Niedrige Zinsen, lohnenswerte Investitionen?

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Das Signal der Notenbanken von Tokio bis Frankfurt ist seit Monaten bzw. Jahren eindeutig: Unternehmen und Konsumenten sollen investieren und konsumieren – schließlich bringt es teils schon weniger als nichts, Geld über klassische Anlageformen anzusparen. Funktioniert das?

Das weltweite Nachfrageinstrument

In der Eurozone liegt der Leitzinssatz seit Anfang 2016 unverändert bei 0%. Das führt teils zur eigentlich ziemlich skurrilen Konstellation, dass man für Spareinlagen keine Zinsen mehr bekommt, sondern welche zahlen muss – Sparen wird so effektiv zur Geldverbrennungsmaschine. Rechnet man noch die Teuerungsrate mit ein, ist der negative Effekt der Nullzinspolitik auf klassische Anlageprodukte noch drastischer. Gleichzeitig sind die Zinsen für Kredite fast schon verschwindend niedrig

Aber nicht nur in Euroland versucht man so, die Wirtschaft anzukurbeln. Schaut man sich etwa die Zinsen für Baudarlehen in der Schweiz an, stellt man fest: Bei den Eidgenossen sieht es ganz ähnlich aus: Zinsfestschreibungen auf 20 Jahre zu weniger als 2,5% sprechen eine deutliche Sprache. Schaut man über den großen Teich, offenbart sich ein ähnliches Bild: In den USA erhöhte die dortige Notenbank Fed den Leitzins jüngst zwar auf 1,0–1,25%, das ist aber immer noch weit unter einem Niveau, das das Prädikat „normal“ verdient hätte.

Allerdings ist der Effekt dieser Geldpolitik überschaubar – in Deutschland ist zum Beispiel die Sparquote trotz Minizinsen unverändert hoch.

Immobilien, Autos, Investitionen?

Das mag auch daran liegen, dass niedrige Zinsen nicht allein als Anreiz zum Investieren ausreichen, denn schließlich müssen auch die anderen Rahmenbedingungen stimmen. So brummt zwar der deutsche Immobilienmarkt, da viele Investoren nach renditestarken, aber sicheren Alternativen zu Tagesgeld & Co. suchen. Dazu kommt die Nachfrage all jener, die die niedrigen Zinsen zum Anlass nehmen, in die eigenen vier Wände umzuziehen. Das hat zu einem – je nach Ort – extrem überhitzten Immobilienmarkt geführt, in dem die Preise weit höher als der Wert der einzelnen Objekte sind. Dadurch verliert der Haus- oder Wohnungskauf derzeit an Attraktivität.

Eine potenziell lohnenswertere Investition stellt da ein neues Automobil dar. Dieselfahrzeuge sind derzeit besonders günstig zu haben, werden allerdings immer weniger nachgefragt. Und Elektromobilität ist für viele trotz staatlicher Förderung noch kein Thema – die meisten verfügbaren Modelle sind immer noch sehr teuer und haben eine nur geringe Reichweite.

Bei solchen Voraussetzungen bringen auch niedrige Zinsen nichts, und auch Unternehmer nehmen die Situation nicht zwingend als Chance für Investitionen wahr – denn auch hier muss für einen solchen Schritt mehr stimmen als nur die Finanzierungskonditionen.

Veröffentlicht von

Peer-Michael Preß

Die Themenschwerpunkte des Autors sind B2B-Marketing, Medien und Kommunikationsstrategien und deren Umsetzung in der Praxis.

Seitb 20 Jahren ist er geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens Press Medien GmbH & Co. KG mit den Tätigkeitsbereichen Buch- und Zeitschriftenverlag, Druckerei und Medienagentur.

Er absolvierte die Ausbildung zum Verlagskaufmann in der Gundlach Gruppe, Bielefeld, und schloss erfolgreich ein Studium zum Betriebswirt mit Abschlussarbeit im Bereich Marketing zum Thema „E-Commerce in der graphischen Industrie“ ab.

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