Mannheim (dapd). Es dürfte der wohl letzte Prozess um einen der größten Betrugsfälle der deutschen Nachkriegsgeschichte gewesen sein. Am Mittwoch hat das Landgericht Mannheim den früheren Geschäftsführer der insolventen Firma FlowTex, Manfred Schmider, wegen zweifachen Bankrotts zu einer Bewährungsstrafe von 20 Monaten verurteilt. Der 63-Jährige hatte zum Prozessauftakt vergangene Woche gestanden, er habe 2005 und 2006 vier wertvolle Gemälde des Malers Marc Chagall sowie einen Geländewagen in die Schweiz zu seiner damaligen Frau schaffen lassen, ohne dass die Gläubiger Zugriff auf die Vermögenswerte gehabt hätten. Zu diesem Zeitpunkt – nämlich von 2003 bis 2007 – hatte sich Schmider bereits in Haft befunden, weil das Unternehmen FlowTex unter seiner Leitung mit Scheingeschäften einen Milliardenschaden verursacht hatte. Ein Kompagnon und er hatten ein groß angelegtes Betrugssystem mit nicht existierende Horizontalbohrmaschinen aufgebaut. Der Fall gilt als einer der größten Betrügereien in der Nachkriegsgeschichte und flog im Jahr 2000 auf. Schmieder wurde zu einer Haftstrafe von elfeinhalb Jahren verurteilt, allerdings kam er vorzeitig frei. Prozessbeteiligte verständigten sich Der Transfer der Chagall-Gemälde und des Autos war schließlich herausgekommen, weil ein früherer Mithäftling Schmiders daran beteiligt war und ausgepackt hatte. Im schlimmsten Fall hätte der frühere Geschäftsführer mit einer Haftstrafe rechnen müssen. Dass der Staatsanwalt aber lediglich eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren forderte und Schmiders Rechtsanwalt daraufhin für eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und neun Monaten plädierte, ergab sich aus einer Verständigung zwischen Gericht, Anklage und Verteidigung. Diese sah eine Bewährungsstrafe vor, wenn sich der Angeklagte umfassend geständig zeigen sollte. Nachdem die Vorsitzende Richterin Ursula Charissé dem Angeklagten am ersten Prozesstag eine „Freiheitsstrafe im bewährungsfähigen Bereich“ zugesichert hatte, sagte Schmider vor Gericht aus. Ohne Geständnis hätte sich womöglich ein „langer, zäher und extrem langer Kampf“ bei der Wahrheitssuche eingestellt, sagte Anwalt Alexander Keller. Selbstkritik der Vorsitzenden Richterin Sein Mandant räumte ein, er habe sowohl die knapp 2,1 Millionen Euro teuren Gemälde als auch den Geländewagen zu seiner Frau in der Schweiz verfrachten lassen. Er habe einen großen Fehler begannen, zeigte sich Schmider reumütig, der momentan auf Mallorca lebt und nach eigenen Angaben Geld von seiner Familie erhält. Als Gründe führte der frühere Geschäftsmann an, er habe seiner Frau, von der er mittlerweile geschieden ist, eine Freude machen wollen: „Wir hatten damals ein angespanntes Verhältnis, und ich hatte Angst sie zu verlieren.“ Wie die Richterin am Mittwoch sagte, sei die Verständigung das Mittel der Wahl gewesen. Der Angeklagte habe sich geständig gezeigt hatte und nach Auffassung der Kammer nicht aus Gewinnsucht gehandelt. Auch die lange Zeit, die von der Anklage gegen Schmider bis zur konkreten Verhandlung vergangen seien, würden eine Bewährungsstrafe rechtfertigen. Dass es zu der Verfahrensverzögerung überhaupt gekommen sei, liege an der dünnen Personaldecke des Landgerichts, betonte Charissé: Dadurch seien rechtsstaatliche Grundsätze verletzt worden, was auch bei dem Urteil habe berücksichtigt werden müssen. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
Wirtschaft
Fluglotsen-Gewerkschaft wappnet sich gegen Schadenersatzforderung
