Die heute veröffentlichten Insolvenzzahlen des Statistischen Bundesamtes sind aus Sicht der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) ein weiteres Warnsignal für den Wirtschaftsstandort Deutschland. DIHK-Chefanalyst Volker Treier sieht die Entwicklung als Bestätigung einer anhaltend schwierigen Lage – mit spürbaren Folgen für Unternehmen, Beschäftigte und ganze Regionen.
„So viele insolvenzbedingte Schließungen wie seit zehn Jahren nicht“
Treier verweist auf einen neuen Negativrekord bei Betriebsschließungen: Allein im November 2025 mussten demnach so viele Betriebe insolvenzbedingt schließen wie seit zehn Jahren nicht mehr. Für das Gesamtjahr 2025 erwartet die DIHK deutlich mehr als 23.000 Unternehmensinsolvenzen – das entspreche mehr als 60 Betriebsaufgaben pro Tag.
Folgen für Arbeitsplätze, Investitionen und regionale Wertschöpfung
Hinter den Zahlen stehen laut Treier nicht nur gescheiterte Geschäftsmodelle, sondern auch der Verlust von unternehmerischem Engagement und Innovationskraft. Insolvenzen bedeuten häufig:
- Arbeitsplätze, die wegfallen oder unsicher werden
- Investitionen, die ausbleiben
- Lieferketten und lokale Netzwerke, die geschwächt werden
- Regionen, die wirtschaftlich an Substanz verlieren, wenn Betriebe dauerhaft vom Markt verschwinden
Gerade im Mittelstand kann eine Insolvenzwelle zudem zu einem Dominoeffekt führen, wenn Auftraggeber, Zulieferer und Dienstleister mitgerissen werden.
DIHK sieht Kosten- und Bürokratiedruck als zentrale Treiber
Erste Trendauswertungen aus der kommenden DIHK-Konjunkturumfrage deuteten laut Treier darauf hin, dass sich die Wirtschaft weiterhin nur mühsam erholt. Als wesentliche Belastungsfaktoren nennt er:
- hohe Arbeitskosten
- hohe Energiekosten
- überbordende Bürokratie
- eine seit Jahren schwache Konjunktur
Diese Faktoren zehrten an der Liquidität vieler Betriebe – besonders im Mittelstand, der weniger Spielraum für längere Durststrecken hat.
Forderung: Entscheidungen konsequent auf Wachstum und Investitionen ausrichten
Aus Sicht der DIHK braucht es jetzt klare wirtschaftspolitische Prioritäten. Treier fordert, dass Entscheidungen auf allen politischen Ebenen konsequent auf Wachstum und Investitionen ausgerichtet werden. Dazu gehöre auch, dass Beschleunigungspläne für Infrastruktur und Genehmigungen nicht im Verfahren steckenbleiben.
Besonders dringlich seien zudem die angekündigten Reformen zur spürbaren Senkung von Energie- und Arbeitskosten. Ergänzend fordert Treier Entlastungen bei Bürokratie und Steuern, die in den Betrieben unmittelbar wirken. Nur mit Reformbereitschaft und wirtschaftspolitischem Tempo lasse sich die Insolvenzwelle bremsen und neues Wachstum ermöglichen.
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