Portrai Bitkom-Mitglied der Geschäftsleitung Susanne Dehmel
Bitkom-Mitglied der Geschäftsleitung Susanne Dehmel (Foto: Bitkom)

Unternehmen sehen hohen Bedarf für Datenschutzreform

Eine Datenschutzreform halten 90 Prozent der von Bitkom befragten Unternehmen für notwendig. Besonders Dokumentationspflichten, rechtliche Unsicherheit und neue Anforderungen beim KI-Einsatz belasten die Betriebe. Die Ergebnisse beruhen auf einer Befragung von 605 Unternehmen ab 20 Beschäftigten in Deutschland.

Befragung unter 605 Unternehmen

Bitkom Research befragte im Auftrag des Digitalverbands Bitkom 605 Unternehmen ab 20 Beschäftigten telefonisch. Die Erhebung lief von KW 28 bis KW 33 2026 und ist nach Angaben des Verbands repräsentativ für die Gesamtwirtschaft. Neben der Bewertung der Datenschutz-Grundverordnung (DS-GVO) erfasste die Untersuchung Erfahrungen mit den Aufsichtsbehörden, konkrete Belastungen bei der Umsetzung sowie den Zusammenhang von Datenschutz und Künstlicher Intelligenz.

90 Prozent der Befragten halten eine gezielte Reform der DS-GVO für notwendig, darunter 41 Prozent für sehr notwendig. 5 Prozent sehen keinen Reformbedarf. Für eine Reform des deutschen Systems der Datenschutzaufsicht sprechen sich 93 Prozent aus; 26 Prozent fordern eine grundlegende Reform. Eine Abschaffung der Aufsicht befürwortet keines der Unternehmen.

Dokumentation und Rechtsunsicherheit verursachen Aufwand

92 Prozent der Unternehmen bezeichnen den Aufwand durch Datenschutz als hoch, 42 Prozent sogar als sehr hoch. In 71 Prozent der Unternehmen ist dieser Aufwand im vergangenen Jahr weiter gestiegen, bei 22 Prozent stark. Nur 2 Prozent berichten von einem Rückgang.

Als größten einzelnen Aufwandspunkt nennen 84 Prozent die Dokumentationspflicht von Verarbeitungstätigkeiten. Im Vorjahr waren es 73 Prozent. Es folgen die Klärung rechtlicher Anforderungen mit 68 Prozent, die technische Implementierung mit 65 Prozent und die Erfüllung von Informationspflichten mit 61 Prozent. 51 Prozent nennen die Sicherstellung der Betroffenenrechte. Die Benennung eines Datenschutzbeauftragten rangiert mit 25 Prozent am Ende der abgefragten Aufgaben. Kein Unternehmen gibt an, keine Probleme aufgrund des Datenschutzes zu haben.

Als größte Herausforderungen sehen die Betriebe externe Faktoren. 88 Prozent nennen Unsicherheit über die genauen Vorgaben, 83 Prozent die fortlaufende Anpassung an rechtliche Entwicklungen und 78 Prozent zu hohe Anforderungen. 70 Prozent berichten, dass bei der Einführung neuer Tools erneut Datenschutzprüfungen erforderlich werden. Mangelnde Beratung durch Aufsichtsbehörden nennen 61 Prozent. Interne Engpässe wie fehlendes qualifiziertes Personal, finanzielle Mittel oder verständliche Vermittlung der Anforderungen werden jeweils seltener genannt.

Kritischere Bewertung der DS-GVO

88 Prozent der Unternehmen sagen, die DS-GVO mache Geschäftsprozesse komplizierter. 2025 lag dieser Anteil bei 81 Prozent, 2024 bei 77 Prozent. 76 Prozent bewerten die Anwendung der DS-GVO durch deutsche Datenschutzbehörden als zu streng; im Vorjahr waren es 69 Prozent. Gleichzeitig sank der Anteil der Unternehmen, die eine Verbesserung der eigenen Datensicherheit durch die DS-GVO sehen, von 70 Prozent im Jahr 2024 auf 61 Prozent.