Frankfurt/Main (dapd). Die Fluglotsengewerkschaft GdF will möglicherweise die Tarifverhandlungen mit der Deutschen Flugsicherung (DFS) nutzen, um eventuelle streikbedingte Schadenersatzforderungen auszugleichen. Gewerkschaftssprecher Matthias Maas sagte am Mittwoch der Nachrichtenagentur dapd, sollte das Arbeitsgericht Frankfurt Klagen der Lufthansa und anderer Airlines, des Flughafenbetreibers Fraport sowie der DFS auf zehn Millionen Euro Schadenersatz stattgeben, müsse die GdF auf diesen Fall vorbereitet sein. Zu einem Bericht des „Handelsblatts“, wonach die GdF in der Tarifrunde unter anderem eine Einmalzahlung fordert, welche die Mitglieder zu einem späteren Zeitpunkt an die Gewerkschaft spenden sollen, um deren Kasse aufzubessern, sagte der Sprecher, es sei noch nichts entschieden. Dies sei eine von vielen Möglichkeiten. Die Gewerkschaft sei liquide, müsse sich aber „für den Fall X wappnen“. Die Klagen waren eingereicht worden, nachdem das Frankfurter Arbeitsgericht Anfang vergangenen Jahres einen Streik von rund 200 Vorfeldlotsen am Frankfurter Flughafen untersagt hatte. Das Gericht verhandelt den Fall am 15. Februar. Im März und im August 2012 hatten die Richter zwei streikbedingte Schadenersatzklagen mehrerer Fluggesellschaften gegen die GdF in erster Instanz abgewiesen. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
Kabel Deutschland macht Kartellamt Zugeständnisse
Unterföhring (dapd). Der führende Kabelnetzbetreiber Kabel Deutschland will sich mit Zugeständnissen an die Kartellwächter den Weg für die geplante Übernahme von Tele Columbus ebnen. Zwar teile Kabel Deutschland die wettbewerbsrechtlichen Bedenken des Bundeskartellamts gegen die Übernahme nicht, erklärte das Unternehmen am Mittwoch in Unterföhring. Doch sei Kabel Deutschland bereit, bestimmte Netze von Tele Columbus zu verkaufen. Das Kartellamt befürchtet etwa, dass der Zusammenschluss der Nummer eins mit der Nummer drei der deutschen Kabelnetzbetreiber den Wettbewerb bei der Belieferung von Wohnungsgesellschaften einschränken könnte. Die Behörde hatte daher im Dezember beiden Firmen eine Abmahnung geschickt und um eine Stellungnahme gebeten. Kabel Deutschland bietet nun an, Netze von Tele Columbus in Berlin, Dresden und Cottbus mit insgesamt mehr als 430.000 angeschlossenen Haushalten zu verkaufen. Damit würde die ursprüngliche Größenordnung der Transaktion von etwa 2,1 Millionen Haushalten um rund ein Fünftel reduziert, erklärte das Unternehmen. Kabel Deutschland hat rund 8,5 Millionen Kunden. Tele Columbus betreibt Kabelnetze vorwiegend in Ostdeutschland, aber auch zu kleinen Teilen in Hessen und Nordrhein-Westfalen. Ein dritter Anbieter ist Unitymedia. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
Ex-FlowTex-Chef Schmider erhält Bewährungsstrafe für Bankrott
Mannheim (dapd). Der frühere Geschäftsführer der insolventen Firma FlowTex, Manfred Schmider, ist am Mittwoch wegen zweifachen Bankrotts zu einer Bewährungsstrafe von 20 Monaten verurteilt worden. Das Urteil beruhte auf einer Verständigung zwischen Gericht, Anklage und Verteidigung, die eine Bewährungsstrafe vorsah, wenn sich der Angeklagte umfassend geständig zeigte. Der 63-Jährige räumte entsprechend vor dem Landgericht Mannheim ein, er habe 2005 und 2006 vier wertvolle Gemälde des Malers Marc Chagall sowie einen Geländewagen in die Schweiz zu seiner damaligen Frau schaffen lassen, ohne dass die Gläubiger Zugriff auf die Vermögenswerte gehabt hätten. Das Unternehmen FlowTex hatte mit Scheingeschäften einen Milliardenschaden bei Kunden verursacht. 2000 wurde der Betrug aufgedeckt. Schmider wurde 2003 zu einer Haftstrafe von elfeinhalb Jahren verurteilt. 2007 kam er vorzeitig frei. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
