Die Handwerkskonjunktur im Kammerbezirk Münster bleibt im Herbst 2026 schwach. In der aktuellen Umfrage der Handwerkskammer Münster unter 579 Betrieben stehen einer etwas stabileren Geschäftslage gegenüber dem Frühjahr schlechtere Erwartungen gegenüber. Besonders deutlich ist die Zurückhaltung bei Investitionen: 39 Prozent der Betriebe rechnen für die kommenden Monate mit weiteren Rückgängen, nur 12 Prozent wollen mehr investieren.
Handwerkskonjunktur: Lage und Erwartungen laufen auseinander
40 Prozent der befragten Betriebe bewerten ihre aktuelle Geschäftslage als gut. Das sind drei Prozentpunkte mehr als im Herbst 2025. Zugleich ist der Anteil der Unternehmen mit schlechter Geschäftslage von 18 auf 22 Prozent gestiegen. Die Ergebnisse zeigen damit keine einheitliche Entwicklung im Kammerbezirk.
Für die nächsten sechs Monate erwarten 13 Prozent eine Verbesserung ihrer Geschäftslage. Mit einer Verschlechterung rechnen dagegen 29 Prozent. Der Geschäftsklimaindikator liegt bei 99,5 Punkten, nach 100,7 Punkten im Herbst 2025 und 101,2 Punkten im Frühjahr 2026. Die Handwerkskammer sieht darin weiterhin keine nachhaltige Erholung.
Investitionsbereitschaft nimmt weiter ab
Der Investitionsindikator ist innerhalb eines Jahres von 85,5 auf 78,4 Punkte gesunken. 35 Prozent der Betriebe haben ihre Investitionen reduziert. Auch bei den Investitionsplänen für die kommenden Monate überwiegen die Unternehmen, die weniger ausgeben wollen.
Die HWK warnt vor Folgen für Modernisierung, Digitalisierung und neue Technologien. Aufgeschobene Investitionen könnten nach Einschätzung der Kammer die künftige Wettbewerbsfähigkeit beeinträchtigen. Sie fordert deshalb weniger Bürokratie sowie eine Entlastung bei Steuern und Abgaben, um den Betrieben mehr Spielraum für unternehmerische Entscheidungen zu geben.
Umsätze bleiben unter Druck
41 Prozent der Betriebe berichten von rückläufigen Umsätzen. Im Vorjahresvergleich waren es 37 Prozent. Umsatzsteigerungen meldet aktuell jeder fünfte Betrieb. Bei den Auftragsbeständen hat sich der Anteil mit Zuwächsen von 16 auf 19 Prozent erhöht. Gleichzeitig verzeichnen weiterhin 41 Prozent sinkende Bestände.
Die durchschnittliche Auftragsreichweite ist von 8,8 auf 8,3 Wochen zurückgegangen. Die Kapazitätsauslastung liegt mit durchschnittlich 78 Prozent nahezu auf dem Niveau des Vorjahres. Für die kommenden Monate rechnen mehr Unternehmen mit einer sinkenden als mit einer steigenden Auslastung.
Personalabbau und offene Stellen bestehen nebeneinander
Etwa jeder vierte Betrieb hat zuletzt Beschäftigung abgebaut. In den nächsten sechs Monaten erwarten 18 Prozent einen weiteren Rückgang der Beschäftigtenzahl, während 11 Prozent zusätzliches Personal vorsehen. Dennoch haben 38 Prozent der Betriebe offene Stellen. Die schwache Konjunktur beseitigt den Personalbedarf im Handwerk somit nicht.
Große Unterschiede zwischen den Handwerksgruppen
Im Bauhauptgewerbe sinkt der Geschäftsklimaindikator gegenüber dem Vorjahresherbst von 108,9 auf 94,6 Punkte. Die aktuelle Lage bleibt überwiegend positiv, die Erwartungen haben sich jedoch deutlich verschlechtert. Das Ausbaugewerbe verbessert sich dagegen von 95,8 auf 103,8 Punkte. Auch dort bleiben die Erwartungen trotz besserer Geschäftslage negativ.
Besonders schwach fällt das Ergebnis bei den Handwerken für den gewerblichen Bedarf aus: Der Indikator geht von 93,8 auf 80,7 Punkte zurück. Geschäftslage und Erwartungen werden überwiegend negativ bewertet. Das Kraftfahrzeuggewerbe erreicht 98,8 Punkte nach 102 Punkten im Herbst 2025. Gegenüber dem Frühjahr hat sich seine Situation verbessert.
Im Nahrungsmittelgewerbe fällt der Indikator im Jahresvergleich von 116,8 auf 88,5 Punkte. Das Gesundheitsgewerbe weist mit 119,1 Punkten nach 113,1 Punkten den höchsten Wert unter den untersuchten Gruppen auf. Die personenbezogenen Dienstleistungen steigern sich von 103,1 auf 104,1 Punkte. Als einzige Gruppe bewerten sie sowohl ihre Geschäftslage als auch ihre Erwartungen positiv.
Die Umfrage bezieht sich auf den Kammerbezirk Münster. Zu dessen Handwerk gehören nach Angaben der HWK zum 30. September 2026 insgesamt 31.166 Betriebe mit rund 234.000 Beschäftigten. Den Jahresumsatz beziffert die Kammer auf ungefähr 33,6 Milliarden Euro.