Portrait von Dr. Johannes Gernandt, Chefvolkswirt des VDMA im Anzug und mit Brille
VDMA-Chefvolkswirt Dr. Johannes Gernandt. Foto: VDMA

Auslandsmärkte im Maschinenbau entwickeln sich sehr unterschiedlich

Die internationalen Absatzmärkte des Maschinen- und Anlagenbaus zeigen ein uneinheitliches Bild. Nach der aktuellen VDMA Business Climate Survey bleibt Indien der dynamischste Markt, während China Stabilisierungstendenzen zeigt und die USA trotz schwacher aktueller Lage optimistischere Erwartungen wecken.

Indien bleibt stärkster Wachstumsmarkt

Indien festigt seine Position als derzeit dynamischster Auslandsmarkt für den Maschinen- und Anlagenbau. 36 Prozent der befragten Unternehmen bewerten die Geschäftslage dort als gut, nur 9 Prozent als schlecht. Auch die Auslastung ist hoch: 66 Prozent berichten von normaler, weitere 22 Prozent von überdurchschnittlicher Kapazitätsauslastung.

Die Auftragslage bestätigt diese Entwicklung. 38 Prozent der Unternehmen melden überdurchschnittliche Bestände. Getragen wird die Entwicklung vor allem durch eine starke Inlandsnachfrage. Auch der Ausblick bleibt positiv: 65 Prozent rechnen mit steigenden Auftragseingängen, 56 Prozent erwarten eine Verbesserung der Geschäftslage in den kommenden sechs Monaten.

China stabilisiert sich auf moderatem Niveau

In China zeigt sich nach einer schwächeren Phase eine vorsichtige Stabilisierung. Positive und negative Lageeinschätzungen liegen nahezu gleichauf. 27 Prozent bewerten die Lage positiv, 26 Prozent negativ. Fast die Hälfte der Unternehmen beschreibt ihre Situation als zufriedenstellend.

Auch bei den Erwartungen überwiegt ein moderater Optimismus. 45 Prozent der Unternehmen rechnen mit steigenden Auftragseingängen, nur 13 Prozent mit rückläufigen Orders. 40 Prozent erwarten eine Verbesserung der Geschäftslage in den kommenden sechs Monaten.

USA aktuell schwach, aber mit besseren Erwartungen

In den USA bleibt die aktuelle Geschäftslage angespannt. Besonders deutlich wird dies bei der Kapazitätsauslastung: 37 Prozent der Unternehmen berichten von Unterauslastung. Das ist der höchste Wert im Ländervergleich. Auch die Auftragslage bleibt schwach. Fast die Hälfte der Befragten meldet unterdurchschnittliche Bestände.

Trotzdem sind die Erwartungen überraschend positiv. 51 Prozent rechnen mit steigenden Auftragseingängen, 42 Prozent erwarten eine Verbesserung der Geschäftslage. Der stabile Inlandsmarkt wirkt dabei als wichtige Stütze.

Brasilien bleibt verhalten

Brasilien zeigt ein insgesamt schwächeres Bild. 20 Prozent der Unternehmen berichten von einer guten Geschäftslage, 24 Prozent von einer schlechten. Auch die Kapazitätsauslastung bleibt verhalten: Nur 17 Prozent arbeiten über dem Normalniveau, während 32 Prozent eine unterdurchschnittliche Auslastung melden.

Der Auftragsbestand ist ebenfalls schwach. 37 Prozent berichten von unterdurchschnittlichen Beständen, nur 17 Prozent von überdurchschnittlichen Orders. Mittelfristig könnte das Mercosur-Abkommen Impulse setzen. 22 Prozent der Unternehmen planen in den kommenden sechs Monaten einen Beschäftigungsaufbau, 15 Prozent rechnen mit einer Verringerung.

Unternehmen bauen Beschäftigung im Ausland aus

Auffällig ist laut VDMA die wachsende Bedeutung der Binnenmärkte. In Indien und China planen viele Unternehmen, Beschäftigung aufzubauen. In Indien liegt der Anteil bei 44 Prozent, in China bei 34 Prozent. Auch in den USA wollen 39 Prozent der Unternehmen ihre Belegschaft in den kommenden sechs Monaten erweitern.

„Die Unternehmen bauen ihre Beschäftigung auf wichtigen Auslandsmärkten aus – in den dynamischen Wachstumsmärkten China und Indien, aber auch in den USA. Das zeigt, dass strategische Investitionen zunehmend international ausgerichtet werden. Die Unternehmen reagieren damit auf die veränderten geopolitischen Rahmenbedingungen: neue Zölle, handelspolitische Unsicherheiten und Tendenzen zum De-Coupling beeinflussen Standortentscheidungen immer stärker“, sagt VDMA-Chefvolkswirt Dr. Johannes Gernandt.

Die Ergebnisse sind auch für Maschinenbauunternehmen in Ostwestfalen-Lippe, Münster und Osnabrück relevant. Viele regionale Betriebe sind international aufgestellt oder in globale Lieferketten eingebunden. Die Verschiebung von Wachstum, Beschäftigung und Nachfrage in wichtigen Auslandsmärkten beeinflusst damit auch strategische Entscheidungen im regionalen Mittelstand.

Unternehmenslink:
www.vdma.org

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