Beschäftigung Energiewende: Studie sieht 186.600 Arbeitsplätze weniger

Die in Gütersloh ansässige Bertelsmann Stiftung hat eine Szenarioanalyse zur Beschäftigung Energiewende vorgestellt. Bei einem Erreichen der Ausbauziele könnten 2035 bundesweit 706.100 Menschen in erneuerbaren Energien beschäftigt sein; unter Annahmen zum aktuellen politischen Kurs wären es 519.500.

Zwei Szenarien für Investitionen und Beschäftigung

Die Gesellschaft für Wirtschaftliche Strukturforschung (GWS) hat die Analyse im Auftrag der Bertelsmann Stiftung erstellt. Sie vergleicht einen Ausbauzielpfad mit einem Szenario zu den erwarteten Investitionswirkungen des aktuellen politischen Kurses der Bundesregierung. Die ausgewiesene Bruttobeschäftigung umfasst direkte Arbeitsplätze sowie indirekte Beschäftigung in vorgelagerten Wertschöpfungsketten. Die Szenarien beschreiben mögliche Entwicklungen unter den jeweiligen Annahmen und sind keine Prognosen.

Im Ausbauzielpfad werden die gesetzlichen Ziele für Wind- und Solarenergie erreicht; zudem werden Wärmepumpen in dem angenommenen Umfang eingebaut. Ausgehend vom derzeitigen Höchststand von 436.300 Beschäftigten könnten damit bis 2035 rund 706.100 Menschen in den erneuerbaren Energien arbeiten. Das entspräche gegenüber 2025 einem Plus von rund 270.000 Beschäftigten beziehungsweise 62 Prozent.

Wärmepumpen als größter Beschäftigungstreiber

Den stärksten Zuwachs weist die Analyse für Herstellung und Installation von Wärmepumpen aus. Die Beschäftigung in diesem Bereich würde von 72.200 auf 232.800 Personen steigen und sich damit mehr als verdreifachen. Die Untersuchung bezieht dabei nicht allein Anlagenhersteller ein, sondern auch Zulieferer, Planungsbüros und Handwerksbetriebe.

Für das Erreichen der Ausbauziele müssten die jährlichen, größtenteils privaten Investitionen von 37,6 Milliarden Euro im Jahr 2025 auf 79 Milliarden Euro im Jahr 2035 steigen. Die Studie verknüpft den Ausbau damit nicht nur mit Arbeitsplätzen in einzelnen Technologien, sondern auch mit Aufträgen entlang der vorgelagerten Wertschöpfungsketten.

Gesetzliche Bedingungen als Annahme des Bremsszenarios

Das zweite Szenario untersucht, wie sich Investitionen und Beschäftigung entwickeln könnten, wenn Risiken aus den neuen gesetzlichen Bedingungen den Ausbau bremsen. Genannt werden die EEG-Novelle, das Netzpaket, das Gebäudemodernisierungsgesetz und die Novelle des Windenergie-auf-See-Gesetzes. Kurzfristige Änderungen von Förderregeln, unkalkulierbare Entschädigungen bei Nichteinspeisung ins Netz oder Verzögerungen beim Netzanschluss können nach den Annahmen der Studie Projekte verschieben oder verhindern.

Unter diesen Annahmen lägen die jährlichen Investitionen 2035 bei 52,1 Milliarden Euro. Das wären rund ein Drittel weniger als die 79 Milliarden Euro im Ausbauzielpfad. Besonders groß wäre die Investitionslücke bei Wärmepumpen sowie bei Windenergie an Land und auf See. Die geringeren Investitionen wirken sich im Szenario auf den Personalbedarf aus: Gegenüber dem Ausbauzielpfad blieben 186.600 mögliche Arbeitsplätze ungenutzt.

Inlandsmarkt und industrielle Wertschöpfung

Die Analyse verweist auf frühere Schwankungen der Beschäftigung in einzelnen Branchen. In der Solarenergie sank die Beschäftigung nach Förderkürzungen und dem Einbruch der heimischen Produktion von 156.700 Personen im Jahr 2011 auf 39.900 im Jahr 2017. In der Windbranche gingen zwischen 2016 und 2018 rund 37.000 Arbeitsplätze verloren.

Auch die Entwicklung bei Wärmepumpen verdeutlicht nach Darstellung der Bertelsmann Stiftung die Abhängigkeit von der Nachfrage. Im Zuge der Debatte um das Gebäudeenergiegesetz und des daraus resultierenden Markteinbruchs 2024 sank die Beschäftigung zunächst um 28 Prozent. Im Jahr 2025 stieg sie anschließend wieder um mehr als 40 Prozent.

Ein stabiler Inlandsmarkt ist für Hersteller, Zulieferer und Dienstleister nach Einschätzung der Stiftung bedeutsam, weil er Aufträge und Investitionen in Produktion stützt. Für die gesetzlichen Regelungen nennt sie insbesondere klare Übergangsfristen, kalkulierbare Netzanschlussbedingungen und verlässliche Förderbedingungen als Voraussetzungen, um Investitionen zu erleichtern.

Unternehmenslink: Bertelsmann Stiftung

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