Teilnehmende des 20. Logistiktags der Kühne-Stiftung im Foyer der Kühne Logistics University in Hamburg
Mehr als 200 Fach- und Führungskräfte diskutierten beim 20. Logistiktag der Kühne-Stiftung an der KLU über Führung, Lieferketten und Resilienz. Foto: KLU/Jan Konitzki Notiz (Links/Quellen): Pressemitteilung der Kühne-Stiftung/KLU; Veranstalterlink: htt

Führung in ungewissen Zeiten: Logistiktag der Kühne-Stiftung rückt neue Anforderungen an Führung in den Fokus

Beim 20. Logistiktag der Kühne-Stiftung an der Kühne Logistics University in Hamburg stand die Frage im Mittelpunkt, wie Unternehmen unter wachsender Unsicherheit führen können. Mehr als 200 Fach- und Führungskräfte diskutierten über geopolitische Risiken, veränderte Lieferketten, Künstliche Intelligenz und den steigenden Druck, Resilienz, Effizienz und Nachhaltigkeit zugleich zu sichern.

Logistik unter Druck: Führung wird zur strategischen Kernaufgabe

Klassisches Management reicht nach Einschätzung der Veranstalter in vielen Bereichen nicht mehr aus, um Unternehmen sicher durch volatile Märkte und fragile Lieferketten zu steuern. Wenn Zölle kurzfristig Kosten verändern, geopolitische Konflikte Rohstoffe verknappen und technologische Entwicklungen Entscheidungen beschleunigen, müssen Führungskräfte Zielkonflikte neu austarieren.

Beim Logistiktag lautete die zentrale Botschaft deshalb: Führung bedeutet zunehmend, unter Unsicherheit handlungsfähig zu bleiben und Verantwortung für Entscheidungen zu übernehmen, deren Folgen sich nicht vollständig kontrollieren lassen.

Prof. Dr. Andreas Kaplan, Präsident der KLU, betonte zur Eröffnung, dass Disruption inzwischen nicht mehr Ausnahme, sondern Normalzustand sei. Gerade Logistik und Supply Chain Management seien darin geübt, gegensätzliche Anforderungen wie Geschwindigkeit und Nachhaltigkeit, Resilienz und Effizienz oder Automatisierung und menschliches Urteilsvermögen miteinander zu verbinden.

Globalisierung verändert sich grundlegend

In seiner Keynote skizzierte Prof. John Manners-Bell, Gründer der Foundation for Future Supply Chains und CEO von Ti Insight, einen tiefgreifenden Wandel im Welthandel. Global integrierte Lieferketten seien nicht mehr alternativlos. Stattdessen gewönnen Modelle wie Near-Shoring, Re-Industrialisierung und Kreislaufwirtschaft an Bedeutung.

Nach seinen Angaben sanken chinesische Exporte in die USA im Jahr 2025 infolge von Zöllen um 29,7 Prozent. Gleichzeitig stiegen Exporte aus den ASEAN-Staaten um 28,9 Prozent. Für Manners-Bell ist das kein Rückgang des Welthandels, sondern eine aktive Neuordnung globaler Lieferketten.

Er machte deutlich, dass diese neuen Strukturen widerstandsfähiger sein können, zugleich aber komplexer und teurer werden. Für Unternehmen erhöht das den strategischen Druck auf Beschaffung, Produktion und Logistik.

Nike als Beispiel für die Kosten geopolitischer Verschiebungen

Wie gravierend sich politische Eingriffe auswirken können, zeigte Manners-Bell am Beispiel von Nike. Zölle auf chinesische Exporte hätten beim Sportartikelhersteller Mehrkosten von rund einer Milliarde Dollar verursacht. Parallel verlagere das Unternehmen seine Produktion seit Jahren schrittweise aus China, vor allem nach Vietnam, Indonesien und auf die Philippinen.

Damit werde sichtbar, vor welchen Entscheidungen international aufgestellte Unternehmen stehen: Preise erhöhen, Produktionsstandorte verlagern oder sinkende Margen akzeptieren. Zugleich warnte Manners-Bell vor der Investitionsbremse durch unklare handelspolitische Rahmenbedingungen.

Führung entscheidet über den Umgang mit Unsicherheit

Dr. Niklas Wilmking, Geschäftsführer der Kühne-Stiftung und früherer Logistikvorstand bei DB Schenker, fasste die veränderte Rolle von Führung so zusammen: Es gehe heute nicht mehr vor allem darum, Waren möglichst effizient zu bewegen, sondern strategische Ziele unter unsicheren Bedingungen umzusetzen.

Mit Blick auf Künstliche Intelligenz verschiebe sich der Engpass ebenfalls. Nicht Rechenleistung werde zum entscheidenden Faktor, sondern die Fähigkeit, Prioritäten zu setzen und Verantwortung zu übernehmen. Führung werde damit stärker zu einer Frage von Urteilskraft und Verantwortlichkeit.

Breites Themenspektrum auf dem Campus in Hamburg

Der Logistiktag wurde inhaltlich und organisatorisch von der KLU getragen und fand 2026 auf dem Campus in Hamburg gemeinsam mit HELP Logistics und dem Kuehne Climate Center statt. In spezialisierten Sessions ging es unter anderem um KI in der Supply-Chain-Planung, CO₂-Entnahme-Technologien, humanitäre Logistik und den Einsatz von Elektro-Lkw in Afrika.

Ein zentrales Thema zog sich durch die Veranstaltung: Wie können Unternehmen Resilienz und Nachhaltigkeit stärken, ohne dass die Kosten aus dem Ruder laufen?

Unternehmens-/Veranstalterlink: https://www.klu.org

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