Menschen & Arbeit

Pflege und Beruf: Studie zeigt wachsendes Erwerbsrisiko

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Pflege und Beruf lassen sich für viele Beschäftigte nur schwer vereinbaren. Eine neue Analyse der Bertelsmann Stiftung aus Gütersloh und der Prognos AG beziffert die damit verbundenen Einschränkungen des Erwerbsvolumens für 2026 auf rechnerisch 184.000 Vollzeitäquivalente. Bis 2045 könnte dieser Wert bei unveränderten Verhaltensmustern auf 229.000 steigen.

Pflege und Beruf: eine wachsende Aufgabe für Arbeitgeber

Hinter den Zahlen stehen Menschen, die ihre Arbeitszeit wegen der Betreuung pflegebedürftiger Angehöriger verringern oder ihre Erwerbstätigkeit unterbrechen. Die Studie rechnet diese Einschränkungen in Vollzeitäquivalente um. Gemeint sind damit vergleichbare Arbeitszeitvolumina, nicht 229.000 konkret angekündigte Stellenstreichungen und auch nicht dieselbe Zahl betroffener Personen.

Der mögliche Anstieg von 184.000 auf 229.000 Vollzeitäquivalente entspricht rund einem Viertel. Die Analyse zeigt damit, wie der demografische Wandel den Arbeitsmarkt zusätzlich belasten könnte, wenn sich die Vereinbarkeit nicht verbessert. Für Unternehmen betrifft das sowohl die verfügbare Arbeitszeit als auch den Erhalt von Erfahrung und beruflichen Entwicklungsmöglichkeiten.

Die Bestandsanalyse bezieht sich auf 2023. Damals pflegten rund 4,6 Millionen Menschen und damit 8,7 Prozent der Bevölkerung im Erwerbsalter Angehörige. Für 2045 berechnen die Autoren einen Anteil von 13,3 Prozent. Dieser Anstieg ist eine Projektion und keine bereits beobachtete Entwicklung. Die Werte beschreiben Deutschland insgesamt; eine gesonderte Berechnung für Ostwestfalen-Lippe enthält die Presseinformation nicht.

Frauen tragen den größeren Teil der Pflegearbeit

Nach der Analyse sind 63 Prozent der Pflegenden Frauen. Sie wenden im Durchschnitt sechs Stunden pro Woche mehr für die Pflege auf als Männer. Übernehmen Frauen diese Verantwortung, reduzieren sie ihre Erwerbsarbeit demnach häufiger und früher schrittweise.

Setzen sich die beobachteten Muster fort, könnten 2045 rund 580.000 Frauen wegen der Pflege von Angehörigen weniger oder gar nicht erwerbstätig sein. Die damit verbundene Arbeitszeit entspricht in der Modellrechnung 173.000 Vollzeitäquivalenten und etwa drei Vierteln des gesamten pflegebedingten Erwerbsverlusts. Die Zahl der Frauen und das in Vollzeitstellen umgerechnete Arbeitsvolumen dürfen daher nicht gleichgesetzt werden.

Unabhängig vom Geschlecht konzentriert sich nahezu der gesamte berechnete Erwerbsverlust auf Menschen, die mehr als zehn Stunden pro Woche pflegen. Für die Bewertung betrieblicher Belastungen ist deshalb nicht allein entscheidend, ob jemand Angehörige unterstützt. Auch der zeitliche Umfang dieser Verantwortung spielt eine zentrale Rolle.

Verlässliche Absprachen statt kurzfristiger Einzelentscheidungen

Die Autoren richten ihre Empfehlungen an Politik und Unternehmen. Arbeitgeber können Beschäftigte nach ihrer Einschätzung mit verlässlichen Absprachen zu Arbeitszeiten, flexiblen Arbeitsmodellen und – soweit die Tätigkeit es zulässt – Homeoffice unterstützen. Wer den Beruf vorübergehend unterbricht, sollte zudem Hilfe beim Wiedereinstieg erhalten.

Auf politischer Ebene nennt die Analyse einen leichteren Zugang zu Tages- und Kurzzeitpflege. Zudem sollten Reformen die partnerschaftliche Verteilung von Pflegeverantwortung fördern. Die genannten Ansätze sind Empfehlungen der Autoren; aus der Mitteilung ergibt sich kein neu eingeführter gesetzlicher Anspruch. Für Betroffene stehen neben der zeitlichen Belastung mögliche Einbußen bei Einkommen und Alterssicherung im Raum.

Damit ergänzt das Thema die Debatte über die Gewinnung von Fachkräften um eine weitere Perspektive: die Arbeitsmöglichkeiten bereits beschäftigter Menschen. Zum regionalen Umfeld bietet der WIR-Bericht über den Arbeitsmarkt in Ostwestfalen-Lippe weitere Einordnung. Die regionalen Arbeitsmarktdaten und die bundesweite Pflegeprojektion messen unterschiedliche Sachverhalte.

Was die Modellrechnung aussagt – und was offen bleibt

Grundlage sind quantitative Auswertungen des Sozio-oekonomischen Panels und des Statistischen Bundesamts sowie eine qualitative Auswertung empirischer Literatur zum Zusammenhang zwischen Pflegeverantwortung und Erwerbsverhalten. Während 2023 den Ausgangspunkt bildet, beruhen die Angaben für 2026 und 2045 auf Modellrechnungen.

Für die Vorausberechnung werden die beobachtete Zusammensetzung der Pflegenden nach Geschlecht, Pflegeintensität und Erwerbsstatus sowie die zugrunde gelegten Annahmen zum Erwerbsverhalten konstant gehalten. Änderungen der Rahmenbedingungen können die tatsächliche Entwicklung beeinflussen. Die Projektion macht damit den Handlungsbedarf unter bestimmten Annahmen sichtbar, legt die Zukunft aber nicht fest. Weitere Informationen veröffentlicht die Bertelsmann Stiftung zur aktuellen Analyse.

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