Die Befragten bewerten Datenschutz zudem unterschiedlich als gesellschaftliches und wirtschaftliches Thema. Jeweils 49 Prozent halten einen hohen Datenschutzstandard grundsätzlich für wichtig für die Gesellschaft beziehungsweise Datenschutz für einen Standortvorteil für Deutschland und Europa. 71 Prozent sagen dagegen, Datenschutz hemme die Digitalisierung in Deutschland, und ebenso viele halten ihn für kleinere Unternehmen für kaum umsetzbar. 70 Prozent meinen, Deutschland übertreibe es beim Datenschutz.

Aufsicht und Vereinfachungen im Fokus

37 Prozent der Unternehmen, die in den vergangenen zwei Jahren Hilfestellung bei Aufsichtsbehörden angefragt hatten, erhielten keine Rückmeldung. Ein Viertel der Befragten fragte nach eigener Angabe gar nicht erst an. Hilfen der Aufsicht nutzten 64 Prozent: 33 Prozent einmal und 31 Prozent mehrfach. Unternehmen, die Unterstützung erhielten, bewerteten diese im Durchschnitt mit der Schulnote 2,9. 2024 lag die Bewertung bei 2,7.

Von den Unternehmen, die Reformbedarf bei der Aufsicht sehen, wünschen sich 85 Prozent eine Zentralisierung in Deutschland und 80 Prozent eine Zentralisierung auf EU-Ebene. 82 Prozent fordern eine bessere Abstimmung zwischen den Behörden. Eine zentrale Datenbank aufsichtsbehördlicher Entscheidungen befürworten 76 Prozent, einheitliche Meldeprozesse bei Datenschutzverstößen 70 Prozent. Schnellere Antworten auf Anfragen und Beschwerden wünschen sich 66 Prozent.

Für die konkrete Datenschutzreform hat der Abbau von Pflichten bei risikoarmen Verarbeitungen Priorität: 89 Prozent nennen weniger Dokumentationspflichten. 76 Prozent wünschen sich eine einheitliche Auslegung durch Datenschutzbehörden, 73 Prozent mehr Rechtssicherheit bei der Interessenabwägung. 69 Prozent sehen Bedarf für eine bessere Abstimmung mit anderen Regulierungen wie dem AI Act. Die Abschaffung verpflichtender betrieblicher Datenschutzbeauftragter würde dagegen nur 35 Prozent entlasten.

KI-Projekte und internationale Lösungen

79 Prozent der Unternehmen sagen, der Datenschutz müsse an das KI-Zeitalter angepasst werden; im Vorjahr waren es 71 Prozent. 78 Prozent berichten von einem zunehmenden Aufwand für die Datenschutzprüfung von KI-Projekten. Für 72 Prozent ist Datenschutz beim KI-Einsatz ein großes Thema im eigenen Haus, während sich 56 Prozent bei Datenschutzfragen zu KI häufig überfordert fühlen. Die Hälfte der Befragten sagt, Datenschutz behindere im eigenen Unternehmen den Einsatz von KI.

57 Prozent befürworten, personenbezogene Daten für Entwicklung und Training von KI-Systemen bei berechtigtem Interesse zu erlauben. 51 Prozent sehen in KI-Chatbots eine Hilfe für Beschäftigte bei Datenschutzfragen. Datenschutzbedenken beeinflussen auch die Beschaffung technischer Lösungen: 42 Prozent der Unternehmen haben deshalb bereits auf Produkte oder Lösungen aus Ländern außerhalb der EU verzichtet, 19 Prozent mehrfach. Von diesen Unternehmen nennen 59 Prozent China und 39 Prozent die USA als betroffene Herkunftsländer; jeweils 10 Prozent nennen Indien und andere Länder außerhalb der EU.

Bitkom-Mitglied der Geschäftsleitung Susanne Dehmel ordnet die Ergebnisse als Plädoyer für verhältnismäßige Regeln ein: „Die Wirtschaft fordert keine Datenschutz-Deregulierung, sondern Verhältnismäßigkeit“. Als Themen stehen Datenschutz, Datenschutzaufsicht, Digitaler Omnibus, Data Act und AI Act auch bei der Bitkom Privacy Conference am 29. und 30. September in Berlin und online auf dem Programm.

Unternehmenslink: Bitkom

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