Wie entwickelt sich der Wirtschaftsstandort Lügde unter schwierigen Rahmenbedingungen weiter? Darüber haben Unternehmer, Verwaltung und Politik beim ersten Kommunalen Wirtschaftsgespräch 2026 der IHK Lippe im Co-Working-Space „Emmerhub“ diskutiert.
Im Mittelpunkt standen die angespannte Haushaltslage, Infrastrukturprojekte, Fachkräftesicherung und die digitale Transformation. Deutlich wurde dabei: Lügde sieht sich unter Druck, setzt aber weiter auf verlässliche Rahmenbedingungen für Unternehmen.
Austausch über die Zukunft des Standorts
Den Auftakt der Kommunalen Wirtschaftsgespräche 2026 nutzte die IHK Lippe zu Detmold für einen Dialog mit Unternehmen vor Ort. Gastgeberin war der Co-Working-Space „Emmerhub“ in Lügde, der als Beispiel für neue Arbeitsformen und für die Belebung der Innenstadt steht.
IHK-Präsident Volker Steinbach betonte die Bedeutung des Formats für den direkten Austausch mit den Unternehmen in den lippischen Kommunen. Nur im Gespräch vor Ort lasse sich nachvollziehen, welche Herausforderungen die heimische Wirtschaft konkret beschäftigen. Auch Hinrich Schwarze, Teamleiter bei der IHK Lippe und Moderator des Abends, hob hervor, dass Lügde Eigeninitiative zeige und Transformationsprozesse aktiv angehe.
Haushalt unter Druck, Steuerhebesatz bleibt stabil
Bürgermeister Torben Blome beschrieb die wirtschaftliche Lage der Stadt als anspruchsvoll. Zwar verfüge Lügde über eine über Jahre aufgebaute Ausgleichsrücklage von 16 Millionen Euro. Gleichzeitig belasten sinkende Gewerbesteuereinnahmen sowie steigende Kosten und Umlagen den städtischen Haushalt.
Trotzdem will die Stadt ein Signal der Verlässlichkeit senden: Der Gewerbesteuer-Hebesatz bleibt zum elften Mal in Folge unverändert. Blome machte deutlich, dass die Kommune sich als Partner der Wirtschaft versteht und trotz Kostendrucks keine zusätzlichen Belastungen schaffen will. Entscheidend seien Investitionen in den Standort und ein enger Schulterschluss zwischen Verwaltung, Politik und Unternehmerschaft.
Infrastruktur bleibt ein Schlüsselfaktor
Positiv bewertet wurde beim Wirtschaftsdialog der Fortschritt beim Breitbandausbau. In der Kernstadt geht der Ausbau nach FTTH-Standard voran, auch in den Ortsteilen gelten weitere Schritte als realistisch.
Weniger positiv fällt der Blick auf die Verkehrsinfrastruktur aus. Zwar profitiert Lügde vom Bahnanschluss mit Verbindungen unter anderem Richtung Paderborn, Altenbeken und Hannover. Einschränkungen im Straßenverkehr durch Instandsetzungsarbeiten und Sperrungen am Emmerauentunnel bleiben für den Standort jedoch ein Problem.
Fachkräfte, Bildung und KI als Zukunftsthemen
Ein weiteres zentrales Thema war der Fachkräftemangel. Lügde setzt hier auf mehrere Ansatzpunkte: eine modernisierte Sekundarschule mit MINT-Schwerpunkt, Projekte wie „Speeddatings“ und „FitForJob“ sowie ein breites Angebot in der Kinderbetreuung.
Zugleich wurde im Austausch deutlich, dass der Standort sein Profil noch stärker nach außen tragen muss, um Fachkräfte auch überregional zu gewinnen. Darüber hinaus spielte Künstliche Intelligenz eine wichtige Rolle in der Diskussion. Sie wurde sowohl als Treiber des Wandels in der Arbeitswelt als auch als Chance für die Verwaltung gesehen, etwa bei Analysen oder digitalen Serviceangeboten.
Emmerhub als Beispiel für neue Impulse in der Innenstadt
Mit dem „Emmerhub“ wurde der Wirtschaftsdialog bewusst an einem Ort ausgerichtet, der den Wandel im Kleinen sichtbar macht. Geschäftsführerin Julia Herda berichtete von ihrem Schritt in die Selbstständigkeit und vom Ziel, in den ehemaligen Räumen der Lügder Volksbank einen Ort für Arbeit, Netzwerk und Veranstaltungen zu schaffen.
Gerade für Gründerinnen und Gründer könne ein solches Angebot den Einstieg erleichtern. Zugleich zeigt das Projekt, dass moderne Arbeitswelten und neue Nutzungskonzepte auch in kleineren Städten funktionieren können.
Unternehmens-/Veranstalterlink: www.ihk.de/lippe-detmold
