Weltökonom Steinbrück tritt beim Bankenverband auf

Weltökonom Steinbrück tritt beim Bankenverband auf Berlin (dapd). Grimmig steht SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück am Pult des Bankenverbandes. Die Mundwinkel des Sozialdemokraten sind heruntergezogen. Gleich beginnt das Streitgespräch mit dem neuen Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen. Die Fernsehteams im Saal sind am Mittwochnachmittag in Berlin für den Sozialdemokraten gekommen, nicht für den Bankier. Praktisch ohne Vorstellung kommt die erste Frage: Wer hat eigentlich heutzutage das Sagen: die Politiker oder die Finanzmärkte? Der frühere Bundesfinanzminister hat eine klare Meinung. Die Sache müsse zugunsten demokratischer Institutionen entschieden werden. Er sei beunruhigt, dass es einen Vertrauensverlust bei Banken und Politikern gebe. Die Menschen hätten bei den Banken den Eindruck, sie würden abgezockt, und bei den Politikern den Eindruck: „Die bestimmen gar nicht mehr über die Weltenläufe.“ Diese Sache mache ihm schon seit Jahren Sorgen. Steinbrück steht in der Mitte. Links von ihm befindet sich Fitschen, der viel kleiner wirkt und sich hindrehen muss zu Steinbrück. Der wird gefragt, warum er denn gegen die Deutsche Bank vorgehen will und Regeln vorschlägt, die nur gegen sie gehen, nämlich sich gegen Universalbanken einsetzt, die alle Geschäfte machen, ein Trennbankensystem und die Begrenzung des hyperschnellen Börsenhandels vorschlägt. Steinbrück wehrt sich vehement und bescheinigt der Moderatorin Ursula Weidenfeld ironisch eine „glänzende Vorbereitung“. Er wolle nicht zurück zum Parketthandel des 19. Jahrhunderts, sondern nur mehr Stabilität in das System hineinbringen. Dann haut er die Fachbegriffe Glass-Steagall-Act, Paul-Volcker-Rule und Vickers-Commission in die Runde und unterstreicht so seine fachliche Kompetenz. Vermutlich die hat Steinbrück im Umfeld der Eurokrise die Kandidatur für seine Partei eingebracht. Ist es vorstellbar, dass Fraktionschef Frank-Walter Steinmeier in gleicher Weise gegen Fitschen reitet? Oder Parteichef Sigmar Gabriel? Steinbrück, der Hamburger, lässt es an diesem Mittwoch raushängen, er macht auf Helmut Schmidt, auf Weltökonom. Das war schon 1976 und 1980 bei den Wahlen erfolgreich. Gilt das aber auch 2013? Rasend schnell spult der Kandidat sein Programm herunter. Fitschen bleibt nur zu erklären, in der Zielrichtung der Stabilisierung sei er sich einig mit Steinbrück. Aber er ist strikt dagegen, Trennbanken einzuführen. Sein eigenes Institut wäre davon betroffen. Die Fachdiskussion für Bankiers tobt an diesem Mittwoch. Über den beiden Kontrahenten steht auf der Saaldekoration: „Was ist die Alternative? Europa zwischen Krise und Aufbruch“. Es ist der Beginn einer neuen Gesprächsrunde in Berlin. Der Bankenverband nutzt dafür das große Foyer der Deutschen Telekom in der Französischen Straße in Mitte. Bankiers sind da, Geschäftsführer von Verbänden, Professoren, Botschafter. Wer in Deutschland etwas werden will, der muss nicht nur in die Talkshows gehen, sondern auch in diese Foren. Fast täglich diskutieren dort die führenden Akteure miteinander. Oder sie tauschen nur die üblichen Auffassungen aus. So wie heute. Fitschen wird Steinbrück nicht bekehren und umgekehrt auch nicht. Aber es hilft ihnen, die Argumente und ihre Rhetorik zu schärfen. Und das Fernsehen verschafft einen Auftritt auf der ganz großen Bühne in ganz Deutschland. Nach 45 Minuten ist der Schlagabtausch vorbei. Steinbrück rauscht aus dem Saal, die Fernsehteams auch. Hinterher diskutieren andere Experten über eine Zukunft ohne Staatsverschuldung und ob dies das Ende des Wohlfahrtsstaates ist. dapd (Politik/Politik)

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Peer-Michael Preß

Peer-Michael Preß – Engagement für die Unternehmerinnen und Unternehmer in der Region seit fast 20 Jahren. Als geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens Press Medien GmbH & Co. KG in Detmold ist er in den Geschäftsfeldern Magazin- und Fachbuchverlag, Druckdienstleistungen und Projektagentur tätig. Seine persönlichen Themenschwerpunkte sind B2B-Marketing, Medien und Kommunikationsstrategien.

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