Möbelindustrie mit Umsatzplus von 4,6 %

Nach einem Umsatzwachstum von 2,3 Prozent im Gesamtjahr 2014 konnte die deutsche Möbelindustrie ihren Umsatz im 1. Halbjahr 2015 im Vergleich zum 1. Halbjahr 2014 deutlich steigern. Die Erlöse der Herstellerbetriebe lagen in diesem Zeitraum mit einem Plus von 4,6 Prozent auf 8,5 Mrd. € spürbar über dem Vorjahresniveau und über den Erwartungen unserer Industrie noch zu Jahresbeginn.

Im Inland profitierte die Branche von der guten Lage auf dem Arbeitsmarkt und von den steigenden Einkommen der Verbraucher, die im ersten Halbjahr für einen kräftigen Konsumschub sorgten. Angesichts der historisch niedrigen Zinsen entschieden sich zudem viele Bundesbürger im vergangenen Jahr für den Erwerb einer Immobilie: 2014 wurden 14,2 Prozent mehr Wohnungen (245.325 Einheiten) fertig gestellt, die im laufenden Jahr eingerichtet werden mussten. Von der hohen Bauaktivität und dem Konsumschub profitierte auch die Möbelbranche.

Aber auch das Exportgeschäft leistete mit der Erholung im Euroraum und den positiven Wirtschaftsaussichten in wichtigen Absatzmärkten wie USA und Großbritannien einen Beitrag zum Branchenwachstum. Auf den Märkten außerhalb der EU machte der schwache Euro die Möbel „Made in Germany“ günstiger und stimulierte den Export zusätzlich. Ein Drittel der deutschen Möbelexporte wird mittlerweile in Nicht-EU-Ländern abgesetzt.

Hinzu kommt die erfolgreiche Möbelmesse imm cologne/LivingKitchen im Januar. Mit 146.000 Besuchern aus 138 Ländern und einem Besucheranteil aus dem Ausland von 45 Prozent sorgte die diesjährige imm für hohe Internationalität.

Für das 2. Halbjahr sind die Vorzeichen weiter positiv, auch wenn klar ist, dass wir im Gesamtjahr die 4,6 Prozent Wachstum nicht erreichen werden.

Zum einen wird sich das Wachstum statistisch verringern, weil bereits das 2. Halbjahr 2014 anzog und die Veränderungsrate für das kommende Halbjahr daher geringer ausfällt.

Zum zweiten kommen verschiedene Risiken hinzu. Die Wohnungsbaukonjunktur verlangsamt sich aktuell, die Abwertung der chinesischen Währung Yuan dürfte das bisher dynamische Wachstum bei den Möbelausfuhren nach Asien abschwächen und die Verbraucher zeigen sich durch die zahlreichen Krisenherde rund um den Globus zunehmend verunsichert. Die Folgen dieser Krisen werden für uns spürbarer. Daher gehen die Erwartungen an die wirtschaftliche Entwicklung in Europa und auch in Deutschland zurück.

Für das Gesamtjahr 2015 prognostizieren wir daher zum jetzigen Zeitpunkt ein Umsatzplus von knapp 3 Prozent.

Besonders erfreulich ist, dass ausweislich der amtlichen Statistik sämtliche Segmente der deutschen Möbelindustrie im 1. Halbjahr 2015 ein mehr oder weniger deutliches Umsatzwachstum vorweisen. Der Umsatzanstieg im größten Segment der Branche – bei den Wohnmöbeln und sonstigen Möbeln – betrug 3,6 Prozent auf 3,5 Mrd. €. Bei den klassischen Wohnmöbeln dürfte allerdings das tatsächliche Wachstum nur zwischen 1 und 2 Prozent liegen. Die Küchenmöbelhersteller verzeichneten als zweitgrößtes Segment der Branche einen deutlichen Umsatzanstieg um 4,8 Prozent auf rund 2,3 Mrd. €. Die Büromöbelindustrie wies mit einem Umsatz von rund 970 Mio. € ein leicht positives Ergebnis aus (+1,7%). Einen spürbaren Anstieg registrierten die Hersteller von Polstermöbeln, deren Umsätze von Januar bis Juni 2015 um 2,7 Prozent auf rund 540 Mio. € zulegten. Die Ladenmöbelhersteller lagen um 5,1 Prozent über dem Vorjahreswert und erzielten einen Umsatz von rund 720 Mio. €. Auch das kleinste Segment der Branche – die Matratzen – trug mit einem deutlichen Umsatzplus in Höhe von 21,2 Prozent auf rund 470 Mio. € zum positiven Branchenergebnis bei.

Weitgehend stabil ist die Beschäftigung in der Möbelindustrie: in aktuell rund 500 Betrieben mit mehr als 50 Beschäftigten (-3,7 Prozent) arbeiten 83.495 Frauen und Männer und damit geringfügig weniger (-1,2 Prozent) als im Vorjahr.

