa auf die Gründung von Billiglohngesellschaften. Die Fluggesellschaft bietet Entgelterhöhungen von 3,5 Prozent an, den Verzicht auf Leiharbeit, auf betriebsbedingte Kündigungen und auf befristete Verträge. Bei der Streikrunde am Dienstag waren fast 350 Flüge ausgefallen, als die Gewerkschaft Flughäfen in Berlin, Frankfurt am Main und München bestreikte. (Liste der gestrichenen Lufthansa-Flüge: http://url.dapd.de/xbCill ) dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
Die Stewardessen können sich nicht alles leisten
Berlin (dapd). Der Arbeitsökonom Michael Burda rechnet angesichts der sich auftürmenden Folgekosten mit einem relativ schnellen Ende der Streiks an den deutschen Flughäfen: „Das könnte sehr kostspielig für die Lufthansa werden“, sagte der Professor von der Berliner Humboldt Universität im Videointerview mit der Nachrichtenagentur dapd. Auch andere Airlines hätten vermutlich unter den Folgen des Flugbegleiterstreiks finanziell zu leiden. „Das wird nicht dort aufhören. Ich denke, diese Kosten im Hintergrund werden wahrscheinlich zu einem raschen Ergebnis führen“, sagte Burda. Dass die Fronten im Tarifstreit zwischen der Gewerkschaft UFO und der Lufthansa momentan verhärtet sind, ist für Burda nicht verwunderlich. „Die Stewardessen haben unmittelbar in diesem Moment einen Menge Marktmacht und versuchen das jetzt auszunutzen“, sagte der US-Amerikaner. Andererseits hätten die Gewerkschaften ein „enges Korsett“ im Arbeitskampf. „Sie können sich nicht alles leisten“, warnte Burda. „Sonst schwindet der gesellschaftliche Konsens.“ dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