Deutsche Bank zahlt Strafe für Stromhandel in den USA
Frankfurt/Washington (dapd). Die Deutsche Bank hat sich mit der US-Energieaufsicht FERC auf eine Strafzahlung über 1,5 Millionen Dollar (1,1 Millionen Euro) wegen des Vorwurfs der Manipulation von Strompreisen in Kalifornien geeinigt. Außerdem zahle das Institut rund 170.000 Dollar an unzulässig verdientem Gewinn plus Zinsen, teilte die FERC mit. Die Zahlung erfolge ohne ein Schuldeingeständnis. Ein Sprecher der Deutschen Bank erklärte dazu am Mittwoch: „Wir freuen uns, dass wir die Angelegenheit hinter uns lassen können.“ Die US-Behörde hatte der Deutsche Bank Energy Trading vorgeworfen, sie habe durch gezielten Stromhandel den Eindruck von Überkapazitäten auf dem kalifornischen Strommarkt entstehen lassen. Die Händler sollen dann an den Prämien verdient haben, mit denen sie von den Regulierern dafür belohnt wurden, dass sie überschüssige Energiemengen aus dem Markt nahmen und damit die scheinbaren Engpässe beseitigten. Die Deutsche Bank ist in diesem Fall aber ein kleiner Fisch und die Strafe für US-Verhältnisse gering. Weit höhere Zahlungen drohen den Konkurrenten JP Morgan und Barclays. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
SAP will Ergebnis nach Rückgang wieder steigern
Walldorf (dapd). Zwei Milliardenübernahmen haben das Geschäftsjahr von Europas größtem Softwarekonzern SAP bestimmt: Der DAX-Konzern hatte die beiden Cloudspezialisten SuccessFactors und Ariba für mehrere Milliarden Euro übernommen. Die Umsätze stiegen auch dadurch auf einen Rekordwert. Doch das Ergebnis und die Liquidität haben gelitten. Das soll sich 2013 ändern. „Wir sind zuversichtlich, dass wir unser zweistelliges Wachstum 2013 fortsetzen und unsere Profitabilität weiter verbessern können“, sagte Finanzvorstand Werner Brandt am Mittwoch in Walldorf. Das Nachsteuerergebnis ging im vergangenen Jahr im Vergleich zum Vorjahr um 18 Prozent auf 2,8 Milliarden Euro zurück. Bereits in der vergangenen Woche hatte SAP überraschend seine anderen Kennzahlen für 2012 mitgeteilt und dabei einen Umsatz von 16,2 Milliarden Euro vermeldet. Ebenso wie das Nachsteuerergebnis lag aber auch das Betriebsergebnis demnach unter dem Vorjahreswert. SAP begründete das unter anderem mit fortgesetzten Investitionen sowie dem Ausbau der Vertriebsaktivitäten. Nach der vorgezogenen Veröffentlichung der Zahlen reagierten die Anleger enttäuscht und schickten die SAP-Aktie auf Talfahrt. Am Mittwoch zeigte sich die Börse versöhnt. Die Aktie kletterte bis zum Mittag um 2,6 Prozent. „Wir schlagen uns klar besser als der Markt“ Der Konzern feierte trotz des Ergebnisrückgangs das vergangene Jahr, nicht nur wegen des 40. Geburtstags des Unternehmens. „Unser Unternehmen ist in guter Verfassung“, sagte Vorstandssprecher Bill McDermott. „Wir schlagen uns klar besser als der Markt und unsere Wettbewerber.