Als wichtige Umsatzstütze für unsere Hersteller erwies sich im laufenden Jahr das Auslandsgeschäft. Der Export stieg im 1. Halbjahr 2015 um 4,4 Prozent auf 4,93 Mrd. €. Der Absatz in die EU-Länder entwickelte sich mit einem Plus von 4,0 Prozent auf 2,77 Mrd. € positiv. Hier gibt es Licht und Schatten. Die Ausfuhren nach Großbritannien konnten um 13,4 Prozent gesteigert werden, die in die Schweiz um 9,2 Prozent. Der niederländische Markt konnte seine Wachstumsschwäche überwinden, die deutschen Möbelexporte in diesen wichtigen Markt legten um 6,0 Prozent zu. Auch der spanische Markt kommt wieder, von Januar bis Juni konnten dort 17,9 Prozent mehr deutsche Möbel abgesetzt werden. Die Ausfuhren in unseren wichtigsten internationalen Absatzmarkt Frankreich sanken dagegen um 6,2 Prozent, und auch Österreich entwickelte sich mit minus 1,6 Prozent negativ.

Mehr Möbel konnten hingegen nach China (+ 19,5 Prozent) und in die USA (+ 23,2 Prozent) geliefert werden. Dieses positive Signal stimmt die Branche zuversichtlich, denn es lässt erkennen, dass die Exportbemühungen der deutschen Möbelhersteller in das außereuropäische Ausland Früchte tragen und sich die Abhängigkeit von den Märkten innerhalb der EU tendenziell verringert.

Die Industrieexportquote – dies ist der Anteil der von den heimischen Möbelherstellern direkt ins Ausland gelieferten Ware am Gesamtumsatz der Branche – kletterte im ersten Halbjahr auf 31,8 Prozent. Damit erreichte sie einen neuen Rekordwert und hat sich innerhalb der letzten 15 Jahre verdoppelt – ein eindrucksvoller Beleg für die hohe Wertschätzung, die der Weltmarkt  deutschen Möbeln entgegenbringt.

Auf der anderen Seite erweist sich der steigende Möbelimport zunehmend als große Herausforderung. Hier verzeichnen wir eine signifikante Steigerung um 5,4 Prozent auf 6,0 Mrd. €. Die Importquote ist innerhalb von nur 10 Jahren um die Hälfte auf 61 Prozent gestiegen. Wenn – und davon gehen wir aus – dieser Trend anhält, stammen in Kürze zwei von drei in Deutschland verkauften Möbeln aus dem Ausland.

Hierbei ist von besonderer Bedeutung, dass es mittlerweile nicht mehr nur um den Import von Kleinmöbeln geht. Auch in den traditionell von deutschen Herstellern stark besetzten Segmenten entsteht internationale Konkurrenz. Es wird dabei verstärkt aus Ländern importiert, die über deutlich niedrigere Kostenstrukturen verfügen. Es entwickelt sich eine Art Wanderzirkus des Möbelhandels, der schon seit längerem Ost- und Südosteuropa im Fokus hatte und mittlerweile im noch billigeren Ostasien angekommen ist.

So stiegen die Importe aus China in den ersten sechs Monaten 2015 um 24,0 Prozent. Die Importe aus Vietnam stiegen noch deutlicher um  32,5 Prozent. Dies belegt eine Verschiebung des Einkaufsverhaltens des Möbelhandels. Diese Entwicklung sehen wir als Hersteller natürlich mit großer Besorgnis.

Dabei stehen wir als deutsche Möbelindustrie klar hinter unserem Partner, dem stationären Möbelhandel. Denn gerade beratungsintensive Ware braucht gut geschulte Mitarbeiter, die das Produkt erklären können. Ein Bett, das individuell auf die Bedürfnisse des Nutzers abgestimmt ist, kann man nicht auf dem Bildschirm testen. Viele Kunden werden auch in Zukunft ihr neues Möbel im direkten Kontakt fühlen, spüren und erleben wollen. Dass dem Möbelkäufer dieses Spüren und Erleben offenbar wichtig ist, dürfte einer der wesentlichen Gründe dafür sein, dass sich der Marktanteil des Onlinehandels laut EHI Möbelreport 2015 mit derzeit 6,7 Prozent in einem überschaubaren Rahmen hält.

Trotzdem spielt das Internet eine immer wichtigere Rolle auch für unsere Branche. Es wird immer wichtiger, wie sich unsere Möbelhersteller im Netz gegenüber dem Endkunden präsentieren. Hier ist noch sehr viel Luft nach oben, Möbel auch im Internet wertiger und begehrlicher darzustellen. Da sind noch viele Chancen für uns, dem Verbraucher vor dem Gang ins Möbelhaus Lust auf neue Möbel zu machen und andere Kriterien in den Vordergrund zu rücken, als nur den Preis.

Dabei kommt unserer Möbelindustrie zugute, dass unsere Unternehmen enorm leistungsfähig sind. Denn wir sind hochgradig design-, technik- und produktionsorientiert und werden weltweit dafür geachtet, dass deutsche Möbel auch vom Standard her eine extrem hohe Wertigkeit haben. Qualität, Lieferzuverlässigkeit, Design und Individualität sowie das Beherrschen der Abläufe und der Logistik können wir als deutsche Hersteller besonders gut. Dass wir qualitativ besser sind als andere, müssen wir aber auch argumentieren. Da können wir noch viel dazulernen.

Ich bin überzeugt davon, dass Deutschland auch in Zukunft einer der wichtigsten Player im weltweiten Möbelmarkt sein wird. Nicht nur im oberen Preisbereich, sondern in allen Preissegmenten.

www.moebelindustrie.de

Veröffentlicht von

Sascha Brinkdöpke

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