Am 5. Februar 2020 fiel in Ladbergen der Startschuss für das neue Verbundprojekt „Ressourcenschutz durch Logistik – Logist.Plus“. Das Ziel des Vorhabens unter Beteiligung des Landkreises Osnabrück: Unter Berücksichtigung der relevanten Umweltgesichtspunkte soll eine tragfähige regionale Entwicklung der Logistikbranche ermöglicht werden.
Die Logistik ist in Deutschland der drittgrößte Wirtschaftsbereich, rund drei Millionen Beschäftigte haben im Jahr 2019 rund 279 Milliarden Euro Umsatz erwirtschaftet. In vielen Städten und Regionen wächst jedoch der Widerstand gegen geplante Logistikansiedlungen und -erweiterungen. Argumente sind vor allem der Verkehrslärm, die Luftverschmutzung, Landschaftsverschandelung und Flächenversiegelung. Ziel des neuen Verbundprojekts „Ressourcenschutz durch Logistik – Logist.Plus“ ist es, durch innovative Governancestrukturen, die Stadt, städtisches Umland und ländlichen Raum zusammenfassen, kombiniert mit Ansätzen des kooperativen betrieblichen Umwelt- und Transportmanagements, eine tragfähige regionale Entwicklung der Logistikbranche zu ermöglichen. Dabei sollen die Interessen aller Beteiligten sowie die Ziele einer nachhaltigen Stadt- und Regionalentwicklung und des Bodenschutzes berücksichtigt werden. Heute (6. Februar) übergab Bundesbildungsministerin Anja Karliczek in Ladbergen, Kreis Steinfurt, den Förderbescheid für das Forschungsvorhaben.
Erforderlich
ist das Forschungsvorhaben, weil es bisher nicht gelungen ist, den Flächenbedarf
der Logistikbranche mit Nachhaltigkeitszielen in Einklang zu bringen:
insbesondere dem Ziel, bis 2030 die Neuinanspruchnahme von Flächen für
Siedlungen und Verkehr auf unter 30 Hektar pro Tag zu verringern, sowie keine
zusätzliche Versiegelung anzustreben. Was fehlt, sind Steuerungssysteme für die
Boden- bzw. Flächennutzung sowie deren
Erforschung. Nicht nur, um einen Beitrag zu mehr Nachhaltigkeit zu leisten,
sondern auch, um der wichtigen Logistikbranche weiterhin Entwicklungsmöglichkeiten
zu geben.
„Da diese
Notwendigkeit in unserer Region, in der die Logistik eine besondere Bedeutung
hat, in den letzten Jahren immer deutlicher geworden ist, haben sich Akteure
aus der Region und darüber hinaus zusammengetan und gemeinsam die Projektidee Logist.Plus
entwickelt“ so der Geograph Prof. Dr. Martin Franz von der Universität
Osnabrück. Partner sind die European Land and Soil Alliance e.V., die
Hochschule Osnabrück, der Landkreis Osnabrück, das Kompetenznetz
Individuallogistik e.V. , der Kreis Steinfurt, die Stadt Osnabrück, die
Universität Osnabrück und der Wissenschaftsladen Bonn e.V. Finanziert wird das
Verbundprojekt vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit insgesamt
rund 2,2 Millionen Euro.
Am Anfang
der gemeinsamen Arbeit werden die Zielkonflikte zwischen Akteuren in Städten,
Stadt-Umland und ländlichen Räumen analysiert. Durch die Nutzung innovativer
Ansätze der Digitalisierung sollen Logistikprozesse flächeneffizient gestaltet
und Synergien in der gemeinsamen Flächennutzung durch verschiedene Unternehmen
identifiziert und genutzt werden. Hinzu kommt eine ökologische Optimierung der
Standortwahl und -gestaltung: Schonung von Böden, Verminderung der
Flächenversiegelung, Reduzierung von Energiebedarf und Emissionen durch
Etablierung energetischer Nachbarschaften sowie Senkung lokaler und globaler
Klimaemissionen durch Transportsynergien.
Ebenfalls
geplant ist die Weiterentwicklung bestehender und die Entwicklung neuer
Instrumente zum Abbau von Landnutzungskonflikten und zur Stärkung der
Kooperation zwischen Akteuren in Stadt, Umland und ländlichen Räumen. Auch die
Konzeption nachhaltiger Geschäftsmodelle als Grundlage für eine Kooperation im
Arbeitsfeld Logistik zwischen Kommunen, Unternehmen und möglicherweise
Non-Profit-Organisationen sowie die Entwicklung von Szenarien für regionale
Flächennutzungsstrukturen und Handlungsempfehlungen stehen im Fokus des
Projekts.
Mit der
Logistik wurde eine Branche gewählt, die einen großen Flächenbedarf hat.
Insbesondere in allen sogenannten Logistikregionen gibt es große Probleme
aufgrund sich widersprechender Akteursinteressen und geringer
Flächenverfügbarkeit. Gleichzeitig existieren entsprechende Konflikte und
Bedarfe auch in anderen Regionen und in Bezug auf andere Branchen. „Die
Ergebnisse werden damit nicht nur auf andere Regionen, sondern auch auf andere
Branchen übertragbar sein“, so Prof. Franz abschließend.