“ Die Erlöse mit dem Kerngeschäft, der Software und den softwarebezogenen Services kletterten im zwölften Quartal in Folge zweistellig. Zusätzlich zum Kerngeschäft sollen insbesondere die Zukäufe von SuccessFactors und Ariba das weitere Wachstum tragen. Für den Anbieter von Online-Handelsnetzwerken Ariba legte SAP etwa 3,3 Milliarden Euro auf den Tisch, SuccessFactors kostete etwa 2,6 Milliarden Euro. Das wirkte sich zwar auf den Gewinn aus. Aber: „Wir sind ein wichtiger Spieler im Cloudmarkt geworden“, betonte Co-Vorstandsprecher Jim Hagemann Snabe. Cloudgeschäft auf dem Weg zur Profitabilität Das Cloudgeschäft erzielte im vergangenen Jahr Erlöse in Höhe von 456 Millionen Euro. Ariba wurde allerdings erst im vierten Quartal in der Bilanz berücksichtigt. Rechnet man die Clouderlöse aus dem vierten Quartal auf ein ganzes Jahr hoch, ergibt sich ein Umsatz von 850 Millionen Euro. „Wir sind auf dem Weg zu einem profitablen Cloudgeschäft“, sagte Brandt. Bis 2015 will SAP zwei Milliarden Euro in dem Bereich erlösen. Weiterer Hoffnungsträger ist die Datenbanktechnologie Hana, eine Entwicklung des Hasso-Plattner-Instituts, die Unternehmensmitgründer Hasso Plattner selbst vorangetrieben hat. Sie soll Prozesse um bis zu 1.000 Mal schneller machen. Die 2011 das erste Mal eingeführte Technik trug 2012 mit 392 Millionen Euro zum Umsatz bei. „Unsere Wachstumsdynamik hält weiter an, und wir sind sehr gut aufgestellt, um unsere Ziele für das Jahr 2015 zu erreichen“, sagten McDermott und Snabe. Bis dahin will SAP einen Gesamtumsatz von 20 Milliarden Euro erzielen. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
Siemens sieht sich in einem Jahr des Übergangs
München (dapd-bay). Trotz eines Gewinnrückgangs im ersten Quartal sieht Siemens-Chef Peter Löscher sein Unternehmen auf Kurs. „In einem unsicheren konjunkturellen Umfeld sind wir solide in das Geschäftsjahr 2013 gestartet“, sagte der Vorstandsvorsitzende am Mittwoch unmittelbar vor der Hauptversammlung seines Konzerns. Im ersten Geschäftsquartal von Oktober bis Dezember 2012 verdiente das DAX-Unternehmen unter dem Strich 1,21 Milliarden Euro und damit zwölf Prozent weniger als ein Jahr zuvor. In den Geschäften, die Siemens fortführen wird, fiel das Minus deutlich geringer aus. Den Umsatz steigerte Siemens um zwei Prozent auf 18,13 Milliarden Euro. Ein Drittel davon kam allein aus den Schwellenländern. Die Jahresprognose bestätigte der Konzern. Siemens will demnach im fortgeführten Geschäft einen Gewinn von 4,5 bis 5,0 Milliarden Euro erzielen. Allerdings stehe der Konzern vor einigen Herausforderungen, sagte Löscher. Dazu gehörten auch die Probleme mit der Anbindung der Windparks in der Nordsee und die verzögerte Auslieferung der neuen ICE-Züge an die Deutsche Bahn. Die Probleme im Bahngeschäft belasteten Siemens im zurückliegenden Quartal mit 115 Millionen Euro. Wann die acht Züge, die ursprünglich rechtzeitig zum laufenden Winterfahrplan kommen sollten, ausgeliefert werden, ist noch unklar. Bei den Windparks soll es laut Löscher keine weiteren Verzögerungen geben. Drei würden im kommenden Jahr ans Netz gehen, der vierte soll 2015 folgen. Sparprogramm kostet Milliardensumme Der Siemens-Chef bezeichnete 2013 als „Jahr des Übergangs“. Im Mittelpunkt stehe das Sparprogramm, mit dem der Konzern die Kosten bis 2014 um jährlich sechs Milliarden Euro senken will. „Wir wollen an Schlagkraft gewinnen“, sagte Löscher. Im Gesamtjahr rechnet der Konzern dafür mit Aufwendungen von einer Milliarde Euro. Zur Zahl der Arbeitsplätze, die wegfallen, äußerte sich Siemens bisher nicht. Im vergangenen Geschäftsjahr hatte der Konzern seine ursprünglichen Ziele deutlich verfehlt. Statt der geplanten sechs Milliarden Euro Gewinn im fortgeführten Geschäft verdiente Siemens nur knapp 5,2 Milliarden Euro. Auf der Hauptversammlung in der Münchner Olympiahalle muss die Siemens-Führung nicht nur deshalb mit kritischen Fragen rechnen. Bereits im Vorfeld stand Vorstandschef Löscher im Fokus. Zur Kritik an seinem Führungsstil sagte er: „Siemens ist erfolgreich unterwegs und ich bin ruhig und gelassen.“ Und er fügte hinzu, auch die kommenden Jahre werde er gemeinsam mit der übrigen Konzernführung „ruhig und gelassen“ angehen. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
Bosch will nach enttäuschendem Jahr 2012 Kosten reduzieren
Stuttgart (dapd-bwb). Umsatzziele verfehlt, niedriges Wachstum, schwache Rendite: Die Bosch-Gruppe ist 2012 voll von der schwachen Konjunktur in Europa getroffen worden. Zusätzlicher Klotz am Bein war erneut die Photovoltaiksparte, die Bosch allein im vergangenen Jahr mehr als eine Milliarde Euro Verlust brachte. Konzernchef Volkmar Denner sagte am Mittwoch in Stuttgart: „Wir können mit dem Geschäftsjahr 2012 trotz einer leichten Umsatzerhöhung nicht zufrieden sein.“ Der Vorsitzende der Geschäftsführung will nun reagieren. „2013 wird ein Jahr der harten Kosten- und Prozessarbeit werden“, kündigte Denner an, der erst im Juli Franz Fehrenbach an der Konzernspitze abgelöst hatte. Das heißt: Fixkosten herunterschrauben, schneller auf Auftragsrückgänge reagieren, die teuren europäischen Werke in einen harten Wettbewerb stellen und mehr auf Innovationen setzen. Die vorläufigen Zahlen zeigen deutlich, dass Bosch etwas tun muss: Der Umsatz des Technologiekonzerns und weltgrößten Automobilzulieferers kletterte im vergangenen Jahr lediglich um 1,6 Prozent auf 52,3 Milliarden Euro. Erwartet hatte das Unternehmen ein Wachstum von drei bis fünf Prozent. Das operative Ergebnis lag bei 1,1 Milliarden Euro – das sind etwa zwei Prozent vom Umsatz. Für das Wachstum aus eigener Kraft ist laut Denner dauerhaft aber eine Rendite von acht Prozent notwendig. Bosch ist stark abhängig von Europa Die Stellschrauben erscheinen klar: Zum einen wächst die Bosch-Gruppe nicht so stark wie die Weltwirtschaft. Das liegt vor allem an der Staatsschuldenkrise in Europa und der hohen Abhängigkeit von Bosch von dem Kontinent. In Europa gingen die Umsätze 2012 um zwei Prozent zurück, der Umsatzanteil betrug aber mit 29,7 Milliarden Euro knapp 57 Prozent. Aber auch in China war das Wachstum deutlich geringer als in den Jahren zuvor. Zum anderen erweist sich die Photovoltaik immer mehr als Milliardengrab. Der Preisverfall in dem Bereich habe 2012 etwa 40 Prozent betragen, betonte Denner. Operativ schrieb Bosch einen Verlust bei der Solarenergie von rund 450 Millionen Euro und musste zusätzlich eine Sonderabschreibung von 600 Millionen Euro in die Bilanz aufnehmen. Denners Vorgänger Fehrenbach hatte vor einem Jahr betont, dass sich der Bereich im Jahr 2012 beweisen müsse. Passiert ist bislang – so scheint es – noch nichts. „Wir prüfen alle Optionen, die wir für möglich halten“, sagte Denner. Ob dazu ein Komplettverkauf der Sparte zählt, wollte er nicht verraten. Er versicherte aber: „Druck machen wir uns selber.