Werkswohnungen: Die Lösung für glückliche Mitarbeiter?

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Wer eine Wohnung sucht, dem bietet das Internet viele Möglichkeiten: Ob über Immobilienportale oder soziale Plattformen wie Facebook – mit wenig Aufwand erhält man einen Überblick über aktuelle Wohnungsangebote. Wer also eine Wohnung im Raum Ostwestfalen-Lippe/Münster/Osnabrück sucht, beispielsweise in Recklinghausen, braucht nur auf die Internetseiten von Anbietern wie grandcityproperty.de zu gehen und findet dort alle Informationen über aktuelle Angebote samt Bildergalerien.

Doch auf der anderen Seite erweist sich die Wohnungssuche trotz der praktischen Onlineportale als gar nicht so einfach: Die Wohnungsknappheit in Deutschland wird immer akuter. Rund 800.000 Wohnungen sollen Experten zufolge schon am Markt fehlen – Tendenz steigend. Besonders betroffen sind Großstädte. Hier bewerben sich nicht selten Hunderte Menschen auf eine einzige Wohnung. Angesichts dieser Entwicklung ist es nicht verwunderlich, dass sogenannte Werkswohnungen wieder einen Aufschwung erleben. Immer mehr Unternehmen – auch aus OWL – bieten derzeit ihrer Belegschaft Wohnungen zu günstigen Konditionen an. Schließlich macht sie das als Arbeitgeber attraktiver. Doch ist die Mietswohnung vom Arbeitgeber wirklich eine gute Alternative?

Das Konzept ist keineswegs neu. Schon im 19. Jahrhundert schufen Arbeitgeber günstige Wohnungen für ihre Mitarbeiter. Damals suchten die ersten großen Fabriken in Deutschland zahlreiche Mitarbeiter, die jedoch aufgrund der Wohnungsknappheit nirgendwo unterkommen konnten. An diesem Punkt sprangen die Unternehmen ein: Sie bauten Siedlungen, um ihren Beschäftigten bezahlbaren Wohnraum anbieten zu können. Davon erhofften sie sich, die Mitarbeiter langfristig an das Unternehmen zu binden. Bis 1970 gab es etwa 450.000 Werkswohnungen in Deutschland, die von Konzernen wie der Bahn oder der Post zur Verfügung gestellt wurden. Dann jedoch ließen sich immer mehr Firmen von der sogenannten Privatisierungseuphorie anstecken und wollten ihre Bilanzen um Immobilien entlasten.

Comeback der Werkswohnung

Nun scheint sich erneut ein Kurswechsel anzukündigen, denn Werkswohnungen kommen wieder in Mode. So besitzen aktuell Konzerne wie Audi oder Bosch Werkswohnungen für ihre Mitarbeiter. Und auch der Autohersteller VW stellt seinen Arbeitskräften in Wolfsburg rund 9.000 Wohnungen zur Verfügung. Während diese noch vor ein paar Jahren teilweise leer standen, ist die Nachfrage angesichts der steigenden Mieten und des begrenzten Wohnungsangebots in der Region nun wieder enorm. Indes sind sogar weitere Werksimmobilien bei VW in Planung. Doch es stellt sich die Frage, warum Unternehmen nicht einfach höhere Gehälter zahlen, statt mit günstigen Wohnungen zu werben. Hier liefert das Wort „Attraktivität“ die entscheidende Antwort. Denn zum einen machen sich Arbeitgeber im Kampf um qualifizierte Arbeitskräfte attraktiver, wenn sie als Bonus eine günstige Wohnung anbieten können, zum anderen wollen sie vermeiden, ihren Arbeitnehmern Jahr für Jahr mehr Geld bezahlen zu müssen, um sie an sich zu binden.

Doch trotz des verlockenden Angebots gibt es bei Werkswohnungen einiges zu beachten. So sollten Beschäftigte beispielsweise klären, an welche Bedingungen die Miete gebunden ist. Gilt der Mietvertrag beispielsweise ausschließlich für die Dauer des Arbeitsvertrages, droht bei Kündigung auch der Verlust der Wohnung. Zudem ist das Angebot einer Werkswohnung für Arbeitnehmer nur interessant, wenn der Arbeitgeber die Versteuerung des geldwerten Vorteils übernimmt: Die Differenz zwischen der günstigen Miete der Werkswohnung und der ortsüblichen Vergleichsmiete muss versteuert werden. Mit dem Gesetz zur steuerlichen Förderung des Mietwohnungsneubaus ist eine staatliche Unterstützung in Planung, die den verwaltungstechnischen Aufwand für Firmen minimieren und den Anreiz, auch künftig Mitarbeiterwohnungen zur Verfügung zu stellen, vergrößern soll.

Veröffentlicht von

Peer-Michael Preß

Peer-Michael Preß – Engagement für die Unternehmerinnen und Unternehmer in der Region seit fast 20 Jahren. Als geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens Press Medien GmbH & Co. KG in Detmold ist er in den Geschäftsfeldern Magazin- und Fachbuchverlag, Druckdienstleistungen und Projektagentur tätig. Seine persönlichen Themenschwerpunkte sind B2B-Marketing, Medien und Kommunikationsstrategien.

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