Im Circular Future Lab der Hochschule Bielefeld haben 14 Studierende Ideen für reparierbare Produkte und zirkuläre Geschäftsmodelle entwickelt. Die einwöchige Summer School verband Hochschulwissen mit Praxisimpulsen aus Unternehmen in Ostwestfalen-Lippe. Schüco, Miele und Wago zeigten, wie sich Kreislaufwirtschaft bei Materialien, Konstruktion und Nutzung konkret umsetzen lässt.

Die Veranstaltung fand zum zweiten Mal im Rahmen des Projekts CirQualityOWL plus statt. Studierende der Hochschule Bielefeld (HSBI), der Universität Bielefeld und der Universität Paderborn nutzten dafür eine Woche ihrer vorlesungsfreien Zeit. Unter dem Motto „Innovation durch Nachhaltigkeit“ arbeiteten sie an eigenen Produkt- und Geschäftsideen. Ihre fachlichen Hintergründe reichten von erneuerbaren Energien und Ingenieurwesen bis zur Wirtschaftspsychologie.
Circular Future Lab verbindet Unternehmen und Hochschulen
Unterstützt wurde das Programm vom Institut für Technische Energie-Systeme (ITES) und dem Transferprojekt InCamS@BI. Neben Workshops gehörten ein Besuch bei Schüco sowie Impulse von Miele, Wago, Smart-ET und pro Wirtschaft GT dazu. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Produkte und Materialien länger nutzbar bleiben und nach einer ersten Nutzungsphase erneut eingesetzt werden können.
Am Schüco-Hauptsitz in Bielefeld besichtigten die Teilnehmenden die Produktausstellung und das weitgehend automatisierte Logistikzentrum. Der Hersteller von Fenster- und Fassadensystemen erläuterte seine Nachhaltigkeitsstrategie. Nach Angaben der Hochschule setzt Schüco unter anderem auf recyceltes Aluminium, um die CO₂-Bilanz seiner Produkte zu verbessern. Außerdem arbeitet das Unternehmen an Rücknahmekonzepten.
Reparaturfähigkeit am Staubsauger untersuchen
Im Workshop mit Miele wurde die Produktgestaltung unmittelbar greifbar: Die Studierenden zerlegten im Schülerlabor der HSBI Staubsauger und untersuchten, wie leicht sich Bauteile lösen lassen. Dabei ging es auch um notwendiges Spezialwerkzeug und verständliche Anleitungen. Mit Dr. Jannik Jilg und Isabell Komor von Miele diskutierten sie Möglichkeiten, Reparaturen weiter zu vereinfachen.
Eine längere Nutzung und bessere Reparierbarkeit waren damit ebenso Thema wie die spätere Verwertung. Miele erläuterte den Ansatz, die Zahl unterschiedlicher Werkstoffe zu verringern und Produkte besser recycelbar zu gestalten. Wago stellte wiederum seine „Green Range“ vor. Circular Economy Managerin Sina-Marie Schneider zeigte am Beispiel von Klemmen aus biozirkulären und recycelten Kunststoffen, welchen Beitrag die Materialwahl zum Produktdesign leisten kann.
Von der Konstruktion bis zur Kaufentscheidung
Das Team von InCamS@BI ergänzte die technische Perspektive um das Verhalten der Verbraucher. Dr. Mirko Petersen und Wirtschaftspsychologin Eliza Starke behandelten unter anderem nachhaltigere Sportveranstaltungen in Ostwestfalen-Lippe. Fanmobilität und Catering dienten als Beispiele. Sogenannte Green Nudges sollen Menschen durch kleine Anstöße dabei unterstützen, eine nachhaltigere Alternative zu wählen.
Die verschiedenen Impulse flossen anschließend in Kleingruppenprojekte ein. Bei „cirkid“ entwickelten Studierende die Idee eines Kinderwagens, der später als Boller- oder Einkaufswagen weitergenutzt werden kann. Eine weitere Gruppe entwarf das Konzept einer modularen Kaffeemaschine mit austauschbaren und erweiterbaren Komponenten. „Bakkaffee“ sieht vor, Kaffeesatz als Nährstoff für Bakterien zu verwenden, die Biokunststoffe herstellen.
Das Konzept „Trash2Beet“ setzt auf Altholz aus Terrassensanierungen für den Bau von Hochbeeten. „ReForm“ verbindet digitale Produktpässe mit künstlicher Intelligenz: Gebrauchte Bauteile sollen erfasst und bewertet werden, um geeignete Teile in einen zweiten Nutzungskreislauf zu bringen. Es handelt sich um während der Summer School entwickelte Ideen, nicht um bereits eingeführte Produkte.
Organisiert wurde das Blockseminar von ITES-Leiterin Prof. Dr.-Ing. Eva Schwenzfeier-Hellkamp gemeinsam mit Leon Diel, Kerstin Schmidt und Joy Remberg. Die Hochschule sieht in der Zusammenarbeit unterschiedlicher Fachrichtungen einen wichtigen Ausgangspunkt für neue Ansätze der zirkulären Wertschöpfung.