Trotz Konjunkturdelle und hoher Unsicherheit rechnen viele Maschinen- und Anlagenbauer weiterhin mit einem stabilen Bedarf an Ingenieurinnen und Ingenieuren. Eine aktuelle VDMA-Umfrage zeigt zudem: Gerade mittelständische Unternehmen blicken deutlich zuversichtlicher nach vorn als große Konzerne. Gleichzeitig verschieben sich die Anforderungsprofile – Künstliche Intelligenz wird für Engineering-Teams immer wichtiger.
Mittelstand bleibt zuversichtlich – große Unternehmen vorsichtiger
In der neuen VDMA-Ingenieurerhebung (Befragung von rund 400 Maschinenbauunternehmen) erwarten 70 Prozent der Unternehmen eine stabile Zahl an Ingenieurinnen und Ingenieuren im eigenen Haus, 18 Prozent rechnen sogar mit einem Zuwachs.
Besonders auffällig ist der Blick des Mittelstands: Unternehmen bis 500 Beschäftigte planen überwiegend Kontinuität – 77 Prozent wollen die Ingenieurzahl stabil halten, weitere 17 Prozent gehen von mehr Ingenieurpersonal aus. Bei größeren Unternehmen fällt das Bild verhaltener aus: Dort rechnet jedes vierte Unternehmen mit einem Rückgang, während 56 Prozent von einer stabilen Entwicklung ausgehen.
Engpässe bleiben – vor allem in F&E und IT
Parallel zur Personalplanung bleibt der Arbeitsmarkt angespannt. Viele Betriebe berichten weiterhin von Schwierigkeiten, passende Ingenieurkräfte zu finden. Besonders betroffen sind die Bereiche Forschung und Entwicklung sowie IT/Informatik. In kleineren Unternehmen steht zudem häufig die Konstruktion im Fokus.
Für Unternehmen in industriestarken Regionen wie Ostwestfalen-Lippe, dem Münsterland und dem Osnabrücker Land ist das eine klare Botschaft: Wer Innovationsprojekte zuverlässig besetzen will, muss Recruiting, Qualifizierung und Arbeitgeberattraktivität weiter professionalisieren – auch wenn die Auftragslage kurzfristig schwankt.

Standortfaktoren werden zum Innovationshebel
Als Gründe für einen geplanten Abbau von Ingenieurstellen nennen Unternehmen vor allem Auftragsrückgänge und eine schwierige wirtschaftliche Lage. Bei vielen spielt außerdem der Kostenblock eine Rolle – insbesondere gestiegene Personalkosten.
Der VDMA warnt in diesem Zusammenhang vor einer schleichenden Erosion der Innovationsbasis: Ingenieurinnen und Ingenieure arbeiten im Maschinenbau häufig im „Kern“ der Wertschöpfung – Forschung, Entwicklung und Konstruktion. Wenn sich Investitionen in Forschung und Entwicklung stärker ins Ausland verlagern, droht langfristig Know-how-Abfluss.
Nachwuchs bleibt gefragt – Ruhestand und sinkende Absolventenzahlen als Risiko
Ein strukturelles Thema bleibt der demografische Druck: Ein relevanter Anteil der Ingenieurinnen und Ingenieure im Maschinen- und Anlagenbau wird voraussichtlich in den kommenden zehn Jahren in den Ruhestand gehen. Gleichzeitig sinkt die Zahl der Absolventinnen und Absolventen in einigen technischen Studienrichtungen – insbesondere im Bereich Maschinenbau/Verfahrenstechnik. Damit wächst die Herausforderung, Schlüsselpositionen nachzubesetzen, selbst wenn Unternehmen kurzfristig vorsichtiger planen.
KI-Kompetenzen werden zum Muss – Hochschulen sollen nachsteuern
Deutlich wird auch der Kompetenzwandel: Für viele Unternehmen zählt Künstliche Intelligenz zu den wichtigsten Schlüsseltechnologien. Entsprechend steigen die Erwartungen an Ingenieurinnen und Ingenieure – gefragt sind vor allem anwendungsbezogene KI-Kompetenzen, aber auch Daten- und Modellkompetenzen sowie Entwicklungs- und Integrationskompetenzen.
Kritisch sehen viele Betriebe die Vorbereitung im Studium: Fast jedes zweite Unternehmen bewertet die KI-Vorbereitung an Hochschulen als eher schlecht oder sehr schlecht. Für Unternehmen bedeutet das: Weiterbildung, duale Modelle, Praxisprojekte und Kooperationen mit Hochschulen gewinnen weiter an Bedeutung – damit aus KI-Potenzial tatsächlich Produktivität und neue Geschäftsmodelle entstehen.
