Wirtschaftslage Mittelstand im Münsterland 2012

Münster. Zur Datenbasis: Creditreform befragte im März dieses Jahres knapp 900 kleine und mittlere Unternehmen im Münsterland zur aktuellen Wirtschaftslage, den Geschäftserwartungen und zu Liquidität und Eigenkapitalausstattung.

Die Zuversicht für die weitere Entwicklung der deutschen Wirtschaft steigt. Nachdem zunächst von einer deutschen Stagnation in einem rezessiven europäischen Umfeld die Rede war, wird inzwischen davon ausgegangen, dass Deutschland 2012 stärker wachsen wird als erwartet. So könnte die Stimmung des Mittelstands im Münsterland kaum besser sein. Auf die Frage nach der aktuellen Geschäftslage antworten mit 64,5 Prozent fast zwei Drittel (Vorjahr: 57,8 Prozent) der Unternehmen im Münsterland mit sehr gut bis gut. Deutschlandweit schließen sich dieser Bewertung 58,6 Prozent (Vorjahr: 53,0 Prozent) der Unternehmen an. So werden die sehr positiven Prozentwerte aus dem letzten Jahr im aktuellen Jahr noch übertroffen.

Umsatzentwicklung mit leichter Delle
Das Resümé der Umsatzentwicklung ist zwar auch überwiegend positiv, kann jedoch mit der aktuellen extrem guten Stimmung im Hinblick auf die aktuelle Geschäftslage nicht ganz mithalten. Insgesamt bilanzieren die Unternehmer im Münsterland ein besseres Umsatzjahr als es deutschlandweit der Fall ist. Gut 45 Prozent (Vorjahr: 50,4 Prozent) der münsterländischen Mittelständler melden ein Umsatzplus, das sind rund fünf Prozent weniger als noch vor einem Jahr. Deutschlandweit berichtet nur noch jedes vierte Unternehmen (25,4 Prozent, Vorjahr: 32,7 Prozent) von Umsatzsteigerungen. Gleichzeitig nimmt der Anteil der Firmen mit Umsatzeinbußen wieder zu. Bei rund jedem fünften Unternehmen (Münsterland: 18,4 Prozent, Deutschland: 22,3 Prozent) hat sich die Umsatzlage verschlechtert. Der Saldo aus gestiegenen und gesunkenen Umsätzen liegt im Münsterland mit plus 26,9 Prozentpunkten (Deutschland: plus 3,1 Punkte) deutlich im Positivbereich, allerdings liegt der Wert klar unter dem Vorjahreswert von 40,5 Prozentpunkten (Deutschland: 13,2 Zähler). In allen vier Hauptwirtschaftsbereichen dominiert der Anteil der befragten Mittelständler im Münsterland, die ein Umsatzplus verzeichnen, wobei im Verarbeitenden Gewerbe sowie im Handel weniger, im Bau und Dienstleistungsbereich hingegen mehr positive Umsatzmeldungen als im Vergleich zum Vorjahr registriert wurden. So im Verarbeitenden Gewerbe 44,2 statt 60,3 Prozent, im Handel 46,2 statt 55,9 Prozent und im Bau 39,1 Prozent (Vorjahr: 35,4 Prozent) sowie im Dienstleistungsgewerbe 50 Prozent (Vorjahr: 43,6 Prozent).

Eingetrübte Ertragslage
Analog zu den leicht nachlassenden, jedoch nach wie vor positiven Umsatzentwicklungen sind im Vergleich zum Vorjahr auch die Gewinnentwicklungen rückläufig.
Der Anteil der Mittelständler mit gestiegenen Ertragszahlen ist im Münsterland im Vergleich zum Vorjahr mit 32 Prozent konstant. Deutschlandweit berichten mit gut 18 Prozent der Firmen 4,5 Prozent weniger als im Frühjahr 2011 von Gewinnzuwächsen.
Demgegenüber stehen sowohl in unserer Region als auch in Gesamtdeutschland immer mehr Unternehmen mit Gewinneinbußen. Das ist jeder vierte bis fünfte Betrieb im Münsterland (22,2 Prozent) und 28,6 Prozent der Firmen in Deutschland.

Hohe Nachfrage nach Arbeitskräften – Mittelstand weiter einstellungsfreudig
Der Personalbedarf in unserer Region ist zunehmend hoch. 41 Prozent (Vorjahr: 37,3 Prozent) der Unternehmen stockten im Verlauf des letzten Jahres ihr Personal auf. Dem stehen nur noch 8,5 Prozent (Vorjahr: 12,7 Prozent) gegenüber, die Personal entließen, um ihre Belegschaft zu verkleinern. Deutschlandweit zeigten sich die Betriebe nicht ganz so einstellungsfreudig. Nicht einmal jeder vierte Betrieb (23,2 Prozent, Vorjahr: 24,3 Prozent) stellte zusätzlich Personal ein.

Für die kommenden Monate haben die mittelständischen Unternehmen weiteren Personalbedarf angekündigt. 29,1 Prozent (Vorjahr: 33,6 Prozent) der münsterländischen Firmen und 22 Prozent (Vorjahr: 25,1 Prozent) der deutschen Unternehmen planen, vermehrt Personal einzustellen. Entlassungen sind nur bei rund fünf Prozent (Münsterland: 5,1 Prozent, Deutschland: 4,8 Prozent) der Betriebe geplant. Die Mehrheit der Mittelständler (Münsterland: 62,4 Prozent, Deutschland: 72,7 Prozent) wird allerdings seine Belegschaftsgröße konstant halten. Einen weiterhin hohen Personalbedarf weist das Dienstleistungsgewerbe in unserer Region auf. 36,2 Prozent der Dienstleistungsunternehmen wollen zusätzlich Mitarbeiter einstellen. Im Handel planen derzeit 26,9 Prozent der Unternehmen Neueinstellungen, im Baugewerbe sind dies 26,1 Prozent und im Verarbeitenden Gewerbe 26,0 Prozent.

Gute Umsatzprognosen – aber zurückhaltender als im Vorjahr
Die Umsatzprognosen der befragten Unternehmen sind nach wie vor sehr optimistisch, wenn auch etwas vorsichtiger als noch vor einem Jahr. 43,6 Prozent der Betriebe im Münsterland (Deutschland: 37,6 Prozent) rechnen damit, ihren Umsatz im laufenden Jahr ausweiten zu können. Vor einem Jahr zeigte gut jeder zweite Firmeninhaber (54,9 Prozent) in unserer Region diesen Optimismus (Deutschland: 43,9 Prozent). Durchweg in allen vier Hauptbranchen sind die Umsatzprognosen verhaltener als im Vorjahr. Im Handel zeigen sich 48,1 Prozent (Vorjahr: 55,9 Prozent) der münsterländischen Unternehmer zuversichtlich, im Dienstleistungsbereich sind es 48,3 Prozent (Vorjahr: 52,7 Prozent), im Verarbeitenden Gewerbe 42,9 Prozent (Vorjahr: 67,1 Prozent) und im Baugewerbe nicht einmal jeder Dritte mit 32,6 Prozent (Vorjahr: 37,5).

Investitionsfreudigkeit im Münsterland übertrifft erneut deutlich die Investitionsplanung in Gesamtdeutschland
Knapp drei Viertel (73,9 Prozent, Vorjahr: 72,1 Prozent) der Betriebe im Münsterland planen im Geschäftsjahr 2012 zu investieren. In Deutschland hat jeder zweite Betrieb (50,6 Prozent, Vorjahr: 53,4 Prozent) Investitionsvorhaben auf der Agenda. Das Investitionsvolumen liegt in unserer Region per Saldo aus geplanten höheren und niedrigeren Investitionsvolumina unter dem Zuwachs des Vorjahres, aber mit plus 26 Prozent wächst das Investitionsbudget erneut insgesamt deutlich. Zwar hat wiederholt die Mehrheit (63,6 Prozent) der investitionsbereiten Unternehmen Ersatzinvestitionen angekündigt (Vorjahr: 70,5 Prozent), jedoch sieht der Mittelstand im Münsterland offenbar weitere Wachstumschancen. So hat mit 53,2 Prozent der Anteil der Betriebe leicht zugenommen (plus 2,1 Prozentpunkte), die ihre Kapazitäten mit entsprechenden Investitionsvorhaben erweitern möchten. In Deutschland zeichnet sich ein geringfügiger Rückgang bei Erweiterungsinvestitionen um knapp minus zwei Prozentpunkte auf 50,6 Prozent ab.