“ Laufender Bewährungskampf für europäische Standorte Die Probleme in Europa will Denner angehen, indem er die Standorte einem „laufenden Kampf der Bewährung“ aussetzt. „Das ist nicht als Angstszenario, sondern als Chancenszenario gemeint“, sagte er. Es gehe darum, durch Produktivitätssteigerung, höhere Flexibilität oder bessere Qualität hohe Lohnkosten auszugleichen. Zudem sollen die Kosten im gesamten Konzern heruntergefahren werden, etwa durch die Deckelung der Investitionen. Eine Gesamtsumme wollte Bosch nicht nennen. Nur an den Investitionsausgaben will Bosch nicht drehen. Sie liegen seit Jahren bei über acht Prozent vom Umsatz. Durch eine größere Vernetzung der Mitarbeiter über soziale Medien oder das Intranet erhofft sich Denner weitere Potenziale. Zudem startete der Konzern ein Programm, bei dem verstärkt nach Innovationen außerhalb des Unternehmens Ausschau gehalten werden soll. Auch die Mitarbeiter müssen Opfer bringen: So werde ihre Ergebnisbeteiligung entsprechend der Konzernentwicklung wohl geringer ausfallen, kündigte Denner an. Zudem hatte der Konzern mit dem Betriebsrat im Dezember eine Vereinbarung geschlossen. Demnach sollen bei entsprechenden Umsatzrückgängen Mitarbeiter betroffener Bereiche in Kurzarbeit geschickt werden können. Bereits im vergangenen Jahr schickte Bosch zahlreiche Mitarbeiter in Kurzarbeit. Allein im Dezember waren es laut Denner etwa 6.000. Das Klima für die über 306.000 Mitarbeiter im Bosch-Konzern wird also wohl rauer – dennoch will das Unternehmen weiter einstellen. Personalgeschäftsführer Christoph Kübel sagte, er gehe für 2013 von einem leichten weltweiten Wachstum aus. Für Deutschland erwartet er jedoch einen stagnierenden Personalbestand. Heute arbeitet mehr als ein Drittel der Beschäftigten hierzulande. Denner geht davon aus, dass sich die Bedingungen 2013 leicht bessern. „In Europa dürften sich die Perspektiven aufhellen“, sagte er. Auch in China dürfte das Wachstum wieder anziehen. Unter den Voraussetzungen werde das Umsatzwachstum etwas besser ausfallen als 2012 und das Ergebnis deutlich nach oben gehen. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
Zahl der Passagiere am Nürnberger Flughafen 2012 weiter gesunken
Nürnberg (dapd-bay). Das Passagieraufkommen auf dem finanziell angeschlagenen Flughafen in Nürnberg hat sich 2012 weiter deutlich reduziert. Vor allem wegen des zurückgeschraubten Angebots von Air Berlin und gesunkener Fluggastzahlen bei Lufthansa habe sich die Zahl der Passagiere im Vergleich zum Vorjahr um 9,2 Prozent auf 3,6 Millionen verringert, teilte die Flughafengesellschaft am Mittwoch mit. Die Flugbewegungen seien um 4,9 Prozent auf 64.376 zurückgegangen. Zahlen zu Umsatz und Ertrag wurden nicht genannt. Sie sollen nach Angaben eines Sprechers im April vorgelegt werden. Bayerns zweitgrößter Flughafen verwies auf den Eintritt der Billigfluglinie Ryan Air, die mit dem Sommerflugplan regelmäßig von Nürnberg aus starten wird und dem Flughafen ein neues Marktsegment erschließt. Zudem würden über die Air France-Tochter CityJet vom 28. Januar an Direktflüge nach London City angeboten. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
Reisekonzern TUI will keinen Zusammenschluss mit britischer Tochter
Hannover (dapd). Der Reisekonzern TUI will seine britische Tochter TUI Travel nicht übernehmen. Das teilte die TUI AG am Mittwoch in Hannover mit. Der Konzern begründete die Absage damit, „dass eine aktienbasierte Transaktion auf dem gegenwärtigen Austauschverhältnis nicht den Interessen der TUI-Aktionäre entspricht“. Die unabhängigen Direktoren von TUI Travel hatten am 16. Januar mitgeteilt, dass der Konzern aus Hannover mit der Idee für einen möglichen Zusammenschluss an sie herangetreten sei. Die TUI AG erklärte nun, „dass die Gesellschaft nicht beabsichtigt, ein Angebot für TUI Travel abzugeben“. TUI, Europas größter Reisekonzern, hält als Mehrheitsaktionär von TUI Travel nach Firmenangaben 56,4 Prozent an der britischen Tochter. dapd (Wirtschaft/Wirtschaft)