Gut gewappnet durch Stärkung des Eigenkapitals
Seit der Wirtschaftskrise in 2009 sind die Mittelständler insbesondere in unserer Region für die Bedeutung einer soliden Eigenkapitalausstattung sensibilisiert. So zeichnet sich seither ein stetiges Aufpolstern der Eigenkapitalquoten bei einem Großteil der Unternehmen im Münsterland ab. 42,1 Prozent der hiesigen Betriebe weisen eine solide Eigenkapitalquote von mehr als 30 Prozent zur Bilanzsumme auf. Im vergangenen Jahr waren es noch 38,6 Prozent. Die meisten finanziell defizitär aufgestellten Betriebe finden wir nach wie vor im Baugewerbe (Münsterland: 19,6 Prozent, Deutschland: 39 Prozent) und im Dienstleistungsbereich (Münsterland: 19 Prozent, Deutschland 32 Prozent). Unter den Mittelständlern im Münsterland sind 28,3 Prozent der Bauunternehmen (Deutschland: 15,2 Prozent) und 34,5 Prozent der Dienstleister (Deutschland: 26 Prozent) krisensicher kapitalisiert. Im Verarbeitenden Gewerbe ist es hingegen fast jedes zweite Unternehmen (49,4 Prozent; Deutschland: 35 Prozent). Der Handel kommt auf eine Quote von 42,3 Prozent gut finanzierter Betriebe.

Nicht einmal jeder zweite öffentliche Kunde im Münsterland zahlt pünktlich
Seit Jahren ist das Zahlungsverhalten der Kunden im Münsterland schlechter als in Gesamtdeutschland. Doch zeichnet sich seit 2011 eine positive Trendwende bei den privaten und gewerblichen Kunden ab. Während sich das Zahlungsverhalten dieser Kunden in unserer Region im Vergleich zum Vorjahr weiter verbesserte, hat es sich deutschlandweit geringfügig verschlechtert. So zahlen die privaten und gewerblichen Kunden im Münsterland zu 81 Prozent (Vorjahr:77,8) pünktlich innerhalb von 30 Tagen nach Rechnungsstellung. In Deutschland sind es mit 82,6 Prozent (Vorjahr: 83,7 Prozent) geringfügig mehr. Bei den öffentlichen Kunden sieht es etwas anders aus: Nicht einmal mehr jeder Zweite (47,8 Prozent) dieser Kundengruppe zahlt hier vor Ort pünktlich. Das entspricht einer Verschlechterung um 12,3 Prozentpunkte im Vergleich zum Vorjahr. Dem stehen 71 Prozent der öffentlichen Kunden in Gesamtdeutschland gegenüber, die innerhalb von 30 Tagen nach Rechnungsstellung zahlen (Vorjahr: 67,5 Prozent).

Höhere Anforderungen an Kreditnehmer
Die Bankkreditvergabe ist weniger restriktiv als noch in 2010, allerdings haben sich die Anforderungen an die Kreditnehmer durchaus erhöht. Auf die Frage, welche Veränderungen Unternehmen bei einer zukünftigen Kreditaufnahme erwarten, befürchten knapp 40 Prozent der Mittelständler in unserer Region, dass höhere Sicherheiten verlangt werden, 35,9 Prozent rechnen mit einer intensiven Prüfung des Kreditwunsches durch die Bank und 24,4 Prozent erwarten steigende Kreditzinsen.

Veröffentlicht von

Peer-Michael Preß

Die Themenschwerpunkte des Autors sind B2B-Marketing, Medien und Kommunikationsstrategien und deren Umsetzung in der Praxis.

Seitb 20 Jahren ist er geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens Press Medien GmbH & Co. KG mit den Tätigkeitsbereichen Buch- und Zeitschriftenverlag, Druckerei und Medienagentur.

Er absolvierte die Ausbildung zum Verlagskaufmann in der Gundlach Gruppe, Bielefeld, und schloss erfolgreich ein Studium zum Betriebswirt mit Abschlussarbeit im Bereich Marketing zum Thema „E-Commerce in der graphischen Industrie“ ab